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  1. Registriert seit
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    Realitätsgehalt fiktiver Psychiatrie-Romane?

    Hallo ,

    was denkt Ihr, wie realistisch die Darstellung von Psychiatrie in fiktiven Romanen ist? Findet Ihr das wichtig, dass auch fiktive Geschichten ein halbwegs realistisches Bild von Psychiatrie zeichnen?

    Ich mag den Roman "Veronika beschließt zu sterben" von Paulo Coelho sehr , obwohl ich ihn an einigen Stellen eher realitätsfern finde . So z.B. die Menschen, die obwohl sie geheilt sind, in der Psychiatrie bleiben, weil sie sich dort verrückt verhalten dürfen, ohne verurteilt zu werden. Das würde in Deutschland doch allein keine Krankenkasse mitmachen. Nun hat Paulo Coelho laut SZ-Magazin ja selbst Psychiatrie-Erfahrung, allerdings nicht in Deutschland, sondern in Brasilien. Vielleicht ist es dort anders. Auch finde ich die therapeutische Intervention, Veronika vorzumachen, sie sei todkrank, obwohl sie es nicht ist, nicht sehr realitätsnah .

    Realitätsnäher finde ich da den Roman "Der Stuhl - Erfahrungen einer Sitzgelegenheit in der Psychiatrie" von Lisa Jüh . Sicher kann man sehr unterschiedliche Erfahrungen in der Psychiatrie machen. Bis auf wenige Ausnahmen wird in Jüh's Roman eher von unterstützenden und hilfreichen Erfahrungen insbesondere zwischen den Mitpatienten erzählt. Solche, wie aus der Perspektive des Stuhls bei den Patienten beschrieben, kann ich mir durchaus in der Realität gut vorstellen.

    Was denkt Ihr?

    Schöne Grüße
    Fee

  2. Moderation
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    AW: Realitätsgehalt fiktiver Psychiatrie-Romane?

    Ich denke, bei jedem Buch anders: Und man muß nicht nur berücksichtigen, wer ist der Autor, welche Geschichte will er erzählen und wie dient ihm die Psychatrie in seinem Zusammenhang, in wieweit dient die Wahrnehmung der Psychatrie der Charakterisierung seiner Protagonisten, sondern auch, aus welcher Zeit, welchem Ort und welcher Perspektive schreibt er oder sie uns?

    Das ist ein literarisches Thema, und man sollte es in diesem Rahmen betrachten.
    Ich bin normalerweise mehr auf der Seite, "Das Buch sagt, was es dem Leser sagt", aber wenn man in einem Buch nicht nur Ideen und Betrachtungen, ondern auch Informationen über die Welt finden möchte, ist es sinnvoll, zumindest mal die Biographie und vielleicht ein Interview mit dem Autor zu lesen.
    ** Moderatorin im Sparforum, und in "Fit und Sportlich"**
    ** ansonsten niemand besonderes **

  3. Avatar von Suzie Wong
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    AW: Realitätsgehalt fiktiver Psychiatrie-Romane?

    Fee, du bist lustig: erst fragst du nach Romanen, die in einer Psychiatrie spielen und dann hinterfragst du ihren Wahrheitsgehalt.
    suzie
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  4. Avatar von Akzent
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    AW: Realitätsgehalt fiktiver Psychiatrie-Romane?

    Was würde dir der Wahrheitsgehalt bedeuten, obwohl du es sowieso nicht selbst erlebst?

    - Der leichte Weg ist auch der richtige Weg -
    von Bruce Lee



  5. Registriert seit
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    AW: Realitätsgehalt fiktiver Psychiatrie-Romane?

    Ich finde auch fiktive Geschichten prägen unbewusst unsere Vorstellung von der Welt. Und gerade wenn man keine Berührungspunkte zur Psychiatrie hat, finde ich es problematisch, wenn man sich ein vollkommen unrealistisches Bild macht.

  6. Moderation Avatar von maryquitecontrary
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    AW: Realitätsgehalt fiktiver Psychiatrie-Romane?

    Naja, ich nehme an, dass auch Kriminalromane nur punktuell mit der Wirklichkeit von Verbrechen und Polizeiarbeit zu tun haben.
    that was the river - this is the sea


    Moderation im Forum "Persönlichkeit"


  7. Registriert seit
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    AW: Realitätsgehalt fiktiver Psychiatrie-Romane?

    Das stimmt. Auch da würde ich eher realtitätsnähere bevorzugen.

  8. Inaktiver User

    AW: Realitätsgehalt fiktiver Psychiatrie-Romane?

    Coelho ist vermutlich eher unter 'Gedankenexperiment' einzuordnen, bzw. steht bei ihm ja stark der philosophisch-spirituelle Aspekt im Vordergrund.
    Den man im echten Leben nicht unbedingt aus der Psychiatrie (als Ort, als Institution, als Industrie auch) abstrahieren kann.
    Es war dort in erster Linie - monoton.
    Die meisten Krankheitsgeschichten eignen sich (trotz des Namens) wohl nicht fuer Literatur. Und falls doch: muss sie schon die betreffende Person selbst schreiben - und auch nur ueber sich selbst, denn andere in (s)einen Roman zu zerren, halt ich mehrfach fuer bedenklich - juristisch, moralisch, etc.

    Bei Susanna Kaysen, Girl Interrupted, kann ich mir halbwegs vorstellen, dass es wahrheitsgetreu ist,
    und Sylvia Plaths Bell Jar - von dem ich behaupte, dass es ein ueberlanges Gedicht ist; dementsprechend wuerde ich es rezipieren. Aber z.B. die beschriebenen Routinen und Methoden entsprechen en gros den Fakten, soweit ich es ihrer Biographie entnehmen kann.


  9. Registriert seit
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    AW: Realitätsgehalt fiktiver Psychiatrie-Romane?

    Wieso interessiert dich das überhaupt so?

    Ich meine, es ist doch relativ klar, dass so ziemlich alle topoi () aller Genres mit der Realität nicht so super viel zu tun haben. Liegt an der Realität, fürchte ich

    Denk mal an "Forsthaus Falkenau" oder "Schwarzwald Klinik" - kein normaler Mensch sieht sich 1:1 Verfilmungen der deutschen Forstwirtschaft oder eines Provinzkrankenhauses an. Und schon gleich 3 x nicht über zig Staffeln.

    Daher wird jedes Thema immer aufbereitet: konzentriert, überspitzt, gestrafft, Happy end verpasst.

    Sogar bei Sachbüchern sollte man drauf achten, was der Tenor des Buches ist. Häufig korrelieren Titel und Inhalt. So wird ein Buch das "Skandal auf Station 3, Schwester Hildegard packt schonungslos aus" eher die Probleme des Gesundheitswesen schildern. "Aspirin die Weltmedizin. 100 Jahre Bayer. Wie eine Firma die Menschheit heilte" eher wenig kritisches über den Bayer Konzern enthalten.

    Du stellst dir das Leben in Cornwall doch auch nicht so wie in einem Pilcher-Roman vor, oder?

    Was willst du denn wissen über die Psychiatrie?

  10. Avatar von Punpun
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    AW: Realitätsgehalt fiktiver Psychiatrie-Romane?

    Beim berühmten Einer flog übers Kuckucksnest war der Autor vorher Aushilfspfleger in einer Psychiatrie , denke das dürfte die damalige Zeit in den Psychiatrien der USA der 40er oder 50er Jahre des letzten Jahrhunderst schon wiedergeben.
    Allerdings hat der berühmt berüchtigte Autor Ken Kesey auch u.a viel Drogen zu sich genommen und Aktionshippiekunst mit freier Liebe durchgeführt (siehe „Merry Pranksters“)
    Einer flog uber das Kuckucksnest (Roman) – Wikipedia


    Interessanter finde ich die Berichte vom Hochstapler Gert Postel, der sich mal als Amtsarzt in solch einer Einrichtung eingeschleust hat und Gutachten verfasst hat .
    Denke der dürfte eher in seinen Erzählungen über seine Jobs wie in der Psychiatrie undals "Amtsarzt" weniger verschweigen oder Angst haben etwas frei über Zustände zu berichten. Gibt einige Dokusbei youtube und Berichte
    Gert Postel – Wikipedia


    Über den Fall Gustl Mollath gibt es zwar keinen Roman, aber sehr viele Sachbücher die auch ein gutes realistisches Bild abdecken
    Gustl Mollath – Wikipedia

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