Auch ich sehe (noch) keine wirkliche Islamisierung bei uns, auch wenn man sich in manchen Stadtteilen eher in den Orient versetzt fühlt - eben die Entmischung und sogar Ghettoisierung, die Mitleser erwähnt. Und wenn man in einer solchen Ecke wohnt, mag man sich schon betroffen fühlen.
Das Problem, das ich sehe, ist die Freiheit, die wir in unserer Gesellschaftsordnung (richtigerweise !!!!) auch Minderheiten einräumen, die aber dazu führen kann, dass solche Minderheiten - und dazu zählen grundsätzlich Moslems - die in ihrem Kulturkreis diese Toleranz nicht kennen, sie missbrauchen. Sei es nur dadurch, dass sie sich selbst isolieren, sei es, dass sie versuchen unsere Toleranz zu nutzen, ihre Grundsätze auch uns aufzudrängen.
djgm
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Ergebnis 11 bis 18 von 18
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03.05.2007, 15:43Inaktiver User
AW: Präsidentschaftswahl in der Türkei
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03.05.2007, 16:28Inaktiver User
AW: Präsidentschaftswahl in der Türkei
So ist es, und genau deshalb hört bei mir da die Toleranz einfach auf, wenn mir Dinge aufgezwungen werden sollen und wenn ich die nicht will, ich gleich als Nazi beschimpft werde.
Da hört der Spaß einfach auf und ich sage: Nein, ich will mit dem Islam an sich einfach nichts zu tun haben. Fertig.
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03.05.2007, 17:16Inaktiver User
AW: Präsidentschaftswahl in der Türkei
Klarstellung meines Textes oben:
Moslems sind - bei uns! - grundsätzlich eine Minderheit, aber Moslems sind nicht grundsätzlich intolerant.
Wir kennen ja den Grundsatz, dass Freiheit immer die Freiheit des anders Denkenden ist. Daneben kam von sozialistischer Seite auch die (faschistische!!) Forderung "Keine Freiheit für die Feinde der Freiheit".
Wie finden wir die richtige Balance zwischen diesen Positionen? Wie können wir hier - und vielleicht in einem Europa, zu dem auch eine fundamentalistische Türkei (oder ein nationalistisches Polen) gehören könnte - unsere Werte beibehalten, die Werte anderer anerkennen (ohne sie zu übernehmen), und weiterhin die Freiheit des anders denkenden achten ohne unseren Prinzipien untreu zu werden?
Haben wir das Recht zu fordern, dass diejenigen, die sich uns (in Europa oder in Deutschland) anschließen wollen auch für sich unsere Prinzipien annehmen? Dass z.B. in der Türkei Christen gleiche Rechte wie Moslems haben und auch frei missionieren dürfen qwie wir es Moslems bei uns zugestehen?
Oder müssen wir uns darauf beschränken, nur vor der eigenen Haustür zu kehren?
Für mich würde das allerdings bedeuten, dass jemand, der als Mitbewohner in mein Haus Europa einziehen will, akzeptieren muss, wenn ich vor unserer gemeinsamen Haustür kehre! Und damit - bildlich gemeint! - nicht nur meinen sondern auch seinen Dreck wahrnehme!
djgm
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03.05.2007, 17:27
AW: Präsidentschaftswahl in der Türkei
Also soviel ich weiß waren die Türken nicht immer Moslems ..sie sind irgendwann aus Zentralasien (natürlich gab es ja viele Völkerwanderungen auch hier in Europa - wo sind übrigens die Kelten?) und sind dann Moslems geworden um sich besser anzupassen. Die Ungarn wurden aber keine Moslems - sie haben sich für den christlichen Glauben entschieden.
<<Die guten Bücher sind in einer Art Fremdsprache geschrieben.>>
Marcel Proust
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03.05.2007, 18:28Inaktiver User
AW: Präsidentschaftswahl in der Türkei
Und die Deutschen waren nicht immer Christen - keine Nation war immer das, was sie heute ist. Und bis zu den Zeiten Mohammeds waren auch die Araber keine Moslems.
Aber willst du damit sagen, dass "die" Türken demnächst Christen würden, oder wir Moslems werden sollten?
Natürlich sind wir alle eine Mischung aus vielem, was vor uns war. Die Kelten, die vor uns hier lebten, sind zum größten Teil von den später gekommenen Germanen assimiliert worden. Die Slawen, die in Mecklenburg wohnten, sind jetzt Deutsche. Die aus Zentralasien eingewanderten Türken haben sich in Anatolien mit der eingesessenen Bevölkerung vermischt - manche Türken sehen genauso aus, wie die Abbildungen der Hethiter, die vor 4000 Jahren dort lebten - und haben Angehörige vieler anderer Völker assimiliert, die als Gefangene oder als Verbündete gekommen sind.
Was sagt uns das ???
djgm
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03.05.2007, 18:32
AW: Präsidentschaftswahl in der Türkei
Die Frage sollte sich jeder selber stellen.
<<Die guten Bücher sind in einer Art Fremdsprache geschrieben.>>
Marcel Proust
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03.05.2007, 20:32Inaktiver User
AW: Präsidentschaftswahl in der Türkei
Zitat von Inaktiver User
Das ist ja so paradox!
Atatürk war bestimmt kein Heiliger. Aber er führte in der Türkei das laizistische Zivil- und Strafrecht ein, wohl eine Einmaligkeit für einen moslemischen Staat.
Und dieses laizistische Zivil- und Strafrecht, falls es genau befolgt wird, entspricht exakt den EU-Voraussetzungen mit deren Ziel einer breiten bürgerlichen Mittelschicht im Rahmen einer Zivilgesellschaft.
Also stellt doch die AKP mit der Infragestellung des türkischen Militärs (= als Gralshüter Atatürks) diese laizistische Rechtsauslegung infrage - und die EU-Annäherung.
Vorgestern schrieb mir ein Türke, er erlebe das alles hautnah mit und zusammen mit seiner Familie und seinen Kollegen sorgten sie sich real um eine Islamisierung der türkischen Gesellschaft; darauf hätte die AKP hingearbeitet, das sei ihr Ziel. Denn erst ein religiös ausgerichteter Präsident könne zusammen mit der AKP-Mehrheit im Parlament die Gesetze kraft seiner Unterschrift ändern, könne wichtige Ämter linientreu besetzen und hätte vor allem den Oberbefehl über die Streitkräfte.
Ihm sei ein Militär, das sich die Verteidigung der Demokratie plus Atatürks Erbe zum Ziel setze, lieber als ein Militär, das durch linientreue Offiziere AKP-isiert würde. Wir sollten wissen und bedenken, daß die Jungs clever seien... die seien schon mal aufs Maul gefallen und Erdoğan mußte deswegen sogar ins Gefängnis und diesen Fehler wiederholten sie nicht noch mal... und deshalb entscheide sich nun alles an der Präsidentenfrage... und das sei nun mal richtungsentscheidend für die Zukunft seines Landes... und auch wesentlich wichtiger als ein möglicher EU-Beitritt, der mit dieser Problematik nix zu tun hätte.
Wie geht es weiter? Er sagte: Wir werden sehen... es stünden Neuwahlen an, aber der Schwachpunkt sei die 10%-Hürde zum Einzug ins Parlament... aber es sei gut, daß die Leute auf die Straße gingen... und am Ende sei es gut, daß das Militär Druck ausübe, auch wenn diese Situation für Außenstehende schwer zu begreifen sei.
Hier noch ein Link zum Thema: Das Kopftuch der Frau Gül...
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04.05.2007, 14:17
AW: Präsidentschaftswahl in der Türkei
AUs der Zeit vom 3. Mai 2007
http://www.zeit.de/2007/19/01-Tuerkei
"Die Armee gibt noch heute vor, die Hüterin des Westkurses zu sein. Doch ähneln die Generale dabei entfernt ihren Kollegen in Pakistan: einer Armee gegen die Demokratie, vorgeblich um die Islamisten zu verhindern Das türkische Verfassungsgericht hat einen Weg zu demokratischen Neuwahlen gewiesen. Die Armee sollte nun schweigen. Denn mit weiteren Eingriffen drohte der Türkei eben die Pakistanisierung. Und diese Richtung, das belegen die Karten im Generalstab, weist nun gar nicht nach Europa."
<<Die guten Bücher sind in einer Art Fremdsprache geschrieben.>>
Marcel Proust


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