Hallo Lila-Lottchen!
Bin neu hier. Diese Geschichte kenn ich von mir selbst.
Ist ein hartes Stück. Letzten Endes scheint es darum zu gehen, seine persönlichen Grenzen zu erkennen. Du bist (warst) sein seelischer Ausgleich. Wenn es den nicht mehr gibt, habt ihr beide ein Problem, zu dem ihr stehen müsst: einer von euch braucht eine Auszeit, ansonsten kann sich wohl jeder Mensch denken, was passiert. Es wird nichts mehr funktionieren. du solltest mit ihm drüber reden ( wenn nicht schon geschehen). Einer von euch sollte funktionieren (doofes Wort).
Alles Gute
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08.03.2007, 22:28
AW: Leben mit einen depressiven, an burnout erkrankten Menschen
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28.03.2007, 18:02
AW: Leben mit einen depressiven, an burnout erkrankten Menschen
Hallo,
ich bin zufällig auf dieses Forum gestoßen und kann aus eigener Erfahrung mitreden, da ich selbst seit einigen Monaten schwerst depressiv bin und meine Partnerschaft sehr darunter leidet. Ich bin lesbisch und meine Partnerin hat mir gegenüber schon sehr viel Verständnis aufgebracht. Inzwischen ist aber auch ihr Geduldsfaden äußerst dünn geworden und meinem Gefühl nach zu urteilen steht unsere Beziehung kurz vor dem Ende, sofern ich mich und mein Innenleben nicht bald wieder besser im Griff habe. Außenstehende machen sich oft vorschnell ihr Bild und stempeln depressive Menschen gerne als egozentrische Streitsucher ab. Sie beurteilen, was sie sehen, aber können sich nicht erklären, was vielleicht wirklich hinter diesem Verhalten steckt. Vor meiner Depression habe ich ähnlich gedacht und konnte mir nicht erklären, dass Menschen aufgrund ihrer "Trübsal-Erkrankung" sogar arbeitsunfähig werden. Inzwischen weiß ich, wie schwer es einem die Depression machten kann, ein halbwegs normales Leben zu führen. Die Ausführungen von Lilalottchen erinnern mich an die Aussagen meiner Freundin und deshalb würde mich interessieren, ob du mit deinem Mann genauso offen sprichst, wie hier in diesem Forum? Meine Freundin tut es leider nur begrenzt, d.h. in Streitsituationen bekomme ich auch zu hören, dass sie durch meine ständigen Launen genervt ist und selbst Platz zum Atmen braucht und ihr Akku leer sei...in der Regel erzählt sie aber solche Aspekte lieber ihrer Schwester. Damit beginnt dann meistens der Teufelskreis, denn wenn meine Freundin ihrer Schwester beschreibt, wie schrecklich ich mich wieder verhalten habe, rät die ihr wieder dazu, sich bloß nichts von mir gefallen zu lassen. In mir baut sich dann eine Angst auf, dass ich meine Freundin verlieren könnte. Also versuche ich die finsteren Gedanken, die mein Leben derzeit bestimmen, zu verdrängen und "verstelle" mich meiner Freundin zuliebe. Leider geht das immer nur bis zu einem bestimmten Punkt gut - irgendwann überwiegt wieder dieses schwere Gefühl, dass sich wie ein Bleimantel um den ganzen Körper legt und kaum Luft zum Atmen läßt und dann ertappe ich mich selbst, dass ich wieder so schrecklich unausgeglichen bin und Dinge sage, die mir hinterher sehr leid tun - dann, wenn es zu spät ist.
@ Lilalottchen: Ich kenne deinen Mann natürlich nicht, aber wenn Du schreibst, dass ihr früher ein gutes Verhältnis hattet und er ein ganz anderer Typ war, besteht doch die Hoffnung, dass er wieder gesund wird und ihr zu einer harmonischen Beziehung zurückfindet. Du schreibst, dass deine Akkus sehr schnell leer werden. Glaub mir: meine Akkus waren noch nie so leer, wie in den letzten Monaten und ich möchte sie so gerne austauschen und das gelingt mir nicht. Man fühlt sich so schwach und soll dann noch dafür sorgen, dass man den Partner nicht mit in das dunkle Loch hineinzieht. Wenn mir das alles zuviel wird, werde ich auch immer lauter und streitsüchtig - aber ich verhalte mich nicht bewußt so, sondern versuche vielleicht eine gewisse Stärke vorzugaukeln, die ich eigentlich nicht mehr habe, weil ich eigentlich nur noch heulen könnte. Sitze ich jedoch permanent heulend in der Ecke, macht sich meine Freundin wieder Sorgen um mich und heult schlimmsten Falls noch mit, "weil sie mich nicht leiden sehen möchte!" Ein elender Teufelskreis, den glaube ich nur jemand richtig nachvollziehen kann, der bereits von einer Depression heimgesucht worden ist. Meine Freundin hat neulich einen harten aber durchaus nachvollziehbaren Satz gesagt und meinte, sie müsse sich überlegen, ob unsere Beziehung für ihr Leben eine Verbesserung oder eher eine Verschlechterung darstellen würde...sie konnte keine klare Antwort mehr geben und so etwas läßt mich natürlich nicht kalt. Nun hat sie einen Job in einer 700 Kilometer entfernten Stadt angenommen und ich stehe vor der Entscheidung mitzuziehen oder sie gehen zu lassen. Ich liebe sie, aber ich bin unsicher, ob ich am Ende mehr investiere und irgendwann ganz am Boden liege. Deshalb gebe ich dir noch einen gut gemeinten Tip mit auf den Weg: Versuche deinem Mann gegenüber mit offenen Karten zu spielen und wenn Du der Meinung bist, dass du immer unglücklicher wirst und die Verantwortung nicht mehr tragen kannst oder willst, denk über eine Trennung nach und sprich diese auch offen an. Wenn Du bereit bist, mit ihm zu kämpfen, spiele ebenfalls mit offenen Karten und sag ihm in Zukunft besser sofort, wenn dich etwas stört oder er sich dir gegenüber unmöglich benimmt. Manchmal merkt man in seinem trüben Trott gar nicht mehr, wie rücksichtslos man sich seinen Mitmenschen - besonders den Menschen gegenüber, die man liebt - benimmt. Ich habe mir leider erst sehr spät therapeutische Hilfe gesucht und merke, dass es ein bißchen so ist, als sei aus einer Erkältung eine schwere Lungenentzündung geworden, deren Heilung natürlich jetzt dementsprechend mehr Zeit in Anspruch nimmt...
Letztlich gibt es leider kein Patentrezept - ich kann eben nur aus eigener Erfahrung berichten und weiß, dass man mit einer Depression bzw. dem daraus resultierenden Verhalten schnell abgestempelt wird, ohne dass jemand wirklich mal hinter die Fassade guckt. Drücke dir die Daumen, dass es bald wieder aufwärts geht und dann auch so bleibt! Liebe Grüße und einen schönen Abend.
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21.05.2007, 13:49
AW: Leben mit einen depressiven, an burnout erkrankten Menschen
hallo,
ich habe schon viele Parrallelen zu dem Verhalten meines Mannes in den vielen Antworten gefunden, aber bei uns ist das Problem noch ein bißchen anders.
Er ist Altenpfleger, hat seine Umschulung im Oktober beendet und sofort auf seiner Arbeitsstelle eine Psych-Tour zugeteilt bekommen.
Im Januar hat er sich dann ohne Angaben von Gründen von heute auf morgen von mir getrennt. Für mich ist alles zusammengebrochen.
Jetzt 5 Monate später gesteht er sich ein, am burnout erkrankt zu sein und hat auch einen Termin beim Psychotherapeuten.
Da wir aber ja nicht mehr zusammen sind und auch schon in getrennten Wohnungen leben, sehe oder spreche ich ihn nur zwischendurch. Es macht mich fertig ihn so leiden zu sehen, egal ob wir getrennt sind oder nicht.
Ich möchte ihm helfen und unterstützen, weiß aber nicht wie- bzw., ob ich es überhaupt soll- oder ich ihn besser in Ruhe lasse.
Kann mir jemand dazu was sagen ????
Danke für jede Antwort, weiß nicht weiter.
Verena5477
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24.06.2007, 19:53
AW: Leben mit einen depressiven, an burnout erkrankten Menschen
Hallo Lottchen,
meine Ratschläge:
1. Bitte lese auch den Strang 'Burnout? Mein Partner steckt mittendrin".
2. Spreche umgehend mit deinem Hausarzt. Wenn er kompetent ist, wird er sich um dich kümmern, damit du nicht Schaden nimmst. In einem solchen Fall kümmern sich Mediziner vor allem um die Angehörigen, weil diese gesundheitlich extrem gefährdet sind.
Ich weiß worüber ich rede, ich war selbst Burnout-erkrankt.
Ich wünsche dir vor allem die Ensichten, die du unter dem unter 1. genannten Strang nachlesen kannst.
Liebe Grüße
katerignotusGeändert von katerignotus (24.06.2007 um 20:04 Uhr)
Trauer kann uns immer begleiten und wird dennoch
nicht unser Freund
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24.06.2007, 20:03
AW: Leben mit einen depressiven, an burnout erkrankten Menschen
Hallo Verena,
Zitat von verena5477
auch dir kann ich nur empfehlen, den Strang "Burnout? Mein Part ist mittendrin" zu lesen. Ich habe dort stellung genommen.
Weiter: Spreche sofort mit deinem Hausarzt. Wenn er kompetent ist, wird er dir helfen dich zu schützen. Das ist in einem solchen Fall von größter Wichtigkeit, weil Angehörige von Burnout-Erkrankten extrem gefährdet sind, selbst zu erkranken.
Ich wünsche dir viel Kraft.
katerignotusGeändert von katerignotus (26.06.2007 um 17:07 Uhr)
Trauer kann uns immer begleiten und wird dennoch
nicht unser Freund
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18.11.2007, 19:11
AW: Leben mit einen depressiven, an burnout erkrankten Menschen
hallo zusammen,
ich war lange nicht online. mittlerweile geht es wieder schlecht. er stresst sich selber damit, dass er sich seinen terminplan mit geschäftlichen terminen volldonnert, dass er kaum noch luft zum atmen hat und fühlt sich auch noch fremdgesteuert! manchmal ist er so überlastet, dass ich kaum zur tür hereingekommen bin und schon an allem schuld bin. es ist lächerlich: er schleppt fisch an, ich brate ihn und bin dann schuld, dass das ganze haus nach fisch stinkt. er will baden, ich bin schuld, dass die heizungsanlage die ER ausgesucht hat nicht genug warmwasser produziert für eine wannenfüllung, und heute früh war es dann direkt meine schuld, dass die aufbackbrötchen, die er sich vor einer woche gekauft hat, heute schon verschimmelt sind. neulich sind wir ausgegangen und es war wunderbar harmonisch, bis die kellnerin die rechnung brachte, auf der die mehrwertsteuer nicht ausgewiesen war. die darauf folgende szene war mir so peinlich, dass ich nie wieder in dieses lokal gehen werde.
je länger die krankheit andauert, desto mehr fehlt mir das verständnis dafür, dass auf jede kleinigkeit mit aggressionen reagiert wird. ich versuchte, ihm subtil zu vermitteln, dass menschen mit humor in den meisten fällen mehr erreichen, nämlich dass sie sich A) nicht aufregen und B) charmant zum ziel kommen. die idee gefiel ihm, aber dann war ja das badewasser zu kalt...
vielleicht bin ich nicht besonders sachlich, aber ich muss mich jetzt einfach mal ausweinen. je aggressiver er gegen mich und die restliche umwelt wird, desto fremder fühle ich mich. ich verbringe meine wochenenden hauptsächlich mit vorgetäuschter migräne im bett, damit ich nicht in die schusslinie gerate oder seine schlechte laune noch weiter eskaliert, und wenn er gute laune hat, fehlt nur ein haar in der suppe, und der tag ist gelaufen.
manchmal frage ich mich, was aus dem freundlichen, aktiven und kulturell interessierten mann geworden ist.
letztes jahr etwa zur gleichen zeit ging es ihm genauso schlecht wie jetzt. aber ich hatte letztes jahr mehr kraft als heute. damals habe ich permanent versucht, ihn vor dem ertrinken zu retten, heute versuche ich mich nur noch selber vor seinen aggressionen zu retten.
ich vergleiche seine arbeitswut mit alkoholikern, beide kennen kein maß und zerstören sich langsam aber stetig. oder ist der vergleich objektiv betrachtet abwegig?
bin ratlos und verzweifelt seit einigen wochen.
viele grüße, lotte
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18.11.2007, 19:51
AW: Leben mit einen depressiven, an burnout erkrankten Menschen
Lotte - wieso bist Du immer noch da
Warum brauchst Du es, so niedergemacht zu werden?
Hast Du nichts besseres verdient?
Eine ratlose
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19.11.2007, 19:31
AW: Leben mit einen depressiven, an burnout erkrankten Menschen
Hallo,
warum bin ich noch da? Depressionen und Burnout sind Krankheiten, und ich weiss, was für ein liebenswerter Mensch mein Mann eigentlich ist. Ich glaube, das Phasen, in denen man krank ist, sicherlich schwerer zu durchleben sind, als gute Lebensphasen. Und ich weiss nicht, ob es wirklich so einfach ist: der geliebte Mensch ist krank und funktioniert nicht mehr, also sitzenlassen und sich ums eigene Wohlbefinden kümmern. Hoffe, das passiert mir nie, wenn es mir schlecht geht... Nein, mir geht es darum, dass wir es gemeinsam schaffen, auch wenn ich im Augenblick nicht weiss, wie. Es fühlt sich alles wir Achterbahnfahren an und im Moment bin ich ziemlich weit unten.
Viele Grüße, Lottchen
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20.11.2007, 18:14
AW: Leben mit einen depressiven, an burnout erkrankten Menschen
Ach. Lottchen - ich habe nicht gefragt, warum Du Deinen kranken Mann nicht sitzen läßt. Ich habe gefragt, warum Du Dir sein Verhalten gefallen läßt. Auch ein kranker Mann kann sich anständig und fair benehmen. Auch mein Mann litt an starken Depressionen und Angstzuständen und ich war jahrelang sein Co-Therapeut. Erst als ich ging, war er bereit, etwas für sich tun und damit letztendlich wieder für uns. Unsere Ehe hielt noch lange und erst der Tod hat uns getrennt.
Liebe Grüße


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