Moin,
Ein Fragment aus einem Posting, wo es um den Krieg der Geschlechter ging (Kaempfe dauern noch an...Zitat von Caramon
). Mhm, ein Teil dieses "Krieges" ist bedingt(?) durch die wirtschaftliche Lage und das Faktum, das Arbeit lebensbestimmend ist.
Was meint ihr dazu? Auch zu dem Fragen, die ich in meinem Fragment stelle.
Gruss
Caramon
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Thema: Arbeit ist das halbe Leben?
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27.07.2008, 19:41
Arbeit ist das halbe Leben?
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27.07.2008, 21:45
AW: Arbeit ist das halbe Leben?
Vor Jahren gab es ein Buch, dass sehr viel Aufsehen erregt hat, weshalb ich es mir natürlich auch gekauft habe: "Der Terror der Ökonomie" von Viviane Forrester.
Interessant fand ich die Denkanstöße der Autorin.
Zitat:
"Ein Arbeitsloser ist heute nicht mehr Objekt einer vorübergehenden Ausgliederung aus dem Wirtschaftsprozeß, sondern Teil eines Zusammenbruchs, Opfer einer unerbittlichen Logik, die dank Automatisierung und globaler Finanzmärkte die Abschaffung des arbeitenden Menschen erfordert."
Man kann über das Buch sagen, was man will, aber damit hat sie meiner Meinung nach Recht. Durch die Technik sind eben wirklich viele Arbeitsplätze ersatzlos weggefallen, was die Frage aufwirft: Wohin mit all den Arbeitslosen?
Viviane Forrester schreibt viel in ihrem Buch über die psychischen Folgen unverschuldeter Arbeitslosigkeit. Vor allem stellt sie die Frage, was wohl mit einer Gesellschaft passieren wird, in der große Teile der Bevölkerung nicht mehr gebraucht werden. Und was in den Köpfen der Arbeitslosen vorgehen mag, wenn man ihnen dennoch beständig einhämmert, sie müssten ein nützlicher Teil der Gesellschaft sein.
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28.07.2008, 06:49
AW: Arbeit ist das halbe Leben?
In diesem "mit" steckt schon eins der vielen Probleme, die durch unfreiwillige Arbeitslosigkeit verursacht werden.
Zitat von Caramon
Sicher war das mit der im Zitat gestellten Frage nicht beabsichtigt, aber es verdeutlicht die Passivität, in die ein "überflüssiger" Mensch abzurutschen droht.
Dieser Mensch wird zum ... Verwaltungsvorgang, dessen Versorgung und Bearbeitung nichts, was aktuell als Wert betrachtet wird, gegenübersteht.
Käme jetzt dieser "überflüssige Mensch" auf den Gedanken, sich auf irgendeine Weise "nützlich" zu machen - Ehrenämter, Bücher schreiben, ... Wald fegen... - dann bliebe "nur noch" das Problem, den Wert dieser Tätigkeiten in eine vernünftige Relation zur Beteiligung am Bruttosozialprodukt zu bringen.
Dazu gehört natürlich das Wecken der Motivation, sich nützlich machen zu wollen und das Vermitteln der Fähigkeit, sich nützlich machen zu können.
Es ginge also nicht darum, was "mit den Menschen angestellt wird, für die keine bezahlte Arbeit verfügbar ist", sondern darum, wie die "nützlichen Tätigkeiten" bewertet und verteilt werden.
(das sind zugegebenermaßen nur ein paar sehr lose und noch lange nicht zu Ende gedachte Gedankenfäden,....)
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In meiner Badewanne pflege ich das Badewasser selbst einzulassen.
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28.07.2008, 07:43Inaktiver User
AW: Arbeit ist das halbe Leben?
Ein guter Bezug zur Hausfrauen- und Kindererziehungsarbeit, die so lange als marginal bezeichnet wurde, bis die Hausfrauen und Kindererzieherinnen zur bezahlten Erwerbsarbeit strebten und nun das grosse Klagen über zu wenig Nachwuchs, da zu wenige Betreuungsplätze (von der am Abend auszuübenden Tätigkeit im Haushalt wird milde geschwiegen, oder die Frauen schneiden sich ins eigene Fleisch, in dem sie diese unterbewerten) anhebt.Es ginge also nicht darum, was "mit den Menschen angestellt wird, für die keine bezahlte Arbeit verfügbar ist", sondern darum, wie die "nützlichen Tätigkeiten" bewertet und verteilt werden.
Plötzlich entsteht auch eine Debatte um die Altenpflege, die bis vor kurzer Zeit ganz selbstverständlich und unbezahlt den Frauen
in den Familien überlassen wurde.
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28.07.2008, 19:34
AW: Arbeit ist das halbe Leben?
Passiv ist er so oder so. Welche Moeglichkeiten hat er denn aktiv was zu tun?In diesem "mit" steckt schon eins der vielen Probleme, die durch unfreiwillige Arbeitslosigkeit verursacht werden.
Sicher war das mit der im Zitat gestellten Frage nicht beabsichtigt, aber es verdeutlicht die Passivität, in die ein "überflüssiger" Mensch abzurutschen droht.
Selbststaendig werden? Da lauert das selbe Problem, sobald keine Arbeit vorhanden ist und somit kein Geld.
Ohne Geld bist Du tot in unserer Gesellschaft.
Mit Freunden irgendwohin gehen? Eintritt fuer das Kino, gemeinsam Bier trinken, was essen...
Fortbilden? Kurse kosten teilweise richtig viel Geld und Lehrmaterialien gibt es auch nicht umsonst (nein auch nicht im Internet). Bibliotheken sind auch so eine Sache. Aktueller Buchbestand, Ausleihbarkeit, Verfuegbarkeit...
Ok, Partner finden ist ganz finstere Sache. Brauchen wir net drueber reden.
Unser Gesellschaftssystem basiert nunmal auf Lohnarbeit und Arbeitsteilung. Wer da rausfaellt hat ein Problem, weil er ziemlich schnell isoliert ist und wird.
Er ist auch wertlos. Welchen Wert hat er denn? Keinen.Dieser Mensch wird zum ... Verwaltungsvorgang, dessen Versorgung und Bearbeitung nichts, was aktuell als Wert betrachtet wird, gegenübersteht.
(wenn der Schwachsinn kommt wie wertvoller Mensch und Selbstwert usw. nun, davon kann er seine Miete nicht bezahlen und ob er mit dieser Valuta woanders punkten kann, halte ich fuer sehr sehr fragwuerdig).
Das wird scheitern.Käme jetzt dieser "überflüssige Mensch" auf den Gedanken, sich auf irgendeine Weise "nützlich" zu machen - Ehrenämter, Bücher schreiben, ... Wald fegen... - dann bliebe "nur noch" das Problem, den Wert dieser Tätigkeiten in eine vernünftige Relation zur Beteiligung am Bruttosozialprodukt zu bringen.
Arbeit an sich gibt es schon genug aber monetaer entlohnte Arbeit wird weniger. Was bringt mir ein Ehrenamt? Ich habe Arbeit, ok. Kann ich von dieser Arbeit leben und meinen Lebensunterhalt bestreiten? Nicht wirklich.
Bringt mir Ehre was ein? Auch nicht. Das hat in unserer Gesellschaft keinen Wert.
Zu kurz gedacht. Ich denke das die Motivation da ist, etwas zu tun aber die wenigsten Menschen wuerden sich fuer Lau bewegen wollen, wenn ansonsten jeder andere Handgriff fuer sie Geld kostet. Wir muessten uns vom Geld entkoppeln, d.h. bestimmte Dinge als neue Grundlage fuer alle ermoeglichen. Problem ist aber auch hier, wie vermeide ich extensiven Missbrauch und wie baue ich das in das vorhandene gesellschaftliche System ein.Dazu gehört natürlich das Wecken der Motivation, sich nützlich machen zu wollen und das Vermitteln der Fähigkeit, sich nützlich machen zu können.
Mit dem Heer von Individualisten ist kein Staat zu machen. Aber eigentlich auch muessig, darueber nachzudenken. Die Gesellschaftsform die Kinder hervorbringt, wird gewinnen auf Dauer. Unsere wird es kaum sein
Sollten die Chinesen auf die Idee kommen Landkaeufe ausserhalb ihrer Grenzen zu taetigen als Siedlungsgebiet haben wir verloren als Nation. Der Drops ist dann gelutscht.
Welchen alternativen Regulator gaebe es da? Momentan ist es das Geld, was die Sache am Laufen haelt. Wie wertvoll eine Arbeit ist, wird in Geld ausgedrueckt.Es ginge also nicht darum, was "mit den Menschen angestellt wird, für die keine bezahlte Arbeit verfügbar ist", sondern darum, wie die "nützlichen Tätigkeiten" bewertet und verteilt werden.
Ich finde es etwas heikel ueber den wahren Wert einer Taetigkeit zu reden, wenn er sich nicht mit dem monetaeren Wert deckt. Es heisst doch immer, das eine Krankenschwester einen verantwortungsvollen Beruf hat und mehr verdienen sollte oder muesste. Ein Arzt verdient definitiv mehr. Ist die Krankenschwester nun unterbewertet und der Arzt ueberbewertet? Wie ausgleichen? Schwierig.
Wir sind in der kuriosen Lage, das Menschen ueberfluessig sind, weil sie daran gemessen werden, was sie koennen und leisten...und....dieses Koennen auch nachgefragt wird von anderen. Wir sind heute unabheangiger von anderen Menschen. Man kann zusammenleben, muss es aber nicht.
Welchen Wert hat ein Mensch? Keinen...
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28.07.2008, 21:09
AW: Arbeit ist das halbe Leben?
Da muss ich Dir leider recht geben. Es basiert auf direkter Erfahrung - und auch die Erfahrung, wie Menschen ohne Arbeit ausgegrenzt werden, z. B. auf Behörden, Banken - eine neue Mietwohnung?
Zitat von Caramon
Ich kann mich auch noch erinnern - ich arbeite im Dienstleistungsbereich - als eine ältere Dame einmal einen jüngeren Mann angeschnauzt hatte, er solle sie vorlassen, er hätte ja Zeit, er wäre sicherlich arbeitslos - was sonst würde er um die Zeit hier machen. (Stimmte nicht, es gibt auch noch so etwas wie Schichtarbeit), aber alleine dieses Beispiel zeigt doch die Einstellung.
Sie kann den "Betroffenen" zumindest vorübergehend ablenken und kurzfristig das Gefühl geben, etwas zu leisten. Kontakte knüpfen usw. - man sollte schon alle Möglichkeiten nutzen.
Zitat von Caramon
Sicher - deswegen fehlt immer noch das Geld - wer traut sich schon zuzugeben, dass er sich gewisse Dinge nicht leisten kann?
Wenige vermute ich, denn man kann nicht oder nur extrem begrenzt am gesellschaftlichen Leben teilnehmen.
I. d. R. entscheidet man nach "Kompetenzen" - allerdings, wie oft wird von der leistungebezogenen Arbeit gesprochen? Wer entscheidet dann wieder, wer mehr leistet - wie ist dann wieder Leistung zu messen?
Zitat von Caramon
Das kommt jetzt wieder auf den Bereich an - im öffentlichen Gesellschaftsleben? Ganz so krass sehe ich das "noch" nicht, aber der Weg dahin ist nicht weit.
Zitat von Caramon
Was den Lebensinhalt angeht: In den letzten Jahrzehnten hat sich das gesellschaftliche Leben sehr gewandelt. Gerade im ländlichen Bereich gab es die Großfamilien und Selbstversorger - jeder hatte seinen Platz und seine Aufgabe. Das alles ist weggefallen -
erschwerend kommt eben hinzu, dass ein Mensch ohne Arbeit auch noch mit faul gleichgesetzt wird (ja, solche Stimmen gibt es leider wirklich!).
Und: Wie oft hieß es eigentlich, dass die Arbeit einer "Hausfrau" nichts wert sei? Wie oft höre ich: Tut mir leid, ich bin "nur" Hausfrau. Also auch nichts "wert"?
Mit der sog. "Reset-"Taste, wie Du sie nennst - ich denke, da wäre heute gar nichts mehr übrig von Land und Leben - .
Gruß Bienie
P.S. - die Chinesen bringst Du jetzt aber nicht direkt mit Kinderreichtum und menschlichem Wert in Verbindung?Geändert von bienie (28.07.2008 um 21:50 Uhr)
Tanzen ist wie träumen - nur mit den Füßen
22.06.06
"Bienie"
, 04.04.11
"King"
, 24.05.17
"Raica"
29.09.21
"Pirry" 
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29.07.2008, 10:31
AW: Arbeit ist das halbe Leben?
@colonna:Ein guter Bezug zur Hausfrauen- und Kindererziehungsarbeit, die so lange als marginal bezeichnet wurde, bis die Hausfrauen und Kindererzieherinnen zur bezahlten Erwerbsarbeit strebten und.........
....ja, hier kann der Titel umbenannt werden in "........ist das ganze Leben" - unbezahlt u. bei der Rente kaum berücksichtigt!
Wert einer Arbeit = gesellschaftliche Notwendigkeit oder materieller Ertrag?
Ich bin der Meinung, dass dieser WERT neu definiert werden müsste!
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29.07.2008, 13:51
AW: Arbeit ist das halbe Leben?
Und wie bekommt man das hin, das sich alle oder zumindest die Meisten an diese Definition halten?
Zitat von nosto
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29.07.2008, 14:42
AW: Arbeit ist das halbe Leben?
...naja Caramon, das kann ich Dir nicht beantworten - das muss wie anderes auch, in die Gesellschaft hineingetragen werden!
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30.07.2008, 13:45
AW: Arbeit ist das halbe Leben?
Koenntest Du bitte mir erklaeren, was Du damit genau meinst? Ich kann mir darunter nichts vorstellen.
Zitat von nosto


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