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    Mein Chef ist ein Blender, ich will nur noch weg.

    Guten Morgen! Ich bin weiblich, 36 Jahre alt und war vor meinem jetzigen Job knapp 4 Jahre als Assistentin der Geschäftsführung tätig (in Teilzeit, da ich ein Kind im Kindergartenalter habe).

    Weil ich mich in den letzten anderthalb Jahren nur noch langweilte und einfach das Bedürfnis hatte, mal was Neues zu machen, habe ich Stellenanzeigen durchforstet und bin auf eine kleine Agentur gestoßen, die im Bereich Versicherungen und Finanzen tätig ist. Sie existierte zu dem Zeitpunkt erst ein Dreivierteljahr und die Stellenbeschreibung erweckte den Eindruck, dass man sich in den weiteren Aufbau der Agentur aktiv mit einbringen könne und man ein vielseitiges Aufgabenspektrum erhalten würde.

    Als ich zum Bewerbungsgespräch eingeladen wurde, verstärkte sich mein Wunsch, dort arbeiten zu wollen, noch mehr. Der Agenturinhaber (Mitte 40, augenscheinlich ein lockerer, humorvoller und zielstrebiger Typ) erzählte mir, wie mein Arbeitsablauf aussehen würde und stellte mir die Kollegen vor (ein Junior-Geschäftspartner im Außendienst und ein Azubi).

    Nunja, kurz nach dem Gespräch kam die Zusage und ich kündigte meine alte Stelle, um dort nach der Kündigungsfrist anfangen zu können.

    Inzwischen arbeite ich hier seit rund 8 Monaten und werde jeden Tag genervter und unzufriedener. Mein Chef ist ein fürchterlicher Blender, der die Leute regelrecht ver*rscht, damit sie bei ihm Versicherungen abschließen oder ihr Geld bei ihm anlegen. Das Schlimme ist, dass er auch von mir erwartet, dass ich die Leute anlüge und ihnen irgendwelche Geschichten auftische, die schlichtweg nicht wahr sind.

    Zum Beispiel gab er mir kürzlich eine Liste von älteren Kunden (zwischen 70 und 90 Jahre alt), die in Kürze größere Versicherungssummen ausgezahlt bekämen. Er verlangte von mir, dass ich diese Leute anrufe und ihnen sage, dass sie das Geld weiterhin anlegen müssten, weil eine Auszahlung derzeit nicht möglich sei aufgrund von Corona und andere Märchen, die komplett erfunden sind.

    Erschwerend hinzu kommt, dass er komplett unstrukturiert und chaotisch ist und ich natürlich auch darunter 'leide', weil oft Kunden anrufen und sich beschweren oder wissen wollen, wo ihre Unterlagen sind etc. und ich sie ständig nur vertrösten oder Ausreden erfinden muss, weil er diese Unterlagen mal wieder verschlampt hat.

    Ich habe auch nicht das Gefühl, dass er - obwohl er anfangs den Eindruck eines Workaholics vermittelte - überhaupt mal arbeitet. Eigentlich geht mich das auch nichts an, aber wenn er in seinem Büro hockt mit geschlossener Tür, durch die man wirklich ALLES hören kann und sich mit seinem Kumpel am Telefon laut gröhlend über irgendwelche - O-Ton: "fetten Schl*mpen" unterhält, während sein Termin bereits im Vorzimmer wartet und mal wieder "vergessen" wurde, dann muss ich ehrlich sagen, dass ich mich schäme, hier zu arbeiten.

    Außentermine, die er in seinem Kalender stehen hat, muss ich grundsätzlich 5-10 min vorher absagen, weil er jetzt "keinen Bock" hat oder der Kunde laut seiner Aussage eh ein "Depp" sei, bei dem es nix zu holen gäbe. Zudem ist er furchtbar sprunghaft, trägt mir diverse Aufgaben auf, ich setze mich daran, diese zu erledigen und mittendrin platzt er rein und fragt mich nach was ganz anderem, ob ich das schon erledigt hätte.

    Ich sage "nein, das haben Sie mir ja auch nie aufgetragen, ich sollte doch dies und jenes erledigen?"
    Daraufhin kommt von ihm immer nur "Ach das, nene das ist eh für den A*sch, das lassen wir!" Also soll ich die angefangene Aufgabe abbrechen und wieder was Neues anfangen und habe dann -zig unfertige Dinge in meinem "Zu erledigen"-Ordner liegen, die nie fertig werden, weil ihm alle 10 Minuten was Anderes einfällt, was jetzt Priorität hat.

    Besonders gerne lässt er mich über Stunden an bestimmten Formulierungen für Werbebriefe rumbasteln, an denen ihm jedesmal was anderes nicht passt und mittendrin heißt es dann, ich solle die Aufgabe abbrechen und was anderes machen, die Briefe wären eh eine blöde Idee gewesen, und so weiter und so fort..

    So überträgt sich dieses ganze Unstrukturierte, Planlose eben auch auf mich, denn ich kann mich ja schlecht dagegen wehren. Logische Argumente bringen bei ihm übrigens rein gar nichts.

    Ich sehe hier folgende Probleme: Wenn er so weitermacht, wird die Agentur nicht mehr lange bestehen, das ist klar. Es gibt hier keinen Betriebsrat oder sowas, an den ich mich wenden kann. Es gibt nur einen Vertriebsleiter, der die Agenturen überwacht und der mich schon öfter gefragt hat, wie es mir gefällt und ob ich zufrieden bin in dem "Chaotenladen". Er muss also schon gemerkt haben, dass hier nicht alles so läuft, wie es sollte.

    Ich weiß aber, dass dieser privat mit meinem Chef befreundet ist und daher habe ich bisher auch nicht mit ihm über die Situation in der Agentur gesprochen.

    Was würdet ihr mir raten (außer weiterhin bewerben, das tue ich eh schon)?, sollte ich dem Vertriebsleiter von den Zuständen in der Agentur erzählen? Oder würde ich mir damit eher ein Eigentor schießen?
    Geändert von Feuervogel1984 (03.06.2020 um 10:58 Uhr)

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    AW: Mein Chef ist ein Blender, ich will nur noch weg.

    Das wird ein Eigentor.
    Wegbewerben hilft.
    "Wir haben die schönste Sprache der Welt und behandeln sie wie Dreck."

    (Uwe Steimle)

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    AW: Mein Chef ist ein Blender, ich will nur noch weg.

    Auf jeden Fall Eigentor. In dem Laden hast du nix zu gewinnen, außerdem keinen Kündigungsschutz da Kleinbetrieb. Man kann dir sowieso jederzeit kündigen, ohne Begründung, du bist da auf Gedeih und Verderb ausgeliefert.

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    AW: Mein Chef ist ein Blender, ich will nur noch weg.

    Was für ein fürchterliches Arxxxloch. Geh da so schnell weg, wie du kannst.

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    AW: Mein Chef ist ein Blender, ich will nur noch weg.

    Das sehe ich auch so. Hier gilt der Krähen-Grundsatz: eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus.
    Aus eigener Erfahrung kann ich dir nur raten: nix wie weg da, und zwar asap. Diesem Schmierentheater würde ich mich keinen Tag länger als nötig aussetzen. Ich war auch mal in so einem Chaotenladen beschäftigt, als „Erfüllungsgehilfin“ für Steuer- und Sozialversicherungsbetrug im großen Stil. Diskussionen etc. sind völlig zwecklos, es fehlt schon das Unrechtsbewusstsein. Nach dem Motto: so lange es niemandem auffällt, ist doch alles gut.

    Und diese Unflätigkeiten sind in der Tat zum Fremdschämen.

    Ich wünsche dir, dass du trotz der bescheuerten Zeit momentan ganz flott was Neues findest. Sowas macht krank. Lass es nicht so weit kommen.

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    AW: Mein Chef ist ein Blender, ich will nur noch weg.

    Zitat Zitat von farrah79 Beitrag anzeigen
    Auf jeden Fall Eigentor. In dem Laden hast du nix zu gewinnen, außerdem keinen Kündigungsschutz da Kleinbetrieb. Man kann dir sowieso jederzeit kündigen, ohne Begründung, du bist da auf Gedeih und Verderb ausgeliefert.
    Kündigen kann er mich natürlich, das ist mir klar. Aber auch hier habe ich trotzallem eine Kündigungsfrist, denn meine Probezeit ist seit 2 Monaten rum. Ich würde also immerhin nicht von heute auf morgen auf der Straße stehen. ;)

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    AW: Mein Chef ist ein Blender, ich will nur noch weg.

    Zitat Zitat von Feuervogel1984 Beitrag anzeigen
    Kündigen kann er mich natürlich, das ist mir klar. Aber auch hier habe ich trotzallem eine Kündigungsfrist, denn meine Probezeit ist seit 2 Monaten rum. Ich würde also immerhin nicht von heute auf morgen auf der Straße stehen. ;)
    Ich weiß ja nicht, wie schnell du was neues finden kannst, und ob du gute Nerven hast.
    Wenn du dich nicht verbiegen willst und auch nicht gute Miene zum bösen Spiel machen willst, dann verweigere dich den Betrügereien und sag, was dir nicht passt.
    Ich finde es aber höchst illusorisch und-freundlich ausgedrückt- naiv zu glauben, dass dieser Mensch deswegen auch nur ein Jota an seinem Verhalten ändern wird, nur weil dies einer Mitarbeiterin nicht passt.

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    AW: Mein Chef ist ein Blender, ich will nur noch weg.

    Als ich anfing, mich den Betrügereien zu verweigern, bekam ich die Kündigung. Ist zwar aus bekannten Gründen doof, aber ich war erleichtert.

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    AW: Mein Chef ist ein Blender, ich will nur noch weg.

    Wenn du eine neue Stelle hast, würde ich versuchen mit dem Vertriebsleiter zu reden. Ob der Versuch fruchtet steht auf einem anderen Blatt, aber du hast versuchst, den Betrügereien etwas entgegen zu setzen.

    Und ich würde versuchen, wenn du eine neue Stelle und ein Zeugnis hast, ihm zu sagen, daß du seine Gerede durch die Tür hören konntest. Sein Schmierentheater würde ich ihm unter die Nase reiben.
    Ich bin eine Raupe und du ein Reh. Doch ich werd ein Schmetterling und du wirst Filet.

    Die Sache mit dem streiten ist die, wenn man etwas zurückhält, arbeitet es auf lange Sicht gegen euch (Dalai Lama)

    Wenn du jemand anderem vergibst, dann tust du dies deinetwegen, nicht weil der andere das verdient. (Doris Wolf, Psychotherapeutin)


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    AW: Mein Chef ist ein Blender, ich will nur noch weg.

    Ich würde beides nicht machen. Wenn der Vertriebsleiter von Chaotenladen spricht, hat er sehr wohl eine Ahnung, was da abgeht, sieht aber keinen Anlass, etwas zu ändern. Dem merkbefreiten Chef wird sein Verhalten früher oder später selbst um die Ohren fliegen. Lügen und Termine absagen würde ich auf keinen Fall.

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