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    AW: Generationenübergreifende Familienkonflikte und ihre Bewältigungsmöglichkeiten

    Nein, ich hab keine Kinder, es hat sich nicht ergeben und vielleicht ist es auch besser so.

    So ganz hab ich das System noch nicht hinter mir lassen können. Durch den Strang von RS ist viel wieder hochgekommen.
    Als kind wollte ich immer später niemals so ein schlechtes Verhältnis zu meiner Mutter haben wie meine Mutter zu meiner Oma, es ist aber genauso.

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    AW: Generationenübergreifende Familienkonflikte und ihre Bewältigungsmöglichkeiten

    Zitat Zitat von Mitternachtsblau Beitrag anzeigen
    Das ist eigenartig.
    Ich habe bei meiner Mutter beobachtet, dass außer meinen Großeltern so ziemlich alle Menschen früher oder später einen angstbesetzten Bogen um sie machten. Teils, weil ihre Wutausbrüche wirklich bemerkenswert sind, teils, weil sie so komplett uneinschätzbar ist.
    Meine Mutter schafft es. Auch wenn ihr berechtigterweise vorgeworfen wird, sie sei so tyrannisch wie ihr Vater. Das ist sie.

    Noch heute werde ich in der Familienideologie ausgegrenzt. Meine Tante hat ein Patenkind. Dies ist meine Scchwester. Ich als Nichte existiere nicht. Ist das die Ideologie meiner Mutter oder etwas anderes? Vermutlich ja. Keine Ahnung.

    Ich arbeite immer noch daran, ja.

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    AW: Generationenübergreifende Familienkonflikte und ihre Bewältigungsmöglichkeiten

    Zitat Zitat von Mitternachtsblau Beitrag anzeigen
    Ich kann absolut verstehen, wenn Menschen keine Kinder wollen - ich wollte welche, ganz früh und ganz viele.
    Ich wollte nie Kinder und war der Überzeugung, ich wäre eine ganz furchtbare Mutter. Jetzt bin ich froh doch noch Mutter geworden zu sein, wenn auch spät, und glaube dass ich meinen Job zumindest hinreichend gut mache.

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Naja, was heißt Ansprechpartner in der nächstälteren Generation? Die hatte ich ja, meine Mutter (die mir immer nur sagte, ich solle es genau so machen wie sie damals, dann hätte ich auch so brave stille Kinder wie sie eins hatte), aber was nützt das, wenn man es so eben nicht machen will?
    Mir bringen Ratschläge von der vorherigen Generation auch wenig. Vieles will ich einfach anders machen und zudem merkt man meiner Mutter und meiner Schwiegermutter sehr stark an, dass die Kleinkindzeit bei ihnen laaaange her ist - da ist vieles in nostalgischer Verklärung untergegangen.

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Was allerdings die späteren Jahre angingen, ging auch bei mir eine Spaltung durch die Auffassungen. Ich selbst, Baujahr 1959, wurde in den ausgehenden 60igern/Anfang der 70er praktisch draußen groß.
    Ich bin jünger als du, aber dieses draußen groß werden und viele Freiheiten haben gehört für mich zu den positiven Erinnerungen meiner Kindheit.

    Meine Mutter hat allerdings auch viel für und mit uns gemacht, vor allem im Kreativbereich (sie ist Pädagogin), aber da hatte ich ganz oft das Gefühl, sie macht das nicht aus Freude an der gemeinsamen Beschäftigung mit dem Kind, sondern das ist eher so ein Ego-Ding.

    Ein Kollege von mir hat mal am schwarzen Brett so einen Sinnspruch aufgehängt: "Was du nicht mit Freude machst wird auch anderen keine Freude machen." Das finde ich sehr treffend. Ich denke, Kinder merken es, wenn es eigentlich nicht um sie geht.

    Zitat Zitat von Mitternachtsblau Beitrag anzeigen
    Ich habe die Eigenschaft, in Situationen, die mir dauerhaft nicht guttun, schlicht wegzugehen.
    (...)
    Mir drängt sich seit Jahrzehnten der Eindruck auf, dass ich nur sehr selten tiefere zwischenmenschliche Bindungen eingehe.
    Das kommt mir sehr bekannt vor. Wobei ich bezüglich der Beziehung zu meinen Eltern leider nicht ganz deine Klarheit habe.

    Aber ich habe bei anderen Menschen den siebten Sinn für "ungesunde" Persönlichkeitsstrukturen und gehe sofort auf Distanz.
    Die Kehrseite der Medaille ist aber, dass dieser Sinn auch oft Fehlalarm gibt und ich deshalb generell misstrauisch bin. Das breche ich aber gerade auf, weil was schon sehr einsam macht auf Dauer.

    Zitat Zitat von Zikade Beitrag anzeigen
    Bei mir ist es so, dass nahezu die gesamte Familie die Machenschaften meiner Mutter zu unterstützen scheint. Ich frage mich sehr oft, was sie antreibt. Und ich will da aussteigen, weil ich es schrecklich finde.

    Men Vater, seit gut 30 Jahren von meiner Mutter geschieden und wegen eines Anderen "sitzen gelassen", erwiderte auf Nachfragen nur, sie sei halt schwierig. Es läge an ihrer Kindheit...davon bin ich überzeugt, aber mir als Tochter gegenüber finde ich das wenig.
    Haben wir den gleichen Vater ? Mein Vater ist auch trotz Trennung vor Jahrzehnten (in seinem Fall hatte er allerdings eine andere) eisern dabei geblieben, kein schlechtes Wort über meine Mutter zu verlieren. In den letzten Jahren weicht es etwas auf, aber geht eben in die Richtung "na ja, sie hat es auch nicht leicht gehabt...". Dabei ist er vom Fach und müsste schon früh erkannt haben, dass da definitiv was nicht stimmt.

    Ich denke diese Verstrickung ist wohl ein Merkmal dysfunktionaler Familien. Alle hängen mit drin, entweder durch aktives Handeln oder durch passive Duldung.

  4. Inaktiver User

    AW: Generationenübergreifende Familienkonflikte und ihre Bewältigungsmöglichkeiten

    Zitat Zitat von Mitternachtsblau Beitrag anzeigen
    @Tigerente: hast du denn jetzt einen Modus mit deiner Mutter gefunden, ihren Kontakt mit dir und vor allem auch deinen Kindern so zu gestalten, dass es für alle Beteiligten in Ordnung ist?
    Mitternachtsblau, ob es für alle Beteiligten in Ordnung ist, weiß ich nicht. Für mich und die Kinder ist es gerade okay, was mit meiner Mutter ist, weiß ich nicht - es gab in der Vergangenheit schon öfter den Fall, dass sie mir das eine erzählt hat und anderen das Gegenteil, insofern könnte ich ihr ohnehin nichts glauben, was sie dazu sagen würde. Wir waren jetzt schon sehr lange nicht mehr bei meiner Mutter zu Besuch - geplant war ein kurzer Wochenendbesuch im November, das haben wir dann aber irgendwie nicht geschafft und gecancelt. Sie war dann an Weihnachten bei uns, fast 5 Tage, aber das war relativ entspannt, weil wir bis kurz vor Schluss arbeiten mussten, dann noch heftig mit dem 80. Geburtstag meiner Schwiegermutter beschäftigt waren und die Zeit so sehr schnell verging. Nun fahren wir (wie jedes Jahr) an Ostern hin, die Kinder freuen sich auch schon (im November hatten sie gar keine Lust), die Pause war jetzt doch lang.
    Mal sehen - ich habe kein klärendes Gespräch mit ihr geführt, ich glaube, sie war bei der Absage des Besuchs im November halb traurig und halb erleichtert, weil auch sie die Besuche als anstrengend empfindet. Interessanterweise sind auch am Telefon ihre Erzählungen über die tolle niedliche kleine Nachbarstochter weniger geworden - ob's da die ersten Enttäuschungen gab oder ob sie eingesehen hat, dass es sie ihrer Tochter und ihren Enkeln nicht näher bringt, wenn sie ständig von einem Kind erzählt, das genau so ist, wie sie sich eine Enkelin wünscht - ich weiß es nicht.
    Es gibt so vieles, aus dem sie sich selbst auch rauszieht. Sie hat uns zu Weihnachten Geld geschenkt, ich habe dafür für die ganze Familien Karten für eine tolle Zaubershow gekauft und sie auch gefragt, ob sie nicht ein paar Tage herkommen möchte und dann mit uns hingehen. Sie hat lange überlegt und dann mit fadenscheinigen Ausreden abgesagt (sie sei nicht mehr so gut zu Fuß, dabei muss man nur ca. 400 m von der Straßenbahnhaltestelle zum Veranstaltungsort laufen - im gleichen Telefonat erzählt sie mir dann von dem Spaziergang, den sie am Vortag gemacht hat - das waren locker 2,5 km).
    Wir telefonieren weiter ca. einmal pro Woche, manchmal versuche ich, was von uns zu erzählen, aber sie versinkt immer mehr in ihrer eigenen Welt und hört überhaupt nicht mehr zu, erzählt nur noch, was bei ihr im Dorf erzählt. Selbst wenn ich versuche, nicht über uns zu reden, sondern ihren Hang zu Klatsch und Tratsch zu befriedigen, mit Dingen, die sie noch vor ein paar Jahren interessiert hätten (alle Details zur Trennung unserer Nachbarn), unterbricht sie sehr schnell und erzählt wieder von irgendwas, was sie beschäftigt.
    Es ist echt schwer - mein Kleiner hat kürzlich auf youtube Filmchen entdeckt, wo man sieht, wie supertolle Torten gemacht werden, was ihn schwer fasziniert. Ich habe mit ihm auch schon begeistert geschaut, wir hatten dabei zusammen Spaß. Meine Mutter ist eine begeisterte Bäckerin und schaut unheimlich gerne Kochshows im Fernsehen. Also dachte ich, super, da ist doch mal ein Berührungspunkt, und habe dem Kleinen gesagt, "das musst Du mal mit der Oma gemeinsam gucken, wenn sie zu Weihnachten hier ist". Hat er gemacht, ist fröhlich zu ihr hingegangen und hat sie eingeladen, das mit ihm zu schauen "Oma, das musst Du sehen, das ist echt unglaublich, was die da alles machen" - sie hat eher pflichtschuldigst mitgeschaut, es kamen wenig Reaktionen, sie wirkten alle sehr reserviert. Mit dem Herzen war sie nicht dabei (ist aber durchaus in der Lage, kurz danach zu erzählen, was sie selbst wieder Tolles bei "Das Große Backen" gesehen hat). Er hat dann lieber wieder alleine oder mit mir geschaut.

    Sorry an alle anderen für das off-topic, das bezieht sie auf einen alten Strang von mir, aber weil mitternachtsblau hier gefragt hat, dachte ich, ich antworte auch hier.
    Geändert von Inaktiver User (10.03.2018 um 16:26 Uhr)

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    AW: Generationenübergreifende Familienkonflikte und ihre Bewältigungsmöglichkeiten

    Tigerente, das ist meiner Ansicht nach kein Stück ot, sondern passt exakt ins Thema!
    Ich bin allerdings schon mit einem Fuß zur Tür raus, deswegen jetzt nur so kurz ...
    Gesegnet seien jene, die nichts zu sagen haben und den Mund halten.

    Oscar Wilde

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    AW: Generationenübergreifende Familienkonflikte und ihre Bewältigungsmöglichkeiten

    Die emotionale Loslösung ist auch für mich noch ein schwieriges Thema. Zusammengenommen sind es meine schmerzhaften Kindheitserfahrungen, die sich aber auch in meinem erwachsenen Jahren wiederholten. Telefonanrufe (Mutter) Forderugen (ihre Art mich zu dominieren) Erklärung meinerseits vorsichtig (um nicht die Wut zu wecken) hatten nie Erfolg ich bekam meine Lektion und war hilflos ausgeliefert. Ich habe geweint und nicht verstehen können ,wie konnte sie so böse sein.
    In den Beiträgen konnte ich mich wiederfinden.
    Bin nun schon etwas älter und habe die Verletzungen der Mutter schon einordnen können und die Zeit heilt nicht aber es tut nicht mehr weh. Doch heute treffen mich Aussagen und Verhalten in der Art meiner Schwester wieder. Ich bin nicht durch und muß auf die Triggerpunkte achten. Die Schwester hat viel von Mutter übernommen, war ja auch immer mit ihr zusammen im Zweifamilienhaus.
    Ich habe gelernt mich zurück zu ziehen und doch treffen mich ihre Pfeile schon, schließlich ich bin auch ein Familienmensch
    Danke für die wertvollen Beiträge.!
    Und bin immer wieder im selben Modus , ich möchte einen guten Kontakt aber leider findet der im wesentlichen nach ihren
    Regeln,Überzeugungen etc. statt. Mein Leben und mein erworbenes Wissen werden sofort vom Tisch gewischt.
    Das ärgert mich und ich finde es sehr traurig auch wenn ich weiß that`s life!
    Geändert von heimat (12.03.2018 um 09:05 Uhr)

  7. Inaktiver User

    AW: Generationenübergreifende Familienkonflikte und ihre Bewältigungsmöglichkeiten

    Zitat Zitat von Mitternachtsblau Beitrag anzeigen
    Tigerente, das ist meiner Ansicht nach kein Stück ot, sondern passt exakt ins Thema!
    Ja, da hast Du natürlich Recht, aber das verstehen nur die, die meinen damaligen Strang gelesen haben.
    Ich versuche mal zu verlinken, weiß nicht ob es klappt
    Oma - Enkel - Diplomatie

    Wer mag, kann das gerne lesen, ansonsten gebe ich gleich mal die Zusammenfassung der Teile, die hier relevant sind.

  8. Inaktiver User

    AW: Generationenübergreifende Familienkonflikte und ihre Bewältigungsmöglichkeiten

    So, jetzt bin ich Euch aber erstmal meine Mutter-Geschichte schuldig.

    Meine Mutter wurde zum Kriegsende geboren, hatte zwei 8 bzw. 10 Jahre ältere Schwestern und war allen Aussagen nach ein "Ausrutscher" und meiner Oma peinlich (meine Oma war Mitte 30). Ich vermute, in die Peinlichkeit spielte auch rein, dass meine Oma "Glück" gehabt hatte, dass mein Opa mit einer minderschweren Kriegsverletzung (genug, um definitiv ausgemustert zu werden, auch genug, um seinen eigentlichen Handwerksberuf nicht mehr professionell ausüben zu können) rechtzeitig, bevor es richtig übel wurde, von der Ostfront zurückgekommen war, und sie das Zeichen dieses Glücks mit ihrem dicken Bauch vor sich hertrug, während andere Freunde ihres Mannes in russische Gefangenschaft gingen. Meine Mutter hat mal erzählt, dass meine Oma sich sogar geweigert hat, die Lebensmittelmarken zu benutzen, die ihr als Schwangerer zusätzlich zustanden, obwohl die Familie sie sehr nötig gehabt hätte.
    Also meine Mutter war ein unerwünschtes Kind, und hatte zwei sehr dominante ältere Schwestern, die viel dazu abgestellt wurden, sich um sie zu kümmern, worauf in dem Alter wohl keine so richtig Lust hatte.

    Generell war auch im Erwachsenenalter das Verhältnis meiner Mutter zu ihren Schwestern davon geprägt, dass die Schwestern die "Kleine" nie richtig ernst nahmen und ihr immer erzählen wollte, wo es langging.

    Meine Mutter hatte dann im Leben wohl die Strategie: damit man mich lieb hat, muss ich mich nützlich machen - ihr Lebensinhalt war zu zeigen, dass sie arbeiten kann (bis hin zu heftiger Mithilfe beim Anbau des Hauses, Schleppen schwerer Dinge 2 Jahre nach meiner Geburt, belohnt mit einer Gebärmuttersenkung). Zeigen, dass sie die perfekte Hausfrau ist, die Dinge im Griff hat, man "vom Boden essen kann" etc. Das Kind musste natürlich auch so perfekt wie möglich sein, und sie musste ihm natürlich sagen, wo's langgeht - wäre das Kind alleine in der Welt zurecht gekommen, wäre sie ja überflüssig gewesen.
    Meine Kindheit war geprägt von Sprüchen wie "Du musst mal Karriere machen, Haushalt und Kinder sind nix für Dich." oder "Überleg Dir gut, ob Du Kinder bekommst, die machen so unglaublich viel Arbeit." Aber eben auch (ungewöhnlich für ihre Generation): "Wenn Du doch Kinder bekommen solltest, gib nie Deinen Beruf auf."

    Meine Mutter hatte eine Lehre gemacht, die sie nicht machen wollte - die gleiche wie ihre nächstältere Schwester, die in diesem Beruf aufging, meine Mutter interessierte sich Null dafür, hätte gerne was ganz anderes gemacht, aber meine Großeltern ließen da nicht mit sich diskutieren - und damals hatte man nach Abschluss der Volksschule mit gerade mal 14 keine Chance, da was anderes zu machen. Die älteste Schwester hatte noch auf die höhere Handelsschule gehen dürfen, auch das hätte meine Mutter sich vorstellen können, aber das war dann für das jüngste unerwünschte Kind unnötiger Firlefanz. Meine Mutter hat dann immer im Einzelhandel gearbeitet, anfangs in einem Bereich, der ihrem Lehrberuf sehr nah war. Sie fand das nicht sehr spannend, war aber unter Leuten, das hat ihr gefallen.

    Wir wohnten mit ihren Eltern in einem anfangs Ein-, dann umgebauten Zweifamilienhaus - sozusagen immer unter der Knute der Eltern. Mein Opa war auch so ein Patriarch, dem man nicht quer kommen durfte - da hatte um 12 Uhr mittags das Essen auf dem Tisch zu stehen, oder es gab Ärger. Auch als meine Oma dann schon gestorben war und meine Mutter dann für ihn mitkochte - egal, ob ich um 13:00 Uhr aus der Schule kam, das Essen hatte um 12 Uhr für meinen Opa fertig zu sein und wurde für mich aufgewärmt.
    Meine Oma starb, als ich 8 Jahre alt war - bis dahin hatte sie meiner Mutter ermöglicht, halbtags zu arbeiten, indem sie mittags essen kochte und da war, wenn ich aus der Schule kam, und sich in den Ferien vormittags kümmerte (kümmern hieß damals, da sein und aufpassen, dass das Kind keinen Mist baut - manchmal habe ich mit ihr gekocht, und in den Ferien durfte ich meinen Opa immer auf seiner Morgenrunde durch's Dorf begleiten, Zeitung holen, mit eine paar alten Freunden schnacken - das mochte ich). Aber sie hat z. B. nie abends (obwohl im gleichen Haus wohnend) mal die Verantwortung für mich übernommen, damit meine Eltern mal gemeinsam ausgehen können. Nie für Vergnügen, nur für Arbeit.

    Dann hat meine Mutter nur noch sporadisch, so 1-2 Tage pro Woche gearbeitet - egal wie alt ich wurde, egal wie sehr ich versichert habe, dass ich wirklich groß genug bin, um an Tagen mit nur 4 Schulstunden alleine zu Hause zu bleiben bis sie kam. Sie war sehr kontrollierend, hatte immer massive Ängste, was alles passieren kann (z. B. wenn mein Vater mal eine halbe Stunde oder Stunde später von der Arbeit kam, war sie sich schon sicher, er hätte einen Unfall gehabt), hat mir jeden Morgen beim Frühstück von allen schrecklichen Unfällen, Überfällen etc. erzählt, die in der Zeitung standen. Diese negative Weltsicht und dieses Geglucke hat mich als Jugendliche wahnsinnig gemacht. Aber das konnte und durfte ich nicht zeigen, weil sie auf jede Art von Widerspruch mit emotionaler Erpressung reagiert hat, dass ich sie so traurig mache und so - sie hat klar zu verstehen gegeben, wie wahnsinnig enttäuscht sie ist, dass ich ihr widerspreche, hat sich zurückgezogen, geweint, geschmollt, nicht mit mir gesprochen, auch gedroht, dass sie es meinem Vater erzählt, und dann setzt es Prügel (das kam vor, im "normalen" Rahmen für die frühen 70er, aber heute leugnet sie es und spricht von einem einzigen Mal - das Mal, an das sie sich erinnert, war das letzte Mal, da war ich ca. 13 oder 14 Jahre alt). Eine echte Pubertät hatte ich nicht. Ich habe mich den eigentlich nötigen Auseinandersetzungen dann durch Wegzug mit 21 entzogen und bis dahin größtenteils einen auf liebe brave Tochter gemacht.

    Genau das ist eben das, was ich bei meinen Kindern anders mache - ich lasse ihnen Freiräume, ich setze mich ehrlich mit ihnen auseinander, will diese Tradition des emotionalen Drucks (denn das hat meine Oma auch bei meiner Mutter gemacht) brechen, und das gelingt mir ganz gut. Vielleicht bin ich manchmal nicht nah genug dran, das ist die Kehrseite - da mache ich mir z.B. Vorwürfe, dass ich eine Mobbing-Situation in der Klasses meines Kleinen lange nicht erkannt habe, weil ich nicht genug in ihn gedrungen bin, mir zu erzählen, was da los ist - dass er unglücklich war, habe ich gemerkt, aber der Grund war lange schwer greifbar.

    So, das ist jetzt schon sehr lang, und vieles vielleicht irrelevant, ich suche jetzt nochmal in dem Oma-Strang nach einem Posting, wo der Rest, der hier für diesen Strang relevant ist, gut beschrieben ist und schaue, ob ich das verlinkt bekomme.

    Dieses hier Oma - Enkel - Diplomatie

    dieses Oma - Enkel - Diplomatie

    und dieses Oma - Enkel - Diplomatie

    können m. E. aus dem Zusammenhang gerissen gelesen werden und berühren massiv Punkte, die zu diesem Strang hier passen.
    Geändert von Inaktiver User (11.03.2018 um 14:00 Uhr)

  9. Inaktiver User

    AW: Generationenübergreifende Familienkonflikte und ihre Bewältigungsmöglichkeiten

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Also meine Mutter war ein unerwünschtes Kind, (...)
    ]Meine Mutter hatte dann im Leben wohl die Strategie: damit man mich lieb hat, muss ich mich nützlich machen -
    Meine Kindheit war geprägt von Sprüchen wie "Du musst mal Karriere machen, Haushalt und Kinder sind nix für Dich." oder "Überleg Dir gut, ob Du Kinder bekommst, die machen so unglaublich viel Arbeit." Aber eben auch (ungewöhnlich für ihre Generation): "Wenn Du doch Kinder bekommen solltest, gib nie Deinen Beruf auf."
    Meine Mutter hatte eine Lehre gemacht, die sie nicht machen wollte -
    Dann hat meine Mutter nur noch sporadisch, so 1-2 Tage pro Woche gearbeitet - egal wie alt ich wurde, egal wie sehr ich versichert habe, dass ich wirklich groß genug bin, um an Tagen mit nur 4 Schulstunden alleine zu Hause zu bleiben bis sie kam. Sie war sehr kontrollierend, hatte immer massive Ängste, was alles passieren kann
    Diese negative Weltsicht und dieses Geglucke hat mich als Jugendliche wahnsinnig gemacht. Aber das konnte und durfte ich nicht zeigen, weil sie auf jede Art von Widerspruch mit emotionaler Erpressung reagiert hat, dass ich sie so traurig mache und so -
    Es ist interessant, dass so vieles an den Müttern festgemacht wird. Ich denke, das rührt daher, dass sie diejenigen sind, die für die unmittelbare Erziehung verantwortlich gemacht werden. Sie sind aber selbst Opfer ihrer Erziehung und Lebensumstände, eben auch ihrer Psyche.
    Ich lese diesen Strang mit Interesse und frage mich auch oft, wie geht man mit dysfunktionalen Familien und deren Konflikten um, da ich mit zwei Fällen im familiären Umkreis zu tun habe.
    Ich habe versucht, mich in diese beiden "Persönlichkeitsgestörte" (die nicht aus der gleichen Familie stammen) hineinzuversetzen, um ihnen so vielleicht gedanklich einen Schritt voraus zu sein und ihr Handeln (u.a. auch das oben beschriebene "Lügen" oder "nicht mehr wahrhaben wollen") einordnen zu können.
    Was mir dabei aufgefallen ist, ist das übereinstimmende Gefühl oder die Überzeugung, dass ich (in der Person des Persönlichkeitsgestörten) immer im Leben zu kurz gekommen bin, dass ich nicht das erreicht oder bekommen habe, was mir zusteht. Dass man mir für mein Leben mehr versprochen hat, durch Erziehung (wir sind was Besseres, du stammst aus einer besonderen Familie) oder durch eigene Ansprüche (aus mir wird mal was Tolles, ich schulde meiner Herkunft, meinen Eltern, meinen Geschwistern etwas).
    So geht es wahrscheinlich auch der Mutter von Tigerente. Sie ist nur etwas wert, wenn sie ihre Aufgabe 100 %ig macht, auch wenn sie ihre Aufgabe gar nicht wirklich definieren kann, ein Auseinanderdriften von Realitäten und Wunschvorstellungen. Daher resultieren auch, so vermute ich, die widersprüchlichen Wahrnehmungen.
    Der Wunsch ist der Vater des Gedankens.
    Aber wie geht man nun mit diesen Menschen um? Wie bewältigt man diese Familienkonflikte?
    Es ist sinnlos, immer wieder auf die Realitäten hinzuweisen, sie werden abgewiesen. Es wird nicht gesprochen, verschwiegen, gelogen, Spielchen gespielt, Familienmitglieder aufeinandergehetzt, anderen Menschen mitunter das Leben zur Hölle gemacht.
    Es ist ein Selbstschutz, diese Menschen, so glaube ich, sind panisch vor Angst, wie ein Kartenhaus in sich zusammen zu fallen. Sie tragen ihre äußere" Selbstsicherheit" wie ein Schutzschild vor sich her, sie müssen an ihr Selbstbild glauben.
    Es ist ihre einzige Möglichkeit, mit sich selbst leben zu können.
    Es hilft nichts, Anklage gegen sie zu erheben oder zu versuchen, sie zu ändern oder etwas von ihnen zu erreichen (Einsicht oder Entschuldigung), sie sind in sich gefangen und ich fürchte, dort müssen sie auch bleiben.
    Den "Opfern" hilft es vielleicht, sie nicht mehr als mächtig und bestimmend anzusehen, sondern Mitleid mit ihnen zu haben.
    Es ist schlimm für Kinder, solche Eltern zu haben, und es ist ein steiniger Weg erwachsen zu werden, aber erwachsen sein und erwachsen handeln bedeutet auch, psychisch Kranke als Kranke zu nehmen.

  10. Inaktiver User

    AW: Generationenübergreifende Familienkonflikte und ihre Bewältigungsmöglichkeiten

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Es ist interessant, dass so vieles an den Müttern festgemacht wird. Ich denke, das rührt daher, dass sie diejenigen sind, die für die unmittelbare Erziehung verantwortlich gemacht werden. Sie sind aber selbst Opfer ihrer Erziehung und Lebensumstände, eben auch ihrer Psyche.
    Phaden, ehrlich gesagt wollte ich das mit meinem langen Posting auch ausdrücken. Dass ich weiß, warum meine Mutter so ist, wie sie ist. Ich ihr das auch nicht vorwerfe. Gleichzeitig ringe ich aber auch damit (in letzter Zeit weniger), den Kontakt mit ihr so zu gestalten, dass sie eben durch die Art, wie sie ist, keine "Macht" über mich oder meine Familie hat. Dass wir nicht auch noch zum Opfer ihrer Psyche werden. Das geht leider nur durch sehr klare Abgrenzung (zeitlich, räumlich, innerlich), was zu einer Distanziertheit führt, die eigentlich nicht meine Art ist.
    Und hier in diesem Strang geht es ja darum, wie man solche (teilweise über mehrere Generationen laufenden) Muster durchbrechen kann.

    Warum immer alles an den Müttern festgemacht wird? Weil sie zumindest in der Generation, um die es hier hauptsächlich zu gehen scheint (altersmäßig scheinen sich ja die Schreiberinnen hier zwischen 40 und 60 zu bewegen, oder liege ich da falsch?) die Mütter fast 100% allein verantwortlich für die Kindererziehung waren, und die Väter oft nur eine Randrolle hatten. Weil, wenn in der Familie der Vater der psychisch auffällige Elternteil war, die Mütter ja oft zugesehen und geschwiegen haben (so wie die Väter oft, wenn die Mutter auffällig war). In der weiteren Familie meines Mannes gibt es eine Familie, da war der Vater ein echter "Quartalssäufer" und hat dann die ganze Familie geprügelt. Noch heute werfen die Söhne der Mutter vor, dass sie nicht einfach gegangen ist, sondern das mitgemacht hat. Durchbrochen hat es dann der älteste Sohn, als der 15 oder 16 war hat er sich vor seinen Vater gestellt und gesagt, wenn er noch einmal seine Mutter oder seinen kleinen Bruder schlägt, schlägt er den Vater tot. Und siehe da, der Vater hat es ihm geglaubt (ich glaube, es war auch ernst gemeint) und konnte das mit dem Prügeln lassen, selbst wenn er sturzbesoffen war.
    Beide Brüder haben übrigens keine Kinder, und zwar mit Absicht.

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Was mir dabei aufgefallen ist, ist das übereinstimmende Gefühl oder die Überzeugung, dass ich (in der Person des Persönlichkeitsgestörten) immer im Leben zu kurz gekommen bin, dass ich nicht das erreicht oder bekommen habe, was mir zusteht.
    Ja, das sehe ich auch so. Das beobachte ich auch bei allen diesen Menschen.
    Wie gesagt, ich würde meiner Mutter noch keine Persönlichkeitsstörung (wenn auch durchaus psychische Probleme) andichten, aber auf sie trifft das jedenfalls zu.
    Es ist faszinierend: sie hatte einen schlechten Start ins Leben (den sie aber heute verklärt, sie sagt heute, sie hatte tolle Eltern, die alles richtig gemacht haben), aber dann hatte sie ein wirklich gutes Leben. Sie hatte einen Mann, der sie gern hatte und sehr gut für sie gesorgt hat, ein eigenes Haus mit Garten (sie liebt ihren Garten), keine Geldsorgen, eine Tochter, die völlig entspannt durch Schule und Studium gelaufen ist, mit sehr gutem Job, nettem Mann, zwei Kindern. Natürlich auch mit gewissen Schattenseiten, aber die hat ja jedes Leben. Sie selbst sieht nur, dass ihre Tochter nicht bei ihr im Zweifamilienhaus wohnt, wie sie es erträumt hätte, ihr nicht die Enkel zur Aufzucht und Pflege überlässt (während die Tochter besser ganztags arbeitet, das kann sie eh besser als Kinder erziehen), die Tochter 250 km weit weg in der bösen Großstadt wohnt und noch nicht mal täglich mit ihr telefoniert, die Enkel keine lieben Mädchen sondern wilde Jungs sind usw.


    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Es ist ein Selbstschutz, diese Menschen, so glaube ich, sind panisch vor Angst, wie ein Kartenhaus in sich zusammen zu fallen. Sie tragen ihre äußere" Selbstsicherheit" wie ein Schutzschild vor sich her, sie müssen an ihr Selbstbild glauben.
    Es ist ihre einzige Möglichkeit, mit sich selbst leben zu können.
    Und es ist ihnen aber nicht bewusst klar. Das steckt ganz tief in ihnen drin, dazu haben sie gar keinen Zugang.

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Es hilft nichts, Anklage gegen sie zu erheben oder zu versuchen, sie zu ändern oder etwas von ihnen zu erreichen (Einsicht oder Entschuldigung), sie sind in sich gefangen und ich fürchte, dort müssen sie auch bleiben.
    Den "Opfern" hilft es vielleicht, sie nicht mehr als mächtig und bestimmend anzusehen, sondern Mitleid mit ihnen zu haben.
    Genau das macht es ja so schwer. Ich habe ganz viel Mitleid mit meiner Mutter - aber genau dieses Mitleid führt dann eben oft dazu, dass ich ihr immer wieder Raum in meinem Leben einräume, den ich ihr eigentlich gar nicht einräumen will. Oder umgekehrt, dass ich mich so stark abgrenze, dass ich wieder ein schlechtes Gewissen habe, weil sie ja Mitleid verdient.

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