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  1. Avatar von agathe13
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    Verhalten eines Psychotherapeuten - unethisch, unprofessionell?

    Hallo zusammen,

    mir ist kürzlich folgendes zu Ohren gekommen:

    in einer Gruppentherapie-Sitzung liest der Therapeut einem Teilnehmer vor allen anderen eine Passage aus einem Fachbuch vor. Diese Passage enthält eine Beschreibung eines bestimmten Typus von Gruppenteilnehmern, sehr abwertend benannt, etwas in die Richtung von "beratungsresistenter Querulant". Er kommentiert, dies sei sein Eindruck vom Teilnehmer, dies träfe auf ihn zu und äußert noch weitere Details, warum diese Bewertung auf ihn zuträfe. (Kritisiert Therapeuten, kritisiert Therapie, macht keine Fortschritte, wehrt jede Hilfe ab, nutzt Chancen nicht (z.B. die, beim Therapeuten zusätzlich Einzelstunden zu nehmen etc.)

    Im Verlauf der Sitzung wird das nochmal thematisiert durch einige Teilnehmer, der Therapeut sagt daraufhin: "Manchmal muss man einen Klienten auch konfrontieren."

    Als ich das gehört habe, dachte ich, ich höre nicht richtig. Mein Gefühl sagt, das geht so nicht, gleich mehrfach nicht:
    • Die abwertende Bezeichnung
    • Vorlesen aus einem Buch, das für Fachpublikum gedacht ist
    • das alles vor der gesamten Gruppe
    • das geschlossene System, was dahintersteckt: wehrt sich der Teilnehmer gegen die Bewertung, zeigt er ja damit, dass er beratungsresistent ist. Akzeptiert er sie, zeigt er, dass die Einschätzung stimmt. Das Urteil steht also fest, egal wie der Teilnehmer reagiert



    Was denkt ihr? Kann man als Therapeut so etwas machen, ist das okay?
    Ich freue mich natürlich besonders über die Einschätzung von mitlesenden Fachfrauen.

    DAnke!

    Agathe

  2. Moderation Avatar von maryquitecontrary
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    AW: Verhalten eines Psychotherapeuten - unethisch, unprofessionell?

    @agathe:
    wie ist denn das Setting?
    Ist das eine Gruppe für Leute mit einer Diagnose?
    Welcher Ansatz/welche Therapierichtung liegt vor?
    Kennen sich die Teilnehmer länger, ist das eine Gruppe über die Zeit (geschlossen oder slow open), oder im Rahmen eines Klinikaufenthaltes?
    Haben die Teilnehmer auch Einzelsitzungen?
    Nur ein Therapeut?
    that was the river - this is the sea


    Moderation im Forum "Persönlichkeit"

  3. Avatar von agathe13
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    AW: Verhalten eines Psychotherapeuten - unethisch, unprofessionell?

    Zitat Zitat von maryquitecontrary Beitrag anzeigen
    @agathe:
    wie ist denn das Setting?
    Ist das eine Gruppe für Leute mit einer Diagnose?
    Nein, keine offizielle Diagnose.

    Welcher Ansatz/welche Therapierichtung liegt vor?
    ein handlungsorientierter Ansatz. Ich habe nochmal bei Wikipedia nachgeschaut, es gehört wohl zu den "humanistisch-existenziellen" Methoden.
    Kennen sich die Teilnehmer länger, ist das eine Gruppe über die Zeit (geschlossen oder slow open), oder im Rahmen eines Klinikaufenthaltes?
    Die Teilnehmer kennen sich fast alle länger, die Gruppe ist geschlossen.
    Haben die Teilnehmer auch Einzelsitzungen?
    Manche ja, manche nein.

    Nur ein Therapeut?
    Ja.
    Geändert von agathe13 (06.05.2019 um 12:51 Uhr)

  4. Inaktiver User

    AW: Verhalten eines Psychotherapeuten - unethisch, unprofessionell?

    Entschuldigung Mary - Querulant ist niemals eine Diagnose.

    Ich stimme der Treaderöffnerin zu - das Verhalten ist unethisch und unprofessionell. Und zwar mehrfach
    - einmal diese Abwertung des Patienten. Vielleicht ist der nur deshalb so scheinquerulantisch, weil die Beziehung zwischen dem Profi und dem Patienten nicht passt - und da ist es 90 % Aufgabe des profis zu sagen "
    Herr Maier-Müller-Schmidt - Wir beide sind inkompatibel. Ich weiss, dass sie eine Erkrankung haben und Ihenen steht eine Therapie zu - bitte suchen sie einen anderen Therapeuten wir beide sind inkompatibel. Ggf. kann der falsche Therapeut noch angeben, dass er glaubt die Richtung x oder y sei für den Patienten möglicherweise besser.

    Einerseits beschimpft der Therapeut den Herrn Maier-Müller-Schmidt weil der keine Fortschritte macht - andererseits will er ihn in Einzelstunden nehmen. Muss Herr Maier-Müller-Schmidt diese Einzelstunden denn extra bezahlen- ganz oder teilweise ?

    Was der Profi gemacht hat ist keine Konfrontation sondern schlicht und banal demütigend - abwertend und
    bloßstellen vor der Gruppen. Damit hat er dem Herrn Maier-Müller-Schmidt die Möglichkeit Erfolg in der Therapie zu haben genommen- und damit werden auch andere Mitglieder der Gruppe nicht mehr offen sagen, was sie fühlen - vor allem da nicht, wo sie sich unzureichend fühlen. So doof wie dieser Therapeut glaubt sind Patienten nicht.


    Der Psychotherapeut hat sich unethisch und anti-professionell verhalten.

  5. Moderation Avatar von maryquitecontrary
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    AW: Verhalten eines Psychotherapeuten - unethisch, unprofessionell?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Entschuldigung Mary - Querulant ist niemals eine Diagnose.
    Ach echt jetzt? Wieder was gelernt.
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    Moderation im Forum "Persönlichkeit"

  6. Avatar von agathe13
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    AW: Verhalten eines Psychotherapeuten - unethisch, unprofessionell?

    Zitat Zitat von maryquitecontrary Beitrag anzeigen
    Ach echt jetzt? Wieder was gelernt.
    Gemäß ICD nicht, oder?
    Falls doch: ich habe nicht den exakten Wortlaut wiedergegeben aus Diskretionsgründen. Wenn "Querulant" eine Diagnose ist, ist eine bessere Umschreibung für das, was gesagt wurde "beratungsresistente Heulsuse" oder sowas. Also keine Diagnose, sondern eine abwertende Bezeichnung.

  7. Moderation Avatar von maryquitecontrary
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    AW: Verhalten eines Psychotherapeuten - unethisch, unprofessionell?

    Zitat Zitat von agathe13 Beitrag anzeigen
    Gemäß ICD nicht, oder?
    Falls doch: ich habe nicht den exakten Wortlaut wiedergegeben aus Diskretionsgründen. Wenn "Querulant" eine Diagnose ist, ist eine bessere Umschreibung für das, was gesagt wurde "beratungsresistente Heulsuse" oder sowas. Also keine Diagnose, sondern eine abwertende Bezeichnung.

    Ich bezog mich auf Alleschs schräge Unterstellung, ich habe "Querulant" als Diagnose bezeichnet.

    Es gibt in der Tat eine querulatorische Persönlichkeitsstörung (siehe F60.0), und es gibt auch Menschen, auf die diese Beschreibung zutrifft.


    Etwas ganz anderes ist es, wie man als Therapeut damit umgeht. Wenn es denn obige Störung, ist, die der Therapeut verlesen hat. Und eventuell beim Gruppenteilnehmer verortet hat.

    (Welche Ausbildung hat denn der Therapeut?)
    that was the river - this is the sea


    Moderation im Forum "Persönlichkeit"

  8. Avatar von agathe13
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    AW: Verhalten eines Psychotherapeuten - unethisch, unprofessionell?

    Zitat Zitat von maryquitecontrary Beitrag anzeigen
    Ich bezog mich auf Alleschs schräge Unterstellung, ich habe "Querulant" als Diagnose bezeichnet.

    Es gibt in der Tat eine querulatorische Persönlichkeitsstörung (siehe F60.0), und es gibt auch Menschen, auf die diese Beschreibung zutrifft.


    Etwas ganz anderes ist es, wie man als Therapeut damit umgeht. Wenn es denn obige Störung, ist, die der Therapeut verlesen hat. Und eventuell beim Gruppenteilnehmer verortet hat.
    Nein, es war wie gesagt kein Text über eine offizielle Diagnose, sondern eine Abhandlung darüber, was für Leute in Gruppentherapien so vorzufinden sind, welche Typen. Und einer davon ist dann halt die "beratungsresistente Heulsuse"


    (Welche Ausbildung hat denn der Therapeut?)
    u.a. Heilpraktiker Psychotherapie und eine Ausbildung in der besagten Therapierichtung.

  9. Moderation Avatar von maryquitecontrary
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    AW: Verhalten eines Psychotherapeuten - unethisch, unprofessionell?

    Zitat Zitat von agathe13 Beitrag anzeigen
    Nein, es war wie gesagt kein Text über eine offizielle Diagnose, sondern eine Abhandlung darüber, was für Leute in Gruppentherapien so vorzufinden sind, welche Typen. Und einer davon ist dann halt die "beratungsresistente Heulsuse"




    u.a. Heilpraktiker Psychotherapie und eine Ausbildung in der besagten Therapierichtung.


    Eine grundsätzliche Frage wäre für mich zunächst, handelt es sich um eine Reaktion, ein Agieren des Therapeuten, oder ist es eine überlegte therapeutische Intervention.


    Dann die Frage, welche Wirkung die Intervention auf den Klienten hat. Wenn es sich um eine eher konfrontative Intervention handelt, ist der Klient stabil genug, um nach einem Überraschungsmoment (das dann beabsichtigt wäre), die Intervention für sich nutzen zu können? Bringt die Intervention den Klienten so aus der Komfortzone (window of tolerance), dass der Stress, den sie auslöst, die Reflexion verhindert?

    Das noch im Gruppensetting, das in der Tendenz eher ein (auch stimulierender, aber hier eher nicht) Unsicherheitsfaktor ist und den Stress erhöht. Gruppe ist öffentlich, da kommen dann auch Komponenten hinein, die Allesch angesprochen hat.

    Und wie wirkt die Intervention auf längere Sicht für den Klienten, aber auch für die Gruppe? Wenn ich als anderer Gruppenteilnehmer dabei anwesend bin, erhöht es meine Wachsamkeit und Vorsicht, oder hilft es den Gruppenprozessen?


    Das Geschilderte zusammen mit dem Hintergrund des Therapeuten lässt mich jetzt eher an ein nicht professionell geprägtes, zweifelhaftes Gebaren denken.



    ps. einen "Fachtext" (in welchem Fachbuch steht was über "Typen" in der Gruppentherapie? finde ich merkwürdig) mit einem Klienten/Patienten anzusehen, kann sehr sinnvoll sein. Zum Beispiel, wenn man eine Diagnose stellt und bespricht. Die ist ja nicht als Etikett gedacht, sondern als Ansatz für Verstehen und Behandlung/Veränderung.

    pps. ich habe am Anfang meiner Laufbahn Gruppentherapien geleitet (allerdings offene, in einer Klinik), in denen oft kaum jemand was gesagt hat (die kannten sich auch kaum, nicht verwunderlich). Das fand ich persönlich nicht einfach zu händeln (würde ich heute auch anders aufziehen, aber man fängt halt mal wo an), ich hab's aber nicht an den Patienten ausgelassen ...
    that was the river - this is the sea


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  10. Registriert seit
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    AW: Verhalten eines Psychotherapeuten - unethisch, unprofessionell?

    Ich finde es ehrlich gesagt sehr schrägt, dass ihr hier über etwas diskutiert, was der TE "zu Ohren gekommen ist".
    Ich meine, was soll das bringen? Sie war nicht dabei, sie gibt etwas wieder, was ihr jemand erzählt hat, der selbst natürlich auch nur aus seiner Perspektive Dinge erzählt und Dinge weglässt - wie der Tonfall des Therapeuten war und was genau er gesagt hat, weiß also niemand.

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