"Obama käme mit den Deutschen am besten zurecht"Nach Bush wird alles besser? Ob McCain, Clinton oder Obama: Jeder wird große Forderungen an die Europäer stellen, sagt Stephen Szabo. Im SPIEGEL-ONLINE-Interview spricht der renommierte Politologe über die künftige US-Außenpolitik - und darüber, wen die Deutschen favorisieren müssten....
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Szabo: Den Europäern muss klar sein, dass eine neue US-Regierung, vor allem eine demokratische, sehr hohe Erwartungen hat.
SPIEGEL ONLINE: Was meinen Sie damit?
Szabo: Vor allem die Demokraten würden all die Dinge tun, die die Europäer schon lange fordern. Sie würden Guantanamo schließen, multilateral zusammenarbeiten, das Völkerrecht achten. Als Antwort auf dieses Entgegenkommen würden sie erwarten, dass die Europäer selbst sich sehr viel stärker engagieren und größere Verantwortung übernehmen. Im Kosovo, aber natürlich vor allem in Afghanistan. Die Afghanistan-Frage beunruhigt mich am meisten.
SPIEGEL ONLINE: In welchen Fragen unterscheiden sich Demokraten und Republikaner am meisten?
Szabo: Die meisten Deutschen wären wahrscheinlich sehr unglücklich über die Haltung des Republikaners John McCain zur Iran-Frage - er ist Bush da sehr ähnlich. Die Demokraten würden eher dem europäischen Ansatz mit mehr Sanktionen folgen und nicht einer militärischen Option.
SPIEGEL ONLINE: Wo wäre das größte Konfliktpotential zwischen Deutschland und den USA?
Szabo: Das sehe ich in der Russland-Frage. ..
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Szabo: Die USA sind nicht, was sie mal waren, sie sind nicht mehr der Hegemon. Und da merkt man auch die Unterschiede zwischen Clinton und Obama. Für viele Clinton-Leute sind die USA, wie Madeleine Albright sagt, immer noch die unentbehrliche Nation. Aber die USA sind viel schwächer nach dem Irak-Krieg. Schauen Sie nur auf unser Haushaltsdefizit. Mit unseren Verbündeten zu arbeiten, wird auch deswegen eine Notwendigkeit sein. Ich sehe, dass Obama so etwas eher tun würde als Clinton.
SPIEGEL ONLINE: Deutschland und die anderen europäischen Staaten sollten also auf den Außenpolitiker Obama hoffen?
Szabo: Obamas Sozialisation hat nach dem Kalten Krieg stattgefunden. Im Wahlkampf gibt es diese Riesendiskussion über Erfahrung. Erfahrung in welcher Welt? Obama ähnelt den Europäern viel mehr, weil er nach dem Kalten Krieg erwachsen geworden ist, und darin vielen jungen europäischen Spitzenpolitikern ähnelt, zum Beispiel dem britischen Außenminister David Miliband. Obama käme deshalb am besten mit Europa und besonders den Deutschen zurecht.
SPIEGEL ONLINE: In welchen Fragen würde diese Haltung konkret etwas ändern?
Szabo: Obama hat klar gesagt, dass er mit jedem reden würde, auch mit Iran und sogar mit Kuba. Er redet auch mit Leuten, die er nicht mag, das ist sehr europäisch. Er versteht am besten, dass die USA nicht einfach nur dominieren können. Dazu kommt: Er ist kein schwarzer Politiker, er überwindet Rassenfragen.
SPIEGEL ONLINE: Aber passiert nicht in der demokratischen Vorwahl im Moment genau das Gegenteil? Entscheiden nicht die Leute doch gerade aufgrund von Rasse, Geschlecht, Schicht und Alter?
Szabo: Das ist ja das Problem. Wenn die Demokraten die Wahl verlieren, dann nur deswegen.
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16.03.2008, 19:22Inaktiver User
AW: US-Präsidentschaftskandidaten aus US- und aus deutscher Sicht
Geändert von Inaktiver User (16.03.2008 um 19:40 Uhr)
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16.03.2008, 19:58Inaktiver User
AW: US-Präsidentschaftskandidaten aus US- und aus deutscher Sicht
Das ist sehr unwahrscheinlich, zumal er offenbar sogar aus der Folter-Erfahrung weniger gelernt hat als man angesichts seiner ersten Reaktionen auf Abu Ghureib hoffen durfte.
Zitat von Inaktiver User
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16.03.2008, 22:58
AW: US-Präsidentschaftskandidaten aus US- und aus deutscher Sicht
Das halte ich für ein Gerücht. Er ist zutiefst fundamental amerikanisch.Obama käme deshalb am besten mit Europa und besonders den Deutschen zurecht.
Die einzige, die irgendwie ahnt, dass es im nächsten Jahrhundert nur mit Europa geht, ist Clinton. Nicht, weil sie das gut findet, sondern weil sie die Notwendigkeit einsieht.
Ausserdem ist sie sehr geschickt und diplomatisch. Sie würde nie eine Chance zur Zusammenarbeit ausschlagen. (egal, was immer sie im Herzen denkt).
Obama ist zu emotional und zusehr in seiner Geschichte des Afroamerkanischen Underdog Aufsteigers verstrickt.
Clinton ist sehr souverän. Und sehr intelilgent.Körperlich Distanz
Sozial zusammen
You'd have to be here
I'm seeing a garden, a place I keep longing to show to you
It's northerly facing and close to an open fjord
The wind that was moving the rhubarb moved through my childhood, too
Calling so slowly from summer's before
Kari Bremnes
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17.03.2008, 11:23Inaktiver User
AW: US-Präsidentschaftskandidaten aus US- und aus deutscher Sicht
Wieso Gerücht? Hast du dir angesehen, wer der Autor des verlinkten Artikels ist? Er ist bestimmt mindestens so gut informiert wie unsereins.
Zitat von Lukulla
Zäh ist sie zweifellos: das hat sie bewiesen.Clinton ist sehr souverän. Und sehr intelilgent.
Über die Intelligenz der beiden Kandidaten lässt sich nicht viel sagen; das wäre reine Spekulation.
In Bezug auf Souveränität nehmen sich die beiden demokratischen Kandidaten m.E. nicht viel. Bei TV-Diskussionen scheint im Gegenteil Obama meistens der Souveränere gewesen zu sein. Und wenn ich mir die Gesten und Blicke der Beiden ansehe, wirkt Clinton seit einigen Wochen ausgesprochen unecht und verkrampft, während Obama geradezu "cool" daher kommt.
Ich sehe bei Clinton keine sachliche Überlegenheit gegenüber Obama. Sie hat ihm lediglich die akzeptiertere Hautfarbe voraus.Geändert von Inaktiver User (17.03.2008 um 11:27 Uhr)
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17.03.2008, 18:50Inaktiver User
AW: US-Präsidentschaftskandidaten aus US- und aus deutscher Sicht
Er ist sicher so gut informiert wie wir (oder besser), schreibt aber trotzdem (genau wie wir) nur seine Meinung.
Zitat von Inaktiver User
Aber wir sollten bei allen Kandidaten davon ausgehen, dass sie als allererstes amerikanische Interessen vertreten und erst lange danach überlegen, ob sie andere Interessen (Deutschland/Europa, ..) in Erwägung ziehen sollten.
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18.03.2008, 10:44
AW: US-Präsidentschaftskandidaten aus US- und aus deutscher Sicht
Gestern gab es eine Doku im WDR über die Präsidenten der USA wie sie mit dem Wort Frieden neue Kriege entfachen. Dabbeljuh ist nicht der erste und einzige. Der US-Bürger fällt immer wieder grauf rein. Dabei sind es die einzelnen Contra-Stimmen, die die Wahrheit erzählen.
Man kann nur abwarten, mit wem der nächste Präsident einen Krieg entfacht. Die Urheber aber ist immer eine geheime US-Bande im Hintergrund. Leider schluckt der US-Bürger alles und fühlt sich stolz dabei. Wir in Europa haben ja auch das Märchen vom September 2001 geglaubt.
Egal wer Präsident wird, er muß sich schon durchsetzen können gegen die Machenschaften, sofern er ein Interesse an der Aufklärung hat. Die Drahtzieher im Hintergrund würden aber den echten Friedenswillen nicht zulassen.Geändert von Yeti (18.03.2008 um 10:51 Uhr)
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18.03.2008, 13:12Inaktiver User
AW: US-Präsidentschaftskandidaten aus US- und aus deutscher Sicht
Wichtiger ist, dass er/sie sich überhaupt durchsetzen will!
Zitat von Yeti
Denn die Mehrzahl der Amerikaner ist nicht gegen Militärmaßnahmen, solange es aussieht, dass Amerika gewinnt und/ oder solange die Verluste überwiegend bei anderen liegen.
Der sprichwörtliche Kampf der USA bis zum letzten Vietnamesen!
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18.03.2008, 14:44Inaktiver User
AW: US-Präsidentschaftskandidaten aus US- und aus deutscher Sicht
Der Autor des verlinkten Artikels ist Experte für deutsch-amerikanische und transatlantische Beziehungen. Er arbeitet als Direktor der Transatlantischen Akademie am German Marshall Fund in Washington.
Zitat von Inaktiver User
Ich bin der Ansicht, dass seine Expertenmeinung ernster zu nehmen ist als irgend eine Laienmeinung.
Es ist keine neue Erkenntnis, dass ein US-amerikanischer Präsident US-amerikanische Interessen vertritt. Aber es ist zu erwarten, dass die Kandidaten unterschiedliche Vorstellungen davon haben, welche Politik den US-Interessen am besten dient.Aber wir sollten bei allen Kandidaten davon ausgehen, dass sie als allererstes amerikanische Interessen vertreten und erst lange danach überlegen, ob sie andere Interessen (Deutschland/Europa, ..) in Erwägung ziehen sollten.
.Geändert von Inaktiver User (18.03.2008 um 15:36 Uhr)
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19.03.2008, 19:05Inaktiver User
AW: US-Präsidentschaftskandidaten aus US- und aus deutscher Sicht
Zitat von Karla48
Zur Zeit ist Obamas Saubermann-Image angekratzt – unter anderem wegen Jeremia Wright (einem seiner besten Freunde, zugleich sein Pastor und spiritueller Mentor), der rassistische Hasspredigten losließ und gegen das weiße Amerika hetzte.
Daraufhin sah sich Obama gezwungen, seinen engen Vertrauten Wright zu verleugnen und als Berater zu verstoßen.
Das ist – zusätzlich zur Rezko-Sache - für seinen Wahlkampf nicht förderlich.
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19.03.2008, 21:14Inaktiver User
AW: US-Präsidentschaftskandidaten aus US- und aus deutscher Sicht
Zitat von Inaktiver User
Deshalb muss man sich doch auch fragen, warum Obama trotzdem seine ganze Familie jahrelang zu dieser Kirche brachte. Stimmt er insgeheim dem Pastor zu? Wie kann man ihn denn so richtig vertrauen?
Ich persoenlich hoffe, dass Mrs. Clinton unsere neue Presidentin wird.


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