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  1. Inaktiver User

    Neue Gewerkschaftsstrukturen?

    Der angedrohte Streik der Lokführer illiustriert noch einmal den neuen Trend - direkte Interessenvertretung für Gruppen von Spezialisten, die von den großen Gewerkschaften nicht vertreten werden: Warum soll ein Lokführer (Pilot, Arzt, ...) der eine deutlich höhere Verantwortung trägt als (z.B.) ein Fahrkartenverkäufer (Stewardess, Krankenhausmanager, ..) - und auch zur Verantwortung gezogen wird, wenn ihm ein Fehler vorgeworfen wird sich mit einem im Vergleich mit der Verantwortung kümmerlichen Gehalt zufrieden geben?

    Warum schaffen es weder Arbeitgeber noch die klassischen Gewerkschaften, diesen Besonderheiten Rechnung zu tragen?

    Wie können wir es vermeiden, dass in Zukunft eine durch solche berechtigten Sonderinteressen aufgespaltene Gewerkschaftslandschaft zu immer häufigeren Streiks führt?

    Irgendwelche konstruktiven Ideen?


    P.S.: Nein, ich bin weder Lokführer noch Arzt oder Pilot - ich gehöre zu den potentiellen Leid tragenden solcher Arbeitskämpfe.

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    AW: Neue Gewerkschaftsstrukturen?

    Es garantierte bis vor wenigen Jahren die großen DGB-Gewerkschaften mit ihren Flächentarifverträgen die relativ streikarmen Zeiten in der Bundesrepublik - bei gemäßigten Lohnanstiegen.
    Bis die ersten Spezialisten ausscherten: Krankenhausärzte und die Piloten. Das jahrelange Ermahnen von Politik und Arbeitgeberverbänden haben effektiv das Nettoeinkommen der Arbeitnehmer stark absinken lassen. Der effektive Lohnverzicht in mehr als 15 Jahren wurde nie belohnt. Als die Gewinne wie zur Zeit überproportinal explodierten gab es nie ein Angebot der Arbeitgeber, ihre Lohnabhängigen zu belohnen (Einmalzahlungen, Anteilsscheine).
    Insbesondere der vergeigte Metallarbeiterstreik in den neuen Bundesländern durch das Großmaul Jürgen Peters, der dafür keineswegs den Hut nahm, sondern weiter Karriere in DGB machte, hat die großen Gewerkschaften als Verhandlungspartner lächerlich gemacht.
    Den Arbeitgebern war das nur Recht. Und jetzt werden kleine berufsbezogene Gewerkschaften wie die GDL recht wirksam ihren Anspruch auf leistungsgerechte Entlohnung durchsetzen.

    Ich glaube zwar nicht, dass die Lokführer noch streiken werden, aber die Vermittler werden Herrn Mehdorn schon verklickern, dass seine wichtigstes Kapital, nämlich sein hoch qualifiziertes Personal die Lokführer, erheblich besser entlohnt werden müssen.
    Die Menschen stolpern nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel

  3. Inaktiver User

    AW: Neue Gewerkschaftsstrukturen?

    dass die Lokführer mehr Geld verdienen als sie verdienen - da würde ich nicht widersprechen;
    aber hängt die ganze Verantwortung wirklich am Lokführer?

    Zitat Zitat von Inaktiver User
    .....
    Warum schaffen es weder Arbeitgeber noch die klassischen Gewerkschaften, diesen Besonderheiten Rechnung zu tragen?
    ....
    Was ist z.B. mit den zentralen Stellwerken in Frankfurt/Main, München usw. usw. - die haben noch mehr Verantwortung, weil sie nciht nur einen Zug steuern sondern (ähnlich den Fluglotsen) ein ganzes Rudel auf sich kreuzenden Schienen, und die haben sicher genauso gesundheitsschädliche Arbeitszeiten mit Schichtdienst usw.

    damit komme ich zu einem anderen Thema: gesundheitsschädliche Arbeitszeiten .... ich denke an das Krankenhaus, wo nicht nur der Arzt operiert sondern OP-Helfer, MTAs, Krankenschwestern (aha, mal wieder ein weiblicher Dienstleistungsberuf - schlecht bezahlt) in der Intensivstation, der Notaufnahme, auf Station .... Dienst tun ... und wenn die einzelne OP budgetiert ist (für den Blinddarm gibts nur xy Euro) und die Ärzte das einnehmende Wesen haben, bleibt für den Rest vom Team nur weniger übrig
    - nicht, dass ich den Ärzten etwas mehr Geld nicht gönne, aber da ist einiges gelaufen, was mir stinkt ... und ich frage mich wirklich, ob wir mit Berufsgruppenvertretungen den richtigen Weg eingeschlagen haben, weil damit der Verteilungskampf im Betrieb unter den Berufsgruppen los geht
    es geht nicht mehr darum, wer am Gewinn der Branche partizipiert (Kapitaleigner oder Arbeiter) wie das bei den "klassischen Flächentarifen" der Fall ist sondern - gerade im Bereich der sozialen Arbeit (meistens ja Frauenberufe) - um die Frage, wie immer weniger Geld (Budgetierung, Deckelung, Pflegesätze ....) verteilt wird, und gerade in dem Bereich halte ich interne Verteilungskämpfe für unverantwortlich

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    AW: Neue Gewerkschaftsstrukturen?

    In dem speziellen Fall ist es allerdings ein Übrigbleibsel von früher. Transnet ist Nachfolger der GdED (Gewerkschaft der Eisenbahner Deutschlands), während sich in der GDL die Eisenbahner aus dem ehemaligen Dt. Beamtenbund gesammelt haben.

    Im Prinzip bin ich übrigens der Ansicht, dass die GDL-Forderung im Ziel nicht unangemessen ist. Dass ein Lokführer, Mitte 40, mit der Verantwortung für Millionen teures Gerät und Hunderte von Passagieren mit 1.400,- Ohren Netto nach Hause geht, halte ich für einen schlechten Witz.

    Vor dem Hintergrund kann ich nachvollziehen, dass die einen anderen Abschluss wollen. Und so wundert es mich auch nicht, wenn sie sich von Transnet nicht angemessen vertreten bzw. nicht ernst genommen fühlen.
    schlechte Technik > schlechte Laune


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    AW: Neue Gewerkschaftsstrukturen?

    Zitat Zitat von Inaktiver User
    Was ist z.B. mit den zentralen Stellwerken in Frankfurt/Main, München usw. usw. - die haben noch mehr Verantwortung, weil sie nciht nur einen Zug steuern sondern (ähnlich den Fluglotsen) ein ganzes Rudel auf sich kreuzenden Schienen, und die haben sicher genauso gesundheitsschädliche Arbeitszeiten mit Schichtdienst usw.

    damit komme ich zu einem anderen Thema: gesundheitsschädliche Arbeitszeiten ....
    Die GDL wird einen ziemlichen Erfolg verbuchen und das wird auch andere Berufsgruppen ermuntern, kleine berufbezogene Gewerkschaften zu bilden. Warum nicht eine Gewerkschaft der Stellwerker?
    Allerdings sehe ich schwarz für die Pflegeberufe, da dort traditionell überwiegend Frauen arbeiten, lässt sich da schwer ein schlagkräftiger Berufsverband bilden, denn viele "Schwestern" fühlen sich in erster Linie ihrem Verband zugehörig. Das ist bedauerlich und Ver.di kann wegen des geringen Migliederzahl diese Frauen so gut wie garnicht vertreten und ist bei konfessionell gebundenen Krankenhäusern und Sozialstationen als Tarifpartner nicht zugelassen.

    Alle Gewerkschaften leiden unter dem Mitgliederschwund, außer der GDL. ES war jahrzehntelang auch nicht nötig in einer Gewerkschaft zu sein, von den Tarifverträgen haben immer alle profitiert. 15 Jahre lang konnten die großen Gewerkschaften, außer Metall, so gut wie nichts für die Arbeiter rausholen. Der letzten Traifsabschluß nach unangenehmen Streiks von Ver.di war im Grunde ein Witz, höhere Arbeitszeit und weniger Einkommen. Damit kann man keine Mitglieder locken.

    Wir werden uns in Zukunft darauf einstellen müssen, dass kleine, gut organisierte Gewerkschaften für ihre Mitglieder eine Menge herausschlagen können, aber das geht gegen den alten gewerkschaftlichen Solidargedanken. Diese Entwicklung wird zu einem englischen Gewerkschaftssystem vor Margret Thatcher führen. Aber nur für Berufsgruppen mit hohem Organisationsgrad.
    Und dazu gehören typische Frauenberufe nicht!
    Geändert von Opelius (13.08.2007 um 11:50 Uhr)
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    AW: Neue Gewerkschaftsstrukturen?

    Man kann wirklich nur hoffen, dass die Machtpolitik der GDL keine allzu große Vorbildwirkung hat und die Daumen drücken, dass bei den anstehenden Verhandlungen keine zu großen Zugeständnisse durch die Bahn gemacht werden. Ich habe große Bedenken hinsichtlich einer Vorbildfunktion der GDL: Wenn immer mehr Nachahmer-Kleingewerkschaften entstehen, in denen sich dann die "Höherqualifizierten" engagieren, hat außer den Arbeitgebern (und einigen gerade mal gefragten Berufsgruppen) niemand etwas davon. Wohin das führt, sieht man beim Krankenpflegepersonal: Die Gehaltserhöhungen der Krankenhausärzte haben die Möglichkeiten für Lohnerhöhungen für das Pflegepersonal erheblich eingeschränkt. In diesem Sinne ist die Position der Bahn, von den bisherigen Vereinbarungen nicht wesentlich abzuweichen, nur konsequent im Sinne ihrer übrigen Angestellten.

  7. Inaktiver User

    AW: Neue Gewerkschaftsstrukturen?

    @Opelius: warum sollen sich Frauen weniger engagieren und organisieren können als Männer - das versteh ich nicht, kannst Du das bitte begründen?

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    AW: Neue Gewerkschaftsstrukturen?

    Es ist Fakt. Der Orginisationgrad in typischen Frauenberufen ist außerordentlich gering. Möglicherweise, weil Frauen vor allem in Pflegeberufen dies als nur eine vorrübergehende Tätigkeit ansehen und ihnen das Abdrücken von 1% vom Bruttolohn einfach zu teuer ist.
    Es sollte sich schon ändern, will ich hoffen.
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    AW: Neue Gewerkschaftsstrukturen?

    Ich finde das die Gewerkschaften einiges verbockt haben und es in Zukunft sehr schwer haben werden überhaupt genügend Mitglieder zu organisieren.
    Wir haben für den letzten Tarifvertrag (Bundesländer) 14 Wo. gestreikt und beim Abschluß Nasse gemacht. Die Krönung des ganzen ist, dass die Gewerkschaftssekretäre einem das noch als guten modernen TV verkaufen (wollen). Bei der Abstimmung, ob der Streik beendet wird und das Angebot angenommen wird, hat die Gewerkschaft nicht mit offenen Karten gespielt. Im Januar geht es wieder in neue Verhandlungen.
    Denkt man an den großen Streik bie Opel sind die Gewerkschaften erst als er voll im Gang war den Streikenden zur Seite gestanden und das auch noch mit erhobenden Zeigefinger.
    Ich denke die Zeit der großen Gewerkschaften läuft aus, ob anderes dann letztlich besser funktioniert, wird sich zeigen.
    LG
    punkix

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    AW: Neue Gewerkschaftsstrukturen?

    Zitat Zitat von Inaktiver User
    @Opelius: warum sollen sich Frauen weniger engagieren und organisieren können als Männer - das versteh ich nicht, kannst Du das bitte begründen?

    Es geht nicht ums Können sondern darum was Fakt ist ;-)

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