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    Frage Unterschied Psychoanalyse / Psychotherapie

    Hallo liebe Leserinnen und Leser,

    derzeit bin ich in einer Therapie. Diese Thearapie ist anscheinend eine VT, denn sie ist auf 80 h begrenzt. Sie wird von der Kasse bezahlt.

    Nun habe ich nach diesen 80 Stunden nicht den Eindruck, dass sich etwas ENTSCHEIDENDES getan hätte (im Gegensatz zum Therapeuten: er hält die kleinen Veränderungen für Erfolge), und ich habe den Eindruck, als müsse ich noch tief graben bzw hätte noch einen weiten Weg vor mir, um die "dicken Dinger", die in mir lauern, endlich anpacken zu können. Ganz sicher ist es so - eine fette "Leiche im Keller" will und will einfach nicht raus.

    So, wie die Therapie abläuft, ist sie interessantweise eher tiefenpsychologisch fundiert, als dass sie "nur" auf eine Verhaltensänderung abziehlt. Wir kauen also zumeist Innerstes von mir durch.

    Gleichzeitig bekomme ich mit, dass sowohl eine Bekannte als auch eine Freundin von mir jweils ein ewig dauernde Psychoanalyse machen durften. Beide allerdings kenne /kannte ich auch bereits vor dem Beginn der Analyse, und sie haben sich nicht grundlegend verändert. Beide übrigens haben ihr Leben "im Griff", vorher aber auch schon, sind rank, schlank, gehen gut mich sich selbst um, und haben/hatten keinerlei Anzeichen einer "Störung". Bei beiden hat jweils die Kasse die Kosten übernommen.

    Nun meine Fragen:

    1) Mein Eindruck ist, dass eine Psychoanalyse, einfach weil sie länger und intensiver ist, auch besser ist. Stimmt das?

    2) welche Risiken bestehen, wenn man eine Analyse macht?

    3) was kann ich selbst dafür tun, vielleicht im Anschluss an diese Therapie, gern auch mit Pause, sie sollte ja wirken, eine Analyse bezahlt zu bekommen?

    4) Wieso sind manche Patienten es "wert", eine Analyse bezahlt zu bekommen, andere aber nicht?

    Vielen Dank fürs Lesen,
    -Helen-

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    AW: Unterschied Psychoanalyse / Psychotherapie

    hallo helen,

    die frage nach einem unterschied zwischen psychoanalyse und psychotherapie ist schon falsch. die psychotherapie stellt quasi lediglich den oberbegriff da und ist keine eigene therapieform. psychotherapeuten entscheiden sich meist für eine therapieform und arbeiten mit dem patienten dann entweder tiefenpsychologisch (TP) oder verhaltenspsychologisch (VT). in der TP gibt es verschiedene richtungen. eine davon ist die klassische psychoanalyse nach freud. die anderen kann ich nicht benennen. müsstest du notfalls nach googeln.

    ich glaube, wenn man nach therapieende weitermachen will, ist dies möglich, wenn man sich für eine andere therapieform entscheidet (was du ja eh vorhast). nur dann, wenn man bei der gleichen therapieform bleiben möchte, muss man lt kasse eine pause einlegen. angabe ohne gewähr.

    ich glaube nicht, dass eine psychoanalyse besser ist, nur weil sie länger dauert und/oder intensiver ist. nicht jede therapieform ist für jeden menschen gleich gut geeignet, denke ich. hast du denn schon mal über einen stationären oder teilstationären aufenthalt nachgedacht? das ist zwar auch nicht die lösung aller probleme, aber man erreicht in kurzer zeit recht viel. mehr als man mit einem ambulanten termin pro woche schaffen könnte.

    warum glaubst du denn, dass deine kasse die kosten für eine psychoanalyse nicht übernehmen würde?
    Sei Du selbst die Veränderung, die Du Dir wünschst für diese Welt.“

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    AW: Unterschied Psychoanalyse / Psychotherapie

    Guten Abend!

    die psychotherapie stellt quasi lediglich den oberbegriff da und ist keine eigene therapieform.
    danke Lucii, für die Antwort und zuerste für deine Erläuterung. Stimmt, ich war unpräzise in der Verwendung der Begriffe.

    ich glaube nicht, dass eine psychoanalyse besser ist, nur weil sie länger dauert und/oder intensiver ist.
    zugegeben - da die Methode der Analyse über mehrere Jahre gehen kann und die Kasse wirklich eine Menge Geld kostet, impliziere ich, dass diese Methode besonders nachhaltig ist und besonders gut ist.

    Es kann aber durchaus sein, dass ich noch nicht einmal weit genug bin, um endlich an meine "Kellerleiche" zu gehen, andererseits bin ich von meiner Wahrnehmung her schon so weit festzustellen, dass sie da ist, und dass ich irgendwann an sie ran muss. Ich glaube, meine "Kellerleiche" ist der dickste Knoten, der mich noch blockiert.


    warum glaubst du denn, dass deine kasse die kosten für eine psychoanalyse nicht übernehmen würde?
    Ich denke, dazu müsste erst einmal wieder ein Hausarzt einen Antrag stellen, eine Therapeut eine bewertung ... und ich habe die Kasse ja inzwischen schon viel Geld gekostet, daher frage ich mich eher, warum sie es bewilligen sollten. Wie gesagt - die Notwendigkeit müsste nachgewiesen werden, und wenn der eine Therapeut mich sozusagen als "fertig therapiert" entlässt, muss ein anderer sehr viel Aufwand spendieren, um doch eine Notwendigkeit festzustellen.

    hast du denn schon mal über einen stationären oder teilstationären aufenthalt nachgedacht?
    Ja, das habe ich. Vor einigen Monaten hätte ich es mir wirklich auch gewünscht. Im Moment bin ich unentschlossen, aber ich habe so ein starkes Bedürfnis nach einer "Auszeit", nach einer Kur, auch dadurch begründet, dass ich ständig krank bin - kaum ist eine Krankheit am Abklingen, beginnt woanders ein neues Kranksein. Ich würde so gern einmal für eine Zeit raus aus dem ganzen täglichen Wahnsinn. Allerdings wäre mir eine staionäre Therapie vor allem deshalb unangenehm, weil davon natürlich meine Firma etwas mitbekommen würde. Ich würde das Gerede fürchten, auch fürchte ich um mein Ansehen und in der jetzigen Wirtschaftssituation um meinen Arbeitsplatz. Man ist trotz hohen Qualifizierungsgrads schnell austauschbar, wenn man in den Großkonzernzirkus nicht mehr hineinpasst. Außerdem - man, ein Arzt, muss die Notwendikeit feststellen! Da ich aber im Moment ständig bei den Ärzten bin, denke ich, es sollte endlich genug sein.



    Da ich eher logisch und verstandesmäßig agiere, wird eine Therapie (bei mir) erst dann erfolgreich, wenn ich vom Wissen und Denken ins Fühlen und Erleben komme. Es geht weniger darum, neue Verhaltensweisen einzustudieren. Die aktuelle Therapie ist gut, da der Therapeut mich nicht mit Begrifflichkeiten und Wissen füttert, sondern mich immer mehr ins Fühlen und Erleben bringt.

    Vielleicht ist es aber auch gut, nach beendigung eine Pause einzulegen, um dann nach 1-2 Jahren nochmal einen Vorstoß zu wagen.

    Selbst diese ambulante Therapie ist immer noch ganz schön anstrengend, ich bin einfach auch unsicher, was sinnvoll ist.

    Gute Nacht,
    -Helen-

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    AW: Unterschied Psychoanalyse / Psychotherapie

    hallo helen,

    ich kenne mich mit der klassischen psychoanalyse nicht wirklich aus, aber ich glaube dennoch nicht, dass sie nur deswegen besser sein soll, weil sie länger dauert und daher mehr kostet. natürlich ist eine psychoanalyse eine langwierige und intensive sache, aber ich weiß gar nicht, ob das für jeden patienten auch das richtige wäre. vielmehr muss man wohl schauen, wo die probleme sind und wie lange deren entstehung zurückliegt. und bei traumapatienten sieht es sicher nochmal ganz anders aus. als solcher empfiehlt es sich besonders, einen therapeuten mit entsprechender erfahrung zu suchen. das wort kellerleiche klingt für mich nach trauma. ob es bei dir so ist, weiß ich natürlich nicht. trotzdem möchte ich noch mit auf den weg geben, dass es auch im bereich stationärer therapie angebote speziell für traumapatienten gibt. die angst um den arbeitsplatz kann ich sehr gut nachvollziehen. mir ging es auch so. mittlerweile bin ich aber schon seit einigen monaten zuhause und habe diese angst mehr und mehr losgelassen. sie ist zwar noch da, aber sie beherrscht mich nicht. sollte es tatsächlich soweit kommen, dass mein AG mich loswerden will, dann werde ich damit auch umzugehen wissen. allerdings sieht es danach aktuell nicht aus, denn ich werde ziemlich umworben. so oder so kann man irgendwann an einen punkt im leben kommen, an dem man sich für oder gegen seine gesundheit und sein seelenheil entscheiden muss. ich, die eigentlich ein sehr ausgeprägtes sicherheitsdenken in sich trägt, habe mich für die gesundheit entschieden. es fühlt sich richtig an, auch wenn der verstand natürlich oft sagt, dass es in der aktuellen wirtschaftslage besonders riskant ist. ein guter rat wäre vll, eine berufsrechtschutzversicherung abzuschließen, sofern du noch keine hast. psychosomatische krankenhäuser haben ziemlich lange wartezeiten. für den aufnahmetag benötigst du aber nur eine einweisung deines arztes. die zu bekommen ist nicht schwer.

    luci

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    AW: Unterschied Psychoanalyse / Psychotherapie

    Hallo Lucii,

    vielen Dank noch für Deine Antwort. In der Zwischenzeit hat leider mein Körper "gezickt", so dass ich meine Aufmerksamkeit zunächst einer anderen Baustelle widmen muss. Dafür aber gärt es in mir, und es kann durchaus sein, dass ich das Wagnis eines psychosomatischen Aufenthaltes eingehen werde.

    Herzlichen Dank noch mal,
    -Helen-

  6. Inaktiver User

    AW: Unterschied Psychoanalyse / Psychotherapie

    Es mag sein, dass die vielen genehmigten Therapiestunden dir "verlockend" oder unfair vorkommen, ich würde dennoch von einer klassichen Psychoanalyse abraten. Ich kenne niemanden, der da was von hatte. Meistens sind die Menschen nach diesen Sitzungen völlig fertig. Die Mutter einer Freundin hat immer Freitag ihre Therapiesitzung und ist dann das ganze WE nicht ansprechbar. Es wird eben bis ins Detail in den alten Geschichten gegraben und man soll sich da genau erinnern, ich habe aber den Eindruck, dass da hinterher nicht viel mit gemacht wird und dass man mit den schlechten Gefühlen nach Hause geschickt wird. Wenn man in solchen Phasen Probleme mit dem Therapeuten bekommt, kann das total nach hinten losgehen. Ich habe das für mich immer abgelehnt.
    Probiere einfach mal aus, wie es sich anfühlt, zu liegen und jemanden mit einem Block neben sich sitzen zu haben, der sich was notiert und kaum auf das eingeht, was du sagst. Ich habe lieber Augenkontakt und sitze dem Therapeuten gegenüber. In der Psychoanalyse würde ich mich ausgelieferter fühlen.
    Es gibt so viele moderne Therapieansätze, die auf aktuellen Erkenntnissen basieren, in der Verhaltenstherapie z.B. EMDR, dass man meiner Ansicht nicht eine Methode nutzen muss, die so alt ist...
    Ich wünsche dir alles gute und hoffe, dass du das richtige für dich findest. Dass dein Körper streikt, könnte für die Kasse aber ein ausschlaggebender Punkt für eine Weiterfinanzierung einer Therapie sein, wenn ein Zusammenhang hergestellt werden kann.

  7. User Info Menu

    AW: Unterschied Psychoanalyse / Psychotherapie

    ich denke, dass Deine Erwartung an die Therapie einfach zu hoch ist.
    Denn, was möchtest Du für Dich selbst erreichen? Möchtest Du wirklich "die Leiche im Keller" kennenlernen, und was verändert sich für Dich, wenn Du sie mit Namen benennen kannst? Nichts!
    Oder möchtest Du einen Weg finden, wie Du aktuell und in Zukunft mit Deinen Ängsten umgehen kannst, um Deinen Alltag zu bewältigen? Scheint mir sinnvoller.

    Ziel jeder psychotherapeutischen Behandlung kann ja nur sein, nicht mehr ängstlich in sich hineinzuhorchen, ob da was Schlimmes lauert, sondern wie man das normale Leben bewältigt.

    Eine Therapie kann in meinen Augen nur dann erfolgreich sein, wenn man für sich sein Herkommen, seine Gene, seine seelischen Verletzungen annehmen kann und mit mehr Hoffnung den nächsten Tag leben kann.

    Ich erinnere mich an einen Kollegen, der eine zweijährige tiefenpsychologische Therapie machen musste (war für seinen Beruf erforderlich). Zuivor war er ein fröhlicher bissiger Mensch, und danach jahrzehntelang ein Griesgram. Fand ich garnicht gut! Er hat sich auch nicht mehr wohlgefühlt.
    Die Menschen stolpern nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel

  8. Inaktiver User

    AW: Unterschied Psychoanalyse / Psychotherapie

    Zitat Zitat von -Helen- Beitrag anzeigen

    Im Moment bin ich unentschlossen, aber ich habe so ein starkes Bedürfnis nach einer "Auszeit"

    Ich würde das Gerede fürchten, auch fürchte ich um mein Ansehen und in der jetzigen Wirtschaftssituation um meinen Arbeitsplatz.

    Da ich eher logisch und verstandesmäßig agiere, wird eine Therapie (bei mir) erst dann erfolgreich, wenn ich vom Wissen und Denken ins Fühlen und Erleben komme.

    Es geht weniger darum, neue Verhaltensweisen einzustudieren. Die aktuelle Therapie ist gut, da der Therapeut mich nicht mit Begrifflichkeiten und Wissen füttert, sondern mich immer mehr ins Fühlen und Erleben bringt.
    ...deiner Beschreibung nach scheinst du nicht offen und bereit zu sein, deine "Kellerleiche" anzuschauen.

    Vorrangig ist deine Position im wirtschaftlichen Kontext und die damit verbundene Verlustangst.

    Bei einer VT wird nix einstudiert. du bekommst Angebote an die Hand, dein Verhalten nach deinem Bedürfnissen auszurichten.

    Wenn die aktuelle Therapie dich zu deinem Fühlen bringt, bist du auf dem Weg zu dir, denn was jemand gesagt oder gemacht hat, das vergißt der Mensch, doch wie er sich dabei fühlte, das bleibt "gespeichert"...

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