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Thema: Burnout

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    Burnout

    Hallo!

    Ich habe schon in diversen Threads meine Situation geschildert, und ueber Eure Vorschlaege nachgedacht.

    Zusammengefasst denke ich, dass mich das Burnout Syndrom erwischt hat. Klassische Symptome: Schlaflosigkeit, Herzrhythmusstoerungen, Bluthochdruck, haeufiges Weinen (ich war noch nie nah am Wasser gebaut), Reizbarkeit, Sodbrennen, Bauchkraempfe, Panikattacken, Angstzustaende, Einsamkeit, und das Konzentrieren faellt mir auch schwerer. Unterstuetzung erhalte ich nicht, eher Abweisung, weil ich so "komisch" geworden bin, und mich abkapsle. Ich arbeite mit Aerzten, die das eigentlich kennen sollten. Wenn ich um Hilfe bitte, werde ich als neutrotische Dramaqueen abgetan, und noch mehr ausgegrenzt. Vor kurzem hatte ich eine starke Bronchitis, und sie schlugen mir die Tuere vor der Nase zu, um sich nicht anzustecken. Ein dritter hat sich dann erbarmt, mir Antibiotika zu verschreiben, was dann auch half.

    Ich habe schon einiges ueber das Thema hier gelesen, da ich mich aber in den USA befinde, ist die Loesung nicht so einfach. Krankschreiben geht nicht. Man kriegt Tabletten verschrieben, um die Symptome zu behandeln, und dann wieder Marsch an die Arbeit (mit den gleichen Problemen). Ich habe mir eine Therapeutin gesucht. Man trifft sich einmal die Woche. Aber das gibt mir kein Gefuehl der Erleichterung, zumindest nicht akut. Jobwechsel ist nicht, es gibt NICHTS! Ich habe eine Bewerbung verschickt, mehr gibt der Markt derzeit nicht her. Manchmal waere ich froh, ich wuerde mir den Arm oder das Bein brechen, nur um timeout zu bekommen.

    Ich habe fast den Eindruck, dass Burnout in den USA nicht so ganz ernst genommen wird. Aber was kann man von einer Kultur erwarten, die vielen Arbeitnehmern nur zwei Wochen Urlaub pro Jahr zukommen laesst? Ich bekomme knapp ueber vier Stunden pro zwei Wochen gutgeschrieben, d.h. um zwei Wochen Urlaub zu machen, muss ich ein Jahr arbeiten. Jetztendlich stellt sich fuer mich die Frage, was tun? Ich bin es leid, als Jammerliese abgestempelt zu werden, die ja keine Probleme hat, ausser denen im Kopf, und die ueberempflindlich ist. Meine Hausaerztin verschreibt Medikamente, und Therapie geht sehr langsam voran. Psychopharmaka verweigere ich, da ich das Zeug nicht vertrage. Eine Kur klingt traumhaft, aber das bleibt sie auch, ein Traum. Krankgeschrieben sein geht nicht, hier gibt's keine Lohnfortzahlung, und wenn mein Krankentagebudget aufgebraucht ist, habe ich kein Einkommen mehr.

    Ich habe mich sehr veraendert im letzten Jahr. Neulich war ich so am Boden, dass ich mich nachts fast selbst in eine Klinik einweisen wollte. So geht das nicht mehr. Was mir auch auffaellt ist, dass ich auf dem Weg zur Therapie und waehrend der Sitzung Panikattacken erlebe. Da merke ich erst, wieviel ich verdraengt und weggesteckt habe. Durchs Erzaehlen wird viel bewusst.

  2. Inaktiver User

    AW: Burnout

    Du bist die die wegen ihrem Sohn in den USA bleiben will. Du musst Dir überlegen ob Du Dich für ihn aufopfern möchtest und abwarten willst bist Du tatsächlich nicht mehr kannst.
    Sei es Dir wert und geh zurück nach D. Hier bekommst Du die nötige Hilfe.

    Ansonsten und das sage ich jetzt mal knallhart - sehe ich schwarz für Dich.

  3. Inaktiver User

    AW: Burnout

    Ohne Sesam gelesen zu haben, war mein erster Gedanke auch: warum bleibst du in den USA? Alles in dir scheint nach Sicherheit zu schreien, die dir dieses System dort nicht gibt. Und sicherlich gibt es auch noch andere Bedürfnisse, die dir dort nicht erfüllt werden.

    Schau' wirklich nach deinen Bedürfnissen.

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    AW: Burnout

    Ich lese aus deinen Beiträgen heraus dass viele Dinge nicht so gehen wie du sie brauchst oder wünscht,sehe aber auch dass du deine eigenen Bedürfnisse nicht so ernst nimmst um Nägel mit Köpfen zu machen.
    Sobald eine Situation auftaucht die dich ohne Ende fordert schaltet sich dein Kopf ein und hat eine Lösung.
    Zum Leben gehört das erkennen der eigenen Möglichkeiten und ich denke da ist deine Seele viel weiter als du insgesamt.Es geht nicht wie es gerade ist,das schreibst du ja auch sehr klar und detailliert.Um dann wieder von der Umgebung das einzufordern oder zu erbitten was in deinen Augen unmöglich ist.
    Damit handelst du genauso wie die Umgebung,du nimmst dich selber nicht ernst.Und die Hoffnung dass da ein "Erlöser" ist der dich daraus holt und wegbringt ist verständlich,aber leider nicht die Realität.Ich wünsche dir einen Ausweg,aber dazu braucht es den Mut sich auf sich selber einzulassen,auf das innere Kind welches so hungrig schreit.Du mußt dein Leben ändern,anders geht es nicht.

  5. Inaktiver User

    AW: Burnout

    Was mir in ähnlicher Situation übrigens einmal half (weil eine Flucht auch nicht möglich war, zumal man sich auch bei Fluchten ja stets mitnimmt ;-) - das war eine Weiterbildung bzw. auch Gruppenseminare. Zum einen bringt das neue Ideen in den Kopf, sicherlich auch Lösungsstrategien der eigenen Situation und sei's nur die Veränderung der Sichtweise darauf - und neue Menschen in's Leben.

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    AW: Burnout

    Wenn ich mal ganz ehrlich mit mir bin, ist mir abhanden gekommen, was denn so meine Beduerfnisse eigentlich sind, ausser den ganz offensichtlichen. Ich weiss es nicht mehr. Ich habe viele Jahre damit zugebracht, den Junior mit seinem Asperger zu unterstuetzen, in die Schule zu gehen, um danach wieder einen Beruf zu haben, und last but not least, meinem Mann karrieremaessig den Ruecken frei zu halten. Jetzt stehe ich vor der grossen Leere. Ganz grosse, einschneidende Veraenderungen kann ich noch nicht vornehmen. Ich traue mir dafuer selbst noch zu wenig.

    Ich lerne, mich abzugrenzen, und Menschen zu ignorieren, die mir nicht guttun. Ich war schon immer fuer meine Geradlinigkeit und Ehrlichkeit bekannt, und werde davon weiterhin, auch im verstaerkten Mass Gebrauch machen. Letztendlich hab ich nichts zu verlieren, aber viel zu gewinnen.

    Auf der Arbeit habe ich den "Generalstreik" geprobt, und stur und konsequent nein zum Chef gesagt. Ich dachte, dass er mich rausschmeisst, oder degradiert, oder mir die zusaetzliche Arbeit trotzdem aufbrummt, samt einer Abmahnung. Aber ich hatte gute Daten, ihm zu zeigen, wie meine Zeit verteilt ist, usw., und legte es drauf an. Cool und sachlich. Ergebnis: die zusaetzliche Arbeit fiel an jemand anders. Mein Tag ist trotzdem noch 11 Stunden lang, aber die Tussi, die mir das ganze alles anhaegen wollte, laesst mich jetzt ganz brav in Ruhe.

    In manchen lichten Momenten erinnere ich mich zumindest rational daran, wie unwichtig viele Dinge doch sind. Ich schaffe es, mir damit etwas Distanz zu erarbeiten, und ein dickeres Fell.

    Aber zurueck nach D...das wirft neue Probleme auf. Das muss ich Schritt fuer Schritt angehen. Samstag morgens....Bretzeln vom Baecker, Wochenmarkt am Muensterplatz, richtig gute Nachrichtenprogramme, oeffentliche Verkehrsmittel, und sechs Wochen Urlaub....hach!!

    Eure Beitraege regen sehr zum Nachdenken an! Ich musste erst alles etwas verarbeiten, bevor ich antworten konnte.

  7. User Info Menu

    AW: Burnout

    Liebe Lindenmausi,

    ich kann mitfühlen, bei mir wurde auch Burnout diagnostiziert. Wie ich gerade in einem anderen Thread geschrieben habe, lautete für mich die "Heilung": Fußpilgern nach Santiago (ohne religiöse Hintergründe, einfach nur, weil die Infrastruktur dort auf arme Studenten ausgerichtet ist).

    Ich weiß, dass die Situation für Arbeitnehmer in den USA nicht besonders rosig aussieht, dennoch würde ich dir raten, dich nach Möglichkeit (14 Tage Jahresurlaub darauf zu verschwenden klingt zwar schrecklich, könnte in meinen Augen aber vielleicht helfen) einfach einmal von allem frei zu machen. Ignoriere an dich gestellte Ansprüche (lass das Cell Phone zuhause oder auf Flight Mode), schraub die eigenen an dich selbst und an die Welt gestellten Ansprüche herunter, und versuche, einfach mal zu sein, zu existieren. Bei mir hilft, wie gesagt, das Pilgern: Rucksack, gehen, pfeif auf Handy, Nachrichten, Aussehen und das alles, ich kümmer mich nur darum, wo ich schlafen, essen und trinken kann. Meine Psychologin meinte, dass eine solche Reduzierung ganz hilfreich sei. Nun weiß ich nicht, ob dir zu Fuß gehen liegt (mir eigentlich auch nicht, aber erstaunlicherweise erfrischt mich das jedes Jahr wieder, obwohl es ziemlich hart und anstrengend ist), aber ich glaube, gerade die USA bieten viele Möglichkeiten, sich selbst zu erfahren: spontan würde ich an Road Trips, den Appalachian Trail, Camping in einem National Park oder ähnliches denken. Auf jeden Fall an einen Bruch mit der Wirklichkeit, in der du dich im Moment befindest, und einen Aufenthalt in einer anderen Wirklichkeit, in der andere Dinge wirklich und wichtig sind, und in der andere Fähigkeiten bzw. Qualitäten von dir gefordert werden.
    Ich selbst bin natürlich kein Therapeut, und ich kann dir nicht garantieren, dass was für mich wirkt, auch dir hilft, aber vielleicht kannst du ja mit anderen darüber sprechen und so auf irgendwelche Ideen kommen.

    Ich wünsche dir viel Glück und gute Besserung.

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    AW: Burnout

    Wow, toll, dass du bis heute durchhälst! Es gibt wirklich gute Tipps hier! Warum wehrst du dich so gegen Antidepressiva? Es gibt sie ja auch in ganz kleinen Dosen und sie helfen dir, das Leben wieder rosiger zu sehen. Die Tabletten sind nicht mehr so drastisch wie früher.
    Die zweite Idee, die ich hatte war, dass die Therapieform, mit der du gerade behandelt wirst, vielleicht nciht die zielführende ist. Gibt es eine Möglichkeit, noch etwas anderes auszuprobieren? Es gibt ja tiefenpsychologiesche, verhaltenstherapie, etc., vielleicht hast du noch nciht das richtige für dich gefunden?
    Irgendwann wird das Leben wieder schön! Kämpfe dafür!

    lg

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    AW: Burnout

    Na ja das Gesundheitssystem hier ist im Vergleich zu anderen Ländern ein Traum.... Aber auch hier kränkelt es.
    Seid Januar kämpte ich für eine Kur, Samstag erhielt ich die Bewilligung 5 Wochen WOW und heute teilte mir die Klinik mit 16-18 Wochen Wartezeit...
    Das Leben macht was es will und ich auch!

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    AW: Burnout

    Hallo Lindenmausi,

    im Moment bin ich auf der Suche nach Menschen, denn es ähnlich geht - psychosomatische Beschwerden, Depression bis hin zum Burnout und so bin ich auf Deinen Thread gekommen.

    Die Antwort von heidpofferl ist perfekt - das Kind in Dir schreit, so hilft auch mir meine Psychologin zu mir zu finden, was ich wirklich will - aber für jeden von uns kann die Hilfe anders sein, solltest auch überlegen, ob eine andere Therapie für Dich besser ist als die jetztige von Dir.

    Was ist mit Deinem Mann, kann er Dich nicht unterstützen - da ich Deinen anderen Thread nicht kenne, hoffe ich nur, dass ich nicht alte Wunden aufreisse?

    Ciao, Nina
    Ciao, Nina

    Ein Tag, an dem Du nicht lächelst, ist ein verlorener Tag!

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