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  1. Registriert seit
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    AW: Oma - Enkel - Diplomatie

    Wisst Ihr, ein großes Problem ist tatsächlich ihr Kommunikationsverhalten. Sie fragt nichts, außer inquisitorisch, oder rhetorisch (wartet oft gar nicht die Antwort ab). Wenn man (egal ob Enkel, oder ich, oder mein Mann, oder irgendwer) mal versucht, was aus unserem Leben oder von unseren Interessen zu erzählen, hört sie nicht zu und wechselt das Thema schnell auf ihre Interessen. Die da wären: Klatsch und Tratsch aus ihrem Dorf (über Leute, die weder die Enkel noch mein Mann kennen), Kochrezepte, Haushalt, das Wetter (in ihrem Dorf, wenn sie bei uns ist schaut sie über Teletext dreimal pro Tag, wie bei ihr das Wetter ist, oder ruft Nachbarn an), Fernsehkochshows oder andere Ratgebersendungen, ihre Gesundheit. Das sind alles keine Themen, mit denen man Enkel hinterm Ofen hervorlocken kann. (Mich auch nicht, aber ich höre es mir an, weil ich weiß, dass es ihr wichtig ist. Aber sie hört sich nichts an, von dem sie weiß, dass es uns wichtig ist.)
    Erzählen die Kinder mal was, hört sie nicht zu oder sagt "ach, davon verstehe ich nichts".

    Wisst Ihr, der Große hat sich zum Geburtstag alles mögliche an Gaming-Zubehör gewünscht, eine besondere Maus, Tastatur, Kopfhörer etc. Die 10 Jahre älteren Großeltern väterlicherseits haben sich das alles vorführen und erklären lassen, auch wenn die Oma außer Patiencen legen nichts am Computer macht, es macht ihnen eben Freude, ihre Enkel so begeistert zu sehen. Meine Mutter sitzt dann schon wieder da und denkt "so einen Sch... lässt er sich schenken, dann spielt er noch mehr und wird noch schlechter in der Schule". Dabei spielt er besonders viel wenn sie da ist um ihr aus dem Weg zu gehen, und ich lasse ihn, weil meine Mutter ja gleichzeitig meine Aufmerksamkeit fordert mit ihrem Redeschwall.

    Jemand sagte hier, sie würde vielleicht gerne Alltag miterleben. Ja, sicher. Aber es ist eben kein Alltag. In unserem Alltag arbeite ich, gehen die Kinder zur Schule, mache ich den Haushalt. Ich habe wenig Verschnaufpausen oder ruhige Minuten. Ist meine Mutter da, fordert sie Aufmerksamkeit, und zwar viel. Fast wie ein 3. Kind. Da fahren wir dann eben den Alltag auf ein Minimum runter, um ihre Bedürfnisse zu befriedigen. Ich setze mich mit den Kindern auch so wenig wie möglich auseinander, weil das ohnehin nur kritisch beäugt wird, erlaube also viel mehr als im Alltag (was auch kritisch beäugt wird). Das ist anstrengend. Wenn wir bei ihr sind, ist erst recht kein Alltag.

    Wisst Ihr, mir wird gerade so was von klar, dass ich gerade die Muster wiederhole, die meine Eltern und auch ich teilweise mit ihren Eltern hatten. Pflichtbesuche, obwohl sich zumindest die Mutter nicht für das Kind interessiert, bzw. nur dafür, ob das Kind sich normgerecht verhält. Ähnliches die Enkel betreffend. Und all das, weil man eine lange Geschichte mit den eigenen Eltern hat (die die Enkel nicht haben) und wegen der guten Sachen in dieser Geschichte und auch wegen dem Verständnis, warum die Eltern so sind wie sie sind. Deshalb kümmert man sich. Bei meinen Großeltern war glaube ich wenig Liebe für meine Mutter vorhanden, und bei meinem Vater Liebe von seinem Vater (der aber starb, als ich 8 war) und ein extrem besitzergreifendes Verhalten von seiner Mutter (immerhin war mein Vater schlau genug, mit 20 auszuziehen), bei dem ich nicht weiß, ob man es Liebe nennen kann.
    Das ist in meiner Schwiegerfamilie ganz anders.

    Mit dieser Erkenntnis werde ich jetzt versuchen, das Muster zu durchbrechen. Vor allen Dingen unangenehme Wahrheiten mal ansprechen. Erst vor kurzem rutschte der Patentante meines Kleinen (eine Freundin, keine Verwandte von uns) raus, dass meine Mutter sich ihr gegenüber mal bei einer Familienfeier ausgelassen hätte, was für eine Enttäuschung ihre Enkel für sie wären. Ich war fassungslos, dass sie es ausspricht, und dann auch noch einer "Fremden" gegenüber. Wollte sie, dass die Patentante das uns erzählt? Hoffte sie auf Beistand?

    Ich werde sie bei Gelegenheit mal fragen, wie zufrieden sie eigentlich mit ihren Enkeln ist. Was sie sich für die Beziehung wünschen würde. Damit wir alle mal den Tatsachen ins Auge sehen können. Da kommt nämlich vermutlich nichts, oder unerfüllbare Wünsche. Ein niedliches Dorfmädchen kann und will ich nämlich aus meinen beiden Großstadtjungs nicht backen.


  2. Registriert seit
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    AW: Oma - Enkel - Diplomatie

    Zitat Zitat von Sugarnova Beitrag anzeigen
    Trotzdem muss ein Kind klar nicht heulend an seinem eigenen Geburtstag auf der Treppe sitzen. Warum hast du die Oma nicht mit ihm direkt reden lassen? Sei nicht immer der Puffer. Lass sie sich auch mal miteinander auseinandersetzen.
    Oh, die Oma hat mit ihm geredet und wie. Er solle sich nicht so anstellen wegen so einer Kleinigkeit. Er benehme sich ja wie ein Kleinkind. Da weinte er noch mehr. Da musste ich erstmal das Kind trösten und der Oma sagen, sie solle sich nicht einmischen. Entschuldigen tut sie sich bei den Kindern in solchen Fällen übrigens nie. Macht ein Erwachsener nicht, Erwachsene haben immer recht, das ist ihre Devise. Kinder haben nichts zu sagen.

    Das Kind wollte etwas tun, was ich ihm explizit erlaubt habe (ich war noch mit anderen Gästen im Keller bei einer Bastelaktion, er war schon fertig und wollte oben schon mal an einem Lego-Geschenk bauen). Sie raunzte ihn an, was er im Wohnzimmer zu suchen hätte, sein Platz sei unten bei den Gästen. Als er sagte, er wolle das Geschenk bauen, fiel sie ihm ins Wort und sagte, das sei kein Benehmen, er solle jetzt sofort runtergehen. Mit einem "Mama hat es aber erlaubt" flüchtete er dann heulend vor ihr. Sie hat sich nicht entschuldigt, dass sie ihn nicht zu Ende angehört hat. Sie hat beleidigt gesagt "das konnte ich ja nicht wissen", und dann eben "jetzt stell dich halt nicht so an".

  3. VIP Avatar von xanidae
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    AW: Oma - Enkel - Diplomatie

    Ehrlich gesagt würde ich nach der Nummer mit der Patentante, meinen Kindern die Wahl lassen. Die Enkel sind eine Enttäuschung? Dann kannst du sie auch richtig enttäuschen in dem du es ihr nicht mehr recht machst und die Kinder mitschleppst.
    Was ich über's Leben weiß, weiß ich aus Stand by Me
    Ich hab' einen Hund der Cujo heißt, und mein Auto heißt Christine
    Wenn du schreiben kannst, dann schreibe,
    wenn du singen kannst, dann sing
    Und wenn du nicht mehr weiterweißt, frag
    Stephen King


    Thees Uhlmann "Danke für die Angst"


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    AW: Oma - Enkel - Diplomatie

    Ein Problem im Verhältnis ist sicher auch, dass sie die Oma-Rolle recht eigenwillig interpretiert. Während die anderen Großeltern der Meinung sind, Großeltern sind zum Verwöhnen und gemeinsam Spaß haben da, um Sachen zu machen, für die die Eltern wenig Zeit haben, als Vertraute, die eben keine Erziehungsberechtigte sind, sieht sich meine Mutter als Hilfserzieherin, die alles richten muss, was die Eltern verbockt haben. Und sie ist tatsächlich so verblendet zu glauben, das bei ihren Besuchen zu schaffen. Oder zumindest den Samen zu legen, weil man mit den Kindern ja nur "richtig" sprechen muss ("richtig" heißt dann in der Regel Holzhammer-Botschaften hintenrum oder eben gleich die emotionale Erpresser-Nummer).


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    AW: Oma - Enkel - Diplomatie

    Tigerente, warum um Himmels Willen willst du die Oma fragen, wie sie mit den Enkeln zufrieden ist?
    Was willst du damit erreichen?
    Entweder kommt dann eine nichtssagende Antwort oder Vorwürfe.
    Ersteres hilft dir kein Stück weiter, zweiteres bringt diCh in eine Abwehr/ VerteidigungsStellung, die weder dir, noch deinen Jungs und schon gar nicht deinem Selbstbewusstsein hilft.
    Meine Schwiegermutter verwendet für ihre " normgerechten" Enkelkinder übrigens immer den Ausdruck " die Kinder funktionieren ".
    Gruselig, oder?

  6. Avatar von Annilein
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    AW: Oma - Enkel - Diplomatie

    Ich denke es ist eine gute Idee, wenn du mit ihr über dein Empfinden sprichst, wie es sich für dich als Kind angefühlt,hat. Frag sie doch nach ihrem Verhältnis zu ihren Großeltern. Ich führe oft solche Gespräche mit meiner Mutter und unsere Beziehung hat sich dadurch verbessert.
    Heute ist die gute alte Zeit von morgen (Karl Valentin)


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    AW: Oma - Enkel - Diplomatie

    Annilein, das denke ich auch, dass das ein guter Startpunkt ist. Aber ich muss höllisch aufpassen, dass sie das nicht in den falschen Hals kriegt und denkt, ich vergleiche sie mit ihrer Schwiegermutter, dann macht sie völlig dicht, denn diese Frau war wirklich nochmal eine ganz andere Nummer und wirklich bösartig (die Geschichte mit dem Hund ist noch eines der harmloseren Dinge, die sie sich geleistet hat).


  8. Registriert seit
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    AW: Oma - Enkel - Diplomatie

    emullia, mein Selbstbewusstsein wird sie nicht beschädigen. Aber blöderweise werde ich vermutlich Schuldgefühle bekommen, weil sie sich noch elender und einsamer fühlt als ohnehin schon, wenn diese Sachen auf den Tisch kommen und ausgesprochen werden. Davon muss ich mich befreien.


  9. Registriert seit
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    AW: Oma - Enkel - Diplomatie

    Zitat Zitat von Tigerente Beitrag anzeigen
    emullia, mein Selbstbewusstsein wird sie nicht beschädigen. Aber blöderweise werde ich vermutlich Schuldgefühle bekommen, weil sie sich noch elender und einsamer fühlt als ohnehin schon, wenn diese Sachen auf den Tisch kommen und ausgesprochen werden. Davon muss ich mich befreien.
    Aber evtl. das Selbstbewusstsein deiner Kinder? Und ja, auch dein Selbstbewusstsein schädigt sie. Sonst würdest du keine Schuldgefühle bekommen. Dafür, dass sie sich "noch elender und einsamer fühlt" bist du aber nicht verantwortlich! Nein, sie ist verdammt nochmal eine erwachsene Frau und sie ist selbst dafür verantwortlich, was an ihrem Leben zu ändern, damit sie sich nicht mehr so fühlen muss!

  10. Avatar von Sugarnova
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    AW: Oma - Enkel - Diplomatie

    Zitat Zitat von Tigerente Beitrag anzeigen
    Ein Problem im Verhältnis ist sicher auch, dass sie die Oma-Rolle recht eigenwillig interpretiert. Während die anderen Großeltern der Meinung sind, Großeltern sind zum Verwöhnen und gemeinsam Spaß haben da, um Sachen zu machen, für die die Eltern wenig Zeit haben, als Vertraute, die eben keine Erziehungsberechtigte sind, sieht sich meine Mutter als Hilfserzieherin, die alles richten muss, was die Eltern verbockt haben. Und sie ist tatsächlich so verblendet zu glauben, das bei ihren Besuchen zu schaffen. Oder zumindest den Samen zu legen, weil man mit den Kindern ja nur "richtig" sprechen muss ("richtig" heißt dann in der Regel Holzhammer-Botschaften hintenrum oder eben gleich die emotionale Erpresser-Nummer).
    ... ich weiss nicht.

    Findest du es nicht auch gut, dass deine Kinder mal ein anderes Input bekommen? Als Spassfaktor?

    Klar finden es die Kids super, wenn sich alles auf sie konzentriert. Aber die Welt ist halt nicht so.

    Manipulation geht klar gar nicht.

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