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    Tiefenpsychologische Therapie

    Hallo Community,

    ich bitte um einen Blick von außen und/oder Eure Gedanken zu Folgendem:
    Ich bin gerade in einer tiefenpsychologischen Therapie, fünf probatorische und sechs reguläre Termine sind vorbei. Ich knappse an einem sehr belastenden Thema, welches mich mehr als zehn Jahre aktiv beschäftigt hat. Diese Thematik ist abgeschlossen, aber ich bin seelisch verwundet.

    Mir ist vom Kopf her klar, dass eine Besserung meiner Gemütslage nicht innerhalb kurzer Zeit möglich ist. Aber ich bin ungeduldig, ich will! dass es mir zügig besser geht.

    Die Psychotherapeutin arbeitet (ich bin absoluter Laie) mit Übertragungen. In der letzten Stunde sprach ich von meiner Ungeduld. Sie interpretierte es so, dass ich mir ihrer Arbeit unzufrieden sei und die Therapie abbrechen möchte. Ich war überrascht und konnte sofort sagen, dass dies überhaupt nicht mein Weg wäre. Dann stellte sie fest, dass ich verärgert sei. Nein, war ich auch nicht, ich war einfach nur überrascht. Dann meinte sie, dass sie jetzt aber auch ungeduldig mit mir werden würde.
    Ich stellte ihr die Frage, ob sie denn wolle, dass ich die Therapie bei ihr beende. Sie darauf: Das würde ja dann schön einfach sein, wenn ich ihr die Schuld fürs scheitern geben könne.

    Schuld, was für ein Wort... Ehrlich, ich bin überfordert. In den zurückliegenden Stunden hatte ich immer mal wieder die Frage, wie ich es denn richtig machen könne, damit ich die Therapiestunden auch gut nutze. Wie es praktisch funktioniert, dass es mir bald besser geht.

    Aber wenn Therapie bedeutet, dass ich mich mit den Empfindungen der Therapeutin auseinander setzen muss? Übertragung = Interpretation, aber das ist doch ihrs und nicht meins...?

    Man, ich war froh, es fing ganz gut an, jetzt weiß ich nicht, ob sie die Richtige ist.
    Schreibt mir doch bitte mal Eure Gedanken dazu, vielen Dank, Kieselmurmel

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    AW: Tiefenpsychologische Therapie

    Ich habe selbst keine Therapieerfahrung, aber ich würde an deiner Stelle so vorgehen:
    Zunächst würde ich in Ruhe überlegen, ob die Therapeutin vielleicht Recht hat (ganz ohne vorgefasste Meinung!), ob sie ganz oder teilweise falsch liegt. Denn du brauchst ja eine fundierte Grundlage, wenn du in der nächsten Stunde mit ihr darüber redest.

    Dann würde ich ihr ruhig erzählen, dass dich ihre Reaktionen irritiert haben (ehrlich gesagt wirkst du ziemlich beleidigt - warum eigentlich?). Ich finde, man kann über alles reden. Irritationen sind doch normal zwischen zwei Menschen. Vielleicht müsstest du für dich selbst doch mal „untersuchen“, welche konkreten Erwartungen du an die Therapeutin hast.

    Vor allem würde ich mich bemühen, das Gespräch locker anzugehen, ohne Vorwürfe. Vielleicht wird dann die Therapeutin auch wieder lockerer.

    Auf mich wirkt das Ganze so, als würde viel Unausgesprochenes zwischen euch liegen. Von einer Therapie würde ich persönlich erwarten, dass man genau über solche Sachen spricht (ist doch eigentlich spannend, oder nicht?)

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    AW: Tiefenpsychologische Therapie

    Hallo Lea,
    danke für Deine schnelle Antwort.

    Das ich beleidigt wirke... ok, hatte ich jetzt garnicht auf meinem Schirm. Und wenn ich drüber nachdenke, kann ich nur schreiben, dass ich nicht beleidigt bin. Ich glaube, dass ich damit überfordert bin, wenn ich in dieser Therapie das Gefühl habe, dass ich mich mit den Empfindungen der Therapeutin irgendwie auseinandersetzen muss. Da ich ja genug mit meinen eigenen Empfindungen zu tun habe. Ach, ist schwierig, das hier ohne Mimik und Gestik rüber zubringen.

    Ich grübele eh den ganzen Tag und träume wirres Zeug und jetzt habe ich praktisch ein zusätzliches Thema „Beziehung zwischen mir und Therapeutin“. Praktisch ein zusätzliches Problem. Damit habe ich nicht gerechnet.

    Gruß, Kieselmurmel

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    AW: Tiefenpsychologische Therapie

    @Kieselmurmel: Ich finde überhaupt nicht, dass du beleidigt klingst. Ich lese das aus deinen Zeilen nicht heraus.

    Im Gegenteil: So, wie du es beschrieben hast, wirkt es auf mich eher so, als ob die Therapeutin beleidigt gewesen wäre. Und sie hat deine Erklärung ja auch nicht angenommen, sondern sie quasi verdreht. So stellt es sich für mich dar. Finde ich schon etwas seltsam von der Therapeutin.

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    AW: Tiefenpsychologische Therapie

    Vielleicht habe ich es mit dem Wort „beleidigt“ zu negativ ausgedrückt. Vielleicht trifft es gekränkt besser. Bist du das denn nicht?
    Ich habe schon den Eindruck, dass du denkst, warum soll ich denn jetzt mich mit der Therapeutin auseinander setzen?!

    Wirst du es denn mit deiner Therapeutin besprechen, dass dir die letzte Stunde nicht behagt hat?

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    AW: Tiefenpsychologische Therapie

    Ich würde sie auf jeden Fall beim nächsten Mal darauf ansprechen. Grundsätzlich klingt das für mich aber nicht verkehrt. Sie wollte vielleicht aus dir herauskitzeln, welche Gefühle hinter der Ungeduld stehen. Vielleicht wollte sie dich provozieren, so dass du z.B. erkennst, dass du eigentlich auf dich selbst ärgerlich bist oder dir selbst die Schuld gibst? Dass du zu wenig Mitgefühl mit dir selbst hast, deine Probleme nicht annehmen kannst (ein Klassiker der Therapie;-)?

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    AW: Tiefenpsychologische Therapie

    Zitat Zitat von Kieselmurmel Beitrag anzeigen
    Die Psychotherapeutin arbeitet (ich bin absoluter Laie) mit Übertragungen. In der letzten Stunde sprach ich von meiner Ungeduld. Sie interpretierte es so, dass ich mir ihrer Arbeit unzufrieden sei und die Therapie abbrechen möchte. Ich war überrascht und konnte sofort sagen, dass dies überhaupt nicht mein Weg wäre. Dann stellte sie fest, dass ich verärgert sei. Nein, war ich auch nicht, ich war einfach nur überrascht. Dann meinte sie, dass sie jetzt aber auch ungeduldig mit mir werden würde.
    Ich stellte ihr die Frage, ob sie denn wolle, dass ich die Therapie bei ihr beende. Sie darauf: Das würde ja dann schön einfach sein, wenn ich ihr die Schuld fürs scheitern geben könne.
    Meine völlig laienhafte Außenperspektive: Ich käme damit nicht gut zurecht.

    Die ganze Situation ist ja ziemlich paradox. Wenn man der Therapeutin beipflichtet, dann sieht sie ihre Lesart bestätigt. Wenn man ihr nicht beipflichtet, dann wird einem das als Ärger und Abwehr ausgelegt und sie sieht ihre Lesart erst recht bestätigt.

    Ich erlebe das gelegentlich in der Alltagskommunikation mit Menschen, die besonders empathisch sind oder sein wollen. "Du siehst bedrückt aus." Wenn man im in völlig entspanntem Ton erklärt, nicht bedrück zu sein, dann wird weitergebohrt. Erklärt man etwas nachdrücklicher, dass man nicht bedrückt ist, dann sieht sich die Fragestellerin auf der richtigen Fährte: "Du hast doch irgendwas. Aber wenn du nicht darüber reden willst..." Erklärt man dann sehr vehement, dass man keineswegs bedrückt ist, dann kommt "Warum bist du nur so verärgert. Daran merkt man doch, dass dich etwas belastet..."

    Im Alltag kann man mit solchen Kommunikationsmustern zurechtkommen, in einer psychotherapeutischen Behandlung hätte ich meine riesigen Probleme damit.

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    AW: Tiefenpsychologische Therapie

    Zitat Zitat von Kieselmurmel Beitrag anzeigen
    Ich grübele eh den ganzen Tag und träume wirres Zeug und jetzt habe ich praktisch ein zusätzliches Thema „Beziehung zwischen mir und Therapeutin“.
    Praktisch ein zusätzliches Problem. Damit habe ich nicht gerechnet.
    Therapien sind immer für Überraschungen gut ...
    vielleicht ist genau DAS dein Problem, obwohl du vielleicht wegen etwas ganz anderem zur Therapeutin gehst?

    Es ist durchaus möglich, dass deine Therapeutin dich spiegelt ..
    .sie hält dir einen Spiegel vor, so wie sie dich wahrnimmt.
    Sprich mit ihr über DEINE Wahrnehungen ...das ist sehr wichtig, um weiter zu kommen ..
    egal, wie das Gespräch auch ausgeht.
    Es ist immer JETZT

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    AW: Tiefenpsychologische Therapie

    @PollexNiger2: Ich stimme dir zu und finde, dass du ein sehr gutes, anschauliches Beispiel gebracht hast.

    Auf mich wirkt das Verhalten der Therapeutin - ausgehend von dem, was @Kieselmurmel geschrieben hat - schlichtweg unprofessionell. Im Grunde hat sie @Kieselmurmel das Wort im Munde umgedreht. Und ich habe spontan wenig Lust, das in irgendeiner Weise schönzureden.

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    AW: Tiefenpsychologische Therapie

    Sehe ich auch so.....

    Die Therapeutin soll mich bei meinen Problemen begleiten/unterstützen..... Auch mal kritisch nachfragen ist ok.

    Aber was te geschrieben hat, wäre für mich ein Grund zum aufstehen und gehen...
    Betrunken flirten ist wie hungrig Einkaufen gehen.

    Man geht mit Sachen nach Hause, die man eigentlich gar nicht will
    .

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