Man kann alles so oder so sehen, Pia.Es wurden keine Vorkontrollen seitens der Polizei durchgeführt, obwohl doch schon im Vorfeld von Gewalttätern die Rede gewesen war. Das ist unverantwortlich!
Hätte man die Leute durchsucht, dann hätte man auch Rostock abriegeln müssen, hätte den Ablauf der Demo behindert bzw. Leute an der Teilnahme gehindert, dann hätte es sicher geheißen, "Polizei behindert demokratische Demo".
An die Pflastersteine und Gehwegplatten wären die auch sowiesp gekommen, Flaschen eh.
Jedem, der nicht an die Existenz bzw. Authentizität der autonomen Schläger glaubt, empfehle ich die Lektüre deren Foren und Publikationen z.B. auf Indymedia.
Die diskutieren das durchaus, es gibt immer auch welche, die den Nutzen von Gewalt anzweifeln, diese werden aber meist niedergemacht. Jedenfalls ist klar, dass solche Aktionen in der autonomen Szene vorbereitet und geplant werden, da ist nichts mit spontan und "provoziert".
Falls du, wie Dein Nick andeutet, aus Berlin kommst, kann ich mich nur wundern. Hier haben wir die Show doch jedes Jahr am 1. Mai.
Ich selber war mal Zeuge, wie Autonome in Prenzlauer Berg einen Supermarkt abfackelten (als "Strafe", weil dieser Supermarkt die Lebensmittelgutscheine von Asylbewerbern annahm). Um die Feuerwehr am Löschen zu hindern, wurden Autos auf die Strasse gekippt und angezündet. Ein Auto gehörte einem türkischen Lebensmittelhändler, der leider noch in dem Auto drinsaß.
Die nachfolgende Debatte in TAZ und Indymdia gehörte zu dem Verlogensten, was ich je gelesen habe.
Hätte man warten sollen, bis der Mann ausgestiegen ist? Darf man nur die Autos von Deutschen anzünden? Und so weiter.
Das hat meine Sicht der Dinge nachhaltig verändert, muss ich sagen.
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Ergebnis 21 bis 30 von 96
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04.06.2007, 08:42
AW: Berichterstattung aus Rostock
Kottan: "I rauch ned, i trink ned und i hob nix mit andere Frauen"
Elvira: "Gar koan Fehler?"
Kottan: "Doch, i liag manchmal"
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Profilbild © Analuisa
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04.06.2007, 09:02
AW: Berichterstattung aus Rostock
Was ist das für ein Rechtsbewusstsein, daß massive Gewalt mit einer (vermeintlichen) Provokation legitimiert?
Auslöser war ein einzelnes Polizeiauto welches ca. 20 m von der Marschstrecke des "schwarzen Blockes" stand. Diese fühlten sich durch die Anwesenheit der Polizei provoziert und überschütteten die Polizisten mit einem Steinhagel. Anschließend wurde Jagd auf kleinere Gruppen von Polizisten (massives Auftreten ist ja auch Provokativ) gemacht. Dabei wurden 30 Polizisten SCHWER verletzt, dh durch Messerstiche, offene Knochenbrüche etc..
Erst danach schritten Hundertschaften der Polizei ein um die Lage unter Kontrolle zu bringen.
ALSO wehe mich provoziert mal ein vobeifahrendes Polizeiauto, oder eine Politesse mit Strafzettel, oder eine unfreundliche Kassiererin, oder weinende Kinder .... DANN darf ich ja auch ...
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04.06.2007, 10:23
AW: Berichterstattung aus Rostock
Zitat von coco13
Nein! Ich meine eskalieren.
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04.06.2007, 10:32Inaktiver User
AW: Berichterstattung aus Rostock
Die Veranstalter hatten mit der Polizei vereinbart auf "provozierende" Vorkontrollen zu verzichten.
Allerdings würde ich grundsätzlich auch von den Veranstaltern solcher Demonstrationen (auch von solchen, die ich persönlich unterstütze!) erwarten, dass sie das Ihre tun um Gewalttäter auszuschalten. Es gibt keinen Grund, warum die Mehrheit der friedlichen Demonstranten nicht die Gewalttäter identifizieren, isolieren und der Polizei übergeben könnte.
Selbst wenn man es versteht, dass die radikalen Linken gegen die Polizei "kämpfen" (ich verstehe es nicht!!), ist es eine völlig andere Sache, wenn (wie oben erwähnt) friedliche Passanten und Beobachter angegriffen werden und die Autos und Fensterscheiben von Unbeteiligten ruiniert werden.
Die Duldung und das "Kleinreden" solcher Ausschreitungen nimmt der ganzen guten Sache der Mehrheit der Demonstranten die Legitimation.
djgm
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04.06.2007, 10:34
AW: Berichterstattung aus Rostock
@ Nadine auf wievielen Demos warst Du denn schon, wo die Lage eskaliert ist? Ich war bei 3 solchen Veranstaltungen bei und kann beide Seiten nicht freisprechen. Am Samstag war ich nicht dabei, kann mir aber eben sehr gut vorstellen, dass es auch in Rostock ähnlich war.
Natürlich ist es nicht ok eine Einzelne Gruppe Polizisten zu jagen und derart zu verletzen, aber bist Du Dir sicher dass bei den Wohnungsdurchsuchungen keiner verletzt wurde oder einzelne Personen schon im Vorfeld Gewahrsam genommen wurden. Auch die Polizei hat da ein paar ganz große Knalltüten bei die die Lage nicht verbessern (ob nun mit oder ohne Absicht). die Medien neigen leider dazu nur eine Seite darzustellen, selten werden beide Seiten treffend dargestellt...
und zum Abschluß
Und das das nicht übertrieben ist, müsste man daran sehn, das viele Grundrechte außer kraft gesetzt wurden.
1. Die Demstrationsfreiheit: Wir dürfen nicht mal einfach so an die Ostsee Fahren um zu demonstrieren...nein, man könnte ja gefählich sein!Zack: Vorbeugehaft! Außerdem, darf man sowieso nicht da Demonstrieren, wo es am Sichtbarsten wäre... am Zaun...denn da (so ein gerichts Urteil) darf nur eine Mahnwache mit Maximal 15Leuten stehn.
2. Das Recht auf Freiheit: Onkel Horst fährt wie jedes Jahr mit seinem Kegelclub an die Ostsee zum Saufen, wird aber von der Bahn bereits als "Größere Grupe" weiter geleidet an die Polizei, die nimmt diese mal vorsichtshalb in "Vorbeugehaft", denn die könnten ja demonstrieren...
3. Das Versamloungsrecht... eben schon beschrieben...
4. Die Unverletzbarkeit der Wohnung: S.o.
5. Die Pressefreiheit: Denn es dürfen nur bestimmte Journalisten gewisse Informationen erhalten. Warum und wieso, wurde noch nicht genannt. Und überhaupt war im Gespräch die Berichtserstattung über Heiligendamm zu Zensieren... dies bricht auch direkt 2 Weitere Grundrechte (6. und 7.)
6. Das Recht der Berufsausübung: Da ja nicht jeder Journalist berichten darf was er will...
7. Das Recht der Gleichbehandlung: Da ja nur ein ausgelesener Kreis an Journalisten Informationen bekommen darf.
Und ich bin mir recht sicher, wenn ich noch etwas überlege Fallen mir noch mehr Grundrechte ein, die für den G8-Gipfel außer kraft gesetzt wurden!
punkix
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04.06.2007, 10:43Inaktiver User
AW: Berichterstattung aus Rostock
Zum ersten djgm01,
Zitat von Inaktiver User
das indentifizieren der Gewaltäter machen sicherlich verdeckte Beobachter effektiver, was das isolieren und der Polizei übergeben betrifft, würde dir die Polizei sicher was husten, da es ihre Arbeit nur erschweren würde.
Denn die Zahl der Gewaltausübenden würde sich sicher verdrei- oder vervierfachen. Sprich: Massenschlägereien würden sich entwickeln.
Oder glaubst Du, "kampferprobte", gewaltbereite Chaoten würden sich einfach so isolieren und abführen lassen. Von Menschen, die nur einen Bruchteil der Gewalt entgegensetzen könnten, auf die sie prallen würden?! Denn die Chaoten würden sich ja wehren! Und dann hätten sie genau das heraufbeschworen was sie wollen, und ihre Bezeichnung wahr werden liesse: nämlich absolutes, nicht beherrschbares Chaos. Mit möglicherweise Toten in hoher Zahl.
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04.06.2007, 11:20Inaktiver User
AW: Berichterstattung aus Rostock
Baselitz -
ich möchte hier die Verantwortung der Veranstalter betonen - und weiß, dass es nicht leicht ist die konstruktiv zu tun.
Aber die Veranstalter haben es (bisher) erfolgreich verhindert, dass Rechte mit denselben Zielen sich an den Demonstrationen beteiligen. Wenn das funktioniert, warum kann man dann nicht die (potentiellen) Gewalttäter aus der ideologisch "eigenen" (linken) Richtung ebenfalls ausschließen?
Ich halte es für wichtig gerade zur Verteidigung der Demonstrationsfreiheit, dass diejenigen, die friedlich für ihre Sache eintreten wollen, sich entsprechend von der Gewalt distanzieren. Der Sprechen von Attac hat dies zumindest verbal getan - bei anderen Gruppierungen vermisse ich eine zumindest formelle Distanzierung und spüre - wie auch bei der Eröffnerin dieses Strages - eher Sympathie für die Gewalttäter.
djgm
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04.06.2007, 11:27
AW: Berichterstattung aus Rostock
#punkix
1. Demonstrationsfreiheit
Dieses Grundrecht verspricht doch keine Demonstrationen egal wo, wann und wie! Wäre ja lustig, dann melde ich eine Demo in DEINER Wohnung an, weil ich gegen dich demonstrieren will; oder mit 5 anderen Frauen einen Sitzstreik auf dem Autobahnkreuz ...
NIEMAND bestreitet das Grundrecht auf Demonstrationen, nur will denn jemand Schlachten am Zaun von Heiligendamm?
2. Quelle für Kegelclub in Vorbeugehaft?
3. Nicht überall, wie gesagt auf dem Autobahnkreuz oder in deiner Wohnung wird es eben kritisch.
4. Wenn die Judikative (NICHT die Polizei!) über Beweise verfügt, daß Straftaten dadurch ermittelt oder vereitelt werden können, wird diese (zurecht) außer Kraft gesetzt
5. Zu sehr vielen Pressekonferenzen werden nicht alle angemeldeten Journalisten eingeladen. Journalist kann jeder sein, auch der vorbestrafte Chaot vom "Anarcho-Journal" - verständlich das er nicht eingeladen wird. Ob die Linke wohl Journalisten der National-Zeitung einlädt?
6. Er darf schreiben und berichten was er will, allerdings nicht von jedem Ort aus. Sicherlich hätte auch eine 24 h-Begleitung von J.W. Bush seinen Informationswert - da sind dann 23 h eine Beschneidung des Informationsrechtes und der Pressefreiheit?
7. siehe 5
Viel Lärm um nichts! Diese weinerliche Gejammere mit Schlagworten ohne viel Substanz geht echt auf die Nerven.
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04.06.2007, 11:39Inaktiver User
AW: Berichterstattung aus Rostock
Ich weiß auch immer nicht so recht, was ich von manchen Polizeieinsätzen halten soll >anrechtundordnungglaube>. Aber wenn ich mir das hier so anschaue in Dresden: Zum Petersburger Dialog hat die Polizei einfach die Autos vor die Transparente von Menschenrechtlern gerollt, damit Herr Putin das ja nicht lesen kann... Und zur Bunten Republik Neustadt gab es auch immer wieder seltsame Bilder: auf der einen Seite die Polizisten in voller Montur, auf der anderen Leute mit Kleinkindern auf dem Arm, die garantiert keine Krawalltouristen waren. Außer vielleicht die Kinder...
Mir kommt es manchmal so vor, als ob die Polizei mit bürgerlichem, demokratischen Engagement nicht so recht umgehen kann... Ich überlege auch, ob der hier in den neuen Bundesländern zum Polizeistaatstrend zusätzlich immer noch bestimmte Erfahrungen abgehen, was den Umgang mit Demonstrationen anbelangt....
>Gedankenwölkchen<
Jedenfalls ein echt schöner Beitrag, Pia_bln!
Ehrenpreis
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04.06.2007, 11:45
AW: Berichterstattung aus Rostock
Demonstration in der Wirklichkeit
Wie hungrige Globalisierungskritiker ihre Ideale über Bord warfen
Der Hunger macht weich. Geduldig standen Demonstranten in Schlangen vor den internationalen Fastfood-Ketten an. McDonalds, Burger King und Pizza Hut machten mit dem Appetit der Globalisierungskritiker in Rostock ein Riesengeschäft - dabei stehen sie sonst im Zentrum des Protests.
Rostock - Wer seinen Proviant nicht selbst zur Rostocker Großdemonstration mitgebracht hatte, musste hungern - oder eigenen Forderungen zuwider handeln: Denn in der Rostocker Innenstadt hatten aus Angst vor Randale am Samstagabend fast alle Imbisse und Lokale geschlossen, nicht aber die Fast-Food-Ketten Burger King, McDonald's, Pizza Hut und Subway. Vor ihren Türen bildeten sich Schlangen von Demonstranten, die einträchtig neben Polizisten darauf warteten, etwas bestellen zu können.
So stieß man dann in den Fast-Food-Tempeln mit Coca-Cola an, tischte Pommes in Mayo und Ketchup auf, aß Burger und Pizzen, während vor den Schaufenstern die Demonstranten vorbei zogen und Parolen wie "Stoppt den Kapitalismus" oder "Nieder mit der Globalisierung" skandierten. Gerade die Hamburger-Ketten wie McDonald's stehen in der Kritik der Globalisierungsgegner, weil sie zur umweltschädlichen industriellen Fleischproduktion beitragen und in aller Welt die örtlichen Ernährungstraditionen bedrohen.
Ölkonzern lieferte Bier an die Demonstranten
Aber schon ehe die hungrigen Globalisierungsgegner ihr Geld bei McDonald's und Co. auf den Tresen legten, profitierte einer der sonst so verachteten Öl-Großkonzerne von ihnen: Der Demonstrationszug passierte eine Tankstelle des französischen Unternehmens Total und sorgte dort für großartige Geschäfte: Während Bäckerläden und Imbisse entlang der Route auch hier aus Angst vor Ausschreitungen geschlossen hatten, spekulierte man bei der Tankstelle auf den Hunger der Massen.
Die Demonstranten hatten schon drei Kilometer hinter sich, als die Tankstelle auftauchte. Der Verkaufsraum war sofort gerammelt voll mit Kunden aus der Demo, beliebtester Artikel war Bier vor Brötchen und Gebäck.
Da wegen des Umzugs sowieso keine Autos an die Station kommen konnten, hatten die Tankwarte die ganze Waschstraße mit Getränkekisten vollgestellt und dort sogar einen zweiten Verkaufstresen eröffnet. Und während die männlichen Demonstranten ihre Verachtung für den französischen Ölmulti durch einen Toilettengang hinter das Gebäude ausdrücken konnten, waren Frauen dankbar für den Kloschlüssel.
Holger Mehlig, AP
Interessant auch der Verlauf einer Plünderung von Parkautomaten. Beim Herausreissen des Automaten aus der Verankerung und der Demolierung desselben waren sich die Chaoten einig und arbeiteten zusammen. Als aber die ersten Münzen auf den Boden fielen, brach ein wildes Handgemenge los und jeder Demonstrant versuchte so schnell und so viel Kleingeld wie möglich zu erwischen - ob sie dieses dann sofort gespendet haben?


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