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    Tiefenpsychologische Therapie

    Hallo ihr Lieben,

    nach langer Zeit wende ich mich auch mal wieder ans Forum.
    Ich habe kürzlich eine Therapie begonnen, die tiefenpsychologisch ausgerichtet ist (nachdem mir eine Verhaltenstherapie so gut wie nichts gebracht hatte).
    Nun frage ich mich aber, wie für gewöhnlich sowas abläuft, denn ich hatte mir das schon irgendwie anders vorgestellt. Die Therapeutin wurde mir empfohlen und ich finde sie auch sehr sympathisch und mit Sicherheit auch kompetent. Aber da tut sich gar nichts. Wir sitzen nur da und ich soll erzählen, wenn ich aber nichts zu erzählen habe, kommt von ihr gar nichts. Kaum Fragen, keine Anregungen... Gehört das so? Erwarte ich zuviel? Im Grunde könnte ich ja dann auch einfach zuhause Selbstgespräche führen, das würde doch das gleiche bewirken, oder?
    Welche Erfahrungen habt ihr denn da gemacht?

    Freu mich auf eure Antworten.

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    AW: Tiefenpsychologische Therapie

    Hallo,
    ich bin auch zurzeit in einer tiefenpsychologisch ausgerichteten Therapie - habe vor vielen Jahren auch schon eine Verhaltenstherapie gemacht und hatte auch nicht den Eindruck, dass das wirklich was gebracht hat. Ja, die Therapeutin hört in erster Linie zu - meine fragt aber auch schon mal nach... und zwar an genau den richtigen Stellen :-) Jetzt nach einem halben Jahr habe ich bereits ein sehr gutes Gefühl und bin mir sicher, dass ich einiges an Aufarbeitung dort leisten kann. Ganz passiv könnte ich mir mein Gegenüber bei diesem doch harten Stück Arbeit aber auch nicht vorstellen. Ich schätze es zum Beispiel sehr, dass sie mir immer mal wieder Dinge aus psychologisch-wissenschaftlicher Sichtweise erklärt, gar nicht direkt auf mich bezogen, aber ich kann mir vieles an Erklärungsansätzen da rausholen oder hinterher nachschlagen, um mehr darüber zu erfahren. Ich denke, tiefenpsychologisch heißt auch, den Therapeuten wirklich "schamlos" als Zuhörer zu gebrauchen und alles rauszulassen, was einem so durch das Hirn schießt. Ich staune jedenfalls manchmal nicht schlecht, was nach einer Stunde so ans Tageslicht gekommen ist - obwohl ich vorher gar nicht wusste, worüber ich diesmal reden soll.
    Hast Du denn Deine 5 Probestunden schon hinter Dir? Wenn es gar nicht funkt nach diesen, würde ich wohl eher wechseln. Oder frag doch einfach mal nach, warum so wenig von ihr kommt?

    Gruß, Lena

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    AW: Tiefenpsychologische Therapie

    In der klassischen Psychoanalyse hält sich der Analytiker absolut raus, denn der Patient soll frei assoziieren, also spontane Gedanken und Gefühle äussern. In der analytisch orientierten Therapie hängt es vom Therapeuten ab und vor allem von der Diagnose. Bei neurotischen Erkrankungen wird der Therapeut mehr schweigen als z.B. bei einer Borderline-Störung, da diese Patienten einen Menschen als Gegenüber brauchen.
    Ich bin auch bei einem eher schweigsamen Therapeuten und empfinde die Therapie als gut und hilfreich. Aber sprich das Thema doch einfach an. Nur weil der Therapeut schweigt, musst Du ja nicht schweigen.

  4. Inaktiver User

    AW: Tiefenpsychologische Therapie

    Zitat Zitat von juliak Beitrag anzeigen
    Aber sprich das Thema doch einfach an. Nur weil der Therapeut schweigt, musst Du ja nicht schweigen.
    Genau.
    Nutz die Zeit, die du dort hast.
    Sag deiner Therapeutin, was dir nicht gefällt oder dich verunsichert. Wahrscheinlich bist du dann mittendrin im Thema...

    Falls das dann auch nichts nützt, würde ich wahrscheinlich überlegen, vielleicht jemand anderen zu suchen, bei dem es mehr "funkt".

    Es ist schon sehr wichtig, dass du selbst das Gefühl hast, dort richtig zu sein. Aber probier es mal aus, konkret zu sagen, was Sache ist.

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    AW: Tiefenpsychologische Therapie

    Danke für eure Antworten. Ich frage mich aber wirklich, was genau so was mit einem machen soll. Ich bin wirklich nicht ignorant oder so, aber ich könnte doch genausogut mit einer Freundin reden oder mit dem Spiegel. Ich bin doch dort, um meine Probleme verstehen zu lernen und dazu sollte mir doch jemand Erklärungen in irgendeiner Form oder Hilfestellung bieten.
    Erschwerend kommt halt hinzu, dass ich wirklich meistens gar nicht weiß, was ich erzählen soll und es mir total unangenehm ist, wenn ich nichts gefragt werde.
    Vielleicht wird es ja besser. Wir haben ja gerade erst angefangen...

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    AW: Tiefenpsychologische Therapie

    Unbedingt ansprechen! Wie soll Deine Therapeutin Dich sonst kennenlernen und auch den richtigen Weg finden? Möglicherweise ist sie froh drum. Denn es gibt nicht eine Therapietechnik für alle. Es geht immer um eine Beziehung zwischen zwei Menschen, die sich auch erst finden müssen.
    Das freie Assoziieren offenbart die inneren Konflikte und Gefühle mehr als eine normale Unterhaltung, da doch dabei viel "gefiltert" wird. Man sieht und versteht sich dann oft ganz neu. Die Nähe zu sich selbst ist ein wichtiges Kapital für tragfähige und glückliche Beziehungen zu anderen.

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    AW: Tiefenpsychologische Therapie

    Zitat Zitat von Herbstkind Beitrag anzeigen
    dass ich wirklich meistens gar nicht weiß, was ich erzählen soll
    Du hast doch ein bestimmtes Anliegen, weswegen Du Dich in Behandlung begeben hast. Und das solltest Du artikulieren, egal wie wirr oder durcheinander es erstmal rüberkommt .

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    AW: Tiefenpsychologische Therapie

    Zitat Zitat von Dachziegel Beitrag anzeigen
    Du hast doch ein bestimmtes Anliegen, weswegen Du Dich in Behandlung begeben hast. Und das solltest Du artikulieren, egal wie wirr oder durcheinander es erstmal rüberkommt .
    Nee, das ist genau mein Problem. Es geht mir einfach schon immer schlecht und ich weiß nicht warum. Dazu gibt's gar nix zu sagen :(

  9. Inaktiver User

    AW: Tiefenpsychologische Therapie

    Zitat Zitat von Herbstkind Beitrag anzeigen
    ...aber ich könnte doch genausogut mit einer Freundin reden oder mit dem Spiegel.
    Ganz sicher nicht. (Glaub es einfach )

    Ich bin doch dort, um meine Probleme verstehen zu lernen und dazu sollte mir doch jemand Erklärungen in irgendeiner Form oder Hilfestellung bieten.
    Erschwerend kommt halt hinzu, dass ich wirklich meistens gar nicht weiß, was ich erzählen soll und es mir total unangenehm ist, wenn ich nichts gefragt werde.
    Wenn das keine Erkenntnis ist.

  10. Inaktiver User

    AW: Tiefenpsychologische Therapie

    Zitat Zitat von Herbstkind Beitrag anzeigen
    Erschwerend kommt halt hinzu, dass ich wirklich meistens gar nicht weiß, was ich erzählen soll und es mir total unangenehm ist, wenn ich nichts gefragt werde.
    Ich kenne das, man muß sich erstmal daran gewöhnen, dass man über irgendein Thema redet, ohne dass eine Aufforderung oder Stichwort gibt. Das entspricht nicht den Regeln eines 'normalen' Gesprächs.
    Mir ist es auch immer noch ein bißchen unangenehm, wenn meine Therapeutin mir gegenüber sitzt und darauf wartet, dass ich etwas sage.

    Aber man gewöhnt sich daran, es ist halt wichtig, dass du dir darüber klar bist, dass das deine Zeit ist und dass du über das reden darfst, was dich bewegt, ohne irgendeine Form von gedanklicher Zensur.

    Allerdings kommen von meiner Therapeutin durchaus Reaktionen auf meine Ausführungen, also weitere Nachfragen oder auch Kommentare. So eine ganz schweigsame Therapeutin wäre glaube ich nichts für mich.

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