Das wurde ja auch von friedlichen Teilnehmern mehrfach und bei verschiedenen Gelegenheiten beklagt.Zitat von Inaktiver User
Und tatsächlich ist es ja so: es wird über jeden einzelnen Steinewurf berichtet, während die friedlichen Veranstaltungsteilnehmer und ihre Themen kaum Beachtung finden. Anders kann ich mir z.B. auch nicht erklären, dass tatsächlich Neofaschisten und Globalisierungskritiker in einem Atemzug genannt werden.
Wie bereits an anderer Stelle gesagt, sehe ich keine Ähnlichkeit zwischen den Zielen von Neofaschisten und Globalisierungskritikern. Neofaschisten geht es immer darum, dass ihr Land über anderen der Vorrang gebührt. Sie halten sich für überlegen, möchten kulturelle Absonderung und Aufwertung ihres jeweiligen Landes.Selbst wenn Ziele anscheinend gleich klingen, darf man nie vergessen, dass die deutschen Rechten, den deutschen Staat als kleinste soziale Komponente ansehen ...
Globalisierungskritiker sehen die Völker der Welt als Familie an und ihr Land als eines der Familienmitglieder. Sie wollen einen fairen Ausgleich, wo Neofaschisten ein "erst kommen wir, dann lange nichts" pflegen.
Ich kann nicht verstehen, wie man rechte Ideologie und Globalisierungskritik verwechseln kann. Es ist allzu offensichtlich, dass ein Glatzkopf mit dem Pamphlet "Deutschland den Deutschen" nicht unter einer Regenbogenflagge laufen wird.
Antworten
Ergebnis 41 bis 50 von 96
-
04.06.2007, 17:42Inaktiver User
AW: Berichterstattung aus Rostock
Geändert von Inaktiver User (04.06.2007 um 17:46 Uhr)
-
04.06.2007, 18:19
AW: Berichterstattung aus Rostock
"Wie bereits an anderer Stelle gesagt, sehe ich keine Ähnlichkeit zwischen den Zielen von Neofaschisten und Globalisierungskritikern."
Das ist so erst einmal korrekt.
Aber die gewaltbereiten Randgruppen, die zu jeden dieser sonst sehr unterschiedlichen politischen Richtungen gehören, unterscheiden sich nur in äußeren Merkmalen, aber nicht in ihrer Gewaltbereitschaft und nicht in ihren Zielen.
Es geht für die Autonomen wie den Neonazischlägern immer nur gegen die Scheißbullen und den Scheißstaat.
Doch einen Unterschied gibt es denn doch, während Autonome gerne mal die Autos und die Fensterscheiben der Spießer abfackeln und einschlagen, klatschen Neonazis lieber mal einen Neger ab.
-
04.06.2007, 18:37
AW: Berichterstattung aus Rostock
Na ja, aber wenn im Vorfeld ausschließlich von Gewalt die Rede ist, ist es doch sonderbar, wenn zahlreiche schwarzgekleidete Vermummte mit Bierflaschen in der Hand völlig sich selbst überlassen werden.
Zitat von Kappuziner
Um so besser könnte man - so man denn will - dagegen vorgehen.Jedenfalls ist klar, dass solche Aktionen in der autonomen Szene vorbereitet und geplant werden, da ist nichts mit spontan und "provoziert".
Genau. Da wurde ich aber vorkontrolliert. Alle wurden vorher nach Waffen untersucht.Falls du, wie Dein Nick andeutet, aus Berlin kommst, kann ich mich nur wundern. Hier haben wir die Show doch jedes Jahr am 1. Mai.
Seitdem sich aber die Versicherungen beschwert haben, hat das mit den Krawallen stark nachgelassen. Leute aus Grunewald, Zehlendorf und Charlottenburg, die sich sonst nie nach Kreuzberg verirren, mussten ausgerechnet zum 1. Mai ihr Auto dort parken, die dann von Randalierern zerstört wurden, die keiner je zuvor gesehen hatte. Das waren Gruppen, die sich auch den anderen Demonstranten total brutal gegenüber verhalten haben. Also bezahlte Leute.
Nun, dass in Rostock zu unterstellen, wäre wohl etwas waghalsig. Aber man kann mit inkonsequenten und unkoordinierten Anweisungen an die Polizei und einem Mangel an konfliktgeschultem Personal etc. großen Schaden anrichten. Mein Eindruck in Rostock war, dass es den Demonstrationsgegnern daran gelegen war, die Demonstranten und ihre Kritik zu diskreditieren. Aber wissen tu ich natürlich nix.Eva hat den Apfel nur deshalb gegessen,
weil sie endlich Kleider haben wollte.
Douglas Jerrold, (1803 - 1857), englischer Dramatiker und Humorist
-
04.06.2007, 18:45
AW: Berichterstattung aus Rostock
Mein Freund (Anwalt) verteidigt diese Leute manchmal. Die werden von keinem bezahlt. Es sind nicht die hellsten Köpfe auf Erden, aber sie entscheiden sich freiwillig dafür, Steine und Flaschen zu schmeissen (politische hatte er noch nicht, die haben ihre eigenen Anwälte - da kannst du aber, wie gesagt, bei Indymedia nachlesen, dass die echt sind).
Zitat von Pia_bln
Kottan: "I rauch ned, i trink ned und i hob nix mit andere Frauen"
Elvira: "Gar koan Fehler?"
Kottan: "Doch, i liag manchmal"
______________________________________
Profilbild © Analuisa
-
04.06.2007, 18:52Inaktiver User
AW: Berichterstattung aus Rostock
Nadine -
dein Vorschlag für den neuen Grundgesetzartikel (oder Ersatz für ds GG ??):
"DER VOM VOLK NICHT LEGITIMIERTE KAPITALISMUS HANDELT GEGEN DAS GRUNDGESETZ"
müsste etwas präzisiert werden, z.B.
"Der von meiner Aktivistengruppe nicht legitimierte Kapitalismus handelt gegen das Grundgesetz"
Es ist immerhin nur eine sehr kleine Minderheit in der Bevölkerung, die sich gegen Globalisierung und G 8 ausspricht (in den 68er Jahren war auch ich Teil einer "kleinen radikalen Minderheit", bei der wir meinten, dass ein paar tausend Demonstranten die Interessen des Volkes repräsentieren.
Ich bin überrascht, wie gering die Zahl der Demonstranten gegen G 8 wirklich ist - wenn man unterstellt, dass die Gruppe "das Volk" darstellt.
Ich weiß (weil ich auch mal mitgemacht habe) dass es einer kleinen Gruppe von Aktiven bedarf um etwas in Bewegung zu setzen, ich weiß aber auch, dass in der Praxis das Ergebnis für die überwiegende Mehrheit, auch der Mehrheit hier bei uns, akzeptabel sein muss.
Und Gewalt ist bei solcher Überzeugungsarbeit nur hinderlich, denn sie macht unglaubwürdig.
djgm
-
04.06.2007, 19:58Inaktiver User
AW: Berichterstattung aus Rostock
Hier geht es zur Abwechslung mal um Inhalte:
Aidsmedikamente in Afrika
Forderungen der Weltbank: Schulgebühren in Sambia, keine staatlichen Krankenschwestern in Kenia
(bitte nicht nur den Anfang lesen; es geht um weit mehr als um HIV)
Und hier ein Dossier mit vielen Artikeln zum Thema:
Dossier "Gier ohne Grenzen"Geändert von Inaktiver User (04.06.2007 um 20:16 Uhr)
-
04.06.2007, 20:57Inaktiver User
AW: Berichterstattung aus Rostock
Nach meinen persönlichen Erfahrungen in Nigeria (und es gibt kaum Länder in Schwarzafrika nördlich des Limpopo wo es viel besser ist) sollte man auf gar keinen Fall Hilfsgelder direkt an einheimische Organisationen in Afrika geben. Das Geld verschwindet in einem Sumpf der Korruption. Wenn man helfen will, dann über internationale Organisationen wie Ärzte ohne Grenzen, die zwar auch Bestechungsgelder zahlen müssen, die aber das verbleibende Geld vernünftig und wirksam einsetzen.
Beim Kampf gegen Aids stehen wir vor einer Unzahl von Problemen, zu denen natürlich auch die Verfügbarkeit von Medikamenten gehört. Aber das zentrale Problem in vielen Ländern ist, dass die Regierungen sich selbst nicht am Kampf gegen Aids beteiligen. In Südafrika ist erst vor ganz kurzer Zeit von der Regierung anerkannt worden, dass es sich um eine sexuell übertragene Krankheit handelt - bis dahin wurde Aids als eine Sabotagemaßnahme der Amerikaner und Europäer beschrieben. Das Ergebnis ist bekannt - eine extrem hohe Infektionsrate.
Im Gegensatz dazu hat Uganda sehr früh sehr engagiert die Wurzeln der Krankheit bekämpft und durch Aufkärung und Kondome die Infektionen verhindert, mit dem Ergebnis, dass das Land es geschafft hat, die Infektionsrate deutlich unter 10 % zu senken, während von Südafrika bis Sambia dir Infektionsrate deutlich über 20 %, oft nahe bei 40 % liegt.
Wir können und müssen helfen, aber die Bedingungen für den Erfolg liegen in den Ländern Afrikas selbst, und da liegen die Probleme.
Und nein, es ist keine Folge der Kolonisation - In Ghana hat sich das Bruttosozialprodukt pro Kopf seit der Unabhängigkeit 1957 knapp verdoppelt, in Vietnam hat es sich in demselben Zeitraum - trotz der amerikanischen Kriegsführung und der Zerstörung weiter Landesteile - vervierzigfacht!
Das Problem ist eines der traditionellen afrikanischen Gesellschaften. Für Afrikaner (ja, es gibt Ausnahmen!) ist es unverständlich einen Job NICHT zum Nutzen der ganzen Familie/Sippe auszunutzen - Korruption ist Teil der Kultur. Und das hilft nicht bei der Entwicklung - oder dem Kampf gegen Aids!
Blautanne hat recht, dass diese Themen, die eigentlich bei der G 8 und bei den Aktivisten diskutiert werden (sollten), wegen der Gewalttaten in den Hintergrund gedrängt werden.
Die "Autonomen" mögen ja ihren "Spaß" haben, den Herausforderungen der Globalisierung, egal wie man darüber denkt, und den Menschen in der Dritten Welt tun sie absolut keinen Gefallen!
djgm
-
04.06.2007, 21:58Inaktiver User
AW: Berichterstattung aus Rostock
Ich werde wohl doch besser die Passagen zitieren, die mir im oben verlinkten Artikel bemerkenswert erscheinen:
Als ich nach Afrika gezogen bin, gab es dort weniger als 100.000 Menschen, die medikamentös behandelt wurden - es gab 28 Millionen geschätzte Infizierte und weniger als 100.000, die behandelt wurden: Vor einem Monat wurde bekanntgegeben, dass es jetzt 1,5 Millionen Menschen seien. Das ist eine Steigerung von 15 Prozent in vier Jahren. Langsam macht sich der Druck auf die Regierungen bemerkbar. Es ist ein Zugeständnis der G-8-Länder, dabei zu helfen, medizinische Behandlung zugänglich, und der Erfolg von Verhandlungen, die Medikamente billiger zu machen. (...)
Bill Clinton hat sich dafür eingesetzt, dass in Indien hergestellte Kopien von Medikamenten mit Markennamen in Afrika verkauft werden dürfen, natürlich viel billiger. Vor vier Jahren kosteten die Medikamente pro Person und Jahr 10.000 Dollar. Heute sind es nur noch 130 Dollar im Jahr.
Frage: Warum erhebt ein Land wie Sambia Schulgebühren? Weil die Weltbank das so entschieden hat. Das war nicht die Idee der sambischen Regierung. Wenn Sie Waisenkindern helfen wollen, können Sie natürlich einen Scheck schicken. Sinnvoller ist es, Sie schreiben an Ihre Regierung, an die Weltbank, engagieren sich in der Anti-Schulgebühren-Kampagne. Aber es betrifft auch das Krankenwesen. Kenia zum Beispiel: In Kenia herrscht ein großer Mangel an Krankenschwestern. Sie brauchen Tausende. Sie haben Tausende. Aber die Regierung darf sie nicht im öffentlichen Gesundheitswesen beschäftigen, weil der Internationale Währungsfonds die Staatsausgaben kontrolliert. Und Kenia wird nicht erlaubt, Geld für Krankenpersonal auszugeben.
Was die Erste Welt tut: Wir setzen uns immer an die erste Stelle. Lesotho zum Beispiel: Beschäftigung gibt es in diesem Land eigentlich nur in den Stofffabriken, die T-Shirts für den westlichen Markt herstellen. Arbeit ist besonders für junge Frauen wichtig, denn es hat sich herausgestellt, dass dies sie am besten vor HIV schützt. In jeder Untersuchung wird ein direkter Zusammenhang festgestellt: Je mehr Zugang zu eigenem Einkommen eine Frau hat, desto weniger wahrscheinlich infiziert sie sich. Es wäre also gut, wenn Lesotho seine Bekleidungsindustrie ausbauen würde. Aber Kanada, die Vereinigten Staaten, Europa haben ein Importverbot für Kleider aus Lesotho. Wir stellen Handelsbeschränkungen auf, um unsere eigenen Industrien zu schützen.
Man geht davon aus, dass seit den sechziger Jahren 500 Milliarden Dollar als Hilfe nach Afrika geflossen sind, aber was heißt das? In den Jahren des Kalten Krieges wurden davon Waffen gekauft, oder das Geld verschwand auf den Konten dubioser Staatschefs. Die Weltbank hat nicht danach gefragt, was mit diesem Geld passiert ist. Ohne Frage gibt es Korruption, und es wird auch viel Geld verschwendet. In Afrika wie überall sonst. Aber das ist viel besser geworden, und gerade was die Aids-Spenden angeht, ist das System geradezu vorbildlich transparent.
Fahren Sie nicht nach Kenia, um dort in einem Waisenhaus zu arbeiten. Sie helfen mehr, wenn Sie bleiben, wo Sie sind, und sich dafür einsetzen, dass die Schulgebühren abgeschafft werden oder Handelsbarrieren fallen. Jeder will den Wohltäter spielen, niemand will sich für soziale Gerechtigkeit einsetzen. Aber das hilft viel mehr.
Am besten unterstützen Sie Organisationen, die die Arbeit vor Ort leisten, wie Ärzte ohne Grenzen. Aber auch eine Organisation, die Interessen vertritt, DATA zum Beispiel, Bonos Organisation. Denn man braucht nicht nur Menschen, die Kranken helfen, man muss auch die Politik ändern. Es ist auch nett, eine afrikanische Organisation zu unterstützen. Die südafrikanische Treatment Action Campaign zum Beispiel, die jetzt in ganz Afrika als Modell dient. Sie setzt sich nicht nur für günstigere Medikamente ein, sondern bringt den Menschen auch bei, wie man seine Regierung unter Druck setzt.Geändert von Inaktiver User (04.06.2007 um 22:18 Uhr)
-
05.06.2007, 08:03Inaktiver User
AW: Berichterstattung aus Rostock
Zu der Information über die behandelten Aids-Fälle: Die Präsentation durch den Spiegelreporter (offenbar kein Mathematiker!) gibt das Bild noch negativer wieder als es schon ist. Ein Anstieg der behandelten Fälle von 100000 vor (anscheinend) vier Jahren auf 1.5 Millionen ist ein Anstieg nicht um 15 % sondern eine Explosion der Behandlungen um das 15-fache (1500 % !!!). Auch wenn dies bedeutet, dass immer noch nur etwa 5 % der Infizierten behandelt werden, ist dieser gewaltige Anstieg ein Hinweis wieviel bereits getan wird, und dass man auch in Afrika endlich aufwacht!
Das Versickern der staatlichen Entwicklungshilfe (daneben sind wesentlich höhere Beträge als Investitionen geflossen) illustriert ja gerade die gesellschaftlichen Probleme in weiten Teilen Afrikas: Wie will man verhindern, dass Entwicklungshilfe, die von Staaten oder supranationalen Organisationen an Regierungen vergeben wird, von den Machthabern auf schweizer Konten umgeleitet wird? Die einzige Möglichkeit wäre, dass das Geld direkt in Projekte vor Ort fließt (z.B. privat geförderte Krankenhäuser oder Schulen) und somit der "Schwund" Richtung Schweiz verringert wird (Bestechung und Diebstahl werden deswegen nicht verschwinden nur etwas reduziert) - aber das geht nur mit Zustimmung der Regierenden, und die haben kein Interesse daran ihr Einkünfte zu vermindern.
Ist die einzige Möglichkeit - wie einzelne afrikanische Aktivisten provozierend gefordert haben - die Kolonialherrschaft wieder herzustellen ????
Nur eine weitere Bemerkung über die Entwicklung Afrikas: Außer einer Bahnlinie von Daressalam in Tansania nach Sambia (chinesische Entwicklungshilfe) und einigen Erzbahnen z.B. in Mauretanien sind alle Eisenbahnlinien in Afrika während der Kolonialzeit gebaut worden - und in Tansania fahren dort noch Lokomotiven aus der deutschen Kolonialzeit, also vor 1914!
Wo ist das Geld für Infrastrukturmaßnahmen geblieben?
djgm
-
05.06.2007, 09:37
AW: Berichterstattung aus Rostock
Was nützt es denn, wenn der Westen in Schulen in Afrika xxx,-- € investiert und sich der entsprechende afrikanische Staat in dem selbem Umfang finanziell zurückzieht.
Mit dem Willen zur Korruption findet sich immer ein Weg.
Der Vergleich mit Asien ist gerechtfertigt. Diese Volkswirtschaften haben vergleichbare klimatische, rohstoffliche und produktive Faktoren als Grundlage. Aber sie machen deutlich mehr aus ihren Möglichkeiten - ohne Hilfe aus dem Westen UND niemand jammert über die Weltbank, den Globalismus, Medikamente, Ausbeutung etc.
China ist mittlerweile der bedeutendste Investor in Afrika. Die kaufen Rohstoffrechte, bauen Fabriken und INVESTIEREN in Infrastruktur und Korruption, ALLERDINGS gegen Kredit mit Abzahlung in Rohstoffen.
In der Internetboomzeit gab es in den USA den Begriff des "stupid german money SGM" - Scheint sich zu halten!


Zitieren