dann sind wir unterschiedlicher meinung. ich denke durchaus, dass sich klares denken und wutgefühle vereinbaren lassen. wut empfinden und unüberlegt oder aggressiv handeln sind zwei verschiedene dinge.Zitat von Inaktiver User
ich beobachte, dass mehr und mehr menschen, denen ich durchaus sehr klares denken zubillige, wirklich wut empfinden angesichts deutlicher schieflagen, die durch ein sich immer mehr vom wertekonsens entfernendes rechtssystem entstehen. diese wut übersetzt sich meistens in resignation und in den rückzug ins private - eben WEIL diese menschen klar denken.
reformen sind überfällig. angesichts einer krise, in der menschen den schutz eines systems für sich beanspruchen, das zu umgehen und auszuhebeln sie vorher jahrelang keine mühen gescheut haben, wird der reformbedarf umso augenfälliger. das wahrzunehmen bedarf es keiner radikalen gesinnung.
ich beanspruche auch, das wort "juristenrepublik" benutzen zu dürfen, ohne es als ausdruck mangelnder reflektionsfähigkeit gewertet zu sehen. es entspricht schlicht den tatsachen, dass die bürger und institutionen dieser republik (das betrifft unternehmer und manager noch mehr als privatleute) ohne die hilfe von juristen kaum noch zuverlässig handlungsfähig sind.
was auch bedeutet, dass im grunde nicht handlungsfähig ist, wer diese hilfe (aus finanziellen gründen) nicht in anspruch nehmen kann. das betrifft sogar regierungsdinge, die vor dem bundesgerichtshof entschieden werden müssen.
ich weiss den rechtsstaat zu schätzen, weil ich persönliche erfahrungen mit dem leben in staaten habe, in denen keine verbindliche rechtsordnung durchgesetzt ist. aber das, was hier abgeht, hat mit rechtsstaat immer weniger zu tun, und deshalb erlaube ich mir, ihn als reformbedürftig zu bezeichnen - auch und gerade mitten in der krise.
selbstverständlich. genau diese haltung würde ich mir von den banken und versicherungen auch wünschen - und zwar nicht nur den buchstaben des rechtes gegenüber, sondern auch dem geist des rechtes gegenüber.Ein Rechtsstaat ist nicht statisch, sondern entwicklungsfähig und muss das auch sein. Aber ich halte den Rechtsstaat nicht für ein Ding, das nur für Schönwetter gilt und umgehend und ziemlich grundsätzlich in Frage gestellt werden kann, wenn es einmal etwas schwieriger wird.
insofern: zwar verstehe ich jetzt ackermanns verrückte renditevorgabe dank deiner erklärungen besser. ich verstehe aber NICHT, wieso ein so informierter mensch sich den dynamiken des marktes einfach ergibt, statt seinen informationsvorsprung (und seine marktmacht) für reformen des finanzmarktes einzusetzen, die er selbst als dringend notwendig einstuft. statt dessen rennt er allen in den abgrund voraus.
artikel 14 des grundgesetzes, absatz 2: eigentum verpflichtet. dem buchstaben gemäß könnte man sagen: die manager von heute sind keine eigentümer, insofern sind sie niemandem verpflichtet. dem geiste des gesetzes nach muss man anders handeln, insbesondere dann, wenn die eigentümer (die aktionäre) nur noch indirekt (z.b. über pensionsfonds oder andere mittler) präsent sind. auf heutige begriffe übersetzt heisst es: WISSEN verpflichtet (diese erweiterung spiegelt sich übrigens auch in der insider-gesetzgebung).
wenn ein marktmächtiger wie ackermann diesen artikel des grundgesetzes missachten kann, und wenn ihm daraufhin keine pflichtverletzung vorgeworfen werden kann, finde ich es unerhört, dass er sich in anderen punkten auf dasselbe grundgesetz berufen will. er wird sich sicher durchsetzen, da er über die entsprechenden juristen verfügt, aber ich beanspruche das recht, das unerhört zu finden, ohne als unreflektiert hingestellt zu werden.
ich weiss nicht, was du über meine ansichten zu wissen glaubst. merzens aktuelles buch habe ich nicht gelesen und werde ich nicht lesen. ich erinnere mich aber, dass er - als er politisch noch aktiv war - sich für eine deutliche vereinfachung des steuerrechtes einsetzte, und was seine grundsätzliche idee anging, stimmte ich mit ihm überein. darauf - und auf nichts anderes - habe ich mich bezogen. und die idee ist weiterhin gut, egal, wie der mann persönlich sich entwickelt hat.Ausgerechnet Merz fällt dir dazu ein? Der Mann (übrigens Jurist) ist sogar für die FAZ zur Witzfigur geworden, nachdem er kürzlich ein Buch vorgestellt hat, das zur gegenwärtigen Lage und übrigens auch zu deinen (!) Ansichten passt wie die Faust aufs Auge.
btw: sein buch ist schlicht unglücklich getimed. wäre es drei monate früher erschienen, hätten alle ihn bejubelt - das weisst du ganz genau.
Antworten
Ergebnis 451 bis 460 von 2077
Thema: Internationale Finanzkrise
-
17.10.2008, 15:47
AW: Internationale Finanzkrise
Der Charakter eines Menschen läßt sich daran erkennen, wie er mit Leuten umgeht, die nichts für ihn tun können. by courtesy of ravina
-
17.10.2008, 15:50
AW: Internationale Finanzkrise
Zitat von Inaktiver User
Ich halte Dich eigentlich nicht für naiv, aber falls Du das wirklich glaubst, ist wohl einiges bezüglich Ackermann an Dir vorbei gegangen die letzten Jahre.
Es ist halt die ganze Clique in Verruf geraten. Unter anderem deshalb, weil Leute wie Ackermann heute sagen, die Bank ist sicher und es werden keine Staatshilfen nötig, und morgen steht die Bank vor der Pleite, oder zumindest vor weiteren Milliardenabschreibern und muss vom Staat gerettet werden. Das ist doch einer der Hauptgründe für die Vertauenskrise. Und Ackermann ist da nicht in Sippenhaft sondern aufgrund seiner - eben, "Reputation" in der Öffentlichkeit, an die er sich ja selbst ständig wendet - aufgrund verschiedenster Äusserungen direkt ansprechbar. Und für das Bild, dass Ackermann in der Öffentlichkeit abgibt ist immer noch er selbst verantwortlich, und nicht Herr Struck. Der bringt es als Populist nur auf den Punkt....P.S.: Gleichzeitig mit dem Einkommensverzicht hatte Ackermann erklärt, dass die Deutsche Bank KEINE Gelder aus diesen Hilfsfonds in Anspruch nehmen werde.
Also etwas mehr Augenmaß, wen man beschimpft und lächerlich macht, darf ich von unseren Politikern doch wirklich erwarten.
-
17.10.2008, 16:01Inaktiver User
AW: Internationale Finanzkrise
Eigenartig, einige User haben wohl vergessen, dass es gerade Ackermann war, der mit seinem Ruf nach staatlichem Eingriff vor ca. 1 Jahr für Erstaunen sorgte!
BT, hast Du die schriftliche Verzichtserklärung gegenüber seines Aufsichtsrates vorliegen ? Wie war das noch mit der Gültigkeit von Verträgen ?
Bonizahlungen sind für das vergangene Jahr zu entrichten; demnach sind die Boni für 2007/2008 erst Ende 2008/2009 fällig. Ist noch eine lange Zeit bis dahin + ob sich daran noch jemand erinnert, wenn Ackermann die Summen angewiesen bekommt ? Und sollte sich jemand erinnern, wird urplötzlich auf die vertragliche Verpflichtung hingewiesen - wie gehabt!
Oder wie Ahab schrieb:
@Coco-LoresAllerdings vermute ich, dass die Topbanker einen guten Teil Ihrer vorigen grossartigen Boni auch wieder verloren haben, die wurden ja zum Grossteil in Aktien/Optionen ausbezahlt, soweit ich weiss.
Zustimmung zu allen Deinen Beiträgen...Geändert von Inaktiver User (17.10.2008 um 16:22 Uhr)
-
17.10.2008, 16:16
AW: Internationale Finanzkrise
Sorry - aber das macht mir fast noch mehr Sorgen.
aus cicero
von Wolfram WeimerDie nächste Kreditblase: Staatsverschuldunghttp://www.cicero.de/img2/empty.gifPlötzlich sind sich alle einig. Der Kapitalismus ist Schuld. Der Finanzkapitalismus ganz besonders. Der amerikanische Finanzkapitalismus am allermeisten. Ein Riesen-Sündenbock springt durch alle Köpfe. Dass er aus der Politik so eifrig gefüttert wird, hat einen guten Grund: Ablenkung. Denn beim exzessiven Schuldenmachen sind amerikanische Hausbesitzer und deren Banken nun wahrlich nicht allein.
Vor allem die Politiker Europas werfen sich in diesen Tagen eifernd ins Zeug. In besserwisserischen Posen schwadronieren sie über den Atlantik, als gäbe es da drüben nur verantwortungslose Kreditteufel, während hier alle Soliditätsengel zu Hause seien.
Dabei sind gerade sie es, die systematisch eine Kreditblase noch größerer Dimension befeuern. In der Öffentlichkeit reden besonders deutsche Politiker gerne von „Sparpolitik“ und „Haushaltskonsolidierung“. Doch in Wahrheit nimmt die deutsche Staatsverschuldung auch in diesem Jahr weiter zu. Und zwar um 474 Euro pro Sekunde. Insgesamt sind es nun schon 1 591 000 000 000 Euro. Deutschlands Staatsverschuldung erreicht die unfassbaren Dimensionen eines kafkaesken Schlosses – eine gigantomane Fiktion gewesenen Geldes und doch so mächtig, dass wir alle zu Höflingen künftiger Forderungen degradiert sind. Und nach der Lektüre dieses Absatzes haben wir 5000 Euro neue Schulden dazubekommen. Fremdfinanziert übrigens, über die bösen Finanzmärkte.
Nicht einmal mit gewaltigen Steuererhöhungen und einer boomenden Wirtschaft im Rücken ist es unserer Bundesregierung in den vergangen Jahren gelungen, auch nur ausgeglichene Haushalte vorzulegen. Nun lassen sich ordnungspolitische Sünden von verfehlten Gesundheitsreformen bis Mindestlohnwirrnissen wieder korrigieren – die Staatsverschuldung aber nicht. Sie lässt sich nicht wegreformieren. Sie muss schlichtweg bezahlt werden. Und langsam beschleicht einen die Frage: Was passiert eigentlich mit Deutschland in der bevorstehenden Rezession? Zumal schon wieder 5000 Euro Schulden gemacht wurden.
Wenn der Schuldenabbau aber nicht einmal der Zwei-Drittel-Mehrheitsregierung im Aufschwung gelingt, dann gelingt er der Politik in geordneten Bahnen wohl gar nicht mehr. Wer jedoch den Staat als eine Kuh betrachtet, die auf Erden gemolken, aber im Himmel gefüttert wird, der wird diese Kuh schlachten. Aller historischen Erfahrung nach sind die privaten Kreditkrisen Kleinigkeiten im Vergleich zu staatlichen Finanzkrisen – denn bei diesen drohen Kriege, Enteignungen oder Kapitalschnitte, wenn es nicht gelingt, die fiskalische Amokfahrt der Republik zu beenden. Wer sich heute also über die wilde Kreditnahme in Amerika beklagt, der sollte sich einmal unseren eigenen Schuldenberg ansehen. Auch bei diesem wird man eines Tages fragen: Hat man denn nicht kommen sehen, dass diese Blase platzen muss?
Zumal deren Schuldenvolumen soeben um neue 5000 Euro größer geworden ist.
Nun wirkt die Staatsverschuldung nicht bloß wie eine Zeitbombe. Sie ist zugleich ein Sozialisierungsindikator. Wir leben weithin in dem Irrglauben, Deutschland stecke in einem globalisierten, neoliberalen Privatisierungshexenkessel des Raubtierkapitalismus. Ein Blick in das Bilanzbuch unserer Nation beweist das glatte Gegenteil. Nicht die großen Konzerne, sondern der Staat reißt immer größere Anteile vom Volksvermögen an sich. Und im Gefolge der US-Finanzkrise rufen viele nach noch mehr Staat, Regulierung und Steuern.
Dabei haben die Deutschen noch nie in ihrer Geschichte mehr Steuern gezahlt als heute – mehr als 500 Milliarden Euro im Jahr. Die Staatsquote erreicht 45,5 Prozent. Ordnungspolitisch besehen, ist Deutschland damit heute so sozialistisch, wie es sich vor einer Generation nur die extreme Linke erträumt hatte. Vor 100 Jahren machten die Staatsausgaben bescheidene zehn Prozent der Wirtschaftsleistung aus, vor 50 Jahren waren es erträgliche 30 Prozent, heute dagegen sind es fast die Hälfte.
Anders als im Rest der Welt, wo nach dem Zusammenbruch des Kommunismus die Staatsschlösser verbürgerlicht wurden, hat Deutschland einen etatistischen Sonderweg eingeschlagen. Denn jeder Euro neue Staatsschuld – eben gerade waren es wieder 5000 – vergrößert das Gewicht des Staates in der Machtbalance der Gesellschaft weiter. Schon Bismarck wusste: „Wer den Daumen am Schuldbeutel hat, der hat die Macht.“
Durch seine gewaltige Kreditaufnahme treibt der Staat obendrein die Zinsen hoch und erhöht die Kapitalkosten für die Bürger. Jeder Häuslebauer und Unternehmer konkurriert mit dem Staat um Kreditgelder. Darunter leidet die Modernisierung des Kapitalstocks und erschwert Wachstum. Zugleich verlocken die höheren Zinsen viele Investoren, lieber bei Staatsanleihen einzusteigen als unternehmerische Investitionen zu wagen. Durch die schiere Eigendynamik der Verschuldung wird die Volkswirtschaft also verlangsamt. Schließlich fehlen uns schon wieder 5000 Euro.
So weit die Diagnose für die über Sechzigjährigen. Für die Jüngeren aber kommt irgendwann etwas ganz anderes als nur schleichende Erlahmung. Es kommt der Zahltag. So wie jetzt in den USA für die Hauskredite, so wird unser Tag für die Staatskredite kommen. Diese Staatsverschuldung ist eine vorweggenommene Massenenteignung. Inklusive der 474 Euro dieser Sekunde, 474 Euro der nächsten und 474 Euro der übernächsten.
<<Die guten Bücher sind in einer Art Fremdsprache geschrieben.>>
Marcel Proust
-
17.10.2008, 16:21Inaktiver User
AW: Internationale Finanzkrise
Zitat von Inaktiver User
Hier hast du die Sendung in Schriftform
WW
-
17.10.2008, 16:24Inaktiver User
AW: Internationale Finanzkrise
Cicero ist keine Zeitung mit ausgewiesen kompetentem Wirtschaftsresort. Wieso also machst du dir aufgrund eines Feuilleton-Artikels (mehr ist es nämlich nicht) soviele Sorgen?
Zitat von Amely
Das kommt mir so vor, als wolle man die kriminelle Energie eines Ladendiebes mit der eines Falschparkers vergleichen.Denn beim exzessiven Schuldenmachen sind amerikanische Hausbesitzer und deren Banken nun wahrlich nicht allein.
Die Verschuldung der Euroländer bewegt sich in den Richtlinien des von der Stabilitätspolitik der Deutschen Bundesbank beeinflussten Maastrichter Vertragswerkes. Der Euro ist nicht umsonst deutlich stärker als der US-Dollar.
Oh Gott. Grauenhafter Sprachstil. Schreibt der Mann nur so, oder spuckt er auch beim Reden? Ich nehme den Ausdruck "Feuilleton-Artikel" umgehend zurück und ersetze durch "Klopapier".Vor allem die Politiker Europas werfen sich in diesen Tagen eifernd ins Zeug. In besserwisserischen Posen schwadronieren sie über den Atlantik, als gäbe es da drüben nur verantwortungslose Kreditteufel, während hier alle Soliditätsengel zu Hause seien.
-
17.10.2008, 16:25
AW: Internationale Finanzkrise
habe ich nicht vergessen, sondern ist mir damals total entgangen.
Zitat von Inaktiver User
hat er?Der Charakter eines Menschen läßt sich daran erkennen, wie er mit Leuten umgeht, die nichts für ihn tun können. by courtesy of ravina
-
17.10.2008, 16:29Inaktiver User
AW: Internationale Finanzkrise
Wenn dem so wäre, wäre das auch mir total entgangen. Meines Wissens hat er nicht vor einem Jahr, sondern vor einigen Wochen. - Mit dem Ergebnis, von Peter Struck ein weiteres Mal angepinkelt zu werden.
Zitat von Coco-Lores
Nun ja. Nun ist der Staat eingeschritten wie von Ackermann gefordert, und die Deutsche Bank ist eine der wenigen Banken, die mit dem Problem selber fertig werden und entsprechend auf die Staatshilfe verzichten.
-
17.10.2008, 16:33Inaktiver User
AW: Internationale Finanzkrise
Vielen Dank, WW,
Zitat von Inaktiver User
jetzt muss ich aber sausen; ich lese es später oder morgen durch.
Schönes Wochenende!
-
17.10.2008, 16:33
AW: Internationale Finanzkrise
Krieg kostet eben eine Menge Geld - Bush und letztendlich seine Politik - haben auch mit zur Finanzkrise geführt.
Soviel schlauer sind die Europäer gar nicht - außer, dass sie keinen Krieg gegen Irak (aber nur ein paar wenige) führen wollten ;-(
<<Die guten Bücher sind in einer Art Fremdsprache geschrieben.>>
Marcel Proust


Zitieren