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Thema: Labile Mutter

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    Labile Mutter

    Hallo zusammen,

    nachdem ich über Weihnachten ein paar Tage zuhause war, ist ein altbekanntes Thema wieder aufgetaucht.

    Meine Mutter (60) war psychisch so lange ich mich zurück erinnern kann noch nie die Stabilste. Schon als ich ein Kind war, war sie oft niedergeschlagen und hat oft (scheinbar) grundlos mit den Tränen gekämpft, z. B auch, wenn sie nur einen Artikel in der Zeitung gelesen hat, der wohl irgendeinen Nerv bei ihr getroffen hat, oder wenn Nachbarn oder Bekannte gefragt haben, wie es ihr geht. Das war aber nicht immer so, sie war auch durchaus wieder gut gelaunt und fröhlich und man konnte Späße mit ihr machen.

    Wenn ich so zurückdenke, habe ich schon als Kind eigentlich ständig versucht die Stimmungen meiner Mutter zu "erahnen" und war ganz beklommen, wenn ich mal wieder bemerkt, habe, dass sie (für mich ohne ersichtlichen Grund) traurig war.

    Über Weihnachten war jetzt an sich ganz gute Stimmung, nur ist mir wieder aufgefallen, dass meine Mutter mit den Tränen kämpft, wenn z. B. Verwandte oder Nachbarn "Frohe Weihnachten" wünschen. Ansonsten ist sie wie immer und auch mal zu Späßen aufgelegt. Man merkt halt, dass sie trotzdem etwas "labil" ist.

    Über Probleme dieser Art zu reden ist in meiner Familie leider ganz schwierig. Vor ein paar Jahren war ich selbst in Therapie wegen Angststörungen, das wurde in der Familie so gut wie totgeschwiegen. Nur einmal hat meine Mutter ganz kurz das Thema angerissen, dass "solche Tabletten" (= Antidepressiva), die ich damals genommen habe, ihr sicher auch helfen würden. Es war damals eine schwierige Zeit für meine Eltern (schwere Krankheit und Pflegefall in der Familie), so dass ich ihr geraten habe, mal mit dem Hausarzt zu sprechen, ob sie eventuell auch behandelt werden sollte und habe ihr auch übers Internet Adressen von Psychtherapeuten rausgesucht... Aber das hat sie dann schnell abgeblockt ("was würde Vater denken?" - für diese Generation bedeutet ein Psychologe ja leider ungefähr "Irrenanstalt" ) und mit "noch geht es ja" abgetan.

    Puh, irgendwie fühle ich mich trotzdem "schuldig" ... ich wohne weiter weg, komme "nur" alle paar Wochen mal nach Hause und bin die einzige Tochter. Ich weiß, dass meine Eltern darunter leiden, dass sie mich nicht öfter sehen können und fühle mich irgendwie verantwortlich dafür, meine Mutter aufzuheitern. Andererseits weiß ich, dass sie ihr Leben selbst in die Hand nehmen muss. Sie klammert auch und fragt oft, wann ich denn mal wieder komme, obwohl wir eh schon alle zwei Tage spätestens telefonieren und uns ca. alle drei Wochen gegenseitig besuchen. Ich komme ja auch gerne aber dieser (gefühlte?) Druck ist manchmal sehr schwer für mich auszuhalten.

    Gibt es jemanden, der ähnliches erlebt hat und weiß, wie ich damit besser umgehen kann?

    Vielen Dank und liebe Grüße vom
    Wassernixlein

  2. Inaktiver User

    AW: Labile Mutter

    du könntest von dir erzählen, dass dir die therapie und wie gut sie geholfen hat- deiner mama die angst vor ausgegrenztwerden aufgrund von psychologischen problemen, zu nehmen.

    ihr anhand deines beispieles die angst davor ein wenig nehmen, ihr mut machen sich drauf einzulassen und ihr begleitung anzubieten.

    um beim beispiel einer knieverletzung: du kannst ihr anbieten, dass sie sich bei dir einhängen kann, dass du ihr hilfst- aber aufstehen nach dem sturz muss sie auch wollen und selbst wollen.

  3. User Info Menu

    AW: Labile Mutter

    Hallo Brighid,

    danke für Deinen Tipp! Ich habe schon öfter mal versucht Tipps zu geben - auch z. B. als meine Mutter "alleine zuhause" war (ich ausgezogen und mein Vater hat noch gearbeitet). Da hat sie sich ab und an beklagt, dass sie nur "am Warten" ist, bis Vater oder ich mal nach Hause kommen. Und meine Tipps, dass sie doch einen VHS-Kurs machen soll (Sprachen z. B. haben sie immer sehr interessiert) oder kleinere Kinder betreuen könnte oder, oder, oder ... haben nie gefruchtet. Immer gab es einen anderen Grund, warum dies oder das nicht geht (Sprachkurs findet nur dann statt wenn meine Eltern wegfahren wollen, Kinder machen zuviel Lärm für Vater etc etc.), so dass ich nicht weiß, ob ich mit Ratschlägen weiterkomme.

    Ich habe ehrlich gesagt auch Angst das anzsprechen weil in meiner Familie wie gesagt eigentlich nie über Gefühle, Ängste oder ähnliches gesprochen wurde und weiß gar nicht, wie ich ein Gespräch beginnen könnte. Seltsamerweise habe ich bei Freunden gar kein Problem so etwas anzusprechen ("ich habe das Gefühl Dir gehts gerade nicht so gut"). Seltsam, oder?

    Liebe Grüße vom
    Wassernixlein

  4. Inaktiver User

    AW: Labile Mutter

    nicht sie ansprechen- sondern von dir erzählen.

    die sogenannten: ich-botschaften. wie es dir ergangen ist, wie sehr es dir geholfen hat.

    ihr bei veranstaltungen garnicht erst die auswahl geben sondern fragen: gehts du mit mir mit dahin?

    mir scheint, deine mama möchte- aber sie traut sich nicht den ersten schritt über die schwelle zu tun. sei ihr ein beispiel.

  5. Inaktiver User

    AW: Labile Mutter

    bei freunden ist es auch einfacher.

    die mutter, war die erste person in deinem leben- wenn du dich um sie kümmerst drehst du das uralt modell: eltern kümmern sich um kinder ja auf den kopf.

    aber tue es.

    sie sind älter als wir- und es ist nicht einfach von den kindern zu lernen, etwas anzunehmen- aber es ist machbar. und mit zunehmendem lebensalter wird es immer häufiger vorkommen und realität.

  6. User Info Menu

    AW: Labile Mutter

    Liebes Wassernixlein,

    ich bin auch seit ein paar Wochen wieder sehr aktiv hier im Forum unterwegs, weil mich "Familie" in vielerei Form beschäftigt.

    Meine Mutter war auch stimmungsschwankend. Allerdings nicht mit Traurigkeit, sondern sie war schnell wütend. Dieses "Erahnen" der aktuellen Lage ist mir auch sehr vertraut und ich habe diesen Fühler auch mit in mein Erwachsenenleben mitgenommen, was manchmal sehr schwer ist.

    Deine Mutter ist in den 1950iger Jahren geboren. Nachkriegsgeneration. Weißt Du etwas über ihre Kindheit/Jugend ?
    Überhaupt über ihr (Gefühls)Leben? Außer das aus Deiner Tochter /Mutter-Sicht ? Frag sie doch einfach mal so, wie damals ihre Schulzeit, Ausbildung, das Kennenlernen Deines Vaters war..Wie Deine Großeltern waren. Dann kommst Du ggf. von hinten um die Kurve an bestimmte Themen, die sie einfach nicht loslassen.

    Vielleicht gibt es einen Grund für ihre Melancholie. Vielleicht ist sie aber auch generell sehr sensibel und konnte ihre Gefühle einfach nicht ausleben, weil sie einfach funktionieren musste.

    Wenn "Therapie" sie abschreckt, dann sei ihr so etwas wie eine Vertraute. So wie Du es bei einer Freundin machen würdest. Auch Mütter können von uns lernen.

    lg
    polilla

  7. User Info Menu

    AW: Labile Mutter

    Hallo Brighid,

    sorry, jetzt habe ich Dich verstanden. Ja, so könnte es funktionieren, wenn ich von MIR erzähle. Das werde ich versuchen, danke für den Tipp! Was meine Mutter dann umsetzt, kann ich natürlich nicht sagen aber das ist dann wohl auch ihr Part, auf den ich keinen Einfluss habe.

    Hallo Polilla,

    danke, "Melancholie" war das Wort, das mir gefehlt hat, ich spüre da immer eine sehr starke Melancholie, obwohl meine Eltern von außen betrachtet ein glückliches und ausgefülltes Leben haben, keine finanziellen Sorgen, Gesundheit (zum Glück wieder), und eine gute Partnerschaft, soweit ich das beurteilen kann. Ja, meine Mutter ist ein Nachkriegskind und ich weiß, dass sie keine einfache Kindheit hatte (wahrscheinlich hatte das niemand aus dieser Generation), mit krankem Vater und vielen Entbehrungen, in der sie immer "funktionieren" musste.

    Im "Erahnen" von Stimmungen bin ich (leider!) auch ganz große Klasse und fühle mich dann oft auch für die Stimmungen von Freunden oder Kollegen "verantwortlich", obwohl ich das neutral betrachtet natürlich überhaupt nicht bin, logisch.

    Vielen Dank für Eure Hilfe und liebe Grüße vom
    Wassernixlein

  8. Inaktiver User

    AW: Labile Mutter

    gucke ab und zu nach veranstaltungen, vhs-kurse- und sage ihr: ich möchte, dass wir das zusammen machen.

    ich glaube dass deine mama in einem labyrinth ist, sie will ja raus- aber sie findet den anfang nicht. du siehst den anfang- dann klemme sie dir unter den arm und schleppe sie einfach mal zum frühstücken ins cafe, ins museum, in eine ein-mal-veranstaltung vom vhs.

    usw.

  9. Inaktiver User

    AW: Labile Mutter

    deine mama ist nachkriegsgeneration- da wurde über "sowas" nicht geredet- da waren alle nur froh, dass es weiter und aufwärts ging. sie hat das nie gelernt sich selbst und ihre eigenen bedürfnisse erstmal wahrzunehmen und dann auch noch ernstzunehmen.

  10. User Info Menu

    AW: Labile Mutter

    da hab ich mich ein bißchen mit brighid überschnitten -hab einfach zu langsam getippt- wollte in etwa das Gleiche sagen...

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