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  1. Registriert seit
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    Oma - Enkel - Diplomatie

    Hm, wusste gar nicht so recht, welchen Titel ich dem Strang geben sollte. Es geht um ein Oma-Enkel-Verhältnis, das sich immer schwieriger gestaltet, und ich brauche Tipps für den Umgang damit.
    Zur Vorgeschichte: da ich Einzelkind bin, sind es die einzigen Enkel, zwei Jungen, aktuell 8 und 11 Jahre alt. Komplett andere Typen als ich es als Kind war (ich war ein braves Mädchen, meine rebellischen Anteile habe ich dank perfekter emotionaler Erpressung durch meine Mutter super versteckt), lebhafte Jungs, quirlig, mit einem sehr eigenen Kopf.
    Überhaupt nicht das, was meine Mutter sich unter gelungenen Enkelkindern vorstellt. Wie sie sich ein gelungenes Enkelkind vorstellen würde, höre ich ständig, wenn sie von der niedlichen Tochter ihrer Nachbarn erzählt. Ich nehme das nicht persönlich, sie auf ihre Art schon, denn sie lässt schon durchklingen, dass die Kinder so "missraten" sind, hauptsächlich an unserer seltsamen Art der Erziehung liegt. (Bei uns herrscht eben nicht Zucht und Ordnung.)
    Meine Mutter wohnt 250 km von uns entfernt, von Anfang an seit Geburt der Enkel haben wir uns so ca. alle 6-8 Wochen für ca. 4 Tage besucht, und anfangs war das Verhältnis der Enkel zur Oma auch recht eng und vertraut (wir konnten auch die recht kleinen Kinder z. B. direkt nach Ankunft der Oma bzw. anfangs noch der Großeltern mit ihr alleine lassen und weggehen, das war für die Kinder gar kein Thema). Alles war gut, so lange die Kinder noch kein "Eigenleben" hatten.
    Dann kristallisierte sich bald heraus, dass die Kinder immer weniger Interesse hatte, mit Oma zu spielen, wenn sie da war. Was mich nicht verwunderte, Oma verhielt sich nämlich eigentlich wie ein weiteres Kleinkind. Sie bestimmte, was wann zu spielen war, und wenn die Kinder das nicht so wollten wie sie, war sie beleidigt und zog sich zurück. Versuchte auch die üblichen emotionalen Erpressungsnummern wie in meiner Kindheit, die aber bei Enkeln nicht ziehen ("oh, da ist Oma aber traurig, wenn du das nicht essen magst, was sie mit so viel Mühe extra für dich gekocht hat"). Deutete ich mal an, dass da manches nicht so günstig für das Verhältnis war, wurde ich abgebügelt im Sinne von "erzähl mir nichts, ich kenne mich aus, bin ja selbst Mutter, das sind nur deine verzogenen Gören, an denen das liegt". Sie versuchte sich auch mit Geschenken Liebe zu erkaufen, auch das funktionierte natürlich nicht. Die Kinder spüren, dass sie sich nicht wirklich für sie interessiert, sondern nur für ein Bild vom idealen Enkel.
    Seit ca. 2 Jahren sagt der Kleine nur noch, dass er sich auf Omas Besuch freue, weil er da Geld bekomme und weil sie seine Lieblingswurst mitbringt. Beim letzten Besuch bei Oma gab es erstmals Meckereien in meine Richtung, sie hätten keine Lust mehr hinzufahren.
    Bei Besuchen der Oma bei uns ziehen sich die Kinder mehr und mehr zu ihren Freunden in der Nachbarschaft oder in ihre Zimmer zurück. Außer zu gemeinsamen Mahlzeiten bekommt man sie fast nicht in die Nähe der Oma, denn da passiert auch nichts spannendes (selten spielt sie mal ein Gesellschaftsspiel oder unterhält sich mit wirklichem Interesse mit ihnen, meist sitzt sie einfach nur rum und stellt sich wohl vor, es wäre wie früher, dass die Kinder um sie herum irgendwas spielen und einfach nur da sind und sie zugucken kann - aus dem Alter sind sie aber raus). Gespräche haben meist nur erzieherischen oder meckernden Inhalt.

    So gesehen kann ich die Kinder verstehen, und bin nun in einem Dilemma - wie lange erzwinge ich noch den Kontakt, was mache ich, wenn der Große zum ersten Mal sagt, er fährt nicht mit und der Kleine sich anschließt? Unsere Besuche bei ihr sind ohnehin schon seltener geworden, da meine Arbeits- und die Ferienzeiten der Kinder kollidieren und wir diese langen Wochenenden sowieso nur höchst selten freischaufeln können. Vermutlich ist erstmal die beste Strategie, die Besuche kürzer zu gestalten, oder?

    Die Lage ist auch deshalb kompliziert, weil die anderen Großeltern direkt um die Ecke wohnen, einen deutlich besseren Draht zu den Enkeln haben, weil sie sich wirklich für sie interessieren, auch wenn es gerade auch schwierig wird, weil die Art der Spiele und Bücher die sie interessieren gerade der Oma sehr fremd sind. Aber da ist ein ganz anderes emotionales Band. Meine Mutter sieht das, platzt vor Neid und schiebt es auf die räumliche Nähe - dabei hat es m. E. nur damit zu tun, dass von Seiten meiner Schwiegereltern echtes Interesse an den Kindern herrscht, bei meiner Mutter aber nur Interesse daran, ob die Kinder ihren Normen genügen. Der Kleine sagte nach dem aktuellen Besuch (sie war hier, weil der Große Geburstag hatte, das ist ihr wichtig, den Kindern scheint es inzwischen eher egal zu sein) "Oma, du meckerst immer nur an mir rum.", und er hatte damit Recht. Sogar bei seiner eigenen Geburtstagsfeier hat sie ihn wegen einer nichtigen Sache zusammengestaucht, so dass er weinend auf der Treppe saß.

    Ja, wer hat ähnliches erlebt und hat Tipps dafür, wie man das Verhältnis so entwickeln kann, dass wir damit leben können?
    (Ich muss auch zugeben, für mich werden die Besuche meiner Mutter oder bei ihr emotional auch immer anstrengender. Sie war schon immer eine sehr schwarzseherische, nörglerische Person, aber es wird immer schlimmer.)

  2. Inaktiver User

    AW: Oma - Enkel - Diplomatie

    Ich habe keine Kinder, hätte meine Mutter aber auch so keine vier Tage am Stück ertragen.


  3. Registriert seit
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    AW: Oma - Enkel - Diplomatie

    Ob ich sie ertrage, darum geht es hier aber nicht. Da habe ich meinen Weg gefunden.

    Es geht eher um die Problematik, dass die Kinder sie eben langsam auch nicht mehr ertragen, ich aber schon noch irgendeine Art von Kontakt zwischen Enkeln und Oma aufrechterhalten möchte - aber einen nicht nur von Pflichtgefühl geprägten. Vielleicht geht das bei der Oma aber auch gar nicht - das ist die interessante Frage.

    Und auch wenn ich sage, ich habe meinen Weg gefunden, und lasse gewisse Vorwürfe gar nicht mehr an mich heran - der Vorwurf, ich hätte ihr meine Enkel entfremdet (wobei der jetzt schon im Raum steht, obwohl ich eher das Gegenteil versuche) würde schon an mir nagen.

  4. Inaktiver User

    AW: Oma - Enkel - Diplomatie

    Ich denke, dass Deine Kinder in einem Alter sind, wo sie sowieso langsam andere Interessen haben, als mit der Oma auf dem Boden mit Lego zu bauen. Da sind vier Tage auf Besuch bei der Oma unter Umständen wirklich zu lang. Ist die Oma bei Euch, leben sie halt ihr ganz normales Leben, was auch sonst.

    Vielleicht könnte man den Kontakt mit der Oma etwas eventlastiger gestalten (Kino, Freizeitpark, Museum...).

  5. Inaktiver User

    AW: Oma - Enkel - Diplomatie

    Doch es geht darum, wie du deine Mutter erträgst, deine Kinder beobachten deinen Umgang mit deiner Mutter und wie es dir dabei geht. Mimik spielt dabei eine größere Rolle wie die Worte, die du sagst. Das machen alle Kinder und dann ziehen sie daraus ihre eigenen Schlüsse.

    Erzwingen würde ich den Kontakt nicht. Wenn die Kinder ihn nicht wollen, dann ist das so. Jetzt würde ich mit ihnen reden, dass sie die Oma in ihr Spiel mit einbeziehen, ihr anbieten, dass sie (konkreter Vorschlag) mitspielen kann und dann ist es an ihr, sich darauf einzulassen oder abzulehnen und dann sollen deine Kinder ruhig spielen, was sie vorgeschlagen haben.

    Deiner Mutter könntest du ebenfalls Tipps geben, dass deine Kinder gern Fussball oder was auch immer spielen. Aber vermutlich wird das nichts nutzen, dennoch würde ich es versuchen, um dann darauf zurückkommen zu können, wenn sie sich beschwert, sie würde ausgeschlossen.


  6. Registriert seit
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    AW: Oma - Enkel - Diplomatie

    Hallo Tigerente,
    es ist traurig, wenn Mütter/Omas so sind. Ich denke, Du hast keine Hoffnung mehr, dass sie ihren Charakter ändern können wollen wird?

    Du könntest darüber nachdenken, was Du Deinen Kindern vermitteln willst. Soll Kind/Mensch sich verbiegen, weil "es ist doch die Oma"? Könnte die regelmäßige Begegnung mit ihr "eine gute Schule für die Zukunft" sein, um zu lernen, mit Menschen umzugehen, die emotionale Erpressung im Alltag praktizieren? Sollen die Jungs erleben, wie es ist, ganz bewusst die Entscheidung zu treffen, sich - soweit es geht - nur noch mit Menschen zu umgeben, die einen nicht verletzen? Was vor allem im privaten Umfeld leichter sein könnte, als im Berufsleben.
    Ist Blut dicker als Wasser? Wenn ja, wer sagt, dass dies Bestand haben muss, wenn Enkel wegen Omas Übergriffigkeit weinen?

    Emotionale Kälte mit Geldgeschenken ausgleichen zu wollen... ist armselig.
    Neid auf das Großeltern-Enkel-Verhältnis der Schwiegereltern zu haben... was will sie damit erreichen?
    Dich und die Kinder zu kritisieren... was löst das bei Euch aus?

    Ich an Deiner/Eurer Stelle, würde eine komplette Veränderung der Besuche ab sofort organisieren. Seltener, dafür Unterbringung im Hotel/Pension (sowohl der Oma, als auch von Euch), einen gemeinsamen Tag und diesen wirklich mit einem Programm gestalten. Da gibts so viele Möglichkeiten, Museen, Ausstellungen, Natur. Wenn die Jungs in der Schule Themen haben, kann man sich dazu rahmenprogrammmäßig was angucken.
    Die Kinder sind zwar mit Oma zusammen, haben aber Gesprächsanknüpfungspunkte, die thematisch außerhalb der Familie liegen = weniger Konfliktpotenzial. Für Oma gibts ne Horizonterweiterung, dass es nicht nur Meckerei auf dieser Welt gibt.

    Man könnte ja probieren, wenn sie zu Euch kommt, suchen die Jungs ein Thema aus.
    Wenn Ihr zur Oma fahrt, schlägt Oma was vor.

    Aktiv die Sache angehen, über andere Themen reden, gemeinsame Schönes, Neues, Interessantes erleben - vielleicht gibt das ein bisschen Zufriedenheit. Weniger Zeit, aber qualitativ hochwertiger.

    Könnte man zumindest mal versuchen...

    Alles Gute

  7. Avatar von Maggie74
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    AW: Oma - Enkel - Diplomatie

    Ich habe das komplett meinen Kindern in dem alter überlassen
    Meine musst sehr anstrngend, redet ununterbrochen alles mögliche was keinen interessiert also wenn sie anruft zb um etwas zu fragen dauert das oft 1 Stunde oder ich hab halt hier leider schlechte Verbindungund das Gespräch ist weg

    Klar war an Weihnachten, Ostern Geburtstag etc müssen sie mit
    Wenn meine Mutter hier war gemeinsames essen /kaffeetrinken 30 Minuten Gespräche dann waren sie weg

    Ja selbst heute noch ist meine Mutter beleidigt weil die jetzt schon erwachsenen Enkel nichts mit ihr machen

    Ich bin aber nicht für das seelische Wohlbefinden meiner Mutter zuständig!

    Sie kann erwarten was sie möchte, aber wir erfüllen auch nur was wir möchten

    Hat auch nur bedingt was mit Entfernung zu tun

    Meine liebste Tante wohnte 400 km entfernt von uns war meine Trauzeugin etc
    MIT meiner anderen Tante 10 Minuten von hier hab ich so gut wie keinen Kontakt

    Du musst ihr klar machen das deine Kinder eigenständige Menschen sind die sich selbst entscheiden mit wem Asien wieviel Kontakt pflegen

    Und dann Ohren auf Durchzug

  8. Inaktiver User

    AW: Oma - Enkel - Diplomatie

    "Blut ist dicker als Wasser" ist der dümmste und giftigste Satz, den man Kindern einpflanzen kann und hat Generationen von Menschen unglücklich gemacht, und das nicht nur in Kulturen, die mit Ehrenmorden und Blutsfehden hantieren.
    Aber einen guten Weg, die Folgen davon den Kindern zu ersparen, weiß ich leider auch nicht.

  9. Inaktiver User

    AW: Oma - Enkel - Diplomatie

    Hast Du schon ein offenes Gespräch außerhalb der Konfliktsituation gesucht? Viel zerstören kann man damit nicht, aber bestimmt was retten. Und dann Pumpernickels Schlachtplan.

  10. Inaktiver User

    AW: Oma - Enkel - Diplomatie

    @Maggie74: Deine Autokorrektur ist göttlich.

    Inhaltlich volle Zustimmung.

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