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  1. Inaktiver User

    AW: Lenz, Walser und Hildebrand in der NSDAP

    Ich postuliere einfach mal, dass die allermeisten von uns, wenn sie noch zu Kaisers Zeiten geboren worden wären und in der damaligen Gesellschaft aufgewachsen wären, sehr offen für autoritäre Konzepte gewesen wären, wie sie dann isns Dritte Reich geführt haben.

    Solche autoritären Grundlagen gab es quer durch alle Bevölkerungsschichten (nicht nur in Deutschland), bis hin zu (und gerade auch besonders) den Kommunisten. Eine wirklich demokratische und liberale "Denke" war selbst in den guten Tagen der Weimarer Republik nicht sehr verbreitet und wurde immer seltener, je härter die Weltwirtschaftskrise die Menschen leiden ließ.

    Dass Leute wie von Ossietzki und Tucholski eine sehr "freisinnige" Meinung vertraten, lag sicher auch mit daran, dass sie eben zu einer Minderheit gehörten, die ganz besonders an Liberalität interessiert sein musste, um sich innerhalb der Mehrheit entfalten zu können - für die Mehrheit was dies viel weniger relevant.

    Wir können (und sollten) uns heute so verhalten, dass wir aus der Vergangenheit lernen und dafür sorgen, dass wir möglichst nicht wieder in eine vergleichbare Situation geraten. Und dazu gehört auch, dass wir - wie Blautanne meint - uns gegen Beeinträchtigungen unseres freiheitlichen Rechsstaates (überall) zur Wehr setzen.

    Aber wir sollten nicht allzu arrogant behaupten, dass wir alle automatisch uns am Widerstand gegen Hitler beteiligt hätten. Ich denke, dass unter dem Einfluss der damaligen Gesellschaft ich es wohl nicht getan hätte, und vielleicht hätte sich unter dem Einfluss eines autoritativen Schul- und Gesellschaftssystems sogar Blautanne (nicht persönlich gemeint!) deutlich weniger liberal entwickelt.

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    AW: Lenz, Walser und Hildebrand in der NSDAP

    Zitat Zitat von Inaktiver User
    In den Medien wird mal wieder Enthüllungsjournalismus betrieben - drei Prominente waren anscheinend als Jugendliche Mitglieder der NSDAP.
    Das ist für mich aber gar nicht die Frage, nie und nimmer würde ich jemandem heutzutage einen Strick daraus drehen wollen, wie er sich in einer Diktatur vor über 50 Jahren als Jugendlicher, fast Kind, verhalten hat. Das Recht dazu habe ich doch gar nicht, weder moralisch, noch von meiner Lebenserfahrung her!

    Nee, ich frage mich eher, warum die Prominenten das nicht längst schon öffentlich thematisiert haben. Ein bisschen schwach fände ich das schon.
    Edit: wenn es überhaupt stimmt!
    Geändert von neko (03.07.2007 um 13:49 Uhr)

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    AW: Lenz, Walser und Hildebrand in der NSDAP

    Zitat Zitat von Inaktiver User
    Fragt sich ausserdem, ob deutschnational und nationalsozialistisch damals wirklich sooo weit auseinander waren.
    Auch wenn das alles für uns heutzutage keine passablen Einstellungen mehr sind und die Namen echt ganz schön daneben klingen, würde ich trotzdem aufs Detail gucken. Es gibt ganz überraschende Sachen, wie zum Beispiel dass bemerkenswert viele Juden deutschnational eingestellt waren (aus Begeisterung, endlich volle Bürgerrechte erhalten zu haben, wollten sie sich für dieses Land besonders engagieren und gegen jüdische geistige Strömungen, die eher Auswanderung nach Israel als Alternative sahen, absetzen).
    Und auch noch was anderes, die Nazis haben ja auch genügend Morde begangen, enteignet und Berufsverbote erlassen, "nur" um Konkurrenz auszuschalten. Das ist für die Betroffenen sicher auch nicht angenehmer gewesen - und vom Rechtsverständnis her sowieso total indiskutabel - , als aus Gründen die für uns heutzutage einleuchtender aussehen, drangsaliert zu werden.

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