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  1. Registriert seit
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    Psychotherapie - Verschlechterung

    Hallo,

    ich stecke relativ am Anfang einer tiefenpsychologischen Psychotherapie (ca. 10. Sitzung inkl. probatorische Sitzungen). Eine definitive Diagnose kenne ich nicht. Auf jeden Fall gibt es Anteile einer leichten bis mittelschweren Depression. Hierfür werden quartalsweise Fragebögen ausgefüllt, wie man sich in den letzten 2 Wochen gefühlt hat. Naja, da kommt es bei mir immer ein wenig drauf an, welche 2 Wochen gerade erwischt werden. Nach 2 guten Wochen kann da was ganz anderes bei rauskommen als eine Woche später, wenn vielleicht eine ganz schlechte Woche dabei war. So wie z. B. letzte Woche.

    Nun gut. Was mich erschreckt ist, dass ich mich nach der letzten Sitzung so richtig schlecht gefühlt hab. In so einem tiefen Loch habe ich das letzte Mal vor 3,5 Jahren gesteckt, nachdem meine gesamte private Situation den Bach runter gegangen ist inkl. Tod meiner Mutter und damit einhergehend das Zerwürfnis mit meine Schwester.

    Diesem tiefen Loch geht schon eine stetige Verschlechterung meines psychischen Zustands vorher. Ich bin total durcheinander: Hochs wechseln sich mit immer längeren und schlimmeren Tiefs ab. Dadurch leide ich unter Stimmungsschwankungen, was zu teilweise mangelnder Impulskontrolle führt, wodurch ich meine Mitmenschen vor den Kopf stoße... und ich fühle mich noch schlechter, d. h. als "Versagerin".

    Mein Therapeut erkennt meine Situation schon ganz gut. Darum bin ich nicht sicher, ob ich das jetzt einfach aushalten muss, oder die Therapie bzw. die Ansätze vielleicht doch nicht die richtigen sind. Ich habe Angst, was jetzt noch so kommt.

    Morgen habe ich die nächste Sitzung, wo ich das auch mit ihm besprechen werde. Aber ich würde gern mal objektive Meinungen hören. Ist das normal oder nicht? Und wenn hier welche ähnliche Erfahrungen gemacht haben: Wie seid Ihr damit umgegangen?

    Weiteres Problem: Ich arbeite Vollzeit und bin dort aktuell auch ziemlichen emotionalen Herausforderungen ausgesetzt, die ich aktuell auch nur schwer aushalte. Ich bin unsicher wie ich damit umgehen soll; ob es nicht kontraproduktiv ist, die Therapie neben dem Job weiter zu machen, wodurch sich die negativen Gefühle noch gegenseitig verstärken. Wie seid Ihr damit umgegangen?

    Ich freue mich über Feedback! :)

  2. Avatar von Ulina
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    AW: Psychotherapie - Verschlechterung

    Mir ging es während der Therapie auch oft schlechter als vorher. Klar, wenn es ans Eingemachte geht und Situationen zum Vorschein kommen, die man jahrelang "versteckt" hat, dann geht es einem nicht so toll danach.
    Ich fand es für mich immer gut, dass mein Therapeut wusste wie es mir geht und er mich fast immer verstanden hat.


  3. Registriert seit
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    AW: Psychotherapie - Verschlechterung

    Zitat Zitat von Ulina Beitrag anzeigen
    Mir ging es während der Therapie auch oft schlechter als vorher. Klar, wenn es ans Eingemachte geht und Situationen zum Vorschein kommen, die man jahrelang "versteckt" hat, dann geht es einem nicht so toll danach.
    Ich fand es für mich immer gut, dass mein Therapeut wusste wie es mir geht und er mich fast immer verstanden hat.
    Hallo Ulina,

    erstmal Danke für Deine Antwort!

    Ja, das hat mir mein Therapeut auch erklärt, dass es am Anfang zur Verschlechterung kommen kann. Aber letzte Woche war das echt heftig. Ich hatte das Gefühl, da nicht mehr raus zu kommen, was sich GsD nicht bewahrheitet hat. So wollte ich mich nur eigentlich NIE wieder fühlen. So wertlos...

    Und daraufhin habe ich mal ein wenig im Netz gestöbert und gelesen, dass eine Therapie auch re-traumatisieren kann, sprich alles schlimmer wird als vorher. Und davor habe ich echt Angst. Denn das würde wieder in Richtung "suizidale Gedanken" gehen. Und ich war froh, dass ich da eigentlich drüber hinaus war.
    Ich habe eben auch niemanden, mit dem ich darüber wirklich reden kann. Ich mache das - mal wieder - mit mir alleine aus. Und es kostet mich unheimlich viel Kraft, mich quasi wieder am eigenen Schopf aus dem Sumpf zu ziehen.

    Ich habe auch Angst, morgen nach der Sitzung wieder an diesen Punkt der "Selbst-Niedermachung" zu stehen. Und das kann ich - auch im Hinblick auf meine aktuelle berufliche Situation (Mobbinganzeichen meines direkten Kollegen) - überhaupt nicht gebrauchen.

  4. Avatar von Ulina
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    AW: Psychotherapie - Verschlechterung

    Es kommt nur das zum Vorschein, was in dir drin ist/war. Ist natürlich blöd, dass du im Beruf fit sein musst. Da hatte ich es leichter, weil ich oft Zeit hatte, mich mit mir zu beschäftigen. Rede mit deinem Therapeuten darüber. Vielleicht kannst du deine Sitzungen auf freitags verlegen, damit du danach zwei Tage Zeit für dich hast.


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    AW: Psychotherapie - Verschlechterung

    Grundsätzlich: ja, Heilung bedeutet, dass man den ganzen Mist nochmals zu fühlen kriegt. oder nochmals mehrmals, immer wieder mal. Das ist normal und für sich kein Problem.

    Weiteres Problem: Ich arbeite Vollzeit und bin dort aktuell auch ziemlichen emotionalen Herausforderungen ausgesetzt, die ich aktuell auch nur schwer aushalte. Ich bin unsicher wie ich damit umgehen soll; ob es nicht kontraproduktiv ist, die Therapie neben dem Job weiter zu machen, wodurch sich die negativen Gefühle noch gegenseitig verstärken.
    Würde ich beim Therapeuten ansprechen; solche Auseinandersetzungen mit sich selbst erfogen in der Tat eine Menge Energie, wenn man dann beim Job noch zusätzlich einen grossen Brocken hat, kann das schon zuviel werden.

    Da kann ich mir verschiedene Optionen vorstellen - vielleicht die, erst mal das Mobbingproblem im Geschäft in der Psychotherapie zu behandeln? Grössere Abstände zwischen den psychotherapeutischen Sitzungen, um mehr Zeit zu haben, um alles zu verarbeiten? den Therapeuten fragen, was er meint, was das beste Vorgehen sei? ... oder sonst etwas

    Es geht um dich, dein Leben, deine Bedürfnisse. Es ist gut und richtig, dass du für dich sorgst; Ängste und Zwefel aussprichst, und klare Antworten holst; dass du tust, was dir hilft.

    gruss, barbara
    It's easy.
    Manny Pacquiao


  6. Registriert seit
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    AW: Psychotherapie - Verschlechterung

    Danke Euch. Ich werde das morgen mit dem Therapeuten besprechen.


  7. Registriert seit
    15.03.2017
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    AW: Psychotherapie - Verschlechterung

    Hallo,

    ich habe vorgestern mit meinem Therapeuten gesprochen. Er ist sehr gut auf die Verschlechterung eingegangen und hat mir erklärt, dass das normal ist. Er ist mit mir auf den Grund dieser Verschlechterung gegangen, was gar nicht so einfach war. Die Stunde hat leider nicht ausgereicht, um alles zu besprechen. Und jetzt geht er erstmal in den Urlaub. Die nächste Stunde ist erst in einem Monat.

    Aber mal zu meinem anderen - akuten - Problem:
    (Wenn das besser im Jobforum aufgehoben ist, bitte gern verschieben)

    Wie ich bereits schrieb, habe ich aktuell ein größeres Problem mit meinem Kollegen, das mich sehr belastet. Leider sind wir in der Stunde nicht dazu gekommen, dieses zu besprechen.

    Was aktuell in den Sitzungen verstärkt besprochen wird, ist dass ich mich selbst mehr wertschätzen lernen und meine Bedürfnisse ernster nehmen muss. Mein direkter Kollege ist da allerdings ein harter Brocken, der mich die ganze Zeit diesbezüglich an meine Grenzen bringt. Er ist sehr dominant und egoistisch, dabei mittlerweile auch recht "größenwahnsinnig" geworden. Er benimmt sich teilweise wie ein verwöhntes Einzelkind, und wenn er nicht bekommt, was er will, wird er trotzig und mir gegenüber sehr respektlos. Im Grunde ist er mir gegenüber immer relativ respektlos, aber in Situationen, in denen wir nicht einer Meinung sind, verstärkt sich das nochmal um ein Vielfaches. Und dies führt mich eben genau wieder in dieses Gefühl der Minderwertigkeit, welches ich gerade versuche, mit viel Kraft zu überwinden.

    Anfang der Woche hat er mir z. B. eine (gefühlt) schikanöse Aufgabe gegeben, die ich nicht in der Form erfüllen wollte, da dies so nicht Usus ist in unserer Firma. Es ging um eine Dokumentation, wobei er was das Thema angeht, selbst eine absolute Vollkatastrophe ist. Ich habe es dann mal so gehandhabt wie er es umgekehrt machen würde und die Aufgabe einfach abgelehnt. Er ist mir nicht vorgesetzt und kann mir somit keine Anweisungen geben. Nach dieser "Ablehnung" hatte ich totales Herzrasen und Magenschmerzen vor Angst, was da jetzt evtl. noch kommt. Ich hatte erwartet, dass er nun zu unserem Vorgesetzten geht und dort die Erfüllung der Aufgabe einfordert, was bis jetzt allerdings noch nicht passiert ist. Generell ist es momentan ein ziemlicher Kampf zwischen uns, da wir uns beide nicht (mehr) die Butter vom Brot nehmen lassen wollen.

    Bislang habe ich sein Verhalten immer "ausgehalten", was vor meinem Urlaub dann aufgrund einer Kleinigkeit zu einer ziemlichen Explosion meinerseits geführt hat. Dazu möchte ich es nicht wieder kommen lassen, weshalb ich begonnen habe, ihm nun sozusagen den Spiegel vorzuhalten, was nur leider nicht wirklich meiner Natur entspricht.

    Ich merke, dass mir diese Situation sehr viel Energie raubt, die ich eigentlich gerade für meine Therapie benötige, die ja nicht nur in den Sitzungen stattfindet, sondern eben gerade auch im Alltag mich stetig begleitet. Jeden Tag graust es mir momentan vor der Arbeit, und das, obwohl ich meinen Job liebe. Daher bin ich nach meinem Urlaub ja auch wieder zur Arbeit gegangen, obwohl ich von meinem Arzt das Angebot der Krankschreibung erhielt. Ich dachte, der Job hilft mir vielleicht auch, wieder Selbstwertgefühl aufzubauen.

    Doch die ständige Konfrontation mit meinem Kollegen halte ich nur schwer aus im Moment. Daher hat ich sogar schon überlegt, ob ich in eine Tagesklinik oder so gehen soll, um aus meinem Arbeitsumfeld raus zu kommen und mich ganz auf meine Therapie zu konzentrieren. Das ist natürlich nicht so einfach und müsste ich mit meinem Therapeuten besprechen.

    Da ich sonst niemanden habe, mit dem ich darüber reden kann, versuche ich nun, mir anderweitig Rat einzuholen. Und das seid in diesem Falle Ihr. Was würdet Ihr mir raten?


  8. Registriert seit
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    AW: Psychotherapie - Verschlechterung

    Zitat Zitat von Anky-v-G Beitrag anzeigen
    Anfang der Woche hat er mir z. B. eine (gefühlt) schikanöse Aufgabe gegeben, die ich nicht in der Form erfüllen wollte, da dies so nicht Usus ist in unserer Firma. Es ging um eine Dokumentation, wobei er was das Thema angeht, selbst eine absolute Vollkatastrophe ist. Ich habe es dann mal so gehandhabt wie er es umgekehrt machen würde und die Aufgabe einfach abgelehnt. Er ist mir nicht vorgesetzt und kann mir somit keine Anweisungen geben. Nach dieser "Ablehnung" hatte ich totales Herzrasen und Magenschmerzen vor Angst, was da jetzt evtl. noch kommt. Ich hatte erwartet, dass er nun zu unserem Vorgesetzten geht und dort die Erfüllung der Aufgabe einfordert, was bis jetzt allerdings noch nicht passiert ist.
    Es wird nichts passieren.

    Er hat es versucht, du hast ihn auflaufen lassen, Ende der Geschichte. Was sollte er denn zum Vorgesetzten sagen? "Chef, ich hab versucht, der Kollegin eine Aufgabe aufzubrummen, die eigentlich ich und nicht sie machen müsste, und sie hat abgelehnt"? - da wird wohl jeder Chef in Gelächter ausbrechen, dir Recht geben, und dem Harry Hirsch sagen, er müsse da selbst ran! ist ja sein Job, nicht deiner!

    Mach das noch zwei, drei Mal, und es wird wohl für eine ganze Weile gut sein! top


    Generell ist es momentan ein ziemlicher Kampf zwischen uns, da wir uns beide nicht (mehr) die Butter vom Brot nehmen lassen wollen.
    gut so! Halt die Ohren steif, lass dir die Butter nicht klauen.

    und halte den Aufruhr im Innern aus. Du wirst sehen, es wird in Realität viel weniger schlimm, als der Aufruhr dir androht.


    Dazu möchte ich es nicht wieder kommen lassen, weshalb ich begonnen habe, ihm nun sozusagen den Spiegel vorzuhalten, was nur leider nicht wirklich meiner Natur entspricht.
    oft geben unsere Naturen deutlich mehr her, als wir uns selbst zutrauen.

    und: Leute müssen es sich schon verdienen, dass ich nett zu ihnen bin! Wer mir frech oder unverschämt kommt, kriegt von mir das strikte (!) Minimum - mehr nicht.

    nett bin ich mit denen, die auch nett sind mit mir. mit den andern bin ich kühl-korrekt.



    Doch die ständige Konfrontation mit meinem Kollegen halte ich nur schwer aus im Moment. Daher hat ich sogar schon überlegt, ob ich in eine Tagesklinik oder so gehen soll, um aus meinem Arbeitsumfeld raus zu kommen und mich ganz auf meine Therapie zu konzentrieren.
    Gerade der Kollege ist doch ein hervorragendes Übungsobjekt, damit du lernen kannst, dihc selbst wertzuschätzen, deine Bedürfnisse in dir wahrzunehmen, und die dann auch zu kommunizieren und wenn nötig einzufordern.

    Das ist ja nicht ein anderes oder zusätziches Thema, das ist GENAU das worum es in der Therapie geht!

    Im Umgang mit dem Kollegen würde ich...

    - nur das allernötigste mit ihm besprechen. "Guten Tag", "Guten Abend", "Hier sind die Unterlagen für Kunde XY" - mehr nicht. Kein Smalltalk. Nichts Privates. GAR NICHTS ausser das, was du aus beruflichen Gründen nicht vermeiden kannst.

    - Wenn er versucht, mir Arbeit aufzuhalsen: kurz nachdenken "ist das mein Job oder nicht"?" (mein Job gemäss meiner Stellenbeschreibung, meinem Arbeitsvertrag...) - und wenn es nicht mein Job ist, sagen "nein, das mache ich nicht, das ist nicht mein Job".

    - @Respektlosigkeit - wie zeigt sich die denn, hast du da ein konkretes Beispiel einer solchen Situation? Nennt er dich "Mäuschen", verdreht er die Augen, wenn du was sagst, unterbricht er, weiss er alles besser...?

    Jeden Tag graust es mir momentan vor der Arbeit, und das, obwohl ich meinen Job liebe.
    ich denke, das Problem mit dem Kollegen ist lösbar. Herausfordernd, ja, schwierig, ja, aber lösbar. und wenn es dir gelingt, dich da durchzusetzen... wird die Welt eine andere werden für dich. :-)

    halt die Ohren steif, weiter so!

    gruss, barbara
    It's easy.
    Manny Pacquiao


  9. Registriert seit
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    AW: Psychotherapie - Verschlechterung

    Zitat Zitat von Anky-v-G Beitrag anzeigen
    ...

    Da ich sonst niemanden habe, mit dem ich darüber reden kann, versuche ich nun, mir anderweitig Rat einzuholen. Und das seid in diesem Falle Ihr. Was würdet Ihr mir raten?
    Wenn es eine Möglichkeit auf Versetzung in der Firma gibt, würde ich mich schleunigst darum bemühen. In diesem immerwährenden Kampf mit diesem Kollegen kannst Du aus meiner Sicht nur immer wieder verlieren - und eventuelle Erfolge in der Therapie sind schon zwei Tage später "für die Katz".


  10. Registriert seit
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    AW: Psychotherapie - Verschlechterung

    Zitat Zitat von MannMann Beitrag anzeigen
    In diesem immerwährenden Kampf mit diesem Kollegen kannst Du aus meiner Sicht nur immer wieder verlieren
    Das seh ich nun ganz anders, solche Typen kann man sehr wohl in den Senkel stellen lernen!

    Sie hat es ja schon ein Mal erfolgreich hingekriegt, bravo dafür, warum meinst du, es ginge kein zweites Mal mehr?

    gruss, barbara
    It's easy.
    Manny Pacquiao

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