Obama spricht den Mittelstand an, wenn er sich gegen Steuergeschenke für Superreiche wendet. Und in der Tat ist Bushs Steuerkonzept kläglich gescheitert. Seine Steuergeschenke an Multimillionäre haben die Staatskasse belastet, aber die Wirtschaft nicht voran gebracht. Hingegen würde ein Steuerkonzept, das den Mittelstand entlastet, die Konjunktur fördern.Zitat von Inaktiver User
Es ist außerdem falsch pauschal davon zu sprechen Obama wolle die Steuern erhöhen. Er will sie für Superreiche erhöhen und anscheinend ein paar Schieflagen korrigieren, die dazu geführt haben, dass in den letzten Jahren die Schere zwischen Reich und Arm immer weiter auseinander ging.
Das ist kein Spagat; das ist einfach ein anderer Politikansatz.
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Thema: Obama aus deutscher Sicht
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04.08.2008, 10:07Inaktiver User
AW: Obama aus deutscher Sicht
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04.08.2008, 10:26
AW: Obama aus deutscher Sicht
Guten Morgen Blautanne. Irgendwie war mir schon beim Tippen klar, dass Du Einwände haben würdest
Zitat von Inaktiver User
Die Umfragewerte liegen bei Gallup heute bei 44% für McCain und 45% für Obama.
Würde Obama einen wirklich cleveren und vor allem überzeugenden und mitreißenden Wahlkampf betreiben, sollte sein Ergebnis nun mindestens bei 50% liegen, eher noch höher. Aber Obama scheint es m.E. nicht zu gelingen, sich deutlich gegen McCain abzugrenzen, obwohl sich McCain unentwegt selbst disqualifiziert. Obamas Erfolge, McCain souverän gegen die Wand fahren zu lassen, indem er einfach überzeugender argumentiert als McCain, sind eher bescheiden. Das finde ich bedauerlich, vor allem aber finde ich es peinlich für Obama.
Obama gelingt es nicht, sein eigenes Wahlprogramm so zu verkaufen, dass für die Masse der Wähler praktisch nur noch er selbst als Kandidat in Frage kommt.
Und das macht auf mich einen nicht gerade fähigen Eindruck.
Obama müsste den Wählern etwas mehr von dem geben, womit sich McCain die ganze Zeit beim Wähler einschleimt. Wenn das US-Wahlvolk denn offensichtlich so unbedingt etwas von Geld, Macht und Sicherheit für Amerika hören möchte, sollte Obama ihnen diesbezüglich auch etwas davon in den Rachen werfen. Ein paar rührselige Geschichten über die Flagge zum Beispiel würden sich bei Obama gut machen. Aber er macht es nicht! Warum?
Obama und seine Berater schaffen nicht, was jeder Verkäufer in Amerika ihnen beibringen könnte: Marketing. Das hat ja sogar Bush geschafft - der hat seinen Wählern das vorgesetzt, was sie hören wollten, und sei es noch so bescheuert. Bush hat sich während seines Wahlkampfs nicht mal entblödet zu erzählen, dass er oft betet. Aber sowas kommt gut an, weil die Wähler so einen Scheiß gerne hören.
Unabhängig davon, dass mir Obama als beunruhigende Black Box erscheint, von der ich nicht weiß, was nach der Wahl aus der Schachtel springt, macht Obama auch noch taktische Fehler im Wahlkampf. Das macht auf mich keinen besonders kompetenten Eindruck.
Blautanne, wenn Du wirklich wissen willst, was ich mir wünsche: Einen in jeder Hinsicht überzeugenden Obama. Einen Obama, der weiß, wie man Politik macht, der mit Feingefühl sowohl die amerikanischen als auch die Interessen anderer Nationen berücksichtigt und entsprechend handelt. Einen Obama, der stark und mutig ist und taktieren kann, wenn es politisch notwendig ist.
Aber mich überzeugt er nicht, und es macht mich wahnsinnig, dass er diesem irren McCain mit seiner Stümperei so großzügig das Feld überlässt.
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04.08.2008, 10:58Inaktiver User
AW: Obama aus deutscher Sicht
Echt? Du schreibst zwar viele Worte, aber leider antwortest du auf meinen Einwand nicht.
Zitat von Messerwerferin
Also liegen sie etwa gleichauf. Genau was ich sagte.Die Umfragewerte liegen bei Gallup heute bei 44% für McCain und 45% für Obama.
Ich finde es nicht peinlich, dass ein farbiger Kandidat sich - noch dazu in Zeiten wie diesen - gegen den selbsternannten Superpatrioten McCain behauptet, von dem du selber sagst, dass er die amerikanische Seele anspricht.Aber Obama scheint es m.E. nicht zu gelingen, sich deutlich gegen McCain abzugrenzen, obwohl sich McCain unentwegt selbst disqualifiziert. Obamas Erfolge, McCain souverän gegen die Wand fahren zu lassen, indem er einfach überzeugender argumentiert als McCain, sind eher bescheiden. Das finde ich bedauerlich, vor allem aber finde ich es peinlich für Obama.
Bis jetzt hält Obama sich sehr gut. So gut, dass McCain zusehens sauer wird und sich auf persönliche Diffamierungen verlegt.
Unsere Auffassungen bezüglich Demokratie gehen anscheinend weit auseinander.Obama gelingt es nicht, sein eigenes Wahlprogramm so zu verkaufen, dass für die Masse der Wähler praktisch nur noch er selbst als Kandidat in Frage kommt.
Ganz genau. Damit seine wirklichen Wähler oder auch Leute wie du sagen können, dass er sich von McCain gar nicht mehr unterscheidet.Obama müsste den Wählern etwas mehr von dem geben, womit sich McCain die ganze Zeit beim Wähler einschleimt. Wenn das US-Wahlvolk denn offensichtlich so unbedingt etwas von Geld, Macht und Sicherheit für Amerika hören möchte, sollte Obama ihnen diesbezüglich auch etwas davon in den Rachen werfen.
Das sieht Marc Pitzke, der SPIEGEL-Korrespondent in New York, aber sehr anders:Obama und seine Berater schaffen nicht, was jeder Verkäufer in Amerika ihnen beibringen könnte: Marketing.
In der Tat wirken McCains Wahlkampf-Auftritte wie Bauerntheater im Vergleich zu den Obama-Shows. Fototermine mit Altpräsident George Bush, mit weißhaarigen Ladys im Supermarkt, vor einem deutschen Wurstlokal: kein Wunder, dass die Reporter darüber stöhnen - und die Wähler umschalten. "Ehrlich gesagt", sagte selbst McCains Parteifreund Mike Huckabee, "ich finde, er sieht immer mehr aus wie Bob Dole in den letzten Zügen des Wahlkampfes '96." Man erinnert sich: steifer Anzug, dumme Witze, ein Sturz vom Podium.
Daran hat McCain selbst Schuld. Denn auch mit Worten macht er die Bilder nicht wett. Unfähig, vom Teleprompter abzulesen, stolpert er durch seine Reden, patzt: Er erfand eine "Irak-Pakistan-Grenze", sprach von der "Tschechoslowakei", verwechselte Sunniten mit Schiiten, bekam die jüngere Geschichte des Iraks nicht ordentlich auf die Reihe.
...
"Wenn Obama nur eine dieser Dümmlichkeiten von sich gegeben hätte, hätten sich die Medien und die McCain-Kampagne sofort auf ihn gestürzt wie rote Ameisen auf einen waidwunden Hundewelpen."
@ Messerwerferin
Du widersprichst dich unaufhörlich. Deine Argumente leuchten mir nicht ein. Auf diese Weise kommen wir zwei auf keinen grünen Zweig. Deshalb: lassen wir es.
.Geändert von Inaktiver User (04.08.2008 um 11:13 Uhr)
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04.08.2008, 11:43
AW: Obama aus deutscher Sicht
Bemerkenswert, wenn Du mir jetzt auch noch Rassismus unterstellst.
Deshalb werde ich jetzt mal ganz deutlich, selbst auf die Gefahr hin, dass Du vor Lachen vom Stuhl fällst.
Ich würde mir einen amerikanischen Präsidenten vom Format eines Muhammad Ali wünschen. Ja, richtig gelesen, ich meine tatsächlich den ehemaligen Boxer.
Ich würde mir einen amerikanischen Präsidenten wünschen, der eine Weltsicht lebt und anstrebt, in der alle gleich sind - ungeachtet der Hautfarbe, der Religion, des Geschlechts, der finanziellen Lage oder der politischen Auffassung.
Ich würde mir einen amerikanischen Präsidenten wünschen, dem es gelingt, mit seiner menschenfreundlichen Weltsicht eine sachbezogene Politik zu machen, die allen nützt, egal, wo.
Ich wünsche mir einen amerikanischen Präsidenten , dem die Durchsetzung seiner menschenfreundlichen Ziele sein Hauptanliegen ist und nicht die Macht um der Macht willen.
Ich wünsche mir einen amerikanischen Präsidenten, der aufgrund dieser Weltsicht vollkommen ohne Einsatz bescheuerter Wahlkampftaktik die Massen zu mobilisieren imstande ist. So ein Kandidat ruft automatisch Begeisterung hervor, weil seine Inhalte stimmen.
Ich wünsche mir einen amerikanischen Präsidenten, der auch das Format hat, sich mit fragwürdigen Politikern respektvoll auseinanderzusetzen, um eine Politik zu machen, die allen Völkern nützt.
Ich wünsche mir einen amerikanischen Präsidenten, der selbstsicher in sich ruht, weil er weiß, dass seine Ziele gut sind und entsprechend handelt.
Ich wünsche mir einen amerikanischen Präsidenten, der aufgrund dieser Selbstsicherheit einen natürlichen Stolz und eine Würde ausstrahlt, die überzeugt.
Ich wünsche mir einen Präsidenten, der in der Lage ist, zu seinen Denkfehlern zu stehen, wenn er sie gemacht hat, dann umzudrehen und sich nicht von Leuten beirren lässt, die ihm dann Inkonsequenz vorwerfen.
Das würde ich mir wünschen, und mir ist scheißegal, welche Hautfarbe, welches Geschlecht oder welche Vergangenheit ein derartiger Kandidat hat.
Muhammad Ali hat seine Karriere geopfert, weil er zu seinen Überzeugungen stand und hat sich nicht kleinkriegen lassen. Er hat sich in der Bürgerrechtsbewegung einen Namen gemacht, weil es ihm gelungen ist, die Leute zu mobilisieren, ohne sie aggressiv zu stimmen. Als er erkannt hat, dass seine Haltung ins Rassistische abzugleiten drohte, hat er seine Haltung korrigiert. Ali hat sich durch nichts, aber auch gar nichts beirren lassen, und Bemerkungen über seine Herkunft, Hautfarbe oder seinen Lebensweg ist er mit Stolz und Würde begegnet, ohne aber Stolz und Würde der anderen einzuschränken. Obwohl "nur" ehemaliger Boxer, und kein Politiker, hat er sich bei Verhandlungen zur Freilassung von Geiseln im Libanon engagiert. Er hat es fertiggebracht, sogar Saddam Hussein zur Freilassung 15 „menschlicher Schutzschilde“ zu bewegen. Ali lässt sich nicht mal durch sein Alter und seine Parkinson-Erkrankung in seinem Tun einschränken.
Blautanne, ich weiß nicht, was DU willst.
Aber ich wünsche mir genau so einen Menschen als amerikanischen Präsidenten.
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05.08.2008, 10:23
AW: Obama aus deutscher Sicht
Blautanne, ich finde es wirklich sehr interessant, dass Du durchaus in der Lage bist, Ingrid Betancourt für bewundernswerter als Carla Bruni zu halten, Dich ein Vergleich von Barack Obama mit Muhammad Ali hingegen sprachlos zu machen scheint.
Wenn Du ein singendes Model, das zur Präsidentengattin geworden ist, mit einer nach jahrelanger Entführung freigelassenen Präsidentschaftkandidatin vergleichst, kann es an meinem Vergleich wohl nicht liegen
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05.08.2008, 13:10
AW: Obama aus deutscher Sicht
Treffender Kommentar in der WELT:
"„Mit seinen Reden, seiner Show zielt er doch gerade auf naive Jugendliche, die gar nicht hinterfragen, was er verspricht“ exakt so ist es mit Obama. oder so: „Mit seinen Reden, seiner Show zielt er doch gerade auf naive Deutsche, die gar nicht hinterfragen, was er verspricht“
http://www.welt.de/politik/arti22739...html?play=true"Ich würde auch gerne eine Rede in Deutschland halten. Aber ich würde das viel lieber als Präsident der Vereinigten Staaten tun als nur als Präsidentschaftskandidat.“
(John McCain )
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05.08.2008, 13:49
AW: Obama aus deutscher Sicht
Danke für den Link, sehr interessant
Der Artikel spiegelt sehr deutlich wieder, wo die amerikanischen Ängste liegen. Es wäre schön, wenn sich auch Herr Obama etwas mehr mit diesen Ängsten beschäftigen würde und in dieser Frage nicht McCain allein das Feld überlässt.
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05.08.2008, 14:08Inaktiver User
AW: Obama aus deutscher Sicht
Treffend?
Zitat von Nolita
Gerade diejenigen Deutschen, die beim Irakkrieg von George W. Bush nicht mitgezogen sind und sich nicht vereinnahmen und belügen haben lassen, die sind für Obama, während McCain noch am ehesten unter denjenen seine Fans findet, die seinerzeit über das 'Sakrileg' der USA-Kritik geschockt waren ("antiamerikanisch").
Ganz abgesehen davon, dass weder der Feuilletonchef der ZEIT noch ich naive Teenager sind.
.Geändert von Inaktiver User (05.08.2008 um 14:38 Uhr)
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05.08.2008, 14:54Inaktiver User
AW: Obama aus deutscher Sicht
...und erwartet die Bundesrepublik mit an der Front und nicht passiv. Man muss in seiner Rede die Feinheiten zwischen den Zeilen raushören.Wie ich der Presse entnehmen konnte, hat Obama zum "Kampf gegen den Terrorismus" aufgefordert.
Ich halte überhaupt nichts von solch einer Euphorie. Abgerechnet wird immer hinterher.
Nicht das mir Obama unsympatisch ist, aber so eine Europareise zwecks Selbstdarstellung finde ich total daneben, von den Kosten mal ganz zu schweigen. Ich glaube es war auch nicht im Sinne aller Amerikaner.
Ich denke auch die Meisten der Schaulustigen erwarteten einen 2. J.F. KennedyGeändert von Inaktiver User (07.08.2008 um 16:57 Uhr)
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05.08.2008, 16:15Inaktiver User
AW: Obama aus deutscher Sicht
Das erwarten beide Kandidaten.
Zitat von Inaktiver User
Mit ein paar kleinen, aber feinen Unterschieden:
McCain ist ein Militarist, der sich bedenkenlos alle zum Feind macht: er war und ist unbeirrt für den Irakkrieg; er lehnt Verhandlungen mit Syrien und Iran ab; er legt sich mit den Russen und den Chinesen an und er beleidigt in guter Bush'scher Tradition auch noch einen wichtigen Verbündeten, nämlich die Deutschen.
Obama hingegen zieht politische Lösungen einer militärischen Lösung grundsätzlich vor. Er war von Anfang an gegen den Irakkrieg und wünscht einen schnellen Abzug. Er sieht (zu Recht) in Afghanistan, und nicht im Irak, einen Hort des Terrorismus. Er will mit allen Akteuren des Nahen und Mittleren Ostens verhandeln, auch mit Syrien und Iran.
Ja, er schließt militärische Optionen auch nicht aus, und er erwartet mehr "Engagement" von den Verbündeten. Aber erstens würde er ohne solche Statements nicht die geringste Chance haben in USA Wahlen zu gewinnen, und zweitens erwartet auch McCain mehr militärisches Engagement von den Verbündeten.
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