Hallo! Ich bin 44, verheiratet, habe ein Kind. Seit ca. einem halben Jahr habe ich jeglichen Kontakt zu meinen Eltern abgebrochen. Meine ganze Kindheit und Jugend lang habe ich nur abwertende Bemerkungen über mich gehört. Diese Haltung hat sich fortgesetzt, bis ich 44 Jahre alt war. Als mein Mann zur Kur musste, war ich auch daran schuld... Außer meiner Therapeutin u. meinem Mann (der dies erst nach sehr langer Zeit
verstanden hat) gibt es offenbar kaum jemanden, der diesen Schritt "gewagt" hat. Seit dem ich den Kontakt zu meinen Eltern eingestellt habe, geht es mir übrigens sehr viel besser. Ich habe auch keine Wut auf sie.
Wie geht Ihr damit um...ist das wirklich ein Tabuthema in unserer ach so offenen Gesellschaft? Ein Austausch mit Betroffenen interessiert mich sehr!
Ich warte gespannt auf eure Antworten, LG Biggi
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20.01.2007, 15:11Inaktiver User
Kontakt zu den Eltern abgebrochen
Geändert von Inaktiver User (22.01.2007 um 15:55 Uhr)
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20.01.2007, 15:27
AW: Kontakt zu den Eltern abgebrochen
Hallo,
Ob es ein Tabuthema ist, kann ich schlecht beurteilen, denn bei mir hat noch nie einer was dazu gesagt, dass ich keinen Kontakt zu meinen Eltern habe. Der Kontakt ist bereits seit ca. 10 Jahren weg mit einer Unterbrechung vor gut 4 Jahren. Ich dachte, sie hätten was überdacht und sich geändert, was natürlich nicht der Fall war.
Ich brach den Kontakt ab, da mein Vater mich sehr oft geschlagen hat und meine Mutter nicht half. Sie ist, soweit ich weiss, immer noch bei ihm und ich bin, da ich meine Eltern ca. 1 Jahr nach meinem Auszug angezeigt habe und es zur Verhandlung + Verurteilung beider kam, das schwarze Schaf der Familie. Kann ich in dem Fall auch gut mit leben. Gibt schlimmeres. Manchmal kommen Bemerkungen, ich sollte beiden doch verzeihen, denn schliesslich sind sie ja verurteilt worden, aber das interessiert mich selbst eher wenig. Sie tun mir nicht gut, noch heute kommen niedermachende Kommentare und meiner Tochter wird ebenfalls Prügel angedroht (sie war beim Treffen auf neutralem Boden verständlicherweise sehr aufgeregt und das passte ihnen nicht).
TahneeWer zu spät kommt, den bestraft das Leben.
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22.01.2007, 16:24Inaktiver User
AW: Kontakt zu den Eltern abgebrochen
Hallo Kim,
die gleiche Frage stelle ich mir auch. Habe ich überhaupt das Recht, meine Eltern nicht zu kontaktieren? Darf es mir überhaupt besser gehen - ohne meine Eltern? Bin ich nicht ein "schlechtes, undankbares" Kind?
Ich denke, dass ist Grund genug.geht es mir übrigens sehr viel besser. Ich habe auch keine Wut auf sie.
nathaliethor
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23.01.2007, 10:54Inaktiver User
AW: Kontakt zu den Eltern abgebrochen
Hallo, danke für eure Antworten! Es hilft mir, dass auch andere anscheinend mit diesem Problem zu kämpfen haben. Tahnee, in deinem Fall, denke ich, ist es auch körperlich unbedingt notwendig, den Kontakt einzustellen! Ich habe im Forum diese Frage gestellt, weil ich oft das Gefühl habe, es gilt als "Hochverrat", irdendwann, wenn immer nur Schlechtes und Abwertungen über einen (auch hinter meinem Rücken, z. B. meinem Mann gegenüber) gesagt wird, einen konkreten Schlusstrich zu ziehen. Mir jedenfalls tut es sehrgut. Ich fühle mich unendlich erleichtert! Komischerweise glauben viele (auch Therapeuten), man solle den Kontakt zu den Eltern unbedingt aufrecht erhalten. Meine Therapeutin scheint eine Ausnahme zu sein. LG Kim
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23.01.2007, 10:58Inaktiver User
AW: Kontakt zu den Eltern abgebrochen
Nachtrag: Nathalie, kennst du die Bücher von Alice Miller ("Am Anfang war Erziehung" z. B.). Die Autorin (berühmte Psychoanalytikerin) wurde ja in ihren Kreisen sehr scharf angegriffen. Ich habe jedenfalls (trotzdem ich manches auch überzeichnet finde) sehr viel mitgenommen.
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23.01.2007, 11:31Inaktiver User
AW: Kontakt zu den Eltern abgebrochen
Hallo Kim,
danke für den Buchtip. Alice Miller hatte ich vor 20 Jahren mal in den Händen. Damals konnte ich nichts damit anfangen - aber vielleicht ist es ja mal Zeit, einen zweiten Blick zu wagen.
Komischerweise glauben viele (auch Therapeuten), man solle den Kontakt zu den Eltern unbedingt aufrecht erhalten
Ich bin inzwischen der Überzeugung, dass dies darin begründet liegt, dass man nur ein selbstbestimmtes Leben führen kann, wenn man die negative, abhängige Bindung und damit Verstrickung zu den Eltern noch in sich fühlt. Therapheuten wissen natürlich, dass viele psychische Probleme auch aus der Kindheit rühren können. Und solange ist natürlich ein Kontakt weiterhin notwendig...
Dir alles Gute!
nathaliethor
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23.01.2007, 12:28
AW: Kontakt zu den Eltern abgebrochen
Das denke ich auch. Danke, kim13.
Zitat von Inaktiver User
Für mich ist es absolut kein Hochverrat, sondern psychisch und auch physisch unabdingbar, den Kontakt abzubrechen. Auch abwertende und schlechte Kommentare (kenne ich auch zur Genüge
Zitat von Inaktiver User
) tun sehr weh und haben Folgen.
Mein Therapeut ist da wohl auch eine Ausnahme, denn auch er hat mich immer darin unterstützt, den Kontakt in KEINEM FALL zu halten.
Zitat von Inaktiver User
Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.
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24.01.2007, 10:05Inaktiver User
AW: Kontakt zu den Eltern abgebrochen
Hallo, danke für eure Antworten! Was mich nun interessieren würde: Wie geht Ihr mit den Abwertungen um? Ich merke in meinem Alltag und auch im Privat-/Berufsleben, dass ich mir sehr wenig zutraue, mir oft im Weg stehe, wenn es darum geht, Neues anzupacken. Wenn ich mir so meine Mitmenschen anschaue, können die mit Kritik oft viel gelassener umgehen. Wenn ich kritisiert werde oder Fehler mache, kommen bei mir gleich die "alten Platten" wieder (so in der Art von elterlichen Botschaften..."du taugst eh nichts", du bist ein völliger Chaot, du kannst nicht ohne deine Eltern klar kommen etc. etc.). Obwohl ich äußerlich schon lange nicht mehr in der Nähe meiner Eltern lebe und auch sonst ganz anders, fühle ich mich oft zutiefst wertlos und mein innerer Kritiker ist auch sehr streng.
Die Therapie hilft mir; aber wichtig wären für mich auch mal Anregungen von euch...ich bin gespannt und hoffe auf Antworten!LG Kim
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24.01.2007, 10:35Inaktiver User
AW: Kontakt zu den Eltern abgebrochen
Abgebrochener Kontakt zu den Eltern gilt offenbar auch nicht als gesellschaftsfähig. Deswegen kommuniziere ich das auch nicht groß öffentlich. Insbesondere um die Weihnachtszeit herum muss ich mich manchmal "herauswinden", wenn suggestive Fragen a la "Du fährst doch auch zu den Eltern?" kommen. Das einzige wo vor ich Angst habe ist, wenn ich in einer neuen Partnerschaft erklären müsste, warum ich sie nicht meinen Eltern vorstelle bzw. meine Eltern weder anrufe noch besuche. Eben weil der Kontaktabbruch immer noch den Ruch von "Gestörtsein" hat.
Ich habe den Kontakt auch aus bestimmten Gründen abgebrochen. Vorher war der Kontakt ohnehin nicht so, als das ich dadurch beeinflußt worden wäre. Insofern kann ich nicht sagen, mir ginge es besser. Gut...als ich "damals" (is bisschen länger her
) von Zuhause ausgezogen bin, habe ich das erste Mal gemerkt, dass was nicht gestimmt hatte. Weil ich mich das erste Mal richtig wohl gefühlt habe.
Wenn vielleicht so rum, dass ich die wenigen Besuche, die ich noch in der letzten Zeit gemacht habe, nicht vermisse und die Tage sinnvoller nutzen kann.Geändert von Inaktiver User (24.01.2007 um 10:42 Uhr)
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24.01.2007, 11:20Inaktiver User
AW: Kontakt zu den Eltern abgebrochen
Hallo,
so unglücklich die einzelnen Geschichten auch sind, ich bin froh, dass ich nicht die Einzige bin, die keinen Kontakt zu den Eltern hat.
Meine waren/sind nicht mal böse zu mir gewesen, ich war ihnen einfach nie wichtig. Als Kind nicht und noch weniger als Erwachsene.
Jahrelang habe ich um ihre Aufmerksamkeit förmlich gebettelt, bis ichs vor drei Jahren aufgegeben habe. Ich melde mich nicht mehr bei ihnen, sie sich nicht bei mir.
Auch wenns zum Teil an mir liegt - ich könnte mich ja melden - bin ich traurig über die Situation, wohl aus dem Grund, dass ich mir ELTERN wünsche. Vergeblich.
Liebe Grüsse, SL


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