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  1. Avatar von LaVerne
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    Männerwirtschaft - werde ich gemobbt oder bin ich nur paranoid?

    Hallo,

    ich brauche mal Euren Rat, denn inzwischen weiß ich selber nicht mehr, woran ich bin.

    Ich arbeite seit über einem Jahr im Vertrieb einer großen Firma. Männerbranche, Männerbüro. In meiner Abteilung sind 5 Männer, davon ein Teamleiter und 2 weitere Frauen. Die Vertriebsabteilung sitzt über 2 angrenzende Büros verteilt. Die Männer sind im Schnitt 30-35 Jahre alt. Von den Frauen ist eine die 20-jährige Azubine, die andere ist Mitte 40 und für allgemeine Verwaltungsaufgaben zuständig.

    Ich mag meinen Job, ich mag die Arbeitsbedingungen, die sehr viel besser sind als in vielen anderen Firmen, ich bin mit meinem Gehalt zufrieden. In der Abteilung bin ich mit Anfang 50 die Älteste und damit wahrscheinlich im gleichen Alter wie die Mütter der männlichen Kollegen. In allen anderen Abteilungen habe ich nette Kollegen und Kolleginnen, mit denen ab und zu mal geklönt wird oder man geht auch mal zusammen in der Mittagspause raus.

    In meiner eigenen Abteilung fühle ich mich wie ein Außenseiter. Eine enge Freundin, die in einer anderen Abteilung Teamleiterin ist, hat mich schon vor der Einstellung gewarnt, dass die Firma sehr sexistisch ist: Frauen werden gerne für „klassische Frauenaufgaben“ herangezogen, also Ablage, Eindecken, die Kaffeetasse vom Chef in die Spülmaschine räumen, die Küche sauber halten. Damit kann ich leben, wenn ich mir auch ab und zu einen frechen Spruch nicht verkneifen kann.

    Ich arbeite also im Vertrieb und bin aufgrund meiner Fremdsprachenkenntnisse für die frz. Kunden zuständig. Ich habe über 25 Jahre Erfahrung im Job. Als ich letztes Jahr dort anfing, gab es als erstes ein Gespräch mit dem Teamleiter: er habe nicht die Zeit, sich darum zu kümmern, mich anzulernen, das müsse ich mir schon selbst erarbeiten. Die männlichen Kollegen feixten.

    Die ersten 8 Monate verbrachte ich im reinen Männerbüro. Für mich war das schlimm: keiner machte sich die Mühe, mir irgendetwas zu erklären, alle checkten mich ab und machten blöde Witze, wenn ich Fehler machte. Ich begann zu befürchten, dass man Angst vor mir als Konkurrenz bekam und mich deshalb aus allem heraushielt.

    Ich fing also ganz unten an, lernte Aufträge und Angebote zu schreiben, von Vertrieb erst einmal keine Spur. In der Zwischenzeit machten meine Kollegen Spielchen: welchen Spitznamen man mir denn verpassen könnte. Irgendwann kriegte ich raus, dass sie mir einen Hundenamen verpasst hatten: dann fingen sie an, Kekse über meinen Kopf zu werfen mit dem Kommentar „Schnapp“. Daraufhin bin ich ausgerastet und habe sie des Mobbings bezichtigt. Danach war erstmal Ruhe, einer kam und sagte treuherzig, es sei doch nur ein Spaß gewesen. Der Teamleiter saß die ganze Zeit dabei und rührte keinen Finger.

    An den Produktionsbesprechungen darf ich auf Anweisung des Teamleiters bis heute nicht teilnehmen, angeblich weil schon zu viele dabei sind, dabei brauche auch ich dringend Infos, wann welches Produkt für meine Kunden fertiggestellt wird. Der neue männliche Kollege, der kurz nach mir anfing, ist immer bei den Meetings dabei. Ich darf in der Zeit das Telefon bedienen und Anrufe entgegennehmen – noch so eine Frauenarbeit.

    Kurze Zeit später bin ich aus Platzgründen in das Nachbarbüro gewechselt - und war sehr froh darüber. Mein Exportkollege und ich saßen also nun im wesentlich ruhigeren Nebenraum mit den beiden Frauen.
    Das Problem mit den beiden Frauen ist, dass die Ältere der beiden von den Herren geradezu hofiert wird und sie für die Anerkennung der Männer jeder Frau in den Rücken fallen würde. Klar, als diejenige, die für die weniger attraktiven Aufgaben zuständig ist, ist sie für die Kollegen keine Konkurrenz. Zwar beschwert sie sich auch lautstark über die Ungerechtigkeiten in der Firma, aber sobald nur einer von ihren „Jungs“ kommt, macht sie alles für sie. Meistens mag ich sie aber sie ist eine von diesen 150%igen – und mit ihrer „ich-bin-die gute-Seele des-Büros“-Art, schafft sie es regelmäßig, mir ein schlechtes Gewissen zu machen. Mir hat sie mal gesagt, dass sie den Job eigentlich hasst, aber dass sie ihn nach ihrer Scheidung dringend braucht und dafür kämpfen würde, wenn es hart auf hart käme.

    Die Azubine ist fleißig und pfiffig und sollte ursprünglich als Verstärkung für den Vertriebsinnendienst übernommen werden. Nach 6 Monaten bei uns hat sie aber schnell gemerkt, dass man ihr außer Ablage und Eingabe weiter nichts anvertrauen wird, darum hat sie das Gespräch mit dem Personalchef gesucht und wird nach bestandener Prüfung in einer anderen Abteilung eingesetzt werden. Den Luxus, in eine andere Abteilung zu wechseln, habe ich leider nicht: dort gibt es bereits eine frz sprechende Kollegin, mit der ich mich sehr gut verstehe und die mir anvertraut hat, dass sie nach 3 Jahren als Vertretung in meiner Abteilung irgendwann einen Burn-Out mit Heulkrämpfen und allen Schikanen hatte – aus den gleichen Gründen.

    Inzwischen bin ich relativ fit geworden, habe mir das meiste selbst beigebracht, ich reise regelmäßig und betreue Kunden. Fast immer allerdings mit meinem Export-Kollegen, der dann dabei sitzt, während ich die Gespräche eigenständig in der Fremdsprache führe. Einer unserer Außendienstler nannte mich mal herablassend-süffisant „die kleine Assistentin von Herrn X“. Das nervt.

    Also so richtig angekommen bin ich nicht. Vieles wird mir auch weiterhin vorenthalten. In der Abteilung ist es mal ganz okay, mal schrecklich. Neuerdings machen sich die Kollegen einen Spaß daraus, mir doofe Bilder als Bildschirmschoner auf den Computer zu ziehen, wenn ich nicht am Schreibtisch bin und vergessen habe, mich auszuloggen. Was mal ganz lustig war, wird nach dem 4. Bildchen nur noch frustrierend. Heute ist es wieder passiert, ich merkte schon, als ich an meinen Platz zurückkehrte, dass etwas nicht stimmte, da die E-Mail an der ich gerade schrieb, verschwunden war. Ich habe mir dann allerdings den Spaß erlaubt, den Bildschirmschoner gar nicht erst aufzurufen. Die Herren wurden dann etwas ungeduldig, weil ich ihnen den Spaß verdorben habe. Mein Kollege meinte, ich solle das doch mal aufrufen und ich sage, ich wolle es mir kopieren, damit ich es auch dem Personalchef schicken könne. Daraufhin wurde er ganz kleinlaut.

    Ich bin später in unsere IT-Abteilung gegangen, mit dem Kollegen dort verstehe ich mich sehr gut. Ich habe ihm davon erzählt und er war der Meinung, ich würde gemobbt. Mobbing ist meiner Meinung nach ein zu großes Wort. Klar fühle ich mich als totaler Außenseiter in der Abteilung, klar werden diese Streiche immer mir gespielt. Aber Mobbing? Ist das Mobbing? Oder einfach nur doof?

    Jedenfalls werde ich mit seiner Hilfe die albernen Bildchen demnächst dauerhaft als Diashow auf dem Bildschirmschoner installieren, jedesmal mit dem Kopf eines meiner Kollegen auf den Bildern der halbnackten Typen, die sie mir installieren.

    Ganz ehrlich, ich will niemandem was, keinem seinen Platz streitig machen, sondern nur meinen Job so gut wie möglich machen. Und fühle mich manchmal total einsam.

    Leider ist der Chef der Abteilung, also unser aller Vorgesetzter, selber so ein Pascha - der sitzt Probleme einfach aus (und erwartet, dass man ihm die Kaffeetasse wegbringt), den anzusprechen macht also wenig Sinn.
    Einen Betriebsrat gibt es auch nicht. Ist auch nicht erwünscht.

    Aber ich will nicht kündigen. Alles stimmt, auch die Entfernung zur Arbeit ist in Ordnung. Nur dieser dauernde Weitpinkel-Wettbewerb, den diese kleinen Alphamännchen abziehen ist so zermürbend.
    Before you judge someone, you should walk a mile in their shoes. That way, when you judge them, you're a mile away and you have their shoes.

  2. Avatar von Punpun
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    AW: Männerwirtschaft - werde ich gemobbt oder bin ich nur paranoid?

    Wirklich Übel

    Das liest sich wie eine Folge Stromberg, nur das das die Realität ist und keine TV Satire

    Vielleicht kannst Du dir ja deine Stärken (bsw. Fremdsprachenkenntnisse ) irgendwann als geeignete weil unersetzbare wirksame Waffe und Druckmittel gegenüber deinen Kollegen einsetzen oder wie die Azubine mittelfristig auch in eine andere Abteilung kommen ?

  3. gesperrt
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    AW: Männerwirtschaft - werde ich gemobbt oder bin ich nur paranoid?

    Zitat Zitat von LaVerne Beitrag anzeigen

    Jedenfalls werde ich mit seiner Hilfe die albernen Bildchen demnächst dauerhaft als Diashow auf dem Bildschirmschoner installieren, jedesmal mit dem Kopf eines meiner Kollegen auf den Bildern der halbnackten Typen, die sie mir installieren.
    das ist doch mal ein anfang.
    immer bei der nächsten 'attacke' laufen lassen - das beruhigt sicher etwas. dabei gerne in sich hinein schmunzeln und abwarten, wer wie reagiert.

  4. Avatar von animosa
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    AW: Männerwirtschaft - werde ich gemobbt oder bin ich nur paranoid?

    Kannst du nicht mal in einem ganz ernsten Ton sagen, dass du nicht möchtest dass sie sich an deinem Bildschirm vergreifen?

    Ich würde da schon auch aggressiv reagieren. Was soll da noch schlimmeres passieren? Wenn sie dich so schon nicht einarbeiten, dann kann doch gar nichts abhanden kommen in Bezug auf Kollegialität.

  5. Avatar von animosa
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    AW: Männerwirtschaft - werde ich gemobbt oder bin ich nur paranoid?

    Ich lasse mir nichts gefallen. Kommt mir jemand blöd, dann bekommt er sofort die Retourkutsche. Das habe ich mir irgendwo so angewöhnt. Wahrscheinlich musste ich mich eine ganze Weile durchboxen. Nun kann ich gar nicht mehr anders. Aber um mich herum herrscht immer großer Respekt mir gegenüber. Mich hat das Arbeitsleben hart gemacht.

  6. Avatar von Punpun
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    AW: Männerwirtschaft - werde ich gemobbt oder bin ich nur paranoid?

    Ja ist Mobbing, aber so ne Art Mischung aus Mobbing, Konkurrenzverhalten, Angst vor der Neuen, Paschagehabe , Angst das einem was weggenommen wird, froh das man nun nicht selbst der Außenseiter (mehr) ist oder es gar nicht wird weil man mit der größeren Gruppe bellt.
    Denke einem bestimmten Männertypus der ein Aussenseiter ist könnte das aber auch passieren , würde es zwar auch als Problem weil Du eine frau bist ansehen , aber eben nicht nur und generell .

    Es ist wie eine fiese unausgesprochene Aufnahmeprüfung bis der Neue irgendwann evtl. nicht mehr der Neue ist oder er sich durchgesetzt hat oder er der Außenseiter für immer bleibt .

  7. Avatar von LaVerne
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    AW: Männerwirtschaft - werde ich gemobbt oder bin ich nur paranoid?

    Oh, das habe ich schon. Darauf hin fiel mir dann ausgerechnet meine Kollegin in den Rücken und meinte, dann würde ich wenigstens lernen, meinen Computer zu schern. Also alles meine Schuld. :-)
    Before you judge someone, you should walk a mile in their shoes. That way, when you judge them, you're a mile away and you have their shoes.

  8. Avatar von LaVerne
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    AW: Männerwirtschaft - werde ich gemobbt oder bin ich nur paranoid?

    Punpun, das scheint den Nagel auf den Kopf zu treffen. In der anderen Abteilung wurde mir bereits gesagt, dass einer der größten Antreiber jahrelang der Underdog war.
    Before you judge someone, you should walk a mile in their shoes. That way, when you judge them, you're a mile away and you have their shoes.

  9. Avatar von LaVerne
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    AW: Männerwirtschaft - werde ich gemobbt oder bin ich nur paranoid?

    Punpun, das scheint den Nagel auf den Kopf zu treffen. In der anderen Abteilung wurde mir bereits gesagt, dass einer der größten Antreiber jahrelang der Underdog war. Und jetzt wahrscheinlich froh ist, mit dem Rudel bellen zu dürfen.
    Before you judge someone, you should walk a mile in their shoes. That way, when you judge them, you're a mile away and you have their shoes.

  10. Avatar von animosa
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    AW: Männerwirtschaft - werde ich gemobbt oder bin ich nur paranoid?

    Ich glaube allerdings, dass mich diese Scherze mit dem Bildschirm gar nicht stören würden. Ich bin auch ein sehr alberner Mensch. Ich würde wahrscheinlich ständig lachen darüber.

    Aber alles andere, was du schilderst, dass du bei gewissen Team-Sitzung nicht dabei bist und so weiter. Ich würde da schon recht aggressiv reagieren.

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