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    AW: Wie wächst zusammen, was zusammen gehört - ein Austausch über Politik u. Gesellsc

    Zitat Zitat von Sariana Beitrag anzeigen
    Die Porzellanmanufakturen haben zum großen Teil überlebt.
    Produktdesign Burg Giebichenstein in Halle/Saale. Glashütte Uhren.
    Ja, typisch. Eine Branche ohne viel (technische) Innovation.
    Neugründern oder willigen ehemaligen Angestellten, die die alten Betriebe übernehmen wollten, wurden Steine in den Weg gelegt.
    So geht die Erzählung oft und ich kann mir auch gut vorstellen, dass die es so empfunden haben. Aber auch im Westen ist und war es immer schwer, ohne Sicherheiten an Bankkredite zu kommen. Das haben viele nicht verstanden und sich persönlich abgelehnt gefühlt.

    Die Firmen wurden an Goldgräber verscherbelt, die sich an Fördergeldern bereichert haben und wieder verschwunden sind.
    Klar, „der Westen hat uns platt gemacht“. Es haben auch viele Firmen viel Geld in den Osten investiert, vergeblich. Beispiele wie das von Henkel mit den 120 Millionen habe ich schon gebracht, gibt nicht wenige. Das waren mehrere hunderttausend Euro pro Arbeitsplatz. Man kann nicht retten, was zu retten ist, nur viel Geld verbrennen. Beispiel aus Westdeutschland: die Steinkohle. Da hat man über viele Jahrzehnte versucht, Arbeitsplätze zu retten, die nicht zu retten waren. Anstatt die Hütten gleich dicht zu machen und das Geld in was Neues zu stecken. Traurig.

    Ich bin auch nicht dafür, dass Jammern und Nichtstun die einzige Lösung ist.
    Ich hatte da auch viele Jahre durchaus Verständnis dafür. In der DDR wurde man nicht zum Firmengründer erzogen, zum Macher, zum Visionär. Sondern zu denen, die in der Masse nicht auffallen. Aber so sind die jungen Leute ja auch heute gar nicht mehr sozialisiert worden. Trotzdem ist Jammern verbreitet und diese „Ihr schuldet mir was“ Mentalität genauso. AfD wählen die auch. Mein Verständnis dafür ist ziemlich aufgebraucht.

    Zitat Zitat von hillary Beitrag anzeigen
    Und genau das ist der unterschwellige Tenor, den viele Ossis vermeinen herauszuhören. "Ihr habt doch nichts geleistet, war doch alles Schund."
    Nachdem ich meinen Beitrag geschrieben hatte, habe ich noch kurz überlegt, hinzuzufügen, dass der einzelne da ja nichts für kann, das war ja durch das System so vorgegeben. Ich denke nicht mal, dass die obersten in der DDR was dafür konnten. Die haben schließlich auch nur gemacht, was die Russen vorgegeben haben.
    Geändert von BlueVelvet06 (27.09.2021 um 14:36 Uhr)
    Bin gerade beim Kochen.
    Im Rezept steht: „Gemüse putzen und würfeln.“
    Hab jetzt Gemüse geputzt und eine 4 gewürfelt.
    Und jetzt?

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    AW: Wie wächst zusammen, was zusammen gehört - ein Austausch über Politik u. Gesellsc

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    In einem Föderalstaat gehört zunächst gar nichts zusammen.
    Sehe ich auch.

    Man fühlt sich immer einigen! regionalen Gruppen oder Stämmen zugehöriger als anderen.

    Die Bayern fraternisieren eher mit Oberösterreich oder Tirol.

    Ich hab gefühlt mit einem Sachsen oder Thüringer mehr gemeinsam als mit einem Schwaben oder Franken (gut, altbairisches Thema )

    All diese Animositäten sind vor allem medial.

    Und dass manche meinen früher wäre alles besser gewesen, wahlweise unter Hitler, Honecker oder dem Hunnenkönig - ja mei.

    Ich finde, Dissens kann man auch herbeischreiben....

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    AW: Wie wächst zusammen, was zusammen gehört - ein Austausch über Politik u. Gesellsc

    Ich finde es schade, wenn das Thema direkt wieder veralbert wird.

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    AW: Wie wächst zusammen, was zusammen gehört - ein Austausch über Politik u. Gesellsc

    Zitat Zitat von R_Rokeby Beitrag anzeigen
    Ich hab gefühlt mit einem Sachsen oder Thüringer mehr gemeinsam als mit einem Schwaben oder Franken (gut, altbairisches Thema )

    All diese Animositäten sind vor allem medial.

    Und dass manche meinen früher wäre alles besser gewesen, wahlweise unter Hitler, Honecker oder dem Hunnenkönig - ja mei.

    Ich finde, Dissens kann man auch herbeischreiben....
    Arbeitest du mit jungen Menschen zusammen, die nur kurz in der DDR gelebt haben, aber von damals schwärmen? (darum gings eigentlich)
    Du wählst aber nicht die AfD, weil du meinst du bist mit denen besser dran als mit SPD, Grünen und CDU?
    Wenn du in den Spiegel schaust, siehst du den Menschen, der für dein Leben verantwortlich ist.

    Ich habe noch nie gehört, dass es jemandem gelungen ist, vor sich selbst davonzulaufen.

    20 Jahre Bricom - krieg ich jetzt ein Eis?

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    AW: Wie wächst zusammen, was zusammen gehört - ein Austausch über Politik u. Gesellsc

    Zitat Zitat von BlueVelvet06 Beitrag anzeigen



    Nachdem ich meinen Beitrag geschrieben hatte, habe ich noch kurz überlegt, hinzuzufügen, dass der einzelne da ja nichts für kann, das war ja durch das System so vorgegeben. Ich denke nicht mal, dass die obersten in der DDR was dafür konnten. Die haben schließlich auch nur gemacht, was die Russen vorgegeben haben.
    Ja.
    Ich sehe ja auch nicht den Westdeutschen als Besserwessi.
    Deine Beiträge schätze ich übrigens sehr, weil sie von Sachverstand zeugen.
    Und den AfD-Wählern übern Kopp streichen, nee das fangen wir erst gar nicht an.
    Trotzdem schauderts mich bei den Zahlen und ich hätt gern gewusst, was sich die Wähler davon versprechen.
    Soziales Heil kommt da auch nicht. Und ob konsequentes Abschieben, die Staatskasse wieder füllt, weiß ich auch nicht.
    Wenn du in den Spiegel schaust, siehst du den Menschen, der für dein Leben verantwortlich ist.

    Ich habe noch nie gehört, dass es jemandem gelungen ist, vor sich selbst davonzulaufen.

    20 Jahre Bricom - krieg ich jetzt ein Eis?

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    AW: Wie wächst zusammen, was zusammen gehört - ein Austausch über Politik u. Gesellsc

    Zitat Zitat von hillary Beitrag anzeigen
    Arbeitest du mit jungen Menschen zusammen, die nur kurz in der DDR gelebt haben, aber von damals schwärmen? (darum gings eigentlich)
    Du wählst aber nicht die AfD, weil du meinst du bist mit denen besser dran als mit SPD, Grünen und CDU?
    Zur Zeit arbeite ich nicht mit "jungen Menschen..." - aber früher. KH in M z.B.

    Ich verstehe die Frage nicht

    Denkst du denn man könne solche, von dir erlebten und geschilderten Menschen und ihre Umstände durch "Zusammenwachs-Maßnahmen" oder sowas ändern?

    Ich nicht.

    Ich kenne aber durchaus viele, die als sie jung waren in der alten BRD lebten und jetzt das Hohelied auf die "gute alte Zeit" in den 19-80ern singen.
    Kohl, Pershing, Strauß, Tchernobyl und ...... - alles vergessen. Also die Antipode zum Ostalgie: die Westalgie.

    Geblieben ist die Suche nach der vergangenen Zeit. Quasi exakt im proustschen Sinne durchexerziert seelisch.
    Man sucht halt: die (eigene) Jugend.

    Und wenn die in der DDR war, kommt es einem auf einmal mit 40 oder 50+ so vor, als ob das Tolle das Land und nicht das Selbst war.

    Aber natürlich gibt es immer irgendwelche ewigen und ewiggestrigen Idioten, die tatsächlich die Folterkeller der SED zurückwollen.
    An denen sich abarbeiten ist imho sinnlos.

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    AW: Wie wächst zusammen, was zusammen gehört - ein Austausch über Politik u. Gesellsc

    Naja, dass an der Demokratie der Kapitalismus dranhängt, hatte mancher eben nicht auf dem Schirm.

    Ich schrieb es schon an anderer Stelle, dass ich mich vor meiner Ausreise habe nicht von der Werbung im Westfernsehen einschläfern lassen, sondern politische Sendungen und Ratgeber für den Alltag angeschaut habe.
    Das Geld, was ich entbehren konnte, habe ich schwarz getauscht, teilweise zum Kurs 1:10 (1 Westmark für 10 Ostmark). Hat uns die ersten Wochen auch erst einmal über Wasser gehalten bis die Bürokratie durch war.

    Nach Ungarn und Bulgarien durfte ich gar nicht, bei einem "Brigadeausflug" von einem Tag ins Bädedreieck der Tschechoslowakei musste sich meine damalige Chefin dafür verbürgen, dass ich wieder zurück komme. So ein Irrsinn, dachte ich, meine Kinder sind zu Hause bei Oma und Opa - ich haue doch nicht ab.

    Vor gar nicht so langer Zeit habe ich eine Doku beim mdr oder rbb gesehen über Eltern, die nach dem Mauerfall ihre Kinder im Osten zurück ließen.

    Ich kann mich sehr gut in die Menschen hineinversetzen, die zum ersten Mal in ihrem Leben arbeitslos wurden.
    Nach meiner "Übersiedlung" war ich, die immer gearbeitet hat, plötzlich arbeitslos.

    Die Mitarbeiter beim damaligen Arbeitsamt waren überfordert und steckten mich in eine Umschulungsmaßnahme der DAG für Kaufleute.
    Der Witz: Ich habe eine fundierte kaufmännische Ausbildung genossen, war vor meiner Ausreise als Finanzbuchhalter und Betriebswirtschaftler beschäftigt.
    Also Soll und Haben kannte ich auch aus dem Sozialismus und Bilanzen habe auch ich erstellt, nur nicht nach bundesdeutschem Steuerrecht.

    Ich habe mich dann selbst um einen Job gekümmert, als Zimmermädchen, Bedienung, Hotelangestellte, Hauptsache ich konnte meine Söhne und mich ernähren und war nicht vom Arbeitsamt abhängig.
    Ich habe Bewerbungen geschrieben, Absagen kassiert und im Rückblick betrachtet, war es eine ähnliche Situation wie 2015:

    Was wollen "die" hier?
    Wir haben selbst nicht genug (Arbeit) und außerdem, wer weiß, ob die überhaupt arbeiten können?

    Das waren harte Zeiten und die Vorurteile über die faulen Ossis halten sich in einigen Kreisen noch hartnäckig.
    Doch sind mir Menschen begegnet, die mich gefordert und gefördert haben, machen musste ich alleine.

    Nichts zu tun zu haben, macht depressiv, dazu Existenznöte, 1-Euro-Jobs, ABM-Maßnahmen. Man/frau will ja arbeiten, nur zaubern kann niemand.

    Vielleicht hat auch manche(r) Angst vor der Fremde, hat seine eigene Scholle, Eltern, die versorgt werden müssen.

    Ostdeutsche Mädchen/Frauen sind mutiger, nicht alle, sie ziehen eher einem Job hinterher als die Jungen/Männer.

    Es war/ist eine Völkerwanderung jedoch in Richtung Westen ZEIT ONLINE | Lesen Sie zeit.de mit Werbung oder im PUR-Abo. Sie haben die Wahl.
    Liebe ist nicht weil ... sondern trotz und obwohl.
    (Gabriele Krone-Schmalz)

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    AW: Wie wächst zusammen, was zusammen gehört - ein Austausch über Politik u. Gesellsc

    Ιch bin gebürtige Berlinerin (West) und lebe noch immer dort, beim Mauerfall war ich Anfang 30.

    Aufgrund der geografischen Lage war mir die DDR nie wirklich fremd. Als Erwachsene konnte ich, wenn auch mit etwas bürokratischem Aufwand, ja häufiger nach Berlin (Ost) und in die DDR reisen, was ich auch getan habe. Und wir konnten DDR-Fernsehen schauen, was ich als Kind häufiger, als Erwachsene weniger getan habe. Ich kann mich erinnern, dass ich (und mein Mann und Kinder) vor der Wende bei Reisen ins noch sozialistische Ausland nie so genau eingeordnet werden konnten. Zumeist ging man davon aus, dass wir aus der DDR kamen, wenn wir als Wohnort "Berlin" nannten.

    Meine persönliche Erfahrung nach der Wende ist und war, dass sich zu Frauen, mit denen es persönliche Gemeinsamkeiten (Alter, Familie, Beruf etc.) gab, immer ein Verhältnis ohne Fremdheit aufbauen ließ. Zu Männern auch, aber zu Frauen leichter, weil es halt doch mehr Gemeinsamkeiten gab. Persönliche Kontakte entstanden in Berlin schnell, weil sich die Teams im Arbeitsleben, aber auch in den Hobby-Gruppen rasch mischten. Die unterschiedliche Sozialisierung spielte keine Rolle, es gab und gibt halt Gesprächsstoff, sich über die Unterschiede und Gemeinsamkeiten auszutauschen. Das heißt natürlich nicht, dass man jeden gleichermaßen mag, aber das hat/hatte nix mit Ost-/West-Biographie zu tun. Ich habe auch Schwiegersöhne, ebenfalls Berliner, die noch in der DDR geboren wurden und dort die Kindergarten- und ersten Schuljahre verbracht haben. Fremdheit spüre ich da im persönlichen Kontakt auch nicht.

    Allerdings habe ich mich erstmals und dann häufiger ab den 10er Jahren aufgrund einer verstärkt offensiv und plakativ vorgezeigten politischen Ausrichtung ganz weit rechts teilweise fremd gefühlt. Das hat meine Offenheit verschreckt und ich meide inzwischen privat zugegebenerweise manche Regionen in den neuen Bundesländern, weil ich keine Lust auf diese Konfrontation habe (z. B. in Gasthäusern, Hotels, Pensionen u. ä.). Ich weiß, dass diese politische Richtung in den alten Bundesländern genauso zu finden ist und auch immer zu finden war, nach meinem Gefühl wird man aber dort (noch) weniger offensiv damit konfrontiert. Macht es nicht besser, aber man kann es halt eher ausblenden oder ich kann mit meiner doch eher west-deutsch geprägten Sozialisation damit besser umgehen.
    Nach meinem Gefühl werden da Unterschiede, sowohl in Ost als auch in West, auch künstlich hochgeschaukelt oder gepflegt. Leider.

  9. Moderation

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    AW: Wie wächst zusammen, was zusammen gehört - ein Austausch über Politik u. Gesellsc

    Zitat Zitat von hillary Beitrag anzeigen
    Mein Vater hat bis zu seinem 20. Lebensjahr in Westeuropa gelebt, der hat genau diesen Satz 1990 zu mir gesagt und ist in die Politik gegangen, für die Linken.


    Zitat Zitat von R_Rokeby Beitrag anzeigen
    Und dass manche meinen früher wäre alles besser gewesen, wahlweise unter Hitler, Honecker oder dem Hunnenkönig - ja mei.

    Ich finde, Dissens kann man auch herbeischreiben....
    Zitat Zitat von R_Rokeby Beitrag anzeigen
    Ich kenne aber durchaus viele, die als sie jung waren in der alten BRD lebten und jetzt das Hohelied auf die "gute alte Zeit" in den 19-80ern singen.
    Ja klar gibt es die auch, die Vergangenheit zu verklären ist ein allgemein-menschlicher Zug. Aber das ist nicht der Punkt, um den es hier geht.

    Die Wessis, die die 70er Jahre verklären, wählen eben nicht in nennenswerter Anzahl die AFD - und auch nicht die DKP oder die MLPD, um zwei Splittergruppen von der anderen Seite des Spektrums zu nennen, die es damals schon gab und die tatsächlich, wie ich festgestellt habe, zumindest hier in Niedersachen Kandidaten für die Bundestagswahl aufgestellt haben. Solche Grüppchen rangieren auf 0,0soundsoviel%-Niveau.

    Das hohe Abschneiden der AfD in den östlichen Ländern (ich habe gerade nicht im Kopf, ob das auf alle zutrifft) ist es, warum zumindest ich meine, dass uns Wessis das Ost/West-Thema nicht egal sein sollte.
    Moderation in der Religion, der Politik und im Glücklicher Leben.

  10. Moderation

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    AW: Wie wächst zusammen, was zusammen gehört - ein Austausch über Politik u. Gesellsc

    Sariana, danke für das Teilen deiner Erfahrungen

    Zitat Zitat von Sariana Beitrag anzeigen
    Naja, dass an der Demokratie der Kapitalismus dranhängt, hatte mancher eben nicht auf dem Schirm.
    Das denke ich halt nicht.

    Es gab sicher Menschen im Osten wie z.B. dich, denen es um die Demokratie ging und nicht oder nicht so sehr um den Kapitalismus. Aber die meisten wollten doch sehr wohl den Kapitalismus haben, jedenfalls die Vorteile des kapitalistischen Systems, sprich den freien Zugang zu Bananen, West-Jeans und Mercedes. Nur dass sie eben nicht wahrhaben wollten (was ihnen im Staatsbürgerkunde-Unterricht in der Schule sicher erzählt worden ist), dass Kapitalismus immer auf Ausbeutung beruht. Wir im Westen haben unsere Politiker jahrzehntelang, meist mit sentimentalem Unterton, über die "Brüder und Schwestern im Osten" (so hieß das damals) reden hören. Das war allerdings leider kein Grund, dieselben Menschen dann mit der Wiedervereinigung auch brüderlich und schwesterlich zu behandeln.
    Moderation in der Religion, der Politik und im Glücklicher Leben.

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