Du darfst nicht vergessen, dass jeder US-Präsidentschaftskandidat beim amerikanischen Wähler punkten muss, und die Amis ticken nunmal anders als wir Europäer.Zitat von Messerwerferin
So manches, was uns irritiert, ist bei ihnen unerschütterliche "Wahrheit".
Obama muss die US-Wähler auf seine Seite ziehen. Wir und unsere Sichtweise kommen nur unter ferner liefen; das muss uns klar sein. John Kerry, der tatsächlich sehr europafreundlich war, hat nicht zuletzt genau deshalb die Wahl verloren.
McCain indiskutabel - das leuchtet mir sofort ein.Kurz: McCain ist indiskutabel, Obama ist mir unheimlich.![]()
Aber was ist dir denn an Obama unheimlich?
Ich würde schon gerne in USA wählen.Gott sei Dank: Ich bin nicht wahlberechtigt.![]()
Nicht, weil ich so gern US-Bürgerin wäre, sondern weil mir die Entscheidung leicht fallen würde und weil ich sie wichtig finde. Wichtig auch für uns Europäer.
Ich denke über die beiden Kandidaten Folgendes:
McCain war und ist immer für den Irakkrieg gewesen und ist auch jetzt gegen einen Abzug.
Er ist außerdem ein kalter Krieger. Es gibt mehrere Äußerungen von ihm, in denen er sich in einer ausgesprochen frostigen Weise über Russland geäußert hat. Unter anderem hatte er die glorreiche Idee, man müsse Russland aus der G8 werfen.
Des weiteren ist McCain für Folter. Er hat Bush und dessen Komplizen seinerzeit zwar sehr unangenehme Fragen zu Abu Ghureib gestellt und sich betroffen über die Vorkommnisse gezeigt - zumal er in Nordvietnam selbst die Folter erlebt hat.
Aber leider hat er seine Meinung geändert und sich kürzlich folgendermaßen geäußert: für US-Soldaten sei das Recht auf Folter "nicht nötig" (!!!), aber dem CIA sollten aus Sicherheitsgründen keine Beschränkungen auferlegt werden.
Jetzt frag ich dich: wie geistig minderbemittelt muss ein Mensch eigentlich sein, wenn er - obwohl selber schwerst gefoltert - so etwas sagt?
McCain ist für ein verfassungsrechtliches Verbot der Abtreibung.
Er ist gegen die sogenannte Homo-Ehe.
Und er fand Bushs Steuererleichterungen für Reiche, die seinerseits sogar von Reichen wie dem Börsenmilliardär Warren Buffett als ungerecht kritisiert worden war, richtig.
Obama hingegen ist mir mit folgenden Aussagen in Erinnerung:
- Er war von Anfang an gegen den Irakkrieg.
- Er ist der Ansicht, dass man mit ALLEN Akteuren des Nahen und Mittleren Ostens sprechen und verhandeln müsse, auch mit Syrien und Iran.
(Dieser Auffassung haben Bush und McCain höhnisch und nachdrücklich widersprochen.)
- Sein Rede bezüglich Jeremiah Wright ist für mich geradezu eine Offenbarung. *klick* Der Vergleich mit Martin Luther King, der einigen Leuten dabei in den Sinn kam, ist m.E. berechtigt.
Außerdem ist er für die Homoehe, für eine Einschränkung des Waffenrechts, gegen ein Verbot der Abtreibung.
Und so sage ich nicht "Gott sei Dank", sondern "bedauerlicherweise bin ich in USA nicht wahlberechtigt". Denn es fiele mir wahrhaftig nicht schwer eine Entscheidung zu treffen.
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Thema: Obama aus deutscher Sicht
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03.08.2008, 22:31Inaktiver User
AW: Obama aus deutscher Sicht
Geändert von Inaktiver User (03.08.2008 um 23:14 Uhr)
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03.08.2008, 23:13
AW: Obama aus deutscher Sicht
Aber ich hab doch geschrieben, dass es nicht meine Meinung ist, sondern wie Amerikaner die Lage meiner Meinung nach sehen
Zitat von Inaktiver User
Ja, für uns gibt es nur Nachteile, aber aus meiner Sicht trifft McCain damit doch genau den Punkt, den Amerikaner lieben: Die USA sagen der Welt, wo es lang geht. Es war auch McCain, der öffentlich China wegen der Menschenrechte kritisiert hat: Freiheit für alle, und die USA tragen diese Fackel in die Welt, genau dieser Gedanke gefällt dem Wähler.
Zitat von Inaktiver User
Auch Obama hat dieses Bild für den amerikanischen Wähler bei seiner Berliner Rede versucht, zu bedienen. Dieses ständige Rumgereite auf dem Kalten Krieg und den tollen Amerikanern mit ihren Rosinenbombern - ich hätte mir sehr von Obama gewünscht, dass er an dieser Stelle "Nie wieder" sagt, statt dessen kommt wenige Sekunden später der Aufruf an die NATO-Partner. Sollte damit das deutsche Volk dahingehend "beruhigt" werden, dass er zwar gerne deutsche Soldaten irgendwo ausbluten lässt, ihnen dann aber hilfreich mit einem Verband zur Seite steht, wenn es soweit ist?
Auch damit bedient McCain m.E. sehr das amerikanische Gemüt: Blut von US-Soldaten ist für die Militärs grundsätzlich mehr wert als das Leben von Menschen, die durch die US-Regierung pauschal als "Terroristen" diffamiert und damit zu "Feinden des amerikanischen Volkes" werden.
Zitat von Inaktiver User
Und wer sich angegriffen und damit im Recht fühlt, wird Folter gerne mal als Bagatelle kleinreden.
Auch Obama hat den Irrsinn "Kampf gegen den Terror" nie hinterfragt oder eine eindeutige Stellung dazu bezogen, wie er sich denn diesen Kampf eigentlich vorstellt. Deshalb ist er mir unheimlich, weil ich mich frage: Was will er denn eigentlich?
Blautanne, nicht, dass hier ein falscher Eindruck entsteht: Ich behaupte ja nicht, dass Obama schlecht ist, sondern nur, dass mir seine Äußerungen und Taten zu wenig sind, um ihn in meinen Augen zu einem besseren Kandidaten werden lassen.
Zitat von Inaktiver User
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03.08.2008, 23:28Inaktiver User
AW: Obama aus deutscher Sicht
Ich bin gerührt. Ehrlich.
Zitat von Messerwerferin
Für wie stark hält dieser alte Mann sich und sein hoch verschuldetes Land eigentlich?
- Er will aus dem Irak NICHT abziehen.
- Er will mit dem Iran NICHT verhandeln sondern evtl. militärisch vorgehen.
- Er lehnt auch die Verhandlung mit Syrien ab.
- Er provoziert neue Konfrontationen mit Russland.
- Er brüskiert demonstrativ China.
- Er beleidigt sogar Verbündete wie die Deutschen (fawning Germans).
Wofür hält er sich eigentlich? Ewa für außen- und sicherheitspolitisch kompetent? Dass ich nicht lache.
Das ist m.E. nicht weit entfernt von der Dummheit eines George W. Bush.
Mir fällt auf, dass du Obama mit kritischem europäischem Auge und McCain mit nachsichtig-amerikanischem Auge betrachtest. - Somit ist der Vergleich, so oder so, schief.Blautanne, nicht, dass hier ein falscher Eindruck entsteht: Ich behaupte ja nicht, dass Obama schlecht ist, sondern nur, dass mir seine Äußerungen und Taten zu wenig sind, um ihn in meinen Augen zu einem besseren Kandidaten werden lassen.
Aber gut, das ist deine Sache. Ohnehin sind sowohl du als auch ich in USA nicht wahlberechtigt.
Hinweis: ich hatte mein obiges Posting übrigens um ein paar Punkte ergänzt.
.Geändert von Inaktiver User (04.08.2008 um 11:17 Uhr)
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03.08.2008, 23:29
AW: Obama aus deutscher Sicht
Du immer mit Deinen nachträglichen Änderungen. Immer, wenn ich was fertig geschrieben habe, finde ich bei Dir noch etwas, worauf ich nicht eingehen konnte
Zitat von Inaktiver User
Also, was Obama gerne hätte - Homoehe, eingeschränktes Waffenrecht, gegen Abtreibungsverbot - wäre sehr begrüßenswert.
Allerdings ist das Waffenrecht in Amerika die heilige Kuh, die nicht angetastet werden darf. Selbst solche erschütternden Massaker wie an der Columbine-Highschool lassen Amerikaner nicht etwa an eine Einschränkung denken. Nein, es gab damals Stimmen aus der entsprechenden Lobby, die besagten, das wäre nicht passiert, wenn alle Schüler bewaffnet gewesen wären, denn dann hätten sie die Täter vorzeitig erschossen! Das ist krank! Das ist amerikanische Logik!
Was gleichgeschlechtliche Ehen betrifft und ein Nein zum Abtreibungsverbot, auch da darf man die entsprechende Lobby nicht vergessen, die sich gegen eine Umsetzung solcher Gesetze stellen wird. Und mir kommt Obama nicht so stark vor, dass er es sich mit Millionen verbabbter Amerikaner verscherzen wird, nur, um solche Fragen zu klären. Ich habe eher den Eindruck, wenn ihm die Fetzen so richtig um die Ohren fliegen, wird er eher zurückrudern, als Stimmen einzubüßen.
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03.08.2008, 23:45
AW: Obama aus deutscher Sicht
Mir geht es um das amerikanische Selbstverständnis. Und es ist erbärmlich, dass so viele US-Bürger offensichtlich McCains Auffassung teilen.
Zitat von Inaktiver User
Vielleicht hab ich mich schlecht ausgedrückt. Aber Obama hat für den amerikanischen Wähler wenig zu bieten außer ein paar nebelhaften Visionen. McCain hingegen verspricht freien Handel, großzügiges Niedermetzeln aller "Volksfeinde" und eine amerikanische Supermacht-Identität. Also Geld, Macht, Sicherheit. Und daran sind sehr viele Wähler sehr interessiert.
Zitat von Inaktiver User
Was verspricht Obama dem amerikanischen Wähler? Steuererhöhungen, dauerhafte Proteste unterschiedlicher Gruppierungen und eine Außenpolitik, die für US-Bürger nach "Kriechen" aussieht und ihre Identität sehr beschädigt.
Natürlich würde ich mir einen Obama wünschen, der sich durchsetzen kann, aber ich denke, wenn die Durchsetzung seiner Visionen schon beim eigenen Volk während des Wahlkampfs scheitert, wie will er das um Gottes willen als Präsident schaffen? Und dann auch noch international?
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04.08.2008, 00:19Inaktiver User
AW: Obama aus deutscher Sicht
Immerhin scheinst du ihn weniger beunruhigend zu finden als Obama.
Zitat von Messerwerferin
Wenn es wirklich so wäre, wie du behauptest, dann hätte er nicht die Vorwahlen gegen die Favoritin Hillary Clinton gewonnen und dann würde er in der Wählergunst wohl kaum etwa gleichauf mit McCain liegen.Was verspricht Obama dem amerikanischen Wähler? Steuererhöhungen, dauerhafte Proteste unterschiedlicher Gruppierungen und eine Außenpolitik, die für US-Bürger nach "Kriechen" aussieht und ihre Identität sehr beschädigt.
.Geändert von Inaktiver User (04.08.2008 um 00:23 Uhr)
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04.08.2008, 00:26
AW: Obama aus deutscher Sicht
McCain ist nur berechenbarer. Obama nicht. Beunruhigend finde ich beide.
Zitat von Inaktiver User
Wie Du schon festgestellt hast, sind die Umfragewerte zu verschieden; deshalb halte ich mich persönlich an Gallup. Dort war gestern ein Gleichstand mit 44%, heute liegt Obama um einen Prozentpunkt vorn. Ich verfolge die Ergebnisse schon seit einiger Zeit, und die Wählergunst scheint mir sehr empfindlich zu sein.
Zitat von Inaktiver User
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04.08.2008, 08:38Inaktiver User
AW: Obama aus deutscher Sicht
Das kommt drauf an, welche Wähler gemeint sind; jene, die keine Steuern zahlen, weil sie nichts oder kaum etwas verdienen, oder jene, die sehr viel verdienen.Was verspricht Obama dem amerikanischen Wähler? Steuererhöhungen, dauerhafte Proteste unterschiedlicher Gruppierungen und eine Außenpolitik, die für US-Bürger nach "Kriechen" aussieht und ihre Identität sehr beschädigt.
Ich denke, Obama wird den Spagat versuchen, den einen Hoffnung zumindest auf eine marginale Gesundheitsversorgung zu geben, und die anderen nicht zu vergraulen.
Auch das "Kriechen", wie du es nennst, kann unterschiedlich verkauft werden, als Charmetour bei europäischen Verbündeten und solchen, die es noch werden sollen, bei Leuten mit viel Kultur und langer Vergangenheit, oder als Unterwürfigkeit, die aber höchstens McCain mit seinem verkehrt gehaltenen Fernglas ausmacht.
Wichtig ist einfach, mit welchen Leuten Obama zusammenarbeiten will, welche seine BeraterInnen sein werden und sich auch mal getrauen, "nein" zu sagen.
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04.08.2008, 09:27
AW: Obama aus deutscher Sicht
Warum gibt es eigentlich keinen stoßseufzenden Smiley? Könnte ich gerade gut gebrauchen
Zitat von Inaktiver User
Colonna, ich nenne das nicht “Kriechen”, sondern McCain.
Bedauerlich ist, dass es m.E. Obama an dem notwendigen Biss fehlt, um McCains Version in der Öffentlichkeit zu widerlegen, in dem er es als “Charmeoffensive” verkauft.
Obama braucht aber genau diesen Biss, um politisch durchzukommen.
Es ist doch im Grunde wie bei einem Vorstellungsgespräch für eine Stelle in der Werbung: Wenn es dem Bewerber nicht mal in dieser Situation gelingt, sich selbst gut zu verkaufen, wird das schwerlich einen Personaler davon überzeugen, dass der Bewerber später in der Lage sein wird, Konsumenten zum Kauf eines Produktes zu bewegen.
Obama wird als Präsident der Vereinigten Staaten sehr oft in eine Situation kommen, in der er “Werbung” für Dinge machen muss, die den Bürgern und/oder dem Ausland ganz und gar nicht schmecken. Im Moment schafft er es ja nicht mal richtig, sich gegen diese Dumpfbacke McCain durchzusetzen und das amerikanischen Wahlvolk für sich einzunehmen. Da frage ich mich dann schon, wie Obama als Präsident wirklich unangenehmen Machthabern (z.B. Iran) in wirklich unangenehmen Situationen begegnet und ob er in der Lage ist, anderen (US-Bevölkerung, Bündnispartnern etc.) , seine Entscheidungen so zu verkaufen, dass sie diese Entscheidungen auch mittragen. Wenn ich sehe, wie Obama jetzt schon gegen diese Lachnummer McCain strauchelt, dann ruft das in mir nicht gerade den Eindruck hervor, als hätte Obama das nötige Format, in echten Krisensituationen die Oberhand zu behalten.
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04.08.2008, 09:35Inaktiver User
AW: Obama aus deutscher Sicht
Was veranlasst dich zu diesem Glauben?
Zitat von Messerwerferin
Die Umfragen stützen deine Behauptung jedenfalls nicht.
Erst ist McCain deiner Meinung nach genau der Kandidat, der die US-amerikanische Seele anspricht (was Obama - entgegen seiner bisherigen Erfolge - angeblich nicht kann), dann wieder ist McCain angeblich nur eine Lachnummer, gegen die Obama mit links konkurrieren können müsste.Wenn ich sehe, wie Obama jetzt schon gegen diese Lachnummer McCain strauchelt, dann ruft das in mir nicht gerade den Eindruck hervor, als hätte Obama das nötige Format, in echten Krisensituationen die Oberhand zu behalten.
Du weißt auch nicht, was du willst.


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