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  1. Inaktiver User

    Immigranten in der DDR? - Persönliche Erfahrungen?

    Im Einbürgerungstest für Deutschland, der vorn auf der Website der Brigitte steht, war eine Frage, aus welchen Ländern hauptsächlich in die DDR Immigranten kamen.

    Ich könnte jetzt eifrig recherchieren, frage jetzt hier nach persönlichen Erfahrungen und Erinnerungen.

    Meine Erinnerungen - so wie ich sie nach all der Zeit habe und sie müssen nicht stimmen:

    Ich habe eine deutsch-russische Familie gekannt, die in unserem Haus in Dresden wohnte und, wenn ich mich recht erinnere, Anfang der 80er Jahre in die DDR gekommen war um dann zu versuchen weiter in die Bundesrepublik zu kommen. Mehrere Jahre haben wir im selben Haus gewohnt, dann bin ich weggezogen.

    Es war eine ca. 60jährige Mutter mit zwei jungerwachsenen Töchtern. Die Mutter sprach ganz gut deutsch. Die beiden Töchter, kaum, als sie einzogen. Sie kochten russisch - durch sie habe ich Pelmeni kennengelernt und andere leckere Gerichte.

    Also diese Familie, die übrigens sehr nett war, würde ich als Immigranten bezeichnen.



    Meines Wissens nach kamen Vietnamesen (junge Männer und Frauen) aus Nordvietnam in die DDR um hier ausgebildet zu werden. Dann mussten sie wieder zurück. Wurde eine der vietnamesichen Frauen schwanger, musste sie einen Schwangerschaftsabbruch vornehmen lassen oder wieder zurück nach Vietnam. Was wohl ein Skandal gewesen wäre, wäre das Kind sichtbar halbeuropäischer Abstammung gewesen.

    Wenn ich mich recht erinnere, gab sich die DDR viel Mühe sich freundlich um die Gäste zu kümmern, aber Bürgerrechte hatten sie wohl keine. Es wurde erzählt die vietnamesichen Frauen könnten sehr geschickt Jeans (aus DDR-Jeansstoff) nähen und würden sich damit Taschengeld verdienen.

    Dass bei uns Kinder aus Mocambique in einer Art Lager im Norden der DDR mit dem Anspruch zukünftige Elite ind Mocambique zu sein erzogen wurden, habe ich erst später hier in der Bundesrepublik gelesen.

    Ich weiß, dass wir (meines Wissens nach nur junge männliche) Gastarbeiter aus Kuba und Ungarn hatten, zumindest als ich zwischen 16 und 20 war. Jetzt bin ich 50. Das waren junge Männder und sie fielen halt auf den Diskos auf. In meinem Dresdner Vorort war ein Wohnheim in einem der großen Werke, wo sie auch arbeiteten, für sie. Sie waren wohl einige Jahre hier und mussten wieder zurück.


    Ich habe nie gehört, dass Polen bei uns immigriert wären.


    Mein Schwager hat in den 80er Jahren eine Weile in Prag studiert, eine meiner Kommilitoninnen studierte eine Weile in Moskau oder Leningrad. Sie kam aus politisch privilegierten Verhältnissen, er war aufgrund absoluter Hochbegabung schon als Jugendlicher in einer Art Eliteschule und ist auch heute in der Forschung. Einer meiner Kommilitonen hat während unseres Studiums vor 25 bis 30 Jahren ein Jahr in Wien studiert. Er kam aus einer altkommunistischen Familie und war sehr in der SED engagiert. Nach dem Jahr in Wien nicht mehr. Irgendwas ist dort in ihm zerbrochen. Er hatte sich auch dort unglücklich verliebt und kam zurück nicht mehr in den DDR-Verhältnissen zurecht. Er war übrigens auch sehr nett.

    Ich habe immer wieder (völlig nebenbei, aus mir heute unverständlichen Gründen interessierte es mich nicht) gehört oder glaube gehört zu haben, dass Ehen zwischen Partnern aus den sozialistischen Bruderländern unerwünscht waren oder kaum zugelassen wurden.

    Als ich vor 30 Jahren im einjährigen Volontariat vor dem Studium gearbeitet habe, hatte ich kurz eine Kollegin, die geborene Bürgerin der Sowjetunion war, speziell Russin, in die DDR geheiratet hatte, da mehrere Jahre verheiratet war und uns erzählte, dass sie gerade in Scheidung läge und danach unbedingt wieder in die Sowjetunion zurückmusste, obwohl sie nicht wollte.

    Vor ebenfalls ca. 25 bis 30 Jahren habe ich mich auf einem Uniball mit einem Studenten aus Algerien geküsst und da studierte. Also muss es wohl Studenten aus Algerien in der DDR gegeben haben.

    Das sind jetzt völlig persönliche Erinnerungen von mir - ohne Anspruch auf Richtigkeit.
    Geändert von Inaktiver User (11.07.2008 um 19:34 Uhr)

  2. Avatar von BlauesWunder
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    AW: Immigranten in der DDR? - Persönliche Erfahrungen?

    Hm, bei uns in der Schuhfabrik arbeiteten und/oder machten eine Ausbildung Kubaner , Angolaner und Nordvietnamesen. Allerdings nicht alle in der selben Zeit, aber wie sehr versetzt, das bekomme ich nicht mehr hin.
    Ich denke, daß nach den Vietnamesen gefragt wurde.

  3. Inaktiver User

    AW: Immigranten in der DDR? - Persönliche Erfahrungen?

    Ich bin mir nicht ganz sicher, was genau du diskutieren möchtest, aber ich kann eine Erinnerung beisteuern (eine der wenigen).
    In meiner Heimatregion gab/gibt es einiges an größeren Werken mit ausgedehnten Produktfertigungen, in denen viele Vietnamesen und Kubaner beschäftigt waren. Sie machten in der Regel die Fliessbandarbeit, die wir nicht machen mochten. Wie wir alle wissen, war die nicht vorhandene Arbeitslosigkeit in der DDR staatlich verordnet und da wir, wie wir auch alle wissen, auch mal gewaltig in den Firmen "rumgesessen" haben, weil nicht immer viel zu tun war, habe ich mich desöfteren gefragt, ob wir die ausländischen Kollegen eigentlich brauchten. Den Gedanken kann jetzt jeder nach Gutdünken zu Ende denken, ob es so war oder nicht.
    Ich habe vor dem Studium ein Jahr in einer physikal. Grundlagenforschungsabteilung rumgegammelt und ich hätte in dieser Zeit bequem "100 Jahre Einsamkeit" auswendig lernen können. Manchmal waren wir so verzweifelt, dass wir uns am liebsten in die Produktion ans Fliessband gestellt hätten. Zu den Kubanern, die waren ohnehin immer gut drauf.

    Ich habe aber ehrlich gesagt nicht die geringste Ahnung, ob diese Arbeiter irgendwann wieder nach Kuba gingen oder auch eine Bleibeoption bestanden hat.

  4. Inaktiver User

    AW: Immigranten in der DDR? - Persönliche Erfahrungen?

    Genau solche Gedanken, wie Ihr beide habt, interessieren mich.

    Könnte sich aber auch als Thema weiterentwickeln. Das wäre mir auch recht.

  5. Avatar von Keela
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    AW: Immigranten in der DDR? - Persönliche Erfahrungen?

    Hallo Herbstblatt und @lle,
    ich selbst komme war zu DDR-Zeiten nie dort. Aber ich habe im Urlaub im Jemen einen Reiseführer gehabt, der sehr gut Deutsch sprach, weil er in Dresden Bauingenieurwesen studiert hatte. Er erzählte von mehreren jemenitischen Studenten dort.
    LG Keela
    Sprache ist die Kleidung der Gedanken

  6. Inaktiver User

    AW: Immigranten in der DDR? - Persönliche Erfahrungen?

    Ich kopier mal die Frage zum Einbürgerungstest hinein:


    In der DDR lebten vor allem Immigranten aus ...

    *Vietnam, Polen, Mosambik.

    *Frankreich, Rumänien, Somalia.

    *Chile, Ungarn, Simbabwe.

    *Nordkorea, Mexiko, Ägypten.



    Meinem Empfinden nach stimmt die Frage einfach nicht, nicht so, wie sie gestellt wurde.

    Ich habe mehr oder weniger instinktiv Vietnam, Polen, Mozambik angekreuzt. Und laut "Testergebnisse" war es richtig.

    Da fällt mir gerade ein, dass ich eine vage Erinnerung habe, dass sich vom Pinochet-Regime verfolgte Chilenen in der DDR aufhielten, glaube es gehört zu haben.
    Geändert von Inaktiver User (12.07.2008 um 10:10 Uhr)

  7. Avatar von BlauesWunder
    Registriert seit
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    AW: Immigranten in der DDR? - Persönliche Erfahrungen?

    Zitat Zitat von Inaktiver User
    Ich kopier mal die Frage zum Einbürgerungstest hinein:


    In der DDR lebten vor allem Immigranten aus ...

    *Vietnam, Polen, Mosambik.

    *Frankreich, Rumänien, Somalia.

    *Chile, Ungarn, Simbabwe.

    *Nordkorea, Mexiko, Ägypten.



    Meinem Empfinden nach stimmt die Frage einfach nicht, nicht so, wie sie gestellt wurde.

    Ich habe mehr oder weniger instinktiv Vietnam, Polen, Mozambik angekreuzt. Und laut "Testergebnisse" war es richtig.

    Da fällt mir gerade ein, dass ich eine vage Erinnerung habe, dass sich vom Pinochet-Regime verfolgte Chilenen in der DDR aufhielten, glaube es gehört zu haben.
    Ich kann Dein Empfinden nachvollziehen, an Polen hätte ich nun gar nicht gedacht. Liegt aber vielleicht auch daran, daß ich an der polnischen Grenze lebte und Polen da nicht hingezogen sind.
    Außerdem war doch die Grenze zu Polen doch irgendwann in den 70gern (1976 ?, ich bin schlecht in Geschichte) geschlossen worden.

    Das mit den Chilenen stimmt auch, aber das waren nur wenige Menschen.

  8. Inaktiver User

    AW: Immigranten in der DDR? - Persönliche Erfahrungen?

    Ja, das stimmt wegen der solidarnosc-Sache - oh ich rudere gerade ganz vage - war die Grenze nach Polen in ungefähr dieser Zeit (?) ziemlich dicht.
    Wer fahren wollte, brauchte eine spezielle Erlaubnis.

    Eigene Erfahrung dazu: Ich war im Frühsommer 1987 - das weiß ich genau, weil ich schwanger war und die Fotos zeigen mich mit Bauch - für 14 Tagen in Polen, zwecks Kultur. Also genaugenommen, wollten der zukünftige Vater meines Kindes und ich eine Kulturreise machen, es war kein spezieller oder offizieller Anlass.

    Von der Polizei (Abschnittsbevollmächtigter meiner Wohngegend) habe ich keine Fahrgenehmigung bekommen. Dann bin ich zum Verband Bildender Künstler, wo ich Mitglied war, gegangen und habe dort eine schriftliche Genehmigung bekommen. Denen hatte ich natürlich nicht gesagt, dass es mir gerade polizeilich untersagt worden war (heh, heh ).

    Wie mein Kindsvater damals zu seiner Genehmigung (musste an der Grenze neben Personalabteilung vorgezeigt werden) ist, weiß ich nicht mehr.

  9. Inaktiver User

    AW: Immigranten in der DDR? - Persönliche Erfahrungen?

    Hallo herbstblatt2,
    ich erinnere mich an Vietnamesen, Angolaner, Cubaner, Mosambikaner,Aserbaidshaner und Russen (Soldaten mit Familien, zählen die auch?). Viele haben nur kurzzeitig in der DDR gelebt (zwecks Ausbildung/Arbeit/Stationierung) und sind dann (mussten??) in ihre Heimatländer zurück.

    Das Ehen zwischen Partnern aus anderen soz. Ländern nicht erwünscht oder zugelassen waren, kenne ich so nicht. Wir haben in der Familie und im Bekanntenkreis einige mit einem Auslandsstudium und da war es dann schon häufiger, dass Partner aus den Studienländern "mitgebracht" wurden. Soweit ich es weiß, unproblematisch. Aber manches hat man vergessen(verdrängt?), nie hinterfragt...

    anjou

  10. Inaktiver User

    AW: Immigranten in der DDR? - Persönliche Erfahrungen?

    Algerier waren auch mal in „Mode“ gewesen aber Polen…….. ich denke eher nicht. Was sollten die bei uns wollen? Na ja, da weis man ja gleich wieder wesen Geistes Kind die Frage gewesen ist.
    Hintergrund war, dass die für genannten Länder Fachkräfte im Bereich Maschinenbau, Bauwirtschaft und Kraftwerksbau (Kohle) ausgebildet wurden und es auch nicht gerade hilfreich gewesen ist, wenn diese Ausgebildeten dann in der DDR verblieben.
    Die Ausbildung hat auch Geld gekostet und man mag über Freiheit denken was man möchte aber letztlich waren es Privilegierte die im Ausland auf Kosten ihrer Heimatländer studieren durften.
    V.G.

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