Hallo,
ich hätte gern etwas Erfahrungsaustausch mit Frauen, die vielleicht schon Omas sind und mit verzwickteren Familiensituationen leben. Aber natürlich sind auch Beiträge von allen anderen willkommen. Ich bin zum ersten Mal Oma, das ist ein ganz tolles Gefühl, und mit dem Enkel, meiner Tochter und ihrem Partner läuft auch alles bestens. Aber leider macht sich jetzt wieder die verkorkste Familiensituation bemerkbar und manches schwieriger als es wohl sein müsste.
Ich habe mich vor einigen Jahren von meinem Mann, dem Vater der Tochter, getrennt und leider ist die Trennung überhaupt nicht gut verarbeitet. Mein Ex-Mann kann bis heute kein vernünftiges Wort mit mir wechseln, sowie wir uns begegnen, gibt es Aggression und Beleidigungen in meine Richtung. Entsprechend habe ich/haben wir in den vergangenen Jahren jegliche Begegnung vermieden. Ich habe auch keine Hoffnung, dass sich da etwas ändern wird, ich habe in meiner Ehezeit mit anderen Menschen seine Unfähigkeit zur Überwindung von Verletzungen erlebt. Einmal verletzt, immer verletzt.
Hinzu kommt, dass sich meine jüngste Tochter in der Trennungszeit mit dem Vater solidarisiert hat und bis heute (sie ist jetzt 20 Jahre alt) jeden Kontakt zu mir ablehnt, sicherlich begünstigt durch das Verhalten des Vaters.
Zu den zwei älteren Töchtern, eine davon jetzt eben Mutter geworden, habe ich aber guten Kontakt.
Ich bin sicher auch eine Konfliktvermeiderin, mag keinen Druck ausüben – und das hat auch dazu geführt, dass ich aus dem Gesamt-Familienleben etwas herausgefallen bin. Ich dränge mich nicht zu Weihnachten auf, nicht zu Geburtstags- und sonstigen -Feiern. Bei mir gibt es dann eben gesonderte Einladungen, was auch dazu führen kann, dass mit mir dann im Januar nochmal eine „Nach-Weihnachtsfeier“ mit den beiden älteren Töchtern und deren Partnern stattfindet, weil zu den Feiertagen alle anderen Familienmitglieder auf Besuch wert legen (sprich Vater und Familie meines Ex-Mannes und die Partnerfamilien). Bei den Geburtstagsfeiern bin ich gar nicht mehr dabei, da gratuliere ich telefonische, schicke Karten und Geschenke mit der Post oder übergebe sie eben vorher oder nachher. Im Grunde genommen fand ich das nie schlimm, weil es darauf meiner Meinung nach nicht ankommt. Gute Beziehungen zueinander machen sich an anderen Sachen fest als an gemeinsamen Feiertagen.
Jetzt aber mit dem Enkel, dem ersten Enkel und auch Neffen in den Familien weit und breit mit entsprechend großer Aufmerksamkeit bei allen, merke ich, dass ich da meinen Platz behaupten muss, wenn ich den Kontakt halten und nicht zu irgendeiner Tante werden will. Bei meinen Töchtern kam es nicht darauf an, wie oft wir uns gesehen haben, da haben auch Telefonate gereicht, um miteinander im Gespräch zu bleiben, am Leben teilzuhaben. Aber bei einem kleinen Kind braucht es das direkte Miteinander, noch ist er ein Baby, aber ich würde gern die Entwicklung dicht mitverfolgen, ja, und auch Oma sein. Ich habe jetzt begonnen, mich regelmäßig bei meiner Tochter anzusagen, so alle 14 Tage. Das ist soweit in Ordnung, ich bin auch willkommen, aber ich merke, dass da ein regelrechter Terminplan geführt wird, um alle Familienangehörigen zu koordinieren. Da ist ja nicht nur die geteilte Tochterfamilie, da ist auch noch die Partnerfamilie und irgendwie werden immer alle auseinandersortiert. Ich freue mich auf die Besuche bei Tochter, Enkelsohn und Freund, aber gleichzeitig denke ich, ich mache da jetzt noch zusätzlichen Stress, mag mich aber auch nicht wieder zurückziehen. Oma-Unterstützung wird im Moment nicht gebraucht, dafür stehen begeisterte, kinderlose Tanten und Onkel in der direkten Nähe mit viel freier Zeit und Engagement bereit.
Haben noch andere die Erfahrung gemacht, dass man um die Oma-Position ringen muss? Wie seid ihr damit umgegangen?
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Thema: Omas in Trennungsfamilien
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12.08.2013, 15:02Inaktiver User
Omas in Trennungsfamilien
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12.08.2013, 17:46
AW: Omas in Trennungsfamilien
Eine Oma ist etwas besonderes, das erst einmal vorab! Du machst dir viele Gedanken, ob du vielleicht stören könntest, nimmst dich zurück, bleibst im Hintergrund um anderen den Vortritt zu lassen. Das ist prima, viele werden dir dankbar sein, aber es könnte auch als Desinteresse, "ist mir nicht so wichtig" ausgelegt werden. Alle 14 Tage einen "Omatag" das ist ganz bestimmt nicht zu viel. Du wirst sehen, die jungen Tanten und Onkel kehren doch bald zu ihren Alltagsaufgaben zurück, aber ein Oma ist beständig. Wünsch dir viel Spaß mit dem Enkel und trau dich ruhig deine Liebe zu ihm zu zeigen!
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12.08.2013, 18:29
AW: Omas in Trennungsfamilien
@ Lea: Ich bin selbst Mutter einer 5 Monate alten Tochter - und sämtliche Verwandten leben fast 1000 km entfernt. Und wenn ich so überlege, was meine Mutter (vorausgestzt wir verstünden uns gut genug - aber, andere Geschichte ;-) ) tun müsste, damit ich sie unbedingt alle 2 Wochen hier haben möchte, fällt mir folgendes ein:
- Nimm was zum Essen mit (Kuchen, Selbstgekochtes zum Einfrieren) - Zeit zum Kochen ist anfangs Mangelware.
- Biete ihr an, auf das Kind zu schauen, während sie Sport macht, zum Friseur geht, oder zum Arzt. Oder während sie und ihr Mann sich einen schönen Abend machen. Und das möglichst regelmäßig, damit Ihr das auch durch die Fremdelphase schafft :-)
Was - ebenfalls aus Erfahrung - nicht gut kommt: Sich tagelang einquartieren, auf der Couch sitzen und Bespaßung erwarten :-/
Schau einfach, was sie braucht!
Dann würd auch ich meine Mama nicht mehr weglassen :-D
Alles Gute,
vivGeändert von viv_1980 (12.08.2013 um 18:32 Uhr)
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12.08.2013, 20:21Inaktiver User
AW: Omas in Trennungsfamilien
Danke für eure Antworten.
Meine Liebe zeige ich, aber manchmal zeige ich sie vielleicht anders als die anderen. Meine Tochter versteht das, da bin ich mir sicher. Mein Ex-Mann (bei all seinen anderen Macken) ist ein absolut aufopferungsbereiter Vater und Großvater, der jegliche Unterstützung leistet von Handwerklichem bis zu Geldgeschenken. Die Eltern des Partners meiner Tochter, die ich bisher nicht kennen gelernt habe, machen Riesengeschenke (Wohnung) an die neue Kleinfamilie. Da kann ich materiell nicht mithalten und ich will das auch gar nicht, ich will gar keine Konkurrenzsituation. Aber ich möchte dabeisein und fürchte schon um meine Stellung, eben auch wegen der verkrampften Familiensituation.
So ungefähr wie Viv das beschrieben hat, so verhalte ich mich. Ich habe bei meinen Besuchen immer was zu essen mitgebracht für die jungen Eltern (Fertiggekochtes zum Aufwärmen oder auch einen Salat), für den Kleinen kleine praktische Sachen (was anderes braucht er sowieso im Moment noch nicht, meiner Meinung nach). Ich komme für zwei bis drei Stunden, solange ich nicht das Gefühl habe, eigentlich sind alle nur müde.
Was ich nicht gemacht habe, irgendwie im Haushalt zu helfen. Das würde ich schon tun, habe aber das Gefühl der Partner meiner Tochter versteht das als Kritik. Wenn ich nur anfange abzuräumen, sagt er schon immer, lass mal. Da habe mich dann nicht getraut, mich an den Berg Abwasch heranzumachen (den gab es aber auch nur in den allerersten Tagen nach der Geburt).
Für die Betreuung stehen im Moment eben doch viele Menschen zur Verfügung. Der Partner meiner Tochter hat im Moment noch viel Zeit, die Schwester mit total flexibler Tagesgestaltung wohnt direkt um die Ecke, ein Onkel mit Partnerin auch. Also zur Betreuung werde ich im Moment wirklich nicht gebraucht. Kann ja auch verstehen, dass Onkel und Tante die neue Familiensituation, die bei ihnen ja vielleicht demnächst auch ansteht, total spannend finden. Und ist ja auch schön, dass die Geschwister so ein gutes Verhältnis zueinander haben.
Ich habe mir vorgenommen, einfach eine gewissen Regelmäßigkeit einzuführen. Ich komme halt so alle zwei Wochen (schon in Absprache und nicht unumstößlich an einem festen Tag) und hoffe damit, dass das dann einfach zur Gewohnheit wird, auf die sich alle einstellen. Bedeutet für mich übrigens auch eine Umstellung, in meiner Herkunftsfamilie hatten wir es nie so mit regelmäßigen Besuchen.Geändert von Inaktiver User (12.08.2013 um 20:24 Uhr)
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12.08.2013, 23:37
AW: Omas in Trennungsfamilien
@ Lea: Ich finde, das klingt super, wie Du das machst! Und was die vielen Verwandten rund um Deine Tochter betrifft - auch die mit freier Tageseinteilung - bin ich mir jetzt nicht sooo sicher, ob die wirklich regelmäßig (z.B. 1 bis 2 Mal pro Woche) auf ein Kind aufpassen möchten.
Und den Abwasch würde ich unter diesen Voraussetzungen auch lassen. Vielleicht sieht das Dein Schwiegersohn auch als seine Aufgabe. Ich bin sicher, Du findest Deinen Platz in dem Gefüge!
Achja, eines noch prophylaktisch, weil beliebte Falle: Ungefragte Ratschläge kommen bei jungen Eltern gaaaaaanz schlecht an ;-)
LG,
viv
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13.08.2013, 11:22
AW: Omas in Trennungsfamilien
Liebe Lea,
ich denke, um Deine Stellung brauchst Du nicht zu fürchten ... dafür wird schon
Deine Tochter sorgen. Ihr scheint ein liebevolles und entspanntes Verhältnis zu
haben.
Einerseits finde ich es gut, dass Du Dich gerade bei Feiertagsstress etwas zurücknimmst.
Andererseits würde ich sukzessive versuchen, mich auch bei der erweiterten Familie
einzubringen, um eben den Status quo Deiner "Unsichtbarkeit" zu ändern. Dass die Eltern
der verpartnerten Kinder einander zumindest kennenlernen, hielte ich zB für wichtig. Wie
steht denn Deine Tochter zu dem Thema?
Tut mir Leid, dass Du zu Deiner Jüngsten derzeit keinen Kontakt hast.
Das tut weh - auf beiden Seiten
.
Ich hatte eine ähnliche Situation ebenfalls über Jahre hinweg. Die Dinge
ändern sich meist und ich möchte Dich ermutigen, nicht zu resignieren.
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13.08.2013, 21:46Inaktiver User
AW: Omas in Trennungsfamilien
Danke für eure lieben Worte.
Und ungefragt Ratschläge? Niiieeemals. Einmal kann ich mich noch gut erinnern, wie ich mich gefühlt habe, zum zweiten vertraue ich meinen großen Mädchen, die sind erwachsen und wissen, was sie tun. Und eigene Fehler bringen einen sowieso am weitesten.
Über einen Vorstoß, um die Schwiegerfamilie kennen zu lernen, habe ich auch schon nachgedacht. Werde ich ansprechen und vorschlagen. Mal sehen, was dann kommt.
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22.08.2013, 19:43Inaktiver User
AW: Omas in Trennungsfamilien
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Geändert von Inaktiver User (24.08.2013 um 22:21 Uhr)
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22.08.2013, 20:26
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23.08.2013, 14:51Inaktiver User


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