JaZitat von Inaktiver User
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Ein mittelmässiger Schriftsteller. Bemerkenswert ist an Tucholsky allein seine politische Weitsicht, und das ist für einen Schriftsteller ein bisschen wenig. Er hätte sich auf den Journalismus beschränken sollen; da war er eher zu Hause.
Wie unschwer zu erkennen ist, ging es dabei es um einen ganz bestimmten Zusammenhang.Im übrigen hab ich die Diskussion zum Thema aufjaulen nicht eröffnet, das warst du.
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27.06.2007, 13:41Inaktiver User
AW: Ritterschlag für Salman Rushdie
Geändert von Inaktiver User (27.06.2007 um 13:45 Uhr)
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27.06.2007, 16:14
AW: Ritterschlag für Salman Rushdie
Du scheinst ja ein Universalgenie zu sein: nicht nur Diplomatiekundige, die besser Bescheid weiß als sämtliche Außenminister Europas, jetzt auch noch Literaturkritikerin, die an Klassikern kein gutes Haar findet.
Zitat von Inaktiver User
Ich bin hochbeeindruckt. Was für ein intellektueller Glanz für so ein mittelmäßiges Frauenforum.
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27.06.2007, 17:49Inaktiver User
AW: Ritterschlag für Salman Rushdie
Du bist nicht "sämtliche Aussenminister Europas".
Zitat von Mimi_ohne_krimi
Und du kannst auch nicht für sie sprechen.
Tucholsky ist kein Klassiker.jetzt auch noch Literaturkritikerin, die an Klassikern kein gutes Haar findet.
Mimi, das ist nämlich so:
Es reicht nicht tot zu sein um zu den Klassikern gezählt zu werden.
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27.06.2007, 18:58
AW: Ritterschlag für Salman Rushdie
Tucholskys Werke sind natürlich Klassiker, denn sie gehören zu dem bedeutenden Repertoir Deutscher Literatur. Um zum Klassiker zu werden müssen die Autoren nicht so schnell wie möglich dahin siechen, sondern dürfen ohne Probleme noch munter durch die Welt springen.
Und literarische Klasse ist nicht davon abhängig, einen dicken Wälzer zu schreiben. Die Essays Tucholsky sind brillant. Selbst wenn er ein paar mickrige Texte dabei hat, schmälert das niemals sein Werk. Ein *Zur soziologischen Psychologie der Löcher* ersetzt locker einen *Tarquato Tasso*.
Ein Loch ist da, wo etwas nicht ist.
Das Loch ist ein ewiger Kompagnon des Nicht-Lochs: Loch allein kommt nicht vor, so leid es mir tut. Wäre überall etwas,
dann gäbe es kein Loch, aber auch keine Philosophie und erst recht keine Religion, als welche aus dem Loch kommt. Die
Maus könnte nicht leben ohne es, der Mensch auch nicht: es ist beider letzte Rettung, wenn sie von der Materie bedrängt
werden. Loch ist immer gut.
Wenn der Mensch "Loch" hört, bekommt er Assoziationen: manche denken an Zündloch, manche an Knopfloch und manche an
Goebbels.
Das Loch ist der Grundpfeiler dieser Gesellschaftsordnung, und so ist sie auch. Die Arbeiter wohnen in einem finsteren,
stecken immer eins zurück, und wenn sie aufmucken, zeigt man ihnen, wo der Zimmermann es gelassen hat, sie werden
hineingesteckt und zum Schluß überblicken sie die Reihe dieser Löcher und pfeifen auf dem letzten. In der Ackerstraße
ist Geburt Fluch; warum sind diese Kinder auch gerade aus diesem gekommen ? Ein paar Löcher weiter, und das
Assessorexamen wäre ihnen sicher gewesen.
Wenn der Mensch ein Loch sieht, hat er das Bestreben es auszufüllen, dabei fällt er meist hinein. Man tut also gut, um
die Löcher einen großen Bogen zu machen, wobei man sich nicht wundern darf, wenn man in andere fällt. Man falle also
lieber in das erste. Loch ist Schicksal.
Das Merkwürdige an einem Loch ist der Rand. Er gehört noch zum Etwas, sieht aber beständig in das Nichts, eine Grenzwache
der Materie. Das Nichts hat keine Grenzwache: während den Molekülen am Rande eines Loches schwindlig wird, weil sie in
das Loch sehen, wird den Molekülen des Lochs ... festlig ? Dafür gibt es kein Wort. Denn unsere Sprache ist von den
Etwas-Leuten gemacht; die Loch-Leute sprechen ihre eigene.
Das Loch ist statisch; Löcher auf Reisen gibt es nicht. Fast nicht.
Löcher, die sich vermählen, werden eines, einer der sonderbarsten Vorgänge, unter denen, die sich nicht denken lassen.
Trenne die Scheidewand zwischen zwei Löchern: gehört dann der rechte Rand zum linken Loch - ? oder der linke zum
rechten ? oder jeder zu sich ? oder beide zu beiden ? Meine Sorgen möchte ich haben.
Wenn ein Loch zugestopft wird: wo bleibt es dann ? Drückt es sich seitwärts in die Materie ? oder läuft es zu einem
anderen Loch, um ihm sein Leid zu klagen ? - Wo bleibt das zugestopfte Loch: niemand weiß das: unser Wissen hat hier
eines.
Wo ein Ding ist, kann kein anderes sein. Wo schon ein Loch ist: kann da noch ein anderes sein ? Und warum gibt es keine
halben Löcher - ?
Manche Gegenstände werden durch ein einziges Löchlein entwertet; weil an einer Stelle von ihnen etwas nicht ist, gilt nun
das ganze Übrige nichts mehr. Beispiele: ein Fahrschein, eine Jungfrau und ein Luftballon.
Das Ding an sich muß noch gesucht werden; das Loch ist schon an sich. Wer mit einem Bein im Loch stäke und mit dem
anderen bei uns: der allein wäre wahrhaft weise. Doch soll dies noch keinem gelungen sein. Größenwahnsinnige behaupten,
das Loch sei etwas negatives. Das ist nicht richtig: der Mensch ist ein Nicht-Loch, und das Loch ist das Primäre. Lochen
Sie nicht; das Loch ist die einzige Vorahnung des Paradieses, die es hienieden gibt. Wenn Sie tot sind, werden Sie erst
merken, was Leben ist. Verzeihen Sie diesen Abschnitt; ich hatte nur zwischen dem vorigen und dem nächsten ein Loch
ausfüllen wollen.
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27.06.2007, 19:09Inaktiver User
AW: Ritterschlag für Salman Rushdie
Das ist wirklich das brillianteste Loch, über das ich je gelesen habe. Sozusagen das Über-Loch, nicht zu verwechseln mit einem Nebel-Loch.
Falls dies hier tatsächlich von Tucholsky verfasst sein sollte, verbeuge ich mich in Ehrfurcht vor dem hohen Genius.
Und danach ab damit, ins Loch des gnädigen Vergessens.Geändert von Inaktiver User (27.06.2007 um 19:17 Uhr)
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27.06.2007, 20:45
AW: Ritterschlag für Salman Rushdie
Zitat von Inaktiver User
Was für ein großer weiser Geist aus diesen Worten spricht...
Aber mal unter uns: manchmal ist es auch für so kluge Leute wie Blautanne besser zu schweigen. Vor allem zu Dingen, von denen sie keine Ahnung haben.
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28.06.2007, 16:03Inaktiver User
AW: Ritterschlag für Salman Rushdie
Ich lese vieles von Tucholski immer noch sehr gerne (im Gegensatz zu manchen Klassikern), aber er hat eben auch sehr viel mediokres geschrieben - und für mich gehören auch das Gedicht gegen Faschisten und die nette "Loch" Geschichte in diese Kategorie. Das sind eben politische, polemische Schriften, deren Intention auch nicht unbedingt literarische Größe war.
Es mag sogar sein, dass die Ehrungen, die er nach der Emigration erhielt, auch dadurch gefördert wurden, das man eben den Verfolgten, den emigrierten Juden ins Scheinwerferlicht setzen wollte. Wie es ja von jemandem weiter oben im Strang als wünschenswert erwähnt wurde.
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28.06.2007, 17:10
AW: Ritterschlag für Salman Rushdie
Tucholsky selbst hat diese Stücke Gebrauchslyrik genannt. Was nicht bedeutet, dass es mindere Literatur ist. Es ist eine andere.
In Deutschland haben wir äußerst seltsame Kriterien, um Literatur und Kunst zu bewerten.
Auf keinen Fall darf man sich dabei amüsieren.
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28.06.2007, 17:12
AW: Ritterschlag für Salman Rushdie
Ein, wie ich meine wirklich sehr interessantes Thema.
Mehr dazu gibt es übrigens [ editiert ]
Hirsekorn, HansGeändert von Inaktiver User (28.06.2007 um 18:10 Uhr) Grund: link (da nicht im entfewrntesten passend zur Thematik) enrfernt
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28.06.2007, 18:03Inaktiver User
AW: Ritterschlag für Salman Rushdie
Gebrauchslyrik, was für ein treffendes Wort.
Zitat von maxima8
Gebrauchsanleitung, Gebrauchsartikel, Gebrauchsgegenstand, Gebrauchtwagen. Gebrauchslyrik.
Tucholsky, der Gebrauchtlyriker, Kabarettist und Journalist.
Und doch bewertet man auch in Deutschland Shakespeare's Komödien, Molière's Gesamtwerk, Lessing, G.B. Shaw und Dürrenmatt als Literatur und Kunst.In Deutschland haben wir äußerst seltsame Kriterien, um Literatur und Kunst zu bewerten.
Auf keinen Fall darf man sich dabei amüsieren.
Vielleicht geht es weniger darum, dass man sich nicht amüsieren darf, als vielmehr darum, dass man für gewöhnlich ein gewisses Mindestmass an kunstvollem Umgang mit Sprache, Struktur und Inhalten voraussetzt, um etwas als Kunst anzusehen.Geändert von Inaktiver User (28.06.2007 um 18:13 Uhr)


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