Schutz wovor, vor wem?Zitat von Inaktiver User
Etwa vor den Männern? Welchen Männern - den russischen?
Oder Schutz vor der Freiheit? Vor der Fähigkeit, auch in der Dämmerung die Hand vor Augen sehen zu können und die Welt ohne Gitter wahrzunehmen?
Ich sag's ja: Stockholm-Syndrom.
Du sagst, die Russen hätten dafür "gesorgt", dass die Mädchen versteckt wurden. Ei der Daus! Wie das?die russen haben für schulbildung gesorgt, auch richtig. aber sie haben auch dafür gesorgt, dass mädchen versteckt wurden, gerade im ländlichen bereich.
Wurden sie nicht vielmehr von ihren Vätern versteckt, damit sie nicht in die Schule gehen "müssen" und damit sie vor sonstigen teuflischen Dingen, wie Impfungen und medizinischer Versorgung, bewahrt werden können?
Es sind natürlich nicht die Russen, die dafür "gesorgt" haben, dass die Mädchen vor Schule und Ärzten versteckt wurden. Was für eine abwegige Behauptung. Aber freilich mussten sie wegen der Russen versteckt werden. Denn es war unter russischer Herrschaft empörenderweise unmöglich geworden, seine Töchter in aller Öffentlichkeit ihrer elementaren Menschenrechte zu berauben.
Wenn es so wäre, wie du behauptest, dann wäre heute Afghanistan nicht eines der hinterwäldlerischsten und frauenfeindlichsten Länder der Welt.und was das mittelalterliche bergvolk angeht, blautanne, auch das ist so nicht richtig. guck dir mal alte fotos von kabul an - das war vor den russen eine der modernsten islamischen städte, die es gab.
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03.12.2007, 11:16Inaktiver User
AW: Vergewaltigungsopfer wird ausgepeitscht ...
Geändert von Inaktiver User (03.12.2007 um 11:48 Uhr)
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03.12.2007, 11:50Inaktiver User
AW: Vergewaltigungsopfer wird ausgepeitscht ...
@ soona
Wenn das Ablegen der Burka in geschlossenen Räumen Sitte ist, dann wundert es mich, dass ich das "Auspacken" der Burka-Pakete nur auf meinen Lufthansaflügen, nicht aber bei der saudischen Fluggesellschaft gesehen habe ...
Aber vielleicht werden die Regeln in Saudi-Arabien anders gehandhabt als in Afghanistan.
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03.12.2007, 13:21
AW: Vergewaltigungsopfer wird ausgepeitscht ...
FALSCH
Zitat von Inaktiver User
Im August 1919 erkannte Großbritannien seinen ehemaliges Kolonialstaatentstand als souveränen und unabhängigen Staat Afgahnistan an .
Ab 1933 stand Mohammed Sahir Schah dem Königreich Afghanistan vor, das 1964 in eine konstiutionellen Monarchie umgewandelt wurde.
In dieser Zeit setzte sich der König auch für weitereichende Reformen ein:
- Frauen bekamen das Wahlrecht und durften Schulen besuchen,
- die mittelalterliche Infrastruktur des Landes wurde verbessert, Krankenhäuser gebaut und
- das Land öffnete sich nach außen.
1973 wurde Sahir Schah durch einen Militärputsch seines Schwagers und langjährigen Ministerpräsidenten gestürzt und Afghanistan zur Republik ausgerufen.
1978 übernahmen, mit Unterstützung der Sowjetunion, die Kommunisten die Macht. Sie konnten sich aber nur mit sowjetischer Hilfe an der Macht behaupten. Der Einmarsch von Sowjettruppen im Dezember 1979 brachte einen 10-jährigen Bürgerkrieg nach Afghanistan. Zwar konnte die sowjetische Regierung das kommunistische System noch bis 1989 aufrecht erhalten.
Mit der Einnahme Kabuls 1992 durch die Mudschaheddin übernahmen diese dann die Macht. Die verschiedenen Mudschaheddin-Gruppierungen begannen sich aber sofort wieder gegenseitig zu bekämpfen. Es entbrannte ein weiterer Bürgerkrieg, der bis etwa 1995 dauerte. Dann übernahmen die Taliban die Macht.
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Hätten sich also die Russen aus Afghanistan heraus gehalten, wären dem Land wahrscheinlich 40 Jahre Bürgerkrieg erspart geblieben.Geändert von setshu (03.12.2007 um 13:24 Uhr)
Überzeugungen sind gefährlichere Feinde der Wahrheit als Lügen. (Nietzsche)
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03.12.2007, 13:53Inaktiver User
AW: Vergewaltigungsopfer wird ausgepeitscht ...
Was genau ist denn an meiner Aussage falsch?
Zitat von setshu
Auf Wikipedia heißt es:
Laut Wikipedia hat sich dieser Monarch also ziemlich lange Zeit gelassen, um zu modernen Ideen zu finden. Und ihr Ende hatten diese Ideen anscheinend nicht durch die Russen sondern durch einen Militärputsch des königlichen Schwagers.Nach der Ermordung seines Vaters Mohammed Nadir am 8. November 1933 bestieg er mit 19 Jahren den Thron. Die eigentliche Macht übten jedoch, beginnend mit der autoritären Herrschaft von Prinz Mohammed Haschem Khan, seine Onkel als Ministerpräsidenten aus. Erst 1964 kam es mit der Verabschiedung einer neuen Verfassung durch die Loya Dschirga (Große Ratsversammlung) zur Einführung der konstitutionellen Monarchie. In dieser Zeit setzte sich der König auch für weitere Reformen ein: Frauen bekamen das Wahlrecht und durften Schulen besuchen, die mittelalterliche Infrastruktur des Landes wurde verbessert und das Land öffnete sich nach außen. Für viele Afghanen stellt diese Zeit die letzte positive Erinnerung in den letzten Dekaden dar.
Am 17. Juli 1973 wurde Sahir Schah während eines Kuraufenthaltes in Italien durch einen Militärputsch seines Schwagers und langjährigen Ministerpräsidenten Mohammed Daud Khan (1953–1963) gestürzt und dankte am 24. August 1973 ab.
Wie nachhaltig die Veränderungen in einem Land gewesen bzw. geworden wären, die ein lediglich 9 Jahre währendes Intermezzo in einer viele Jahrhunderte dauernden repressiven Frauenunterdrückung bedeuteten, steht doch sehr in Frage.
9 Jahre sind einfach zu kurz, um das Denken der Menschen wirklich nachhaltig zu verändern.
Es ist eher unwahrscheinlich, dass die Afghanen mit der russischen Herrschaft hinter die Errungenschaften dieses zögerlichen Monarchen zurückgefallen sei. Gibt es irgendwelche Belege, dass die Russen die neumodischen Einfälle von Sahir Schah ungeschehen machen wollten? Oder war es nicht im Gegenteil so, dass sie letztlich daran anknüpften? Vielleicht eher als der Herr Schwager, der dem Treiben offenbar nicht länger zusehen wollte ... ?
Die USA haben diesen Bürgerkrieg noch befeuert und haben diverse Mujaheddin-Gruppen und zuletzt ausgerechnet die Taliban militärisch unterstützt.Hätten sich also die Russen aus Afghanistan heraus gehalten, wären dem Land wahrscheinlich 40 Jahre Bürgerkrieg erspart geblieben.
Wo siehst du die Verantwortung der USA für die Situation in Afghanistan?Geändert von Inaktiver User (03.12.2007 um 14:17 Uhr)
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03.12.2007, 14:09
AW: Vergewaltigungsopfer wird ausgepeitscht ...
Es stimmt nicht, dass die Mädchen und Frauen in Afghanistan erst nach dem Einmarsch sowjetischer Truppen ab 1979 zur Schule gehen durften bzw. medizinisch in Krankenhäusern behandelt werden durften.
Zitat von Inaktiver User
Zwischen 1995 und 2001, während der Herrschaft durch die Taliban war dies dann nicht mehr erlaubt.
Wie geschrieben, der Einmarsch der Russen erfolgte 1979, der Militärputsch schon 1973 und bis 1978 war Afghanistan eine Republik.
Wie steht es so schön bei Wikipedia: Für viele Afghanen stellt diese Zeit die letzte positive Erinnerung in den letzten Dekaden dar.
Wie gesagt, hätten die Russen nicht den Ehrgeiz gehabt, aus Afghanistan einen weiteren Versallenstaat zu machen, dann hätte die USA die Mudschaheddin nie unterstützt, aus deren Reihen dann die Taliban 1995 hervorgingen.
Zitat von Inaktiver User
Überzeugungen sind gefährlichere Feinde der Wahrheit als Lügen. (Nietzsche)
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03.12.2007, 14:34Inaktiver User
AW: Vergewaltigungsopfer wird ausgepeitscht ...
Es gab anscheinend genau 9 Jahre in der Geschichte Afghanistans, in denen Mädchen in die Schule gehen durften und medizinische Versorgung erhalten konnten.
Zitat von setshu
(Wobei es zwei Paar Stiefel sind, ob man mit Zustimmung des Vaters in die Schule gehen darf oder ob es eine Schulpflicht jenseits elterlicher Willkür gibt.)
Nach besagten 9 Jahren putschte der königliche Schwager. Und wenn die Afghanen diese 9 Jahre so verherrlichen wie behauptet, dann muss man daraus schließen, dass dieser Putschist die Reformen rückgängig gemacht hat:
Also alles wie gehabt. 9 Jahre vorsichtige Modernisierung weggewischt wie eine Fata morgana.
Die Russen haben letztlich an die Modernität des aus dem Amt geputschten verzagten Monarchen angeknüpft. Ohne die Russen hätte es nach dem Putsch keine Schulpflicht und medizinische Versorgung für Mädchen und Frauen gegeben.
Die USA haben dagegen nicht den Fortschritt unterstützt, sondern die Reaktionäre. Das sollte man nicht vergessen.
Hätten die Amis sich nicht in dieser fernen Weltregion in Dinge eingemischt, von denen sie offenbar keine blasse Ahnung hatten,Wie gesagt, hätten die Russen nicht den Ehrgeiz gehabt, aus Afghanistan einen weiteren Versallenstaat zu machen, dann hätte die USA die Mudschaheddin nie unterstützt, aus deren Reihen dann die Taliban 1995 hervorgingen.
hätten sie dort nicht kalten Krieg bzw. Stellvertreterkrieg gespielt und irgendwelche reaktionäre Mujaheddin-Gruppen unterstützt (die ihnen anschließend verdientermaßen in den Arsch getreten haben),
dann hätte der Bürgerkrieg nicht so lange gedauert und die Taliban hätten wohl nie die Herrschaft in Afghanistan übernommen.
An ihren Früchten sollst du sie erkennen, heißt es in der Bibel.
.Geändert von Inaktiver User (03.12.2007 um 16:02 Uhr)
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03.12.2007, 16:59
AW: Vergewaltigungsopfer wird ausgepeitscht ...
Wie kommst Du drauf?
Zitat von Inaktiver User
Afghanistan wurde 1919 in die Unabhängigkeit entlassen und schon der erste Herrscher, Amamullah, versuchte innenpolitisch durch Modernisierung Anschluss an die europäische Entwicklung zu bekommen. Allerdings zettelten konservative islamische Geistlichkeit einen Aufstand gegen die Reformbemühungen von Amamullah an, der zu seinem Sturz 1929 führte.
Sein Cousin Mohammed Nadir Khan übernahm den Thron ein und führte die Reformen vorsichtig fort. 1931 wurde Afghanistan konstitutionelle Monarchie.
1933 wurde Nadir Khan wird von einem Studenten ermordet und sein Sohn, Mohammed Sahir Schah, übernahm den Thron, den er bis zu einem Putsch 1973 inne hatte.
Afghanistan war von seiner Unabhänigkeit 1919, zum Einmarsch der Russen 1979 ein aufstrebendes, Richtung Westen orientiertes Land. Die Regierungen versuchten den Einfluss konservativer, islamischer Geistlicher so gering wie nur möglich zu halten. Dies gelang bis zum Einmarsch der Russen. Ab da gewannen die Geistlichen immer mehr an Macht.
Wie kommst Du darauf?
Zitat von Inaktiver User
Er wollte an die Macht, er bekam die Macht, die Reformbewegung lief weiter.Überzeugungen sind gefährlichere Feinde der Wahrheit als Lügen. (Nietzsche)
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03.12.2007, 17:19Inaktiver User
AW: Vergewaltigungsopfer wird ausgepeitscht ...
Afghanistan wurde laut Wikipedia nicht 1931, sondern 1964 zur konstitutionellen Monarchie. Siehe mein Zitat in Posting #84.
Zitat von setshu
Erst seit diesem Zeitpunkt, so Wikipedia, setzte sich der Monarch für die oben genannten Reformen ein.
1973 kam der Putsch. Macht nach Adam Riese eine Reformzeit von 9 Jahren.
Zu deinem zweiten "wie kommst du darauf"
Ganz einfach:
Ich habe die Aussage akzeptiert, dass die Afghanen jene Reformzeit des Mohammed Sahir Schah als beste Zeit in ihrer Geschichte betrachten. Daraus habe ich geschlossen, dass die Reformen bereits mit dem Putsch ein Ende fanden. Sonst gäbe es ja keinen Grund, der Zeit von 1964 bis 1973 nachzutrauern ohne die 5-jährige Regentschaft des putschenden Nachfolgers in diese Bewertung einzubeziehen, oder?
Aber wie auch immer man das sehen mag, 5 Jahre hin oder her - eine Tatsache bleibt unabweisbar bestehen:
dass die Russen die Reformkräfte stärkten und Reformen erzwangen, während die USA die Reaktionäre stärkten und bewaffneten.
.Geändert von Inaktiver User (03.12.2007 um 17:40 Uhr)
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03.12.2007, 17:51Inaktiver User
AW: Vergewaltigungsopfer wird ausgepeitscht ...
Nur mal so:
Afghanistan war nie britische Kolonie - die Engländer haben mehrfach (u.a. 1839 - 42 und 1878/9) vergeblich versucht das Land zu unterwerfen und wurden nach jedem Einmarsch wieder rausgeworfen. Und nach dem dritten Afghanistan-Krieg haben sie es 1919 dann endlich geschnallt und die Unabhängigkeit anerkannt.
Und es gab wohl tatsächlich schon 1931 die erste Verfassung, die aber sicher nicht so ganz richtig demokratisch war und nicht zu einer konstitutionellen Monarchie geführt hat.
Man sollte aber nicht vergessen, dass die afghanischen Könige nie als absoluter Herrscher regiert hat sondern immer sehen musste, wie er ein Gleichgewicht zwischen den Stämmen und Gruppierungen zustande brachte (klingt vertraut, nicht wahr?) - und das hat es sicher auch nicht leichter gemacht, westliche Reformen durchzusetzen. Insofern war es unter der sowjetischen Besetzung sicher einfacher Reformen einfach anzuordnen.
Aber Blautanne hat in jedem Fall recht, dass die Amerikaner sich während der sowjetischen Besetzung nicht darum geschert haben, ob die Gruppen, die sie unterstützt haben, demokratisch waren - Hauptsache sie waren gegen die Sowjets.
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03.12.2007, 19:42
AW: Vergewaltigungsopfer wird ausgepeitscht ...
djgma,
dann kannst Du uns bestimmt auch sagen, warum die Sowjetunion so unbedingt Afghanistan befrieden musste.Überzeugungen sind gefährlichere Feinde der Wahrheit als Lügen. (Nietzsche)


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