Ich hoffe, mit meinem Thema hier richtig zu sein... Im Augenblick geht es mir sehr schlecht, und ich bin dringend auf der Suche nach Hilfe.
Zu meiner Geschichte: Ich habe mich - neben einigen anderen Krisen - in Beziehungen stets aufgeraucht, ohne Grenzen zu finden, die gesund gewesen wären bzw. meine Gesundheit erhalten hätten. Vor 10 Jahren verlor ich nach so einer Katastrophenbeziehung meine Arbeit, hatte mit Depressionen zu kämpfen (die auch medikamentös behandelt wurden) und habe seitdem eine chronische Schlafstörung, d.h. ich kann ohne Medikamente nicht schlafen. Bin zwar voll berufstätig, fühle mich aber im Alltag kaum leistungsfähig, sondern kämpfe mich mehr oder weniger durch.
Vor drei Jahren ging ich wieder eine Beziehung ein. Mit einem Mann, der durchaus seine guten Seiten hat, aber für seine Arbeit lebt und - wie ich meine - zu einer wirklichen Bindung nicht fähig ist. Es kam nach ca. einem halben Jahr zur ersten Auseinandersetzung, er ließ mich daraufhin komplett hängen und meldete sich überhaupt nicht mehr, obwohl ca. eine Woche später eine gemeinsame Reise geplant war. Ich habe dann entnervt umgebucht und fuhr alleine, brachte es aber nicht fertig, den Kontaktabbruch durchzustehen, sondern meldete mich wieder bei ihm.
Die Beziehung ging weiter, und damit nahm das Unglück seinen Lauf. Das Reise-Ereignis hat sich - in leicht abgewandelter Form - seitdem hunderte Male wiederholt, und mir ging es im weiteren Verlauf immer schlechter. Ich brachte es nicht fertig, die Beziehung zu beenden - das Muster war immer das Gleiche. Ich war verzweifelt, er schwieg und ging nicht darauf ein, egal wie sehr ich ihn darum bat. Er entzog sich beliebig, machte zigmal mit mir Schluss, ich konnte es aber nicht durchstehen und ihn nicht gehen lassen. Ich habe gejammert, gebettelt und gefleht, damit er mich nicht verlässt. Habe Todesängste (kein Witz) durchgestanden, wenn ich ihn nicht erreichte. Währenddessen fing ich an, jede Menge zu essen und Wein zu trinken, sehe inzwischen nicht mehr gut aus, um es mal vorsichtig auszudrücken. Teilweise gab es monatelangen Kontaktabbruch, aber ich meldete mich dann doch wieder, weil ich das nicht aushalten konnte. Ein Versuch der Verhaltenstherapie hat mir nichts gebracht, ich konnte der Therapeutin absolut nicht klar machen, dass ich diesen Mann nicht verlassen kann, weil ich Angst habe. Sehr große Angst.
Seit 3 Tagen ist nun wieder Funkstille, und ich möchte endlich diesen Teufelskreis durchbrechen. Ich kann wirklich nicht mehr, habe nun für morgen einen Termin bei einer Psychoanalytikerin gemacht.
Ich würde mich freuen, wenn Menschen mit ähnlichen Erfahrungen hier schreiben, oder jemand vielleicht einen Tipp für mich hat, insbesondere hinsichtlich Therapie(form).
NinaLaura
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Thema: Verarbeitung von Traumata
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19.07.2011, 21:43Inaktiver User
Verarbeitung von Traumata
Geändert von Inaktiver User (19.07.2011 um 21:49 Uhr)
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20.07.2011, 20:17
AW: Verarbeitung von Traumata
Bei diesem langanhaltenden Muster der Beziehungsgestaltung, die Dich schädigt, wäre vielleicht ein stationärer Aufenthalt angesagt. Da bist Du mal dem Alltag enthoben und hast Distanz, um zu überlegen und Dir helfen zu lassen. Da kannst Du üben, Dich zukünftig besser zu schützen vor Kontakten, die Dich nur belasten, und Verlassenheitsängste auszuhalten. Power hast Du ja, denn Du hast es geschafft, allein in Urlaub zu fahren und bist voll berufstätig. Das ist eine Leistung!
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20.07.2011, 20:31Inaktiver User
AW: Verarbeitung von Traumata
Vielleicht kannst du dich bezüglich der Art der Therapie noch mal irgendwo beraten lassen (Krankenkassenhotline oder so?), ich halte eine Psychoanalyse in diesem Zusammenhang für nicht so ganz passend.

Eine Verhaltens- oder Gesprächstherapie fände ich persönlich sinniger (nur meine Meinung!).
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21.07.2011, 21:40Inaktiver User
AW: Verarbeitung von Traumata
Hallo,
vielen Dank für Eure Antworten.
Dachziegel, erstmal danke für das Kompliment. Ich bin im Augenblick mit meinem Selbstvertrauen ganz schön im Keller und freue mich über Zuspruch. Dein Vorschlag eines stationären Aufenthaltes ist auf jeden Fall überlegenswert, nun bin ich nicht nur voll berufstätig, sondern auch noch selbständig, und müsste halt mal sehen, wie ich eine längere Abwesenheit über die Bühne bekomme. Bis zu drei Wochen ist das irgendwie machbar, aber darüber wird es schwierig, ohne dass mir die Kundschaft wegrennt. Aber die Bereitschaft steigt.
Schneechen, ich bin gerade dabei, mir Adressen zusammen zu suchen. Verhaltenstherapie hab ich schon probiert, ist aber zu sehr an der Oberfläche und hilft mir deshalb leider nicht.
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24.07.2011, 13:54
AW: Verarbeitung von Traumata
Für mich klingt eine Psychoanalyse durchaus passend, man muss sich natürlich im Klaren sein, das eine Psychoanalyse weniger kurzfristig Erfolge bringt, sondern langfristig.
Für mich klingt das so, wie wenn Du (TE) alles lieber hast als allein zu sein, Du wahnsinnige Verlustängste hast. Das hat seine Ursachen, und an die kommt man verm. mit Psychoanalyse ran und kann sie verarbeiten.
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24.07.2011, 19:44Inaktiver User
AW: Verarbeitung von Traumata
Liebe Ninalaura, du schreibst, dass du dich von diesem Mann nicht trennen kannst, weil du Angst hast, sehr große (um dich zu zitieren). Darf ich fragen, wovor du Angst hast?
Ich weiß nicht, ob in deinem Falle die oder die Therapieform die beste wäre. Ich begann in einer ähnlichen Situation wie der deinen mit einer körperorientierten Therapie, sogenannter Skan Körperarbeit. Das war für mich damals sehr passend.
Mittlerweile habe ich auch von einer verhaltenstherapeutischen Form von Traumarbeit gehört, deren Namen mir gerade nicht einfällt ... . Ich melde mich gleich noch einmal.
LG Julifrau
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25.07.2011, 22:04Inaktiver User
AW: Verarbeitung von Traumata
@ Quirin Die Analyse ist auch in der engeren Wahl, ich habe mich noch nicht entschieden. Um ein tieferliegendes Problem geht es auf jeden Fall, weswegen die Verhaltenstherapie wohl auch nicht funktioniert hat. Das mit dem Allein sein stimmt, und auch wieder nicht. Ich habe mir vor Beginn der Beziehung sehr einen Menschen an meiner Seite gewünscht. Vielleicht zu sehr, schwer zu sagen. Aber die Angst - in dieser schwerwiegenden Form - ist mit diesem Mann zum ersten Mal aufgetreten, so dass mit die Trennung nicht nur schwer fiel, sondern unmöglich erschien (und teilweise auch jetzt noch erscheint).
@ Julifrau, danke für die Tipps! An etwas Körperorientiertes hatte ich auch schon gedacht, weil ich viele körperliche Symptome habe. Herzschwmerzen, Enge in der Brust, Schwindelgefühle, Wovor ich Angst habe, kann ich eben nicht wirklich sagen, das ist ja mein Problem. Dieses immer wieder Kontakt aufnehmen hat sich wenigstens wie ein Zwang angefühlt, dem ich nicht entkommen konnte.
Das Gespräch mit der Psychoanalytikerin habe ich inzwischen geführt. Sie meinte, dass durch abrupten Liebesentzug (Schweigen, abtauchen) so eine Situation entstehen kann. Und ich käme da mit dem Verstand nicht ran, müsse die Gefühle bearbeiten. Wwas das genau heißt, weiß ich allerdings noch nicht, werde diese Woche nochmal hingehen, und dann mal weiter sehen.
LG NinaLaura


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