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    AW: Gibt es wirklich Psychisch Kranke oder sind diese Krankheiten erfunden?

    Zitat Zitat von walkabout Beitrag anzeigen
    Dass es durchaus berechtigte Kritik an der Diagnosefähigkeit und Wirksamkeit psychatrischer Behandlungen gibt, ist doch bereits ein "altes" wissenschaftlich belegbares Faktum :Stichwort " Rosenhan - Experiment ". Jedoch ist es m.M.n ein Fehlschluss, wenn aufgrund von fehlerhafter Diagnostik und unwirksamer bzw. schädlicher Therapie, geschlossen wird, es gäbe keine behandlungsbedürftigen psychischen Erkrankungen. Dass neurophysiologische Störungen wie z.B Zinkmangel, Jodmangel und auch Nervenschädigungen in etlichen Fällen psychiatrische Erkrankungen bedingen, ist wohl unumstritten. Dass akut psychotische Menschen alleine nicht klarkommen, liegt ebenfalls auf der Hand. Da gerade in der Psychiatrie Fehldiagnosen und Fehlbehandlungen sehr hoch waren, und vermutlich immer noch sind, hat sich die "Psychiatrie-positiv" -Bewegung formiert. In vielen Fällen führen soziale Abwertung und Schikanen aller Art zur Destabilisierung einzelner Menschen, die dann häufig Zusammenbrechen, und so in akute seelische Krisen rutschen. Dadurch, dass diese Menschen häufig eine krisenbedingte Behandlung/ Hilfe benötigen und dadurch, dass Hilfsangebote fast ausschließlich unter dem Paradigma " psychologische /psychiatrische Krisenintervention" angeboten werden, sind die Hilfsangebote zugleich stigmatisierend.
    Deshalb ist es sinnvoll psychische Störungen zu entstigmatisieren.
    Psychische Störungen sind so normal und häufig wie körperliche Erkrankungen auch.


    Wer also einmal in einer, bei genauerer Betrachtung durchaus "normal" nachvollziehbaren Ausnahmesituation, situationsadäquate Gefühlsausbrüche oder Verhaltensweisen zeigt, läuft
    Gefahr , dass eine vorübergehend , systemisch-bedingte (!) Krise als dauerhaftes behandlungsbedürftiges psychisches Defizit eingestuft wird.
    Dieses "Labeling" führt m.E dazu, dass Menschen, die an Belastungsgrenzen leben, auf die Schiene "psychisch-Krank" geschoben werden, und dadurch andere positivere Entwicklungsmöglichkeiten verhindert werden, weil psychosoziale Interventionsmaßnahmen
    die persönlichen Entfaltungsmöglichkeiten schon stark beschneiden.
    Nur weil "Hilfe" draufsteht, muss noch lang keine nachhaltige Hilfe drin sein. Vielfach geht es m.E auch nur darum Randgruppen oder als Querulanten denunzierte Mitmenschen, sozial und wirtschaftlich so zu stellen, dass sie gesellschaftlich keinen Störfaktor mehr darstellen.
    Ich habe mehrere diagnostizierte psychische Krankheitsepisoden hinter mir, man hat zwar mal versucht mich zu stigmatisieren, aber ohne Erfolg. Ich habe keinerlei anhaltend Einschränkungen in meiner Lebensgestaltung oder Berufliche Laufbahn hinnehmen müssen.
    Und ich kenne auch niemanden mit "meinen" Diagnosen der Einschränkungen von außen hinnehmen musste.

    Grüße
    Luftpost
    Geändert von Luftpost (20.11.2015 um 22:06 Uhr)

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    AW: Gibt es wirklich Psychisch Kranke oder sind diese Krankheiten erfunden?

    Zitat Zitat von stefanie63 Beitrag anzeigen
    Darin unterscheidet sich diese psychische Erkrankung von dem oft zitierten Beispiel mit dem gebrochenen Bein, in dem der Kranke eben nicht plötzlich doch laufen kann, wenn man ihn nur energisch genug dazu auffordert.
    Doch, auch das geht. Du kannst mit einem gebrochenen Bein sogar rennen, wenn du dir selber nur genügend Adrenalin in die Blutbahn ausschüttest.

    Psychische Gesundung ist ein psychischer Prozess, der in diesem Falle mithilfe des Hundes stattgefunden haben mag. Hier ist kein Widerspruch zu sehen.

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    AW: Gibt es wirklich Psychisch Kranke oder sind diese Krankheiten erfunden?

    Zitat Zitat von stefanie63 Beitrag anzeigen
    Ich sehe das Problem darin, dass diese Frau ohne Weiteres in der Lage war, ihre Angst, die Wohnung zu verlassen zu überwinden, weil der Hund ihr wichtig genug dafür war. Es reichte also, dass jemand bzw. sie selbst zu ihr sagte "Du musst das aber jetzt tun". Darin unterscheidet sich diese psychische Erkrankung von dem oft zitierten Beispiel mit dem gebrochenen Bein, in dem der Kranke eben nicht plötzlich doch laufen kann, wenn man ihn nur energisch genug dazu auffordert.

    Und man fragt sich halt, ob diese Frau sich nicht auch ohne Hund hätte zusammenreißen können, eben nicht mit der Motivation "Der Hund muss aber raus", sondern mit "Du musst aber arbeiten gehen".
    Man kann sehr wohl mit einem gebrochenen Bein laufen (hinken), und wenn man Hilfsmittel benutzt geht das sogar ohne hinken, elegant und recht flott.

    Grüße
    Luftpost
    Geändert von Luftpost (20.11.2015 um 22:07 Uhr)

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    AW: Gibt es wirklich Psychisch Kranke oder sind diese Krankheiten erfunden?

    Ich bin ein bisschen entsetzt, dass hier tatsächlich die Existenz psychischer Erkrankungen angezweifelt wird. Und dass psychische Erkrankungen von der Seite her als Erkrankungen angesehen werden, die immer in der Psychiatrie und immer mit Medikamenten „behandelt“ werden. Die allermeisten psychisch Erkrankten sehen niemals eine Psychiatrie von innen und wären da auch vollkommen fehl am Platze. In der Regel – aber nicht immer – ist der Weg aus der psychischen Erkrankung heraus der Weg der Psychotherapie. Es gibt aber auch Fälle, in denen keine psychischen Ursachen vorliegen, sondern körperliche, wie zum Beispiel ein Mangel an Botenstoffen. Medikamente können aber auch bei Vorliegen psychischer Ursachen in akuten Krisen erstmal eine psychische Stabilisierung herbeiführen.

    Wer einen Selbstmordversuch überlebt, landet selbstverständlich erstmal in der geschlossenen Psychiatrie, um ihn selbst zu schützen. Ist er stabilisiert, dann kann er wieder raus und seine Probleme mit Hilfe der Therapie angehen.

    Die Nicht-Akzeptanz der prinzipiellen Existenz psychischer Erkrankungen mit psychischen Ursachen bei psychisch Erkrankten mit psychischen Ursachen ist eine hinreichende Bedingung zum Vorliegen einer Therapieresistenz. Wo keine Einsicht in die psychische Erkrankung, da auch keine Therapiemöglichkeit.

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    AW: Gibt es wirklich Psychisch Kranke oder sind diese Krankheiten erfunden?

    Zitat Zitat von Quirin Beitrag anzeigen
    Ich bin ein bisschen entsetzt, dass hier tatsächlich die Existenz psychischer Erkrankungen angezweifelt wird. Und dass psychische Erkrankungen von der Seite her als Erkrankungen angesehen werden, die immer in der Psychiatrie und immer mit Medikamenten „behandelt“ werden. Die allermeisten psychisch Erkrankten sehen niemals eine Psychiatrie von innen und wären da auch vollkommen fehl am Platze. In der Regel – aber nicht immer – ist der Weg aus der psychischen Erkrankung heraus der Weg der Psychotherapie. Es gibt aber auch Fälle, in denen keine psychischen Ursachen vorliegen, sondern körperliche, wie zum Beispiel ein Mangel an Botenstoffen. Medikamente können aber auch bei Vorliegen psychischer Ursachen in akuten Krisen erstmal eine psychische Stabilisierung herbeiführen.

    Wer einen Selbstmordversuch überlebt, landet selbstverständlich erstmal in der geschlossenen Psychiatrie, um ihn selbst zu schützen. Ist er stabilisiert, dann kann er wieder raus und seine Probleme mit Hilfe der Therapie angehen.

    Die Nicht-Akzeptanz der prinzipiellen Existenz psychischer Erkrankungen mit psychischen Ursachen bei psychisch Erkrankten mit psychischen Ursachen ist eine hinreichende Bedingung zum Vorliegen einer Therapieresistenz. Wo keine Einsicht in die psychische Erkrankung, da auch keine Therapiemöglichkeit.
    ... sehr klug und klar! Danke.

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    AW: Gibt es wirklich Psychisch Kranke oder sind diese Krankheiten erfunden?

    Zitat Zitat von Quirin Beitrag anzeigen
    Ich bin ein bisschen entsetzt, dass hier tatsächlich die Existenz psychischer Erkrankungen angezweifelt wird. Und dass psychische Erkrankungen von der Seite her als Erkrankungen angesehen werden, die immer in der Psychiatrie und immer mit Medikamenten „behandelt“ werden. Die allermeisten psychisch Erkrankten sehen niemals eine Psychiatrie von innen und wären da auch vollkommen fehl am Platze. In der Regel – aber nicht immer – ist der Weg aus der psychischen Erkrankung heraus der Weg der Psychotherapie.
    Das ist so nicht korrekt. Die Mehrheit der psychisch Erkrankten wird von Hausarzt oder niedergelassene Facharzt für Psychiatrie mit Medikamenten behandelt. Nur eine Minderheit kommt in den "Genuss" der Psychotherapie.

    Es gibt aber auch Fälle, in denen keine psychischen Ursachen vorliegen, sondern körperliche, wie zum Beispiel ein Mangel an Botenstoffen. Medikamente können aber auch bei Vorliegen psychischer Ursachen in akuten Krisen erstmal eine psychische Stabilisierung herbeiführen
    Psychische Störungen gehen immer mit körperlichen Fehlfunktionen einher. Stichwort: Körper und Seele sind eins. Eine Henne-Ei-Diskussion bringt da wenig.

    Die Nicht-Akzeptanz der prinzipiellen Existenz psychischer Erkrankungen mit psychischen Ursachen bei psychisch Erkrankten mit psychischen Ursachen ist eine hinreichende Bedingung zum Vorliegen einer Therapieresistenz. Wo keine Einsicht in die psychische Erkrankung, da auch keine Therapiemöglichkeit.
    Aber auch jemand dessen psychische Erkrankung körperliche Ursachen hat, bleibt oftmals in der Krankheit wenn die körperliche Ursache abgestellt ist, z.B. Depression bei schwerer körperlicher Erkrankung, Depression bei Kortisoneinnahme, Psychose durch Alkohol oder illegale Drogen.

    Grüße
    Luftpost

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    AW: Gibt es wirklich Psychisch Kranke oder sind diese Krankheiten erfunden?

    danke, quirin. so wahr!


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    AW: Gibt es wirklich Psychisch Kranke oder sind diese Krankheiten erfunden?

    Zitat Zitat von Luftpost Beitrag anzeigen
    Aber auch jemand dessen psychische Erkrankung körperliche Ursachen hat, bleibt oftmals in der Krankheit wenn die körperliche Ursache abgestellt ist, z.B. Depression bei schwerer körperlicher Erkrankung, Depression bei Kortisoneinnahme, Psychose durch Alkohol oder illegale Drogen.
    Die Depression bei einer schweren körperlichen Erkrankung ist keine psychische Erkrankung mit körperlichen Ursachen, sondern mit psychischen. Die körperlichen Vorfälle (z. B. eine Querschnittslähmung vom Hals abwärts) bedingen z. B. ein Trauma, das die psychische Ursache der Depression ist. Entsprechnd ist die Behandlung, solange man Querschnittslähmung nicht heilen kann, eine Psychotherapie. Eine körperliche Ursache wäre eine Störung des Stoffwechsels, die direkt Halluzinationen oder Depressionen auslöst. Kortison, Alkohol und Drogen könnten darunter fallen, hier würden dann vermutlich eher nur Medikamente helfen. Da es allerdings auch Mischformen oder die dem Drogenkonsum zugrundeliegende psychische Erkrankung sein können, ist das schnell sehr vielschichtig. Alkohol und diverse Drogen sind bei entsprechender Dosierung neurotoxisch, so dass es zu bleibenden Schäden kommen kann.

    Es gibt durchaus Fälle, in denen jemand nie wieder von seinem Tripp runterkommt. Es hat schon seinen Grund, weshalb viele Drogen verboten sind.
    Geändert von Quirin (21.11.2015 um 14:48 Uhr)

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    AW: Gibt es wirklich Psychisch Kranke oder sind diese Krankheiten erfunden?

    Zitat Zitat von Luftpost Beitrag anzeigen
    Das ist so nicht korrekt. Die Mehrheit der psychisch Erkrankten wird von Hausarzt oder niedergelassene Facharzt für Psychiatrie mit Medikamenten behandelt. Nur eine Minderheit kommt in den "Genuss" der Psychotherapie.
    Zum einen ist ein Facharzt für Psychiatrie keine Psychiatrie, zum anderen ist das eben häufig dann auch eine Falschbehandlumg oder der Tatsache geschuldet, dass viele psychisch Erkrankte es ablehnen, psychisch erkrankt zu sein, und lieber eine Pille schlucken, die sie funktionieren lässt. Irgendwann macht es dann aber mal bumm, denn viele, aber nicht alle Medikamente decken die Erkrankung nur zu, beseitigen sie aber nicht, so dass sie sich einen anderen Weg sucht.

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    AW: Gibt es wirklich Psychisch Kranke oder sind diese Krankheiten erfunden?

    Zitat Zitat von Quirin Beitrag anzeigen
    Zum einen ist ein Facharzt für Psychiatrie keine Psychiatrie, zum anderen ist das eben häufig dann auch eine Falschbehandlumg oder der Tatsache geschuldet, dass viele psychisch Erkrankte es ablehnen, psychisch erkrankt zu sein, und lieber eine Pille schlucken, die sie funktionieren lässt.
    Da möchte ich dir widersprechen, man schluckt nicht Pillen weil man ablehnt und nicht akzeptiert, dass man psychische Störungen hat, sondern weil die Medikamente helfen den biochemischen Stoffwechsel im Hirn zu regulieren, ein besseres Gefühl geben und so manche Probleme und Gedanken erst gar nicht auftauchen lassen. Weil damit das biochemische Verhältnis wieder stimmt. Das einzige Problem dabei ist das für sich richtige Medikament zu finden. Es gibt mittlerweile gute Psychopillen.

    - Der leichte Weg ist auch der richtige Weg -
    von Bruce Lee



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