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    Den Eltern die Kindheit verzeihen?

    Gelöscht aufgrund der bevorstehenden Schließung des Forums.
    Geändert von Lucii (17.11.2021 um 18:24 Uhr)

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    AW: Den Eltern die Kindheit verzeihen?

    Hallo Lucii,

    da bin ich mal wieder ...

    Ich weiß nicht, ob man verzeihen muss, um etwas hinter sich zu lassen.
    Aber ich glaube, man muss, wenn man verzeihen will, vorwerfen haben dürfen; dafür ist vielleicht die Therapie geeignet?

    An den wirklichen Ansprechpartner ging es bei mir nicht, trotz jahrelanger Versuche. Geht nicht, geh' kaputt dabei.

    Ob man es schaffen kann, nur so obenhin zu reden und den Kontakt aufrecht zu halten? Ja, nach langer Zeit, 20 Jahre - und auch nur mit dem Gedanken "Alternative? ... zu ist zu (die Tür)"

    Mir hat geholfen, dass meine abstrusen Wünschen mal so richtig hochkamen, nach einem Besuch dort (mit Partner sogar) saß ich heulend im Auto, wurde immer röter und aufgelöster und "hässlicher" und da war immer der Gedanke: "dürfte ich sooo kommen, so aufgelöst und ein Nichts?"
    Und je mehr ich nein dachte, desto mehr heulte ich, um das "so nicht" für mich zu provozieren. Also so richtig mit Anlauf in die Grube fahren und mit vollem Bewusstsein.

    Jetzt weiß ich wenigstens, was ich wollte.
    Es war nicht da (es war aber manchmal die Hoffnung dazu da, "du hast es fast, kläre es, fast, fast").

    Jetzt tut es nicht mehr so weh, ich muss es nicht aufarbeiten. Besser ne Narbe als eine Wunde.

    Liebe Grüße, T.
    "Eine Treppe: Sprechen - Schreiben - Schweigen"mmmmmmmmmmKurt Tucholsky

  3. Inaktiver User

    AW: Den Eltern die Kindheit verzeihen?

    Hallo Lucii,

    erstmal: schön, dass du wieder da bist. Tut mir leid, dass es dir nicht gut geht!

    @tarasjugina: ich bin Ex-Loony/-Molly! *wink*

    Um deine Ausgangsfrage zu beantworten: ich persönlich denke, dass es grundsätzlich möglich ist, den Eltern die Kindheit zu verzeihen.
    Für diejenigen, denen besonders Schlimmes angetan wurde (Missbrauch o.ä.), gilt das sicherlich nicht oder unter erschwerten Bedingungen.
    Es ist auf jeden Fall ein langwieriger Prozess.

    Meine Erfahrung: Ich bin nach wie vor überzeugt, dass mir selbst in meiner Kindheit nie etwas wirklich "Schlimmes" passiert ist.
    Klar haben meine Eltern Fehler gemacht, aber seitdem ich selbst die Mutterolle habe, sehe ich viele Dinge irgendwie verständnisvoller. Manches, was meine Eltern so gemacht haben, finde ich nach wie vor scheiße (um es mal deutlich zu sagen ), aber ich verstehe das Warum. Was auch immer sie taten, sie wollten das Beste für uns und wussten es nicht besser.

    Seit einigen Jahren konfrontiere ich meine Mutter immer mal wieder mit nett verpackten "Vorwürfen" (das hört sich jetzt schlimmer an, als es in Wirklichkeit ist, mir fällt nur kein besseres Wort ein) oder stelle Verständnisfragen zu bestimmten Vorfällen aus meiner Kindheit und beaobachte ihre Reaktion.
    Manchmal sind daraus interessante Gespräche entstanden.

    Und mir hilft es, Ereignisse (ggfs.) neu einzuordnen.

    Ich weiß nicht, wie ihr so reden könnt, du und deine Mutter, aber vielleicht wäre das auch ein Weg für dich?
    Das kann aber nicht geplant werden. Das muss einfach spontan aus der Situation heraus kommen.

    Ich wünsche dir, dass du eine Weg findest, mit der Vergangenheit Frieden zu schließen.
    (Ich kann das übrigens nicht in jedem Bereich so gut wie momentan im Eltern-Bereich, aber das gehört jetzt nicht hierher. )

    Gruß

  4. Inaktiver User

    AW: Den Eltern die Kindheit verzeihen?

    Zitat Zitat von Lucii Beitrag anzeigen
    Ich habe manchmal Angst, dass ich im Laufe der Therapie dazu tendieren werde, den Kontakt zu meiner Mutter abzubrechen, weil ich es anders nicht aushalte. Das macht mir wirklich Sorgen und blockiert mich in meiner Therapie.
    Lucii,
    diese Angst kann ich nachvollziehen.
    Aber es ist gut, dass du die Therapie machst und Deine Ängste aussprichst, dadurch wird der Alp genommen, glaube ich, und die Gefahr wird weit weniger bestehen, den Kontakt abzubrechen (denn es scheint mir, dass Du es im Moment gar nicht möchtest). Vielleicht kommst du im Lauf der Therapie dahin, es zu wollen, dann ist es aber in Ordnung.

    Zu verzeihen bedeutet vor allem, finde ich, selbst frei zu werden: wer verzeiht, lässt los und befreit sich selbst von den "Dämonen", die einen durch negative Gefühlfühle an den anderen gebunden haben. das Verzeihen passiert aber nicht (allein) durch den Versand, aber irgendwann einmal wirst Du verzeihen können!

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    AW: Den Eltern die Kindheit verzeihen?

    Zitat Zitat von Lucii Beitrag anzeigen
    Letztendlich möchte ich lernen, damit umzugehen und meiner Mutter diese lieblose Kindheit zu verzeihen. Ich weiß nur nicht, ob dies wirklich möglich ist oder ob man sich da nur was vormacht? Die Erfahrungen, die ich machen musste, strahlen ja in mein aktuelles Leben hinein. Dadurch werde ich praktisch immer daran erinnert.
    Vielleicht gibt es die Möglichkeit, dass die 'Lücken' von damals auch heute noch nach und nach gefüllt werden können. Und je besser Dir das gelingt, umso eher kannst Du Dich von der Enttäuschung und der Wut lösen und Deiner Mutter mit mehr Gelassenheit begegnen. Und vielleicht ergibt sich daraus dann sogar ein wenig mehr Wohlwollen und schliesslich Verzeihen.

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    AW: Den Eltern die Kindheit verzeihen?

    Ach Lucii, wir könnten die gleiche Mutter haben.
    Nein, geschlagen oder misshandelt, zumindest körperlich, wurde ich nicht, außer manchmal mit dem Kochlöffel, aber der war wohl in den 60iger Jahren Erziehungsbestandteil .
    Es war auch mehr diese emotionale Kälte, die mir entgegenschlug von meiner Mutter.
    Mir hilft es auch nicht zu wissen, dass sie unehelich auf die Welt kam und ihre Mutter gestorben ist, als meine Mutter 9 Jahre alt war.
    Sie ist 1927 geboren, da war ein uneheliches Kind schon noch etwas schlimmes.
    Ich habe so oft in den letzten Jahren versucht, mit ihr darüber zu reden, was sie mir "angetan" hat. Sie sieht keinerlei "Schuld" bei sich. Ihre Antwort: ICH (also sie) hab nix falsch gemacht!

    Ich drücke mich seit langer Zeit vor Besuchen bei ihr. Wenn ich dieses Haus betrete, verkrampft sich sofort alles bei mir und mein Körper schreit: FLUCHT!!!!!!!!!
    Mir geht es am besten, wenn ich nichts von ihr höre.

    Lg Godewind

  7. gesperrt

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    AW: Den Eltern die Kindheit verzeihen?

    Zitat Zitat von Godewind Beitrag anzeigen
    Ach Lucii, wir könnten die gleiche Mutter haben.
    Nein, geschlagen oder misshandelt, zumindest körperlich, wurde ich nicht, außer manchmal mit dem Kochlöffel, aber der war wohl in den 60iger Jahren Erziehungsbestandteil .
    Es war auch mehr diese emotionale Kälte, die mir entgegenschlug von meiner Mutter.
    Mir hilft es auch nicht zu wissen, dass sie unehelich auf die Welt kam und ihre Mutter gestorben ist, als meine Mutter 9 Jahre alt war.
    Sie ist 1927 geboren, da war ein uneheliches Kind schon noch etwas schlimmes.
    Ich habe so oft in den letzten Jahren versucht, mit ihr darüber zu reden, was sie mir "angetan" hat. Sie sieht keinerlei "Schuld" bei sich. Ihre Antwort: ICH (also sie) hab nix falsch gemacht!

    Ich drücke mich seit langer Zeit vor Besuchen bei ihr. Wenn ich dieses Haus betrete, verkrampft sich sofort alles bei mir und mein Körper schreit: FLUCHT!!!!!!!!!
    Mir geht es am besten, wenn ich nichts von ihr höre.

    Lg Godewind

    Meine Mutter ist auch 1927 geboren (inzwischen verstorben) und ich hatte dasselbe Problem. Meine Jugend war davon gekennzeichnet, nach emotionaler Zuwendung und sozialer Kompetenz zu dürsten (anders kann man das nicht sagen).

    Ich habe mir dann Menschen gesucht, die mir das geben konnten, wozu meine Mutter nicht fähig war.

    Man muss bedenken, dass diese Generation vom zweiten Weltkrieg und den schweren Nachkriegsjahren geprägt ist. DAS können wir Wohlstandskinder gar nicht nachempfinden.

    Ich würde mich vermutlich auch emotional verschliessen, um diese furchtbare Zeit überstehen zu können..

    Jedenfalls ist meine Strategie gewesen, nach dem Schulabschluss sofort weit weg von den Eltern ein eigenes Leben aufzubauen, weil ich die Erfahrung gemacht hatte, dass fremde Menschen liebevoller mit mir umgehen als meine Eltern. Sie haben es halt nicht besser gekonnt, aber das nützte mir auch nicht.

    Mit 30 habe ich mich gefragt, ob ich den Kontakt vollständig abbreche oder ihn so gestalte, dass er für beide Parteien lebbar ist. Dazu gehört, dass ich viele private Dinge nicht erwähne und überhaupt möglichst bloss unproblematische Themen anspreche. Denn die Ansichten über das Leben sind so unterschiedlich, dass meine Eltern und ich ohne harten Streit darüber nicht sprechen konnten und können.

    Mit dieser Strategie bin ich gut gefahren. Mit Hilfe anderer Menschen habe ich meine eigene Emotionalität allmählich entwickeln können und gleichzeitig den Kontakt (wenn auch oft mit Bauchschmerzen) aufrecht erhalten.

  8. User Info Menu

    AW: Den Eltern die Kindheit verzeihen?

    Auch ich war wirklich schon im Kindesalter auf der "Flucht".
    In unserer Nachbarschaft wohnte eine mit uns befreundete Familie.
    Familie in dem Sinne, wie man es sich vorstellt. Schon mit 4!! Jahren war ich ständig bei dieser Familie, wann immer ich nur konnte. Schon vielsagend, oder?
    Im Laufe meiner Kindheit fragte ich mich, warum das bei uns nicht so ist? Dieser liebevolle Umgang......

    Auch ich habe durch andere Menschen gelernt, was Liebe, Füreinanderdasein usw. überhaupt bedeutet.

    Für mich war es wahrlich ein Glücksfall, schon mit 18 Jahren geheiratet zu haben und so in eine rundum harmonische Familie gekommen zu sein.

    Natürlich macht man sich Gedanken darüber, wie es der Mutter erging, als Kind schon quasi Vollwaise zu sein, bei der Oma aufzuwachsen usw. Das erklärt vieles, entschuldigt aber nicht alles.

    Lg Godewind

  9. User Info Menu

    AW: Den Eltern die Kindheit verzeihen?

    Zitat Zitat von schnarchstop Beitrag anzeigen
    Dazu gehört, dass ich viele private Dinge nicht erwähne und überhaupt möglichst bloss unproblematische Themen anspreche. Denn die Ansichten über das Leben sind so unterschiedlich, dass meine Eltern und ich ohne harten Streit darüber nicht sprechen konnten und können.

    Mit dieser Strategie bin ich gut gefahren. Mit Hilfe anderer Menschen habe ich meine eigene Emotionalität allmählich entwickeln können und gleichzeitig den Kontakt (wenn auch oft mit Bauchschmerzen) aufrecht erhalten.
    Ich handhabe dies fast genauso.
    Bei den eher seltenen Telefonaten wird über dies und das geredet, aber ich gebe nicht viel von mir preis.

    Meine Mutter hat auch nie, trotz langjähriger Berufstätigkeit, über den Tellerrand geschaut. Mir kommt es so vor, als sei sie in den 50iger Jahren stehengeblieben.

    Fragt mich jemand, wie meine Kindheit war, sage ich: Sie war schön, wenn meine Mutter nicht in der Nähe war.

    Ihre Kosenamen für mich sind eingebrannt:
    Schlampe, dumme Gans, Flittchen.......

  10. gesperrt

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    AW: Den Eltern die Kindheit verzeihen?

    Zitat Zitat von Godewind Beitrag anzeigen
    Fragt mich jemand, wie meine Kindheit war, sage ich: Sie war schön, wenn meine Mutter nicht in der Nähe war.

    Ihre Kosenamen für mich sind eingebrannt:
    Schlampe, dumme Gans, Flittchen.......

    Das ist wirklich hart.

    Aber so ähnlich, bloss nicht in Worte gefasst, war die Haltung meiner Mutter auch.

    Meine sagte mal, ich sei zu dumm, um Kartofffeln zu kochen. Bloss weil meine Mutter von der Arbeit kam und die Kartoffeln noch 1 Minute köcheln mussten.

    Es ist schon ziemlich unverschämt, was manche Mütter sich erlauben.

    Ich habe glücklicherweise irgendwann kapiert, dass eine Mutter nicht von grundauf ein guter Mensch ist, sondern genauso Schwächen und Probleme hat, wie andere Menschen auch. Diese Erkenntnis ist meiner Ansicht nach der entscheidende Schritt
    Ich glaube, dass Kinder, die ihre Mütter verherrlichen und sentimental auf einen Podest heben, besonders hartnäckige Probleme damit haben, sich von ihr zu lösen und ein eigenes zufriedenes Leben zu führen.

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