Ein bedenkenswerter Artikel in der Financial Times Deutschland
vom 04.11.2009:
Roubinis Warnung
Die Fed sorgt für eine neue Monsterblase
Nouriel Roubini befürchtet zweite Weltrezession
Die Konjunktur erholt sich langsam, doch Hoffnung auf einen nachhaltigen Aufschwung ist fehl am Platz. Der Weltwirtschaft drohen mehrere Jahre mit kraftlosem Wachstum, ist sich der US-Starökonom sicher.
Die lockere Geldpolitik hat eine gefährliche Dynamik losgetreten: Anleger können mit dem Dollar zum Minuszins in Risikoanlagen investieren - bis diese Carry-Trades zusammenbrechen.
Nouriel Roubini ist Professor an der Stern School of Business der Universität von New York.
FTD.de | Roubinis Warnung: Die Fed sorgt für eine neue Monsterblase
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Thema: Internationale Finanzkrise
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18.11.2009, 00:14Inaktiver User
AW: Internationale Finanzkrise
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18.11.2009, 00:14
AW: Internationale Finanzkrise
Was sind schon 1.2 Mio" Arbeitslose mehr" oder weniger? Es geht doch um viel wichtigere Ziele.
Ob ehemalige Quelle, oder demnächst Opel-Beschäftigte, oder Beschäftigte kleinerer Betriebe, die versagt haben, bald sind sie sowieso nur noch Hartz4-Empfänger, und taugen gerade noch zum Amusement in nachmittaglicher Belustigung bei RtL. Nein es geht um den großen heroischen Neoliberalismus, der extra dazu geschaffen wurde, dass es (fast) allen besser geht, oder habe ich da Guido uns seine Stammtischbrüder falsch verstanden?Ich bin, also denke ich
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18.11.2009, 16:29Inaktiver User
AW: Internationale Finanzkrise
Geht (und ginge) ja allen besser oder zumindest "ausreichend wohlständig". Wenn da nicht zwei Probleme bzw. markante Auffälligkeiten wären:
1. Offenbar kann "Kapitalismus" nur für einen Teil der Stadt/ des Landes/ der Welt funktionieren - der Maßstab ist im Kleinen wie im Großen nicht anders. Die Crux ist augenscheinlich die, daß Kapital (egal, ob in der Eigenschaft Arbeit- oder Kreditgeber) negatives Kapital bedingt, sprich Schulden bzw. Armut. Und da sich Kapital aus diversen Gründen mehrt, mehren sich auch Schuld und Armut. Auch hier wird der Rahmen immer größer - "jetzt" werden gesamte Volkswirtschaften verschuldet, um Erwartungen aus Kapitaleinsatz zu "bedienen" *
2. Es sieht auch so aus (ob das Folge des Punktes 1 oder ein separates Thema ist, kann ich noch nicht beurteilen; begreife es aber als Folge), als ob -trotz Smith` Theorien- Wohlstand zwar weltweit möglich sein müßte, es aber nicht ist.
Es ist doch seltsam: Es gibt Arbeitskraft, Bedarf, Wille nach Wohlstand und Kapital - Grundvoraussetzungen für Marktwirtschaft. Dennoch gelingt es Milliarden Menschen nicht einmal, menschenwürdig zu leben - von Wohlstand ganz zu schweigen. Was stimmt an der Theorie des Wohlstandes also nicht?
Bleiben folgende Erklärungen: Punkt 1 und/ oder, daß 3. Kapital völlig falsch eingesetzt wird und/ oder 4. sich ganz simpel zusammenballt und kaum mehr "durchdringend" umläuft. Punkt 1 ist erfüllt, Punkte 3 und 4 augenscheinlich derzeit gegeben. Ich würde sagen: Die Kacke ist mächtig am dampfen
- keiner der Punkte ist mit herkömmlichen Mitteln lösbar.
* spaßeshalber überlege ich, welchen Effekt eigentlich Mehrwertsteuer hat? 1. Die Menge konsumierbarer Güter (für den Verbraucher) nimmt um den Faktor des Steuersatzes ab - was wiederum Möglichkeit zum "Wohlstand" verschlechtert. 2. Es "bildet" sich Kapital ohne realen Gegenwert. An sich scheint MwSt. ein schädliches Instrument zu sein.
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18.11.2009, 17:28
AW: Internationale Finanzkrise
oh je, da kann man noch einige Bücher drüber schreiben.
A.Smith (darüber habe ich auch schon mal mit hombre geschrieben) ging grob davon aus, dass in einer Marktwirtschaft mit funktionierendem Wettbewerb das Wirtschaften aller Beteiligten zu einem wie auch immer gearteten Maximum führt.
Beispiel: jemand entwickelt eine Arznei gegen Hühneraugen, macht ordentlich Gewinne, das sieht ein anderer, der entwickelt eine noch bessere Arznei, und somit hat man eine ständig im Fluss befindliche und wachsende Wirtschaft. Auch zwischen den Staaten denkbar. Ein Land hat z. B. eine gute Wirtschaft mit Exportüberschüssen, dann wird ein anderes Land seine Leistungen billiger anbieten, so dass dieses mehr exportieren kann. Irgendwie könnte sich alles in einer Art Gleichgewicht befinden, der Markt könnte sich regulieren, .....ganz naiv gedacht.
Aber da gibt es Faktoren, die Ungleichgewichte fördern, evtl sogar verstärken.
z.B. Monopole. Staatliche Eingriffe. Subventionen. Zu starre Gesetze, zu lasche Gesetze.....
Staaten, die ihre Wirtschaft über Jahre hinweg subventionieren, Handelsbeschränkungen aufbauen etc. Dann haben wir plötzlich Ungleichgewichte, die die Gedanken A.Smith ad Absurdum führen.
Tarifvereinbarungen können z.B. auf Dauer dazu führen, dass a) die Produkte des betreffenden Landes nicht mehr konkurrenzfähig sind, und b) dass es im eigenen Land zu einer 2-klassen-Arbeitswelt kommt. Einerseits die begünstigten mit höheren Löhnen und andererseits die am Abgrund lebenden, die am gleichen Fließband stehen, jedoch nur ein Drittel des Lohns der anderen haben.
Ungleichgewichte wo man hinblickt.
Meine Idee geht auch in die Richtung einer Marktwirtschaft, in der jedoch der Mensch und die Würde des Menschen im Vordergrund steht.
Die Ideen Steinmeiers, der maßgeblich für die Agenda 2010, Hartz4 etc. verantwortlich ist, führen uns immer weiter in die Richtung dieser Mehrklassengesellschaft (verstärkende Oberschicht, dahinsiechende Mittelschicht, einer 2-Klassen-Arbeiterschicht und einer immer größer werdenden Schicht derjenigen, die es nicht mehr schaffen, in diesem Irrenhaus mitzumachen. Es werden sich noch viele wundern, die sich noch sicher fühlen, wenn sie in den nächsten Jahren ebenfalls den Anschluss verlieren. Mal Abwarten.
Steinmeier und seine Agenda 2010 waren für mich ein falscher Weg. Aber wenn ich sehe, was jetzt diese extremradikale Partei der FDP vorhat, da verschlägt es mir den Atem. Noch mehr Ungleichgewichte, noch mehr Reiche, noch mehr Armut.
Eines Tages müssen die Gesetze verändert werden. Dann brauchen wir die Bundeswehr vielleicht, dass sie die Reichen vor dem wütenden Volk schützt, dass sie nicht aufgeknüpft werden. Ich halte die aktuelle Entwicklung für mehr als bedenklich.
Und bei diesen Aussichten muss ich mir an den Kopf fassen, wenn darüber getratscht wird, ob Guido Westerwelle mit Männleins oder Weibleins in Bett hüpft.Ich bin, also denke ich
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18.11.2009, 19:59Inaktiver User
AW: Internationale Finanzkrise
Das sind zweifellos beeinträchtigende Faktoren eines "Ausgleichs", rührt aber nicht (wie ich meine) an die Wurzeln.
Ich glaube zwar auch, daß Regeln und Gesetze die Sache "runder" würden laufen lassen, aber: Im Grunde hat niemand -keine der Wirtschaftstheorien- finanzmathematische Posten und somit Auswirkungen wirklich auf der Rechnung. Einerseits ist es simple Tatsache, daß Kapitalmengen der Realität um ein Vielfaches enteilen - und andererseits stellen sich Finanz- und andere Wissenschaftler doch tatsächlich in Interviews hin und behaupten: "Wir verstehen die Finanzkrise" nicht und wir verstehen "Geld" nicht. Das ist doch Schwachsinn - oder Absicht. Beide Gründe -die Schere der Kapitalausweitung/ nicht ausreichende Realwertdeckung und das "Nichtverstehen wollen"- zeigen doch:
Die Theorie der Marktwirtschaft kann nicht abgetrennt vom Kapitalaspekt betrachtet werden. Es ist grundlegend etwas falsch. Vermutlich nicht am Konstrukt "Markt" (Auswirkung des Kapitals), sondern am Konstrukt des "Kapitals" (Ursache für Markt). "Kapital" entwickelt eine vom "Markt" völlig unabhängige Dynamik, was Wachstum, Menge und wohl auch "Umlaufgeschwindigkeit" anbelangt.
(Zudem kann die wachsende Kapitalmenge irgendwann auch nicht mehr auch nur annähernd "real" investiert werden - eben wegen der Schere. Eine Auswirkung ist z.b. inflationärer Preis bei normalumfänglichem Angebot: "Kapital" kann sich immer "teurere" Kunst, Autos, Häuser kaufen - der reale Gegen"wert" ist aber derselbe).
Man sieht dies (ich behaupte, auch das ist ein Täuschungsmanöver), wenn es heißt: "Es wurde Geld verbrannt". Das ist eine glatte Lüge - Kapital verschwindet nicht im Nirgendwo. Entweder wurde es einen realen Gegenwert "investiert" und jemand anderes hat es, oder es existiert als reines Buchgeld. Hinzu kommt, daß sich Reales (Güter und Dienstleistungen) abnutzt und Wert verliert - "Geld" aber nicht. "Man" -als realer Mensch/ Unternehmen- ist doppelt gezwungen, "Kapital" zu bedienen: Sowohl den Ausgleich zu Abnutzung/ Verbrauch zu "erarbeiten", als auch "Schuld" abzutragen. Dinge schrumpfen, Kapital schwillt. Klassische loose-win-Situation
Kapital wirkt "heute" wie ein Magnet, um über verschiedenste Methoden weiteres Kapital anzusaugen - wirtschaftlich aber wirkt es höchst destruktiv. Nicht wegen der "Regeln und Gesetze", sondern weil es leistungslos funktioniert - es müssen aber zur Deckung Realwerte herhalten. Wir reden ab einer bestimmten Größenordnung von nichts anderem, als Vampirismus. Der Punkt ist dann erreicht, wenn Volumen Realwert (Güter und Dienstleistungen) und Volumen Kapital"wert" stark und immer stärker auseinander driften - diesen Punkt gibt es immer. Es ist mathematisch unmöglich, das per Gesetz zu "verbieten". Ausnahme: Freigeld und was es da gibt - aber das rührt an die Grundfesten eines Wirtschaftssystems und Machbarkeit von "Wohlstand". Es wäre eine klare Zäsur - bisher konnte "niemand das so denken"
bzw. es wurde von interessierter Seite unterbunden.
Übrigens kann sich Smith` Theorie auch aus einem anderen Grund den Strick nehmen: Seiner (durchaus richtigen Auffassung nach) basiert "Markt" auf dem Prinzip der Spezialisierung, Effizienssteigerung und Arbeitsteilung. Selbes gilt aber auch für den Sektor "Kapital". Was bedeutet das? Es gibt spezielle, effiziente und arbeitsteilige "Personen", die es verstehen, "Kapital" und häufen und einzusetzen - mit all den "schönen" Nebenwirkungen auf den realen "Markt" und Menschen. Nicht "Gesetz" oder gar "Markt" macht die Regeln, sondern das Kapital. Das meine ich nicht mal verschwörerisch, sondern naturgemäß.
-Ende des Pamphlets-
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18.11.2009, 21:40
AW: Internationale Finanzkrise
Mein Gott, jetzt werde ich auch noch zum Denken animiert, gar nicht so meine Sache. Ich werde dir später antworten, habe jetzt nur wenig Zeit.
Heute habe ich was kurioses gehört. Ein Kunde meinte, er vertraue ab sofort sein gesamtes Geldvermögen der Deutschen Bank an. Der Bankberater dieser Bank habe ihm einleuchtend dargelegt, dass die Deutsche Bank niemals bankrott gehen könnte, weil unsere Politiker die deutsche Bank als systemisch relevant ansehen würden, und für systemisch wichtige Banken eine Hundertprozentgarantie abgegeben hätten. Alle in seiner Familie würden das jetzt auch so tun.
Ist doch zum Haareraufen, mit dieser Garantie von Merkel und Steinbrück strömen immer mehr Kunden gerade zu den Banken, die das gesamte Finanzsystem fast zum Zusammenbruch geführt haben.Ich bin, also denke ich
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18.11.2009, 22:30Inaktiver User
AW: Internationale Finanzkrise
Das meine ich ja: Gesetze und Regeln nützen nichts. Ein Halunke wird ja auch nicht, weil es heißt "du sollst nicht!" sich plötzlich mit Rosenzüchten begüngen und ein Vampir kaum mit Himbeersaft abstinent werden. Naja, wenn es so sein soll, soll es eben so sein.
Aber den Berater finde ich schon cool
- so unverblümt kriegt man jeglichen Haftungsausschluß nur selten präsentiert.
Naja, so reich ist die DB auch nicht. Ich hab 08 mein Konto dort geräumt - zwei Tage später stand auf deren Website (kein Witz) bei "Bilanz": "Es flossen erhebliche Mittel ab." 400 Euro sind also "erhebliche Mittel" ahjaIst doch zum Haareraufen, mit dieser Garantie von Merkel und Steinbrück strömen immer mehr Kunden gerade zu den Banken, die das gesamte Finanzsystem fast zum Zusammenbruch geführt haben.
Stand aber nur 2 Tage lang dort, dann war der Link verschwindibus gegangen - hatten wohl Angst, daß sie sich selber in`s Knie schießen. Das zeigt, wie arxxxknapp es letzten Herbst wirklich stand. Aber Merkel sei Dank ist wieder alles im Lot 
Übrigens: Der Betreiber meines EC-Gerätdingens meinte vor 1 Woche: Auf die Teile wäre ein ungeheurer Ansturm zu verzeichnen. Wer es im Geschäft noch nicht hatte, rüstet auf. Jeder will mit Karte zahlen.
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19.11.2009, 21:31
AW: Internationale Finanzkrise
So, nachdem ich heute mich nur mit Russen, Spaniern und einem blöden Berliner rumgeschlagen habe... vielleicht mal etwas zum Entspannen. Aber kein Pamphlet.
Ehrlich gesagt weiß ich nicht, auf deine Aussagen zu antworten, vielleicht hast du es etwas chaotisch geschildert oder ich packs einfach nicht.
Mir kommt es ein bisschen so vor, als würdest du alles zusammenmischen wie einen Eintopf.
Du redest manchmal von Kapital, dann von Umlaufgeschwindigkeit usw. Ich kenne keine Umlaufgeschwindigkeit des Kapitals, sondern nur eine Umlaufgeschwindigkeit des Geldes.
Kapital kann man auch unterteilen in Realkapital und Nominalkapital, weitere Abstufungen sind auch noch möglich....
Was ist eigentlich Geld. Mit den Jahren wird mir eine Definition immer schwieriger. Geld hat 2 Seiten, wie du es auch angesprochen hast. Der eine hat Geld, der andere hat entsprechende Schulden. Wenn unsere Bürger viel Geld haben, hat die entsprechenden Schulden entweder der Staat oder andere Gruppen, im Inland oder im Ausland. Wenn z.B. Westerwelle Steuergeschenke machen möchte, muss er an anderer Stelle Schuldscheine ausstellen, um die Staatsaufgaben zu finanzieren. Na ja, mit Rechnen hat der es nicht so. Geld ist ein Schuldschein. Egal ob es in Bar vorhanden ist, oder auf dem Konto. Kapital, das ist einerseits das Geld und andererseits das Realkapital, das sind Fabrikhallen, Büros etc.
Geld hat etwas mit Kapital zu tun, ist aber nicht mit Kapital gleichzusetzen. Kapital wird aber in Geldgrößen gemessen. Daher kann man z.B. sagen, dass Herr "Ikea" der in letzter Zeit wg rassistischer Äußerungen etc. so stark angegriffen wurde, 50 Mrd reich ist. Dann rechnet man nur sein Kapital in Geld um, um so zu einer berechenbaren Größe zu kommen.
Du hast vor ein paar Beiträgen (oder war es hombre) geschrieben, dass vielleicht eine Kombination zwischen Kapitalismus und Sozialismus eine Lösung sein könnte. Leider hat das Wort Sozialismus bei manchen Zeitgenossen einen ziemlich schalen Beigeschmack, so dass man den einen oder anderen schocken könnte. Aber die Idee ist gar nicht so übel. Sowohl purer Sozialismus als auch purer Kapitalismus können die Gesellschaft ganz schön an die Wand fahren. Marx stellte den Sozialismus dem Kapitalismus zeitlich hintenan. Also: Zuerst fährt der Kapitalismus an die Wand, dann kann nur noch der Sozialismus kommen. So dumm ist das gar nicht. Was passiert gerade? Genau wie Marx gesagt hat, eine zunehmende Ansammlung des Kapitals in immer weniger Händen. Ich glaube ganz ehrlich, dass dies nicht gut ausgeht. Wenn wir nicht diese Entwicklung stoppen, wird Marx recht behalten. Dann kommt der Sozialismus. Und wer den nicht will, der muss umdenken, dann lieber eine sozialere Marktwirtschaft. Und die wird eine Kombination aus Kapitalismus und Sozialismus sein.
Wenn es zu keinem Politikwechsel kommen, sehe ich nur folgende Zukunft:
1. Trennung der Gesellschaft in Reich und Arm. Müsste militärisch oder mit großem Polizeiapparat aufrechterhalten werden. Entsprechende Science Fiction dürfte es ja schon geben. oder:
2. Sozialismus, durch Wahlen oder durch Revolution.
Also dann doch lieber Politikwechsel.Ich bin, also denke ich
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20.11.2009, 00:39Inaktiver User
AW: Internationale Finanzkrise
Natürlich ist es chaotisch - wie sonst sollte man ein solch komplexes Ding anders komprimieren? Hier stand ich - ich konnte nicht anders!
Gut, vornehmlich meinte ich mit Kapital = Geld. Das ist wohl, was "Normalsterbliche" unter Kapital verstehen. Und da auch Smith den Begriff "Kapital" benutzt, blieb ich dabei.Ich kenne keine Umlaufgeschwindigkeit des Kapitals, sondern nur eine Umlaufgeschwindigkeit des Geldes.
Die Umlaufgeschwindigkeit des "Geldes" ist JETZT wesentlich höher, als z.b die realer Güter und Leistungen - aufgrund digitaler, globaler Möglichkeiten z.B. Das passiert aber auch dann, wenn ein wesentlicher "Überschuss" Geld zu Realem herrscht. Auch das meinte ich mit: Es kann aufgrund der schieren Menge aus mehreren Gründen nicht mehr in "Reales" investiert werden, sondern vagabundiert. Das muß es auch, denn um eine "Deckung" zu erlangen, muß fieberhaft eine Quelle -und sei sie noch so absurd- gefunden werden. Es ist wie bei Junkies. Und dieser "Umlaufgeschwindigkeit" kann Reales nicht folgen.
In dem Fall kommt es zu unschönen, in`s Reale hineinspielenden, Effekten: "Geld" spekuliert mit allem, was möglich ist - Währungen, Rohstoffen, Wohnraum, Schulden, "Wertpapieren" und sogar "Wettscheinen" und "Derivaten" (= Ersatzstoffen. Ersatz wofür? ..) - kaum jedoch dient es mehr dem Wohlstand der Masse (Arbeitsplätze, Unternehmensinvestitionen - also Langfristiges, Nachhaltiges), sondern dem Wohlstand Weniger - und schädigt "die anderen".
Klar ersichtlich ist es an den Graphiken "Geld" und "Schuld": Menge und Wachstum enteilen einander spiegelbildlich. Den Effekt der Umlaufgeschwindigkeit sieht man da natürlich nicht.
Irgendwann erreicht man einen Punkt, wo "Markt" (an sich Nutznießer und Folge von "Kapital") und "Wohlstand Vieler" überhaupt nicht mehr so funktionieren können, wie sie theoretisch erklärt werden: Weil der Einfluß des Kapitals nicht ausreichend einbezogen wird.
Anders kann ich mir die stets wiederkehrenden Entwicklungen nicht erklären.
Das kann ich nur als fatalen Irrtum betrachten - und auch z.B. Smith oder Prof. Unsinn vom INSM wissen es nicht, verstehen es nicht oder wollen es nicht.Kapital, das ist einerseits das Geld und andererseits das Realkapital, das sind Fabrikhallen, Büros etc.
1. Wenn FED, EZB Geld in riesigen Mengen ausschütten - wo ist der reale Gegenwert? Zur Erinnerung: Sie schütten Geld aus, um kollabierte Wirtschaft (gesunkenen Realwert) aufzupäppeln. Dieselbe "Wirtschaft", welche vom "Geld" ruiniert und ausgesogen wurde. Offensichtlicher kann man es doch gar nicht mehr darstellen.
2. Kapital (in Form von Geld) ist unendlich. Reales ist endlich.
3. Kapital (in Form von Geld) nutzt sich nicht ab und wird nicht verbraucht, Reales schon. Auch in der Hinsicht kommt es zu "Geld"wachstum einerseits, dem andererseits Reales nicht folgen kann.
Frage: Wo ist die "Schuld"menge, die der "Geldmenge" gegenüber steht? Sie steckt dort, wo Sie, ich und die gesamte Welt noch erhebliche Probleme bekommen werden: In Verpfändung und Verschuldung der Zukunft (Umweg über Staatsverschuldung), Verscherbelung des letzten Tafelsilbers (staatlich und gesellschaftlich), weiterer "Effizienzsteigerung" der "Human Resources" bei gleichzeitiger Verschlechterung der Situation "Nichtleistender" - egal, wo: Pacta sunt servanda - und das sollte ausgerechnet Guido am Besten wissen.
Zur Erinnerung: Wer hätte gedacht, daß es in USA Zeltstädte geben würde, kaum Sozialsysteme und Hunger? Das sind die Folgen des "kapitals" - es sollte für Wohlstand sorgen, bewirkt ab einem Punkt aber für viele das Gegenteil.
Marx hab ich noch nicht gelesen - steht aber interessehalber ganz oben auf meiner Liste. Die Kapitalzusammenballung (in Geldform) beschrieb ich ja auch schon - es sickert nicht mehr durch die Gesellschaft - somit ist auch das ein Punkt, wo es die elementare Aufgabe für "Wohlstand" Vieler nicht mehr wahrnimmt: Es dient nicht mehr einem funktionierenden Markt, sondern der Markt = Gesellschaft dient dem Kapital. Die Verhältnisse Ursache/ Wirkung der Theorie "Markt= Wohlstand durch Kapital" kehren sich komplett um.Genau wie Marx gesagt hat, eine zunehmende Ansammlung des Kapitals in immer weniger Händen. Ich glaube ganz ehrlich, dass dies nicht gut ausgeht. Wenn wir nicht diese Entwicklung stoppen, wird Marx recht behalten. Dann kommt der Sozialismus.
Ob Sozialismus, eine Mischform oder Kapitalismus kommen werden, weiß ich nicht. In kapitalistischen Kulturen ereignet sich wohl eher Währungsreform oder Pleite. Krieg ist leider auch denkbar. Ich weiß auch nicht, inwiefern eine Markt- und Gesellschaftsform mit dem Problem der Finanzmathematik langfristig und nachhaltig umgehen kann. Vieles deutet aber darauf hin, daß ein weiterhin dogmatischer Umgang mit dem Thema nichts Gutes bewirken wird.
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20.11.2009, 08:46
AW: Internationale Finanzkrise
Ersatzstoff = Surrogat
Derivat = Abkömmling
Aktienderivat ist z.B nicht die Aktie oder Anleihe oder anderes Handelsgut wie Rohstoffe sondern z.B. die Versicherung dieser Aktie oder Anleihe etc. auf einen bestimmten Marktwert. Das finde ich schon eine ganz sinnvolle Sache, warum sollte man sich hierfür nicht versichern können. Abstrus wirds doch nur, weil die Derivate garnicht mehr mit den Ursprungswerten unterlegt sein müssen (siehe CDO Kollaps), man sich also mit einem Bruchteil des Wertes einer Anleihe gegen den Ausfall durch Konkurs des Schuldners versichern kann - ohne überhaupt eine Anleihe zu besitzen. Das ist so, als wenn man eine Versicherung für Immobilien abschliessen kann gegen Erdbeben ohne eine Immobilie zu besitzen. Im Falle eines Erdbebens dann aber den versicherten Gebäudewert trotzdem ersetzt bekommt, obwohl einem ja kein Schaden entstanden ist. Und so wird aus einer sinnvollen Erdbebenversicherung ein Wettschein, der die Welt ins Chaos stürtzen kann.Geändert von Ahab (20.11.2009 um 08:52 Uhr)


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