Noch ein Kommentar zum Einfluss der Weltbank: Diese fordert (zu Recht!!) von den Regierungen, die Kredite (die sowieso fast nie zurück gezahlt werden!) erhalten, dass sie ihre nationale Wirtschaft und ihre Haushalte in Ordnung bringen sollen. Dabei gibt es keine Forderungen, die Kosten für Schulen oder das Gesundheitssystem zu begrenzen - die Weltbank hätte absolut nichts dagegen, wenn die Militärausgaben gesenkt würden. Aber die Regierungen behalten ihr Militär und bauen es aus, und statt dessen sparen sie bei Bildung und Gesundheit.
Unter solchen Bedingungen ist es überraschend, dass es überhaupt Fortschritte in der Gesundheitsfürsorge und der Bildung gibt.
djgm
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05.06.2007, 10:02Inaktiver User
AW: Berichterstattung aus Rostock
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05.06.2007, 10:12Inaktiver User
AW: Berichterstattung aus Rostock
Ausgerechnet Nigeria soll als Beispiel für ganz Afrika dienen? Dieses Land dürfte das mit Abstand Korrupteste des Kontinents sein. Es gehört übrigens durchaus zu den potentiell reichen Ländern (Erdöl), ebenso wie Zaire (Gold, Kupfer, Uran etc.) Was ist mit Mali, Niger, und vielen anderen?
Zitat von Inaktiver User
Offensichtlich sind Weltbank und Weltwährungsfonds durchaus in der Lage zu verhindern dass z.B. Schulbesuch in Sambia kostenlos ist und dass Kenia die vorhandenen Krankenschwestern auch tatsächlich einsetzt.
Zitat von Inaktiver User
Gegen eine Umleitung riesiger Summen auf Privatkonten ist man hingegen angeblich machtlos.
Dann wären noch die Handelsbeschränkungen zu nennen, die verhindern, dass wirksame Anreize zur Selbsthilfe gegeben werden. Solches von lokalen Unternehmen selbst erwirtschaftetes Kapital wäre sehr viel weniger korruptionsgefährdet als Überweisungen auf die Konten der Staatsmänner.
A propos Entwicklungshilfe: in der UNO sind kleine Projekte erst seit wenigen Jahren überhaupt ein Thema. Man plant(e) lieber grosse Projekte, die gut für das Prestige der Koordinierungsstellen aber auch für die "Geber"länder waren bzw. sind.
Mir erscheint nicht jede Investition wirklich bedarfsgerecht zu sein (wobei ich mit Bedarf den Bedarf der Einheimischen und nicht den der Wirtschaft der Geberländer meine). Das meiste Geld ist in Staudammprojekten, Kraftwerksprojekten u.ä. verbrannt worden. Die Einheimischen hatten davon im allgemeinen nichts.
Ausserdem ist die Kritik an Korruption ausgerechnet aus Deutschland ein Treppenwitz: Stichwort Siemens. Aber auch sonst sieht man das Staubkorn in den Augen anderer lieber als die im eigenen. Stichwort Lobbyismus.
Ich finde zum Thema Aids auch sehr bemerkenswert, dass Clinton die Forderungen von NGOs aufgegriffen und Aids-Medikamente für Afrika bezahlbar gemacht hat. Das sind Ansätze, um die es geht, und nur ein US-Präsident war in der Lage gegen die mächtige Pharmaindustrie einen Teilsieg zu erreichen.
Die Kolonialisten haben in Afrika und übrigens auch in Indien grundsätzlich nur das getan, was ihnen selber nutzte. Dabei schreckten sie vor wenig zurück. Aber ich möchte jetzt eigentlich nicht über Kolonialismus diskutieren, und erst recht nicht darüber wie segensreich er für die Ausgebeuteten angeblich gewesen sein soll.Ist die einzige Möglichkeit - wie einzelne afrikanische Aktivisten provozierend gefordert haben - die Kolonialherrschaft wieder herzustellen ????
Geändert von Inaktiver User (05.06.2007 um 11:15 Uhr)
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05.06.2007, 10:49Inaktiver User
AW: Berichterstattung aus Rostock
Wo gibt es in Asien grosse Wüsten? Eigentlich nur in der Mongolei, und die Mongolei ist nicht gerade typisch für die Entwicklung Asiens. Asien und Afrika sind weder klimatisch noch historisch-kulturell noch von der Bevölkerungszahl vergleichbar.
Zitat von Nadine2
Das ist wohl nicht ganz richtig. Während der Asienkrise ab 1997, eine Krise, die von US-Hedgefonds herbeigeführt wurde, wurde das internationale Finanzsystem vom damaligen malaysischen Präsidenten bitter kommentiert: nun haben wir alle Forderungen von Weltbank und Weltwährungsfonds erfüllt, und das ist das Ergebnis.Aber sie machen deutlich mehr aus ihren Möglichkeiten - ohne Hilfe aus dem Westen UND niemand jammert über die Weltbank, den Globalismus, ...
Dazu muss man wissen, dass Indien und China durch die Asienkrise nicht erfasst wurden, denn sie haben sich - anders als etliche kleine Länder - nicht aufzwingen lassen ihre Währung frei konvertierbar zu machen.
Indien stellt genau die Generika her, die die Aids-Behandlung in Afrika bezahlbar machen. China nimmt sich, was es will. Das Land ist stark genug um sich durch US-Patente (z.B. Software, Medikamente) nicht weiter behindern zu lassen (was freilich eine zweischneidige Sache ist). Auch sonst ist das Land ein starker Globalisierungspartner, der den ausländischen Investoren klare und sehr toughe Bedingungen setzt.... Medikamente, Ausbeutung etc.
Aber nicht jedes Land hat die wirtschaftliche Macht Chinas oder den Entwicklungsgrad Indiens. Das dürfte doch klar sein.Geändert von Inaktiver User (05.06.2007 um 11:12 Uhr)
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05.06.2007, 11:50
AW: Berichterstattung aus Rostock
#Blautannte
China besteht zu einem großen Anteil aus Wüsten, Steppen und unzugänglichen Gebirgsregionen. Im Norden herrscht Kontinentalklima mit brütend heissen Sommern und eiskalten Wintern.
Wenn das Klima der einzige Faktor für Wettbewergsfähigkeit ist, dann muß Simbabwe ja sehr gut entwickelt sein!?!
Und richtig China ist dichter bevölkert als Afrika, aber gerade DESWEGEN müsste Afrika ja bessere Chancen haben.
Die Siemens-Schmiergelder mit der Korruption in Afrika zu vergleichen ist natürlich sehr POLITISCH KORREKT! Wahrscheinlich hat das böse Kapital die lieben afrikanischen Politiker geradezu genötigt Geld anzunehmen? DIE Firma Siemens hat Auftraggeber bestochen um Aufträge zu erhalten. Afrikanische Politiker, Stammesfürsten etc. nehmen Gelder, die für Schulen, Straßen, Brunnen etc. vorgesehen sind und stecken diese in die eigene Tasche oder ins Militär - um danach wieder zu jammern das die Hilfe für die Armen nicht ausreicht - WIR brauchen mehr Geld.
Die Weltbank oder andere Organisationen können in vielen Ländern den Geldfluß nicht kontrollieren. Sehr oft wird von afrikanischen Staaten die Direktinvestition verhindert, oder man muß die Baufirma XXX beauftragen oder die Regierung kürzt eben in Bereichen in denen "der Westen" investiert - DAß GELD WIRD SO NIE REICHEN
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05.06.2007, 11:58Inaktiver User
AW: Berichterstattung aus Rostock
Die relevanten Länder in Südostasien (z.B. Vietnam), die bei solchen Vergleichen herangezogen werden, liegen in Klimazonen, die denender genannten Länder in Afrika vergleichbar sind.
Länder in der Sahel-Zone wie Mali oder Niger haben andere Probleme, aber die Länder südlich des Äquators haben überwiegend ausreichende Regenfälle, wie in SO-Asien.
Und auch die Länder Asiens waren Kolonien und sind genauso ausgebeutet bzw. entwickelt worden wie Afrika.
Der Unterschied ist kulturell - in Asien ist man daran gewöhnt anzupacken und selbst Verantwortung zu übernehmen. Das habe ich in Afrika recht selten erlebt!
Nur ein Vergleich:
Nigeria und Indonesien sind in Bezug auf die Bevölkerung und die Bodenschätze (Erdöl)einigermaßen miteinander vergleichbar. Indonesien exportiert fast kein Öl sondern Verarbeitungsprodukte (und weitere Industrieprodukte), Nigeria verlässt sich fast komplett auf den Export von Rohöl.
Beide Länder waren Kolonien, Indonesien teilweise im Zweiten Weltkrieg zerstört.
Entweder haben die Indonesier sich mehr angestrengt ihr Land aufzubauen, oder die Holländer waren die "besseren" Kolonialherren?
Wir können helfen, aber die Verantwortung liegt bei den Afrikanern selbst.
djgm
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05.06.2007, 12:13Inaktiver User
AW: Berichterstattung aus Rostock
Dort findet kaum Wirtschaftswachstum statt. Das Wirtschaftswachstum Chinas konzentriert sich auf die Küstenregionen.
Zitat von Nadine2
Du meinst, ohne Menschen geht der Aufbau eines Landes gleich nochmal so gut?Und richtig China ist dichter bevölkert als Afrika, aber gerade DESWEGEN müsste Afrika ja bessere Chancen haben.
Das gilt vielleicht in der spätindustriellen Ära der Industrieländer, in der Autos von Robotern statt von Menschen gefertigt werden.
Aber genau das tun sie doch. Was glaubst du denn, was sie sonst tun.Die Weltbank oder andere Organisationen können in vielen Ländern den Geldfluß nicht kontrollieren.
Sie beeinflussen die Wirtschaft eines Landes sehr effizient mit dem Druckmittel Kreditgewährung, wobei sich die Forderungen teils nach der in USA vorherrschenden Ideologie, teils nach den Eigeninteressen der Industrieländer richten.
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05.06.2007, 12:37Inaktiver User
AW: Berichterstattung aus Rostock
Ich halte es für richtig, dass wir ("der Westen") bei der Gewährung von Krediten und - weit überwiegend - verlorenen Zuschüssen an Entwicklungsländer auch (betone: auch) unsere eigenen Interessen wahrnehmen. Immerhin geht es um das Geld der (deutschen) Steuerzahler.
Was ich erwarte ist, dass die nationalen Eliten ihr Geld - ob gestohlen oder ehrlich erworben - auch in die Entwicklung des eigenen Landes investieren. Solche Eigeninvestitionen können dann durch Mittel der Weltbank, der EU oder anderer Geber aufgestockt werden.
Solange das nicht geschieht, ist in meinen Augen staatliche Entwicklungshilfe wenig erfolgversprechend - man sollte sich auf effiziente Hilfe durch freiwillige Organisationen und Investitionen der interessierten Industrie konzentrieren. Auch dort wird ein Teil des Geldes gestohlen werden, aber anscheinend weniger als bei solchen Geldern, die erst durch Kassen unter der Kontrolle der Machthaber fließen.
Ein weiteres Problem besonders in Afrika ist die Konkurrenz, um nicht zu sagen Feindschaft, zwischen den Stämmen eines Landes. Ein extremes Beispiel in einem durch die Regierung extrem ausgeplünderten Land ist in Simbabwe die Feindschaft zwischen Ndebele und Shona, bei dem die Minderheit kaum noch überleben kann.
Ich unterstütze Entwicklungshilfe - sogar Zuschüsse - für Länder in Lateinamerika oder Asien, aber für die meisten Länder Afrikas sehe ich wenig Hoffnung auf "Entwicklung" ohne wesentliche Änderungen der gesellschaftlichen Strukturen. Und die will man nicht ändern.
djgm
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05.06.2007, 12:43Inaktiver User
AW: Berichterstattung aus Rostock
Dann sollte man sich dabei aber nicht so verdammt "gut" vorkommen, denn viele dieser Investitionen sind nichts anderes als Subventionen für die eigene Wirtschaft.
Zitat von Inaktiver User
Geld gibt es nur unter bestimmten Voraussetzungen und für ganz bestimmte Projekte und nicht unbedingt für das, was Not tut.Was ich erwarte ist, dass die nationalen Eliten ihr Geld - ob gestohlen oder ehrlich erworben - auch in die Entwicklung des eigenen Landes investieren. Solche Eigeninvestitionen können dann durch Mittel der Weltbank, der EU oder anderer Geber aufgestockt werden.
Die Stammesprobleme sind in Afrika drückend und extrem hinderlich. Schau dir mal die Landkarte mit den linealgeraden Grenzlinien an. Warum die wohl genau dort gezogen wurden - Menschen trennend, die zum gleichen Stamm gehören, und Bevölkerungsgruppen verbindend, die in ihrer Geschichte schlecht miteinander ausgekommen sind.Ein weiteres Problem besonders in Afrika ist die Konkurrenz, um nicht zu sagen Feindschaft, zwischen den Stämmen eines Landes. Ein extremes Beispiel in einem durch die Regierung extrem ausgeplünderten Land ist in Simbabwe die Feindschaft zwischen Ndebele und Shona, bei dem die Minderheit kaum noch überleben kann.
Diese Aufteilung gehört zum Kolonialerbe und ist für etliche Länder eine schwere Bürde.Geändert von Inaktiver User (05.06.2007 um 13:34 Uhr)
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05.06.2007, 14:20Inaktiver User
AW: Berichterstattung aus Rostock
Richtig. Die Kolonialmächte haben ihre Grenzlinien da gezogen, wo es ihnen sinnvoll erschien, ohne auf die einzelnen Stämme einzugehen.Die Stammesprobleme sind in Afrika drückend und extrem hinderlich. Schau dir mal die Landkarte mit den linealgeraden Grenzlinien an.
Vermutlich haben sie diese aber sogar so wenig berücksichtigt, dass diese Grenzziehungen nicht dazu dienten, Stämme zu entzweien und zu schwächen, wie du zu unterstellen scheinst. Was für einen Sinn hätte es denn auch gehabt, blutige Stammesunruhen in den Kolonien noch zu fördern?
Trotzdem war diese Grenzziehung absolut nicht förderlich,da hast du recht.
Das Problem ist aber heutzutage, dass diese Grenzziehungen auch nicht verändert wurden. Und da kannst du die ehemaligen Kolonialmächte nicht mehr für verantwortlich machen- dafür sind inzwischen die afrikanischen Staaten selbst zuständig-warum ändern die es also nicht? Viele der Machthaber betreiben leider Gottes nicht nur Vetternwirtschaft, sondern auch Tribalismus und bevorzugen gnadenlos ihren eigenen Stamm vor allen anderen. Und da bringt es mitunter sogar Vorteile, an den alten Grenzen festzuhalten, dann nämlich, wenn konkurrierende Minderheiten auch eine Minderheit bleiben und man selbst weiter die Vorrechtsstellung genießt.
Womöglich spielen auch wirtschaftliche Gründe eine Rolle, warum die Grenzen unangetastet bleiben-rohstoffreiche Gebiete gibt man nicht gerne ab, rohstoffarme Gebiete nimmt man nicht gern an.
Die Bürde der selektiven Grenzziehung ist sicherlich für die Bevölkerung schwer zu tragen und eine für alle zufriedenstellende Änderung wird schwierig und könnte auf eine völlige Zersplitterung Afrikas in Teilstaaten hinauslaufen- aber die Entscheidungsträger in Afrika haben bislang keine Versuche unternommen, die Situation zu ändern. Allem Anschein nach, weil sie davon sogar profitieren.
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05.06.2007, 14:27Inaktiver User
AW: Berichterstattung aus Rostock
Ich unterstelle, dass es ihnen schnurzpiepegal war.
Zitat von Inaktiver User
Vielleicht aus dem gleichen Grund, warum man die Grenzen auf anderen Kontinenten auch lieber nicht in Frage stellt: weil es neue Probleme aufwirft.Das Problem ist aber heutzutage, dass diese Grenzziehungen auch nicht verändert wurden. Und da kannst du die ehemaligen Kolonialmächte nicht mehr für verantwortlich machen- dafür sind inzwischen die afrikanischen Staaten selbst zuständig-warum ändern die es also nicht?


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