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    Projekt stresst mich - bin am Ende

    Hallo,

    ich weiß gerade nicht mehr weiter. Ich kenne eine solche Situation auch nicht. Bisher habe ich so ziemlich jede Herausforderung und jedes Projekt in meinen mittlerweile >20 Berufsjahren gewubbt und erfolgreich gemeistert.

    Aber jetzt habe ich ein Projekt, das mich an den Rand der Verzweiflung bringt. Und das schlimmste: Ich bin an dem Punkt angelangt, wo ich es am liebsten hinwerfen würde. Nur geht das nicht (mehr), weil wir eigentlich kurz vor Schluss stehen.

    Aber von Anfang an:

    Ich bin im Vertrieb eines IT-Unternehmens tätig. Hier ist eigentlich jedem Außendienstler ein Innendienstler zugeordnet. Mit meinem Außendienstler habe ich super Projekte, die mir in Zusammenarbeit mit ihm (meistens) großen Spaß machen. In dieser Konstellation ist es mein Traumjob, da wir auch recht erfolgreich sind.

    Nun ist es so, dass im Sommer eine andere Innendienstlerin im Urlaub war. In dieser Zeit sind einige Vorgänge aufgepoppt, die sie schon länger hat liegen lassen (aus persönlichen Gründen). Unter anderem dieses Projekt, das sehr umfangreich, aber absolut nicht meine Kernkompetenz darstellt.

    Da es hier nun brannte, wurde ich also im Sommer gefragt, ob ich dieses Projekt übernehmen würde. Ich habe damals zugesagt mit der Einschränkung, dass das nicht meine Kernkompetenz ist und ich bei Auftragsspitzen bei meinen Kunden nicht für die zeitnahe Bearbeitung garantieren kann. War damals auch so okay für den Außendienstler. Hauptsache, es wurde sich drum gekümmert. (jetzt haut er es mir um die Ohren, wenn ich "Nein" sage, weil ich mittlerweile auch wieder spannende und zeitkritische Projekt mit "meinem" Außendienstler habe, die wesentlich produktiver und effizienter zu händeln sind).
    Leider habe ich damals auch absolut nicht überblicken können, was da auf mich zukommen würde.

    Mittlerweile erweisen sich die Konstellation aus einem chaotischen Außendienstler (nicht meiner, sondern der andere), unseren Prozessen und meinem gefährlichen Halbwissen für mich mittlerweile zu einer unerträglichen Situation. Ich weiß nicht, wie oft ich in den letzten Monaten quasi immer wieder von vorne anfing, weil unsere Prozesse so gigantisch und starr sind, es immer wieder Bedenkenträger gibt und ich auch nie richtig abgeholt wurde. Ich hab Überstunden gemacht, nur damit meine Arbeit an anderer Stelle dann 3 Wochen zur Prüfung und Bearbeitung rum liegt. Dann kommt es zu mir zurück, und ich soll quasi in 2 Tagen dann die Ergebnisse bearbeiten, wo ich aus dem Vorgang schon wieder raus bin und mich wieder mühsam einarbeiten muss.

    Jetzt war - auf meine Initiative hin - letzte Woche das Preisgerüst und die Vorarbeit für das finale Angebot fertig bzw. ich hab - in Rücksprache mit dem Außendienstler, der das eigentlich schon Ende Oktober hätte tun können - Fakten geschaffen, so dass wir (eigentlich) endlich auf der Zielgeraden sind. Ich hätte sogar letzte Woche die lang ersehnte Genehmigung unseres technischen Projektleiters bekommen, wenn nicht noch die Preise hätten finalisiert werden müssen (in Abstimmung mit dem Außendienstler). Ich hab mich so gefreut, endlich in der Schlussphase zu sein. Da kommt unser Vorstand und schmeißt alles wieder um. Wäre nicht das Problem, wenn nicht am Freitag das Angebot beim Kunden sein müsste. Seit Monaten doktern wir an diesem Projekt rum... und als das Angebot mit Müh und Not und unter Berücksichtigung aller Definitionen, Prozesse usw. in unserem Hause fertig ist, kommt plötzlich der Vorstand auf die Idee, sich das anzugucken und alles wieder umzuwerfen.

    Und jetzt bin ich fertig. Ich habe keine Kraft mehr. Zu allem Überfluss kam dann gestern noch ein mehr als überflüssiger Spruch von meinem Abteilungsleiter, der die ganze Zeit sich um das Projekt gar nicht gekümmert hat. Jetzt habe ich eine Blockade, dieses Projekt überhaupt noch weiter zu bearbeiten. Die paar Euro fuffzich, die es mir am Ende bringt, ist den ganzen Stress nicht wert.

    Die andere Innendienstlerin ist übrigens froh, dass sie es los ist.

    Ich weiß jetzt absolut nicht, was ich machen soll. Wenn ich den Kundennamen oder den Außendienstler nur sehe, explodiere innerlich und leider mittlerweile auch äußerlich. Der Außendienstler nimmt nicht ernst, wenn ich sage, das ist so nicht zu schaffen, wie er sich das vorstellt. Er kümmert sich 80% der Zeit nicht drum und stellt dann nicht erfüllbare Forderungen. Das macht mich wirklich wütend.

    Jetzt stecke ich in einer absoluten Krise. Ich weiß nicht, wie ich noch weiter professionell mit dem Projekt umgehen soll in dem Gefühl, dass das hier alles nicht mehr deren Ernst sein kann...

  2. Moderation
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    AW: Projekt stresst mich - bin am Ende

    Was passiert, wenn das Ganze gegen die Wand fährt?

    Was passiert, wenn du jetzt zwei Wochen krank bist /Urlaub machst / dich nur um andere Projekte kümmerst?

    Falls es dich tröstet: Es gibt in den meisten Unternehmen dann und wann Projekte, die Schleudersitze sind. Am Schluss muss einer gehen. Glücklicherweise gibt es für die meisten dann aber auch ein Leben nach dem Schleudersitz.
    Always be a little kinder than necessary. – James M. Barrie

    Moderation in den Foren "Rund um den Job", "Rund ums Eigenheim", "Fehlgeburt" und "Wissenschaft und Umweltschutz"


  3. Registriert seit
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    AW: Projekt stresst mich - bin am Ende

    Zitat Zitat von Cariad Beitrag anzeigen
    Was passiert, wenn das Ganze gegen die Wand fährt?
    Ja, ich bin tatsächlich gerade in der Phase, in der ich das gern gegen die Wand fahren lassen möchte bzw. wäre es mir egal. Ich reibe mich jedenfalls nicht mehr daran auf.

    Letztendlich fällt das halt nur auf mich zurück. Und ich habe eben auch viel Arbeit rein gesteckt. Die soll halt nicht umsonst gewesen sein.
    Mir ist es allerdings mittlerweile egal, ob bzw. wie das Projekt jetzt weiter läuft. Nur dem Außendienstler schmeckt das absolut nicht, weswegen wir uns gerad derb in der Wolle haben. Die emotionale Komponente dabei ist ja auch das, was mich am meisten fertig macht.

    Zitat Zitat von Cariad Beitrag anzeigen
    Was passiert, wenn du jetzt zwei Wochen krank bist /Urlaub machst / dich nur um andere Projekte kümmerst?
    Dann darf ich mich bei meinem Abteilungsleiter (der mit dem dummen Spruch) verantworten, den dann die Umstände auch nicht interessieren. Ich hab gefälligst zu "funktionieren". Und mein AL und ich haben sowieso nicht das beste Verhältnis.

    Zitat Zitat von Cariad Beitrag anzeigen
    Falls es dich tröstet: Es gibt in den meisten Unternehmen dann und wann Projekte, die Schleudersitze sind. Am Schluss muss einer gehen. Glücklicherweise gibt es für die meisten dann aber auch ein Leben nach dem Schleudersitz.
    Ich möchte nur nicht diejenige sein, die gehen muss. Ich habe genug Jobwechsel hinter mir bzw. bin auch jetzt hier angekommen. Und gerade der Wechsel zu diesem Unternehmen hin war mit viel Energie verbunden. Den gebe ich nicht kampflos auf.

    Allerdings habe ich mich jetzt entschieden, später (heute nachmittag) das Gespräch mit meinem Teamleiter (nicht Abteilungsleiter) zu suchen. Mit dem kann man ganz konstruktiv reden.


  4. Registriert seit
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    AW: Projekt stresst mich - bin am Ende

    Ich glaube, ich habe diesen Rat noch nie gegeben

    Aber in dem Fall

    Lass dich krank schreiben.


  5. Registriert seit
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    AW: Projekt stresst mich - bin am Ende

    Zitat Zitat von Anky-v-G Beitrag anzeigen
    J
    Dann darf ich mich bei meinem Abteilungsleiter (der mit dem dummen Spruch) verantworten, den dann die Umstände auch nicht interessieren. Ich hab gefälligst zu "funktionieren".

    Dass der das so sieht und haben will ist klar - du kannst das ganz anders sehen.

    Schau, du funktionierst - du übernimmst den Scheiß, weil deine Kollegin im URLAUB war ()
    Und jetzt hast Bedenken, zum Hausarzt zu gehen und zu sagen, ich bin krank?

    Du machst dir das Leben, Anky. Das kann toll sein oder nicht. Aber du bist Chef in deinem Leben.
    Der AL in seinem.

  6. Avatar von TrishaTT
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    AW: Projekt stresst mich - bin am Ende

    Deine Kollegin hat unter anderem dieses Projekt aus persönlichen Gründen liegen gelassen, und sie ist immer noch da.

    Also, einen Schleudersitz sehe ich da nicht, und auch keinen Grund, dich vollkommen aufzureiben.
    Wenn wir Narben haben, heißt es, dass die Wunden verheilt sind

    (Thomas D.)


  7. Registriert seit
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    AW: Projekt stresst mich - bin am Ende

    Zitat Zitat von R_Rokeby Beitrag anzeigen
    Schau, du funktionierst - du übernimmst den Scheiß, weil deine Kollegin im URLAUB war ()
    Und jetzt hast Bedenken, zum Hausarzt zu gehen und zu sagen, ich bin krank?
    Ich gebe Dir im Großen und Ganzen Recht. Und ich habe gestern tatsächlich überlegt, mich heute krank zu melden.

    Nur: Ich bin ja nun einmal nicht wirklich krank. Ganz abgesehen davon, dass ich dieses Jahr bereits mehrere Krankheitstage wegen was anderem hatte.
    Außerdem habe ich andere Projekte in meinem Ur-Team, die mir Spaß machen. Da mein "persönlicher" Außendienstler sehr kooperativ in dem ganzen ist, möchte ich ihn auch ungern damit allein lassen.


  8. Registriert seit
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    AW: Projekt stresst mich - bin am Ende

    Zitat Zitat von TrishaTT Beitrag anzeigen
    Deine Kollegin hat unter anderem dieses Projekt aus persönlichen Gründen liegen gelassen, und sie ist immer noch da.

    Also, einen Schleudersitz sehe ich da nicht, und auch keinen Grund, dich vollkommen aufzureiben.
    Stimmt. Danke für den Zuspruch.
    Ich fühle mich halt gerade absolut in der Zwickmühle. Vielleicht stehen mir auch mein eigener Perfektionismus und die Harmoniesucht im Weg gerade...


  9. Registriert seit
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    AW: Projekt stresst mich - bin am Ende

    Zitat Zitat von Anky-v-G Beitrag anzeigen
    Ich gebe Dir im Großen und Ganzen Recht. Und ich habe gestern tatsächlich überlegt, mich heute krank zu melden.

    Nur: Ich bin ja nun einmal nicht wirklich krank. Ganz abgesehen davon, dass ich dieses Jahr bereits mehrere Krankheitstage wegen was anderem hatte.
    Außerdem habe ich andere Projekte in meinem Ur-Team, die mir Spaß machen. Da mein "persönlicher" Außendienstler sehr kooperativ in dem ganzen ist, möchte ich ihn auch ungern damit allein lassen.
    Das Projekt macht dich aber krank, zudem würde mir auch die Hutschnur platzen, wenn ich den Mist von wem anders übernehme und der mir dann freudig lächelnd dabei zuschaut. Ich begreife nicht, wieso das nicht nach dem Urlaub wieder an die Kollegin zurück ging? Das scheint ja easy, unliebsame Sachen an andere abzuwälzen. Und da diese Ungerechtigkeit bei euch keinen zu interessieren scheint, würde ich tatsächlich in dem Fall auch zum Arzt gehen und mich eine Woche krank schreiben lassen wegen was auch immer. Deine Kollegin hat es mit dem Projekt ja auch nicht anders gehandhabt und nur so merken die Leute mal, was man da eigentlich leistet - wenn man das dann nämlich nicht mehr tut.


  10. Registriert seit
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    AW: Projekt stresst mich - bin am Ende

    Genau.

    ich fand du klingst schon bissl nach "Pommerland ist abgebrannt" Anky...

    Außerdem könnte es sein, dass das Problemprojekt eine Wunderheilung erfährt, wenn du mal die Finger davon lässt.
    Nicht böse gemeint! Ich denke an sowas:

    Ein anderer, der dich notgedrungen vertritt, hat einen anderen und ggfs. hemmungsloseren Zugang. Zum Projekt und zum AL.

    Wenn dich keiner vertritt (was ich fürchte), dann tut dem ganzen ein bisschen "abkühlen und ziehen lassen" für so 2,3 Wochen auch gut. Dann ist Weihnachten. Im neuen Jahr sieht die Welt vielleicht ganz anders aus. Du kommst im Januar wieder und sagst: Ich habe eine Reha genehmigt bekommen, in 4 Wochen bin ich weg"

    Lass dich echt mal ein paar Wochen aus dem Verkehr ziehen. Vielleicht leierst du gleich eine Reha an.
    Das würde dir sicher gut tun. Und dem AL auch

    Und akut würde ich dem "bösen" AD mal wieder klarmachen, dass das nicht dein Projekt ist. sondern dass du gnädigerweise und übergangsmäßig bereit warst einzuspringen. Dass es in 1. Linie SEIN Projekt ist, da er auch die Provision kassieren wird... Du legst ihm keine Steine in den Weg, aber seine Kuh muss er von seinem Eis bringen.

    Und wenn es scheitert, scheitert er. Postioniere dich so, dass es sein Scheitern ist.

    Nicht so nett sein, nicht so brav funktionieren. Verteile mal eine Runde schwarze Peter und stelle seine Kompetenz in Frage.

    Denk mal drüber nach, was der "böse" AD machen würde, wenn er du wäre.
    Genau.
    Geändert von R_Rokeby (04.12.2019 um 13:30 Uhr)

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