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  1. Inaktiver User

    Beitrag Der deutsche Papst...

    Ich hab eine ganze Weile überlegt wo ich das hier posten soll, Forum Religion, wäre eigentlich dafür zuständig oder aber auch das Fassungslosforum.
    Politik und Tagesgeschehen wird es nun, weil ich finde das der deutsche Papst auch Politik damit betreibt, vielleicht nicht mit Absicht, aber die Neuauflage der Karfreitagsfürbitte halte, nicht nur, ich für mehr als grenzwertig.

    Quelle

    Er ist wieder auf Kreuzzug

    Papst Benedikt XVI lässt eine alte Karfreitagsfürbitte zu, die zur Bekehrung der Juden auffordert. Warum nimmt er ein politisches Desaster in Kauf? VON PHILIPP GESSLER

    Papst Benedikt XVI. lässt immer weiter die Hosen runter - und ist jetzt ordentlich über sie gestolpert: Nachdem das Oberhaupt von 1,1 Milliarden Katholiken im Sommer 2007 die strengen Beschränkungen für die alte lateinische, die sogenannte tridentinische Messe gelockert, ja sie de facto wieder zugelassen hatte, ist er nun in einem Nachfolgeschritt heftig auf die Schnauze gefallen. Jüdische Verbände und Persönlichkeiten in aller Welt protestieren gegen eine Karfreitagsfürbitte, die der Papst jüngst erlassen hat. Die anstehende Reise des deutschen Papstes in die USA, wo mehr Juden leben als in Israel, ist schon jetzt stark belastet. Joseph Ratzinger hat ein theologisches, interreligiöses und politisches Desaster angerichtet. Und am Freitag wird es offenbar werden.

    Um zu verstehen, was passiert ist, muss man etwas ausholen: Seit dem gegenreformatorischen Konzil von Trient (deshalb: tridentinisch) waren alle Gläubigen der katholische Kirchen ab 1570 dazu verpflichtet, für die "perfidis judaeis", die "perfiden" oder "treulosen Juden" zu beten, die in "Finsternis" und "Verblendung" lebten. Dieses Gebet, die berüchtigte Karfreitagsfürbitte, gilt Antisemitismusforschern als ein Kernstück des christlichen Antijudaismus, der eine Quelle des neuzeitlichen Judenhasses war. Denn diese immer am Karfreitag vorgeschriebene Fürbitte beschrieb die Juden und ihre Religion als defizitär und forderte ihre Bekehrung zum Christentum.
    So blieb es Jahrhunderte lang. Erst nach Krieg und Holocaust strich der Reformpapst Johannes XXIII. schon vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-65) im Jahr 1959 den Ausdruck "treulos". Das Konzil selbst reformierte die Messen, die nun nicht mehr in Latein stattfinden sollten, sondern in den jeweiligen Landessprachen der Weltkirche. Die katholische Kirche verabschiedete sich offiziell von ihrer uralten Judenfeindschaft.
    Auch die Karfreitagsfürbitte wurde reformiert.
    Seit 1970 ist von "Finsternis" oder "Verblendung" nicht mehr die Rede. Im Gegenteil wird betont, dass Juden schon viel länger als die Christen das auserwählte Volk sind: "Er bewahre sie in der Treue zu seinem Bund und in der Liebe zu seinem Namen", heißt es im "Missale Romanum", im Messbuch des Jahres 1970. Die Feier der lateinischen, der tridentinischen Messe mit den für Juden empörenden Wörtern "Finsternis" und "Verblendung" war seitdem de facto verboten - und nur noch mit einer ausdrücklichen Ausnahmegenehmigung ("Indult") des jeweiligen Bischofs erlaubt. So weit, so gut.

    Doch dann kam der jetzige Papst Benedikt XVI. Ihm geht es schon seit langem darum, die reaktionärste Gruppe von Katholiken wieder einzufangen: die Lefebvre-Anhänger, die die Messreform des Konzils, ja das ganze Konzil ablehnen und deshalb aus der katholischen Weltkirche ausgeschlossen wurden. Um sie wieder zu integrieren, erließ der Papst im vergangenen Sommer die Weisung "Summorum Pontificum", die die alte tridentinische Messe wieder zuließ. Das Schreiben hatte die Form eines Motu Proprio, das heißt einer Schrift, die ein persönliches Anliegen des Papstes ausdrückt.

    Ordentlich und außerordentlich

    Es gab bei der Wiederzulassung zwei Einschränkungen: Zum einen war es die lateinische Messe mit der Neuerung von Johannes XXIII., also ohne das Wort "treulos" in Bezug auf die Juden. Zum anderen bestimmte der Papst, dass die "ordentliche" Form der Messe die landessprachliche, moderne sein sollte - und die tridentinische Messe nur "außerordentlich" gefeiert werden sollte, etwa, wenn dies eine Gruppe von Gläubigen ausdrücklich wünscht. Und der Papst erließ, noch im Sommer 2007, eine - wenn auch sehr schwammig gehaltene - Zusatzverordnung, wonach die "außerordentliche" Messe nicht an den Ostertagen und am Karfreitag gebetet werden sollte. Die Logik: Ohne alte Karfreitagsmesse keine Karfreitagsfürbitte.

    Doch vor wenigen Wochen, Anfang Februar, verfügte der Papst plötzlich eine neue Fassung der Karfreitagsfürbitte. Das ist unlogisch, denn eigentlich sollte es alte Messen an diesem Tag ja gar nicht geben. Offenbar aber wurden die Ausführungsbestimmungen für die lateinische Messe bewusst so dehnbar gehalten, dass nun ihre Fans sehr wohl den alten Ritus auch am Karfreitag nutzen können.
    Dieses Einknicken des Vatikan war zu befürchten, denn natürlich wollten die Anhänger der alten Messe auch am wichtigen Fest Karfreitag einen Gottesdienst feiern. Und so erließ der Pontifex Maximus in Rom eine lateinische Karfreitagsfürbitte, die alles noch viel schlimmer machte. Die neue Fassung der Karfreitagsfürbitte von Papst Benedikt XVI. lautet in deutscher Übersetzung: "Wir wollen beten für die Juden. Dass unser Gott und Herr ihre Herzen erleuchte, damit sie Jesus Christus erkennen, den Heiland aller Menschen." In diesem Duktus geht es noch ein paar Sätze weiter. Was anderes ist dies als eine Aufforderung zur Bekehrung der Juden, ja zur Judenmission?

    Bewusste Entscheidung

    Der Papst bestimmte zwar zugleich, dass diese neue Form der Karfreitagsmesse samt der "Judenfürbitte" nur für Orden und ordensähnliche Gemeinschaften erlaubt sei - und auch nur "in ihren eigenen Kapellen". Das aber beruhigte die Kritiker überhaupt nicht. Denn klar ist, dass der Papst zugunsten einer Besänftigung reaktionärer Katholiken die Empörung jüdischer Gruppen bewusst in Kauf nahm. Schließlich hätte der Papst auch problemlos die harmlose, moderne Karfreitagsfürbitte aus dem Jahr 1970 in lateinischer Übersetzung für die tridentinische Messe festlegen können. Oder er hätte einfach klar bestimmen können: Am Karfreitag wird niemals die alte Messe gefeiert.
    Aber so tickt Ratzinger nicht. Er will schon länger die Lefebvre-Anhänger wieder in die Weltkirche integrieren - auf Teufel komm raus. Die deutsche Bischofskonferenz ist praktisch sprachlos. Aus der Deckung wagt sich der "Gesprächskreis ,Juden und Christen' beim Zentralkomitee der deutschen Katholiken" (ZdK). Der Gesprächskreis warnt vor der neuen Fürbitte: "Das Gebet für die Juden hatte seit dem Mittelalter am Karfreitag zu harten Demütigungen und gefährlichen Ausschreitungen gegen die ,perfiden' und ,verblendeten' Juden geführt. Dieses Vokabular traditioneller Judenfeindschaft kommt in der neuen Fürbitte zwar nicht vor, aber die dort formulierte Hoffnung auf die Erleuchtung der Herzen der Juden ? hat alte jüdische Ängste wieder wachgerufen." Der Gesprächskreis zeigt sich "enttäuscht und bestürzt", das neue Gebet "beschädigt das gewachsene Vertrauen zwischen Katholiken und Juden schwer". Die Gläubigen bitten den Papst, seine Entscheidung zu revidieren.
    Doch das Kind ist schon im Brunnen: Die italienische Rabbinervereinigung hat angekündigt, den Dialog mit der katholischen Kirche erst einmal abzubrechen. In Deutschland forderte der Vizepräsident des Zentralrats der Juden, Dieter Graumann, der Papst müsse das Gebet zurücknehmen, und zwar "möglichst schnell, glaubwürdig und total". Als "reaktionär" bezeichnete die Fürbitte der Vorsitzende der Allgemeinen Rabbinerkonferenz in Deutschland, Henry G. Brandt. Aus Protest gegen den päpstlichen Affront haben der Rabbiner Walter Homolka (Potsdam) und der deutsch-jüdische Publizist Micha Brumlik unabhängig voneinander ihre Teilnahme am anstehenden Katholikentag in Osnabrück abgesagt - obwohl der ja vom ZdK organisiert wird, nicht von der Amtskirche. Brumlik fordert: "Die Verweigerung gemeinsamer religiöser Feiern ist das Mindeste, was die Selbstachtung gebietet."

    Und der Papst? Der schweigt zu all dem. Benedikt XVI. schickt lediglich Kurienkardinal Walter Kasper vor, der im Vatikan für den interreligiösen Dialog zuständig ist. Der redete zunächst bezüglich der Fürbitte von Missverständnissen - um dann aber doch klarzustellen: "Der Papst lässt das Gebet. Es ist ja auch aus unserer Sicht theologisch vollkommen in Ordnung. Es ist nur schwierig für die Juden, das zu akzeptieren." So simpel sieht man die Sache in Rom. Und so dumm.

  2. Inaktiver User

    AW: Der deutsche Papst...

    Ich begreife nicht, wie man diese Kirche noch ernst nehmen kann!

  3. Inaktiver User

    AW: Der deutsche Papst...

    Was sich der Papst bei der Änderung gedacht hat, weiss auch nur er alleine.
    Der lateinische Ritus wird kaum angewendet und wenn war man mit den alten Formulierungen zufrieden und die Priesterbruderschaft St. Pius X = Lefebvre-Anhänger wird man auch nicht einsammeln können. Der Zug ist wohl schlicht abgefahren.

  4. Inaktiver User

    AW: Der deutsche Papst...

    Wenn man an die Erlösung durch Jesus Christus glaubt, dann sollte es eine Selbstverständlichkeit sein, dass man auch für die Erlösung von Juden, Moslems und anderen Nichtchristen betet.

    Insofern sehe ich absolut nichts Falsches in dieser Fürbitte.

    Dass andere (u.a. Juden) meinen es nicht nötig zu haben, spielt dabei absolut keine Rolle.

  5. Inaktiver User

    AW: Der deutsche Papst...

    Ich begreife nicht, wie man diese Kirche noch ernst nehmen kann
    ... das sollte man aber mediterranee, auch wenns schwerfällt! Der Vatikan ist eine Art Weltmacht u. jedes gesprochene oder geschriebene Wort ist deshalb auch Politik (m. M.!)

    Dieser Papst war ja bisher nicht durch seine Fortschrittlichkeit u. Toleranz bekannt - die Ökumene gehörte auch nicht zu seinen Lieblingsthemen!

    Ich finde das schlimm was da passiert: mit welchem Recht glaubt diese Institution, ihre ganz eigene Wahrheit anderen Religionen überstülpen zu können bzw. müssen? Kennen wir das nicht auch von einer anderen, sich für die einzig richtig haltende Religion (o. besser Konfession?), dem Islam? Es ist der - angeblich vom Juden Jesus erteilte - Missionsauftrag, der Unfrieden brachte, in der Vergangenheit den vielen indigenen Völkern, indem man ihnen ihre Identität nahm u. ihrer Wurzeln beraubte - heute, indem man Feindschaften weiter anheizt zwischen Juden u. Christen, Moslems usw.

    Deshalb finde ich alles hochpolitisch, was aus diesem "Papst-Staat" Vatikan kommt - es ist nicht weniger pol. zu bewerten, als das was von den Mullahs kommt!

    Im übrigen setze ich nicht Christentum mit Papst u. Katholizismus gleich: es gab ja schließlich Luther u. es gibt eine evangelische Kirche, Orthodoxe Kirchen usw., die sich (mit vollem Recht) auch als Christen definieren!
    Geändert von Inaktiver User (21.03.2008 um 11:06 Uhr)

  6. Inaktiver User

    AW: Der deutsche Papst...

    Wir wollen beten für die Juden. Dass unser Gott und Herr ihre Herzen erleuchte, damit sie Jesus Christus erkennen, den Heiland aller Menschen."
    Persönlich habe ich als Nicht-Christin kein Problem damit - ich stehe da drüber und fühle mich in keinster Weise missioniert, denn ich alleine glaube was ich glaube und weiss, warum ich es glaube (oder nicht glaube).

    Wenn jemand meint, mir mit diesem Gebet Gutes zu tun, dann soll er glücklich und selig werden bis in alle Ewigkeit.

    Wenn jemand der Ansicht ist, meine Seele ist gefährdet weil ich Bluejeans trage und seine Zeit für ein Gebet opfert, ich möge in Zukunft lange schwarze Röcke tragen um mein Seelenheil nicht zu gefährden, dann lasse ich ihm die Freude und trage weiter meine Bluejeans, weil sie zu mir gehören wie mein Nabel.

    Und mein Glaube gehört zu mir wie mein Herz :-) - so ist das.....
    Geändert von Inaktiver User (21.03.2008 um 11:17 Uhr)

  7. User Info Menu

    AW: Der deutsche Papst...

    Zitat Zitat von Inaktiver User
    Es ist der - angeblich vom Juden Jesus erteilte - Missionsauftrag, der Unfrieden brachte,
    Jesus hat das sicher nicht gesagt - "geht nicht zu den Heiden" waren seine Worte.

    Der Missionsauftrag ist eine spätere "Gemeindebildung", mit der man das Faktum der Heidenmission legitimieren wollte (und auch die Dreifaltigkeit ins Spiel brachte).

  8. Inaktiver User

    AW: Der deutsche Papst...

    Jesus hat gesagt "Gehet hin in alle Welt und lehret alle Völker" - und es gibt keinen Grund, warum er gerade die Juden hätte ausnehmen wollen.

    Übrigens verwirrt mich der Titel des Stranges ein wenig: Was hat das Thema damit zu tun, dass der Papst zufällig Deutscher ist? Er hat die entsprechende Fürbitte ganz sicher nicht als Deutscher sondern als Papst vorgebracht.

  9. Inaktiver User

    AW: Der deutsche Papst...

    Zitat Zitat von Inaktiver User
    Wenn man an die Erlösung durch Jesus Christus glaubt, dann sollte es eine Selbstverständlichkeit sein, dass man auch für die Erlösung von Juden, Moslems und anderen Nichtchristen betet.

    Insofern sehe ich absolut nichts Falsches in dieser Fürbitte.

    Dass andere (u.a. Juden) meinen es nicht nötig zu haben, spielt dabei absolut keine Rolle.
    Da ich daran glaube, dass mein Lebensstil und meine Überzeugungen richtig sind, werde ich auch für dich, djgm01, beten, auf dass du armer Wurm von deiner unterentwickelten Stufe zur höheren, d.h. zu meiner Stufe, d.h. zur Erlösung finden mögest. Amen.



  10. Inaktiver User

    AW: Der deutsche Papst...

    Jesus hat das sicher nicht gesagt - "geht nicht zu den Heiden" waren seine Worte.
    Ich schrieb ja auch "angeblich"..... - wobei: was hat er denn wirklich gesagt? Die christliche Kirche stützt sich auf Zeugenaussagen, die vor keinem Gericht irgendeine Bedeutung hätten Zum anderen gibt es noch einige andere "Zeugenaussagen", die ein bisschen unter Verschluss gehalten werden

    Naja, wie auch immer, das muss jeder selbst entscheiden, ob er dieses glaubt oder jenes.

    Aber ich halte es nicht für angemessen, z. B. für Juden zu beten um sie für einen Christengott annehmbar zu machen Erstmal ist das unser aller Gott u.: wer hat ihn "erfunden"? Na die Juden doch, oder? Und wenn ich für jemanden beten würde, dann weil ich denke, der hat das auch nötig, der braucht meine "Fürbitte" - das sagt doch nicht mehr u. nicht weniger, als dass der Papst glaubt, die Juden hätten den schlechteren Teil erwischt, oder?

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