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    AW: Wie wächst zusammen, was zusammen gehört - ein Austausch über Politik u. Gesellsc

    Sariana, das war aber auch der Lauf der Zeit. Überall. Auch in Westdeutschland wurde vieles „platt gemacht“, weil es ähnliche Produkte viel billiger aus anderen Ländern, beispielsweise Asien gab. Das war auch in anderen Ländern so, nicht nur in Deutschland, nicht nur in Ostdeutschland. Die Ostdeutschen haben das aber so gesehen, tun sie heute noch. Das ist nunmal die freie Marktwirtschaft, Nähmaschinen und Haushaltsgeräte werden auch in Westdeutschland oft nicht mehr produziert. Ist ja nicht so, als wenn Unternehmen in die Standorte in der ehemaligen DDR kein Geld investiert hätten, Beispiele habe ich ja gebracht. Aber es fehlten bis auf ganz wenige Ausnahmen die Innovationen. Die hätte man 20 Jahre vorher intensiv anleiern müssen, damit sie zur Wende marktreif oder fast marktreif für den Welthandel gewesen wären, das ist aber nicht passiert. Es gab solche Produkte nicht. Außerdem fehlten bis auf ganz wenige Ausnahmen die „state of the art“ Produkte aus eigener Entwicklung. Welche DDR Produkte waren das denn? Also Produkte, die es so nur in der DDR gab und die Europa, besser noch die Welt, brauchte? Vielleicht was aus Jena, aber sonst? Wo waren denn die Produkte, die wirklich weltmarktfähig waren und die man zu Preisen hätte herstellen können, die auf den Lohnkosten basierten, die nach der Wende galten?

    Außerdem fehlte der Mittelstand fast komplett. Den sollte man nicht unterschätzen, das ist auch in Westdeutschland ein wichtiger Faktor.

    Was man oft findet, wenn man mit Ostdeutschen spricht, und nicht nur den Alten:: es wird so getan, als habe man Produkte produziert und entwickelt, die nach weltwirtschaftlichen Gesichtspunkten konkurrenzfähig waren, auch wenn man sie mit an Westeuropa annähernd angeglichenen Löhnen und Arbeitsbedingungen (beispielsweise in Bezug auf die Arbeitssicherheit) produziert hätte. Das ist einfach nicht der Fall. Anstatt dessen wird so getan, als haben die Westdeutschen Ostdeutschland einfach „plattgemacht“ und deshalb schuldet ihnen Westdeutschland was bis in alle Ewigkeit.
    Bin gerade beim Kochen.
    Im Rezept steht: „Gemüse putzen und würfeln.“
    Hab jetzt Gemüse geputzt und eine 4 gewürfelt.
    Und jetzt?

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    AW: Wie wächst zusammen, was zusammen gehört - ein Austausch über Politik u. Gesellsc

    Die Porzellanmanufakturen haben zum großen Teil überlebt.
    Produktdesign Burg Giebichenstein in Halle/Saale. Glashütte Uhren.
    Neugründern oder willigen ehemaligen Angestellten, die die alten Betriebe übernehmen wollten, wurden Steine in den Weg gelegt.
    Die Firmen wurden an Goldgräber verscherbelt, die sich an Fördergeldern bereichert haben und wieder verschwunden sind.

    Ich bin auch nicht dafür, dass Jammern und Nichtstun die einzige Lösung ist.
    Liebe ist nicht weil ... sondern trotz und obwohl.
    (Gabriele Krone-Schmalz)

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    AW: Wie wächst zusammen, was zusammen gehört - ein Austausch über Politik u. Gesellsc

    Ja, ich glaube, das wird oft vergessen, dass es vieles, was es im Osten nicht mehr gibt, auch im Westen nicht mehr gibt.

    Natürlich haben wir im Westen zum Beispiel davon profitiert, dass im Osten Möbel und Elektrogeräte für deutsche Versandhäuser produziert wurden (und das waren auch gute Produkte, die Privileg-Kühlschränke waren nicht nach ein paar Jahren kaputt). Aber die würde heute zu den Preisen, die man bei westlichem Lohnniveau aufrufen müsste, auch niemand mehr kaufen.

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    AW: Wie wächst zusammen, was zusammen gehört - ein Austausch über Politik u. Gesellsc

    Zitat Zitat von BlueVelvet06 Beitrag anzeigen
    Das ist nunmal die freie Marktwirtschaft, Nähmaschinen und Haushaltsgeräte werden auch in Westdeutschland oft nicht mehr produziert. Ist ja nicht so, als wenn Unternehmen in die Standorte in der ehemaligen DDR kein Geld investiert hätten, Beispiele habe ich ja gebracht. Aber es fehlten bis auf ganz wenige Ausnahmen die Innovationen. Die hätte man 20 Jahre vorher intensiv anleiern müssen, damit sie zur Wende marktreif oder fast marktreif für den Welthandel gewesen wären, das ist aber nicht passiert. Es gab solche Produkte nicht. Außerdem fehlten bis auf ganz wenige Ausnahmen die „state of the art“ Produkte aus eigener Entwicklung. Welche DDR Produkte waren das denn? Also Produkte, die es so nur in der DDR gab und die Europa, besser noch die Welt, brauchte? Vielleicht was aus Jena, aber sonst? Wo waren denn die Produkte, die wirklich weltmarktfähig waren und die man zu Preisen hätte herstellen können, die auf den Lohnkosten basierten, die nach der Wende galten?


    Was man oft findet, wenn man mit Ostdeutschen spricht, und nicht nur den Alten:: es wird so getan, als habe man Produkte produziert und entwickelt, die nach weltwirtschaftlichen Gesichtspunkten konkurrenzfähig waren, auch wenn man sie mit an Westeuropa annähernd angeglichenen Löhnen und Arbeitsbedingungen (beispielsweise in Bezug auf die Arbeitssicherheit) produziert hätte. Das ist einfach nicht der Fall.
    Und genau das ist der unterschwellige Tenor, den viele Ossis vermeinen herauszuhören. "Ihr habt doch nichts geleistet, war doch alles Schund." Warum die Betriebe so marode waren, was ein wirtschaftliches Embargo war und das der Transferrubel nicht konvertibel war. Ja, ist Jahre her.
    Wenn man sich richtig Mühe gibt, findet man auch was, was Patent aus'm Osten ist, aber viel zu kleines Land und eher schmalbrüstig industriealisiert. Gab auch keinen Länderfinanzausgleich.
    Ich weiß u.a. wer Betriebe aus Treuhandsicht beurteilt hat, das waren nicht immer erfahrene Macher, die an die menschlichen Folgen gedacht haben. Warum auch, war unwichtig. Betriebswirtschaftlich Kosten viel zu hoch und den volkswirtschaftlichen Salat haben wir jetzt.
    Von solchen Situationen profitieren immer die Extremen, ham wa grad.
    und 1961 ist die Mauer nicht als antifaschistisch denmokratischer Schutzwall hochgezogen worden, nee man hat die Abstimmung mit den Füßen von vielen Fachkräften verhindern wollen, war keine gute Idee, wissen wir alle, aber hatte eben auch diesen Grund. Meine Mutter war zu der Zeit noch jung, Berufsanfänger, die hat erzählt, wie die jedesmal unruhig wurden, wenn Montags ein Ingenieur zu spät oder gar nicht am Arbeitsplatz auftauchte. Ich kenne das Gefühl aus 1989, 1990 hat's mich dann nicht mehr so getroffen.
    Nein, dafür kann der normale Westdeutsche nix, aber so manch Ossi verträgt eben das "na bei euch war doch alles im Ar...gen" immer noch nicht.
    All das ist keine Rechtfertigung für Faschsimus, Rassismus und Antisemitismus, aber eine Erklärung.

    Anstatt dessen wird so getan, als haben die Westdeutschen Ostdeutschland einfach „plattgemacht“ und deshalb schuldet ihnen Westdeutschland was bis in alle Ewigkeit.
    Das es nicht so ist, wissen viele. Aber viele hätten es gern so. Manchmal denke ich, die haben vergessen, das der Osten die Mauer niedergerissen hat, nicht der Westen. Der einzige der damals ehrlich war, war Oskar Lafontaine, alle anderen haben doch freudengetaumelt.
    Mir schuldet niemand aus der alten Bundesrepublik was, ich habe ja nicht mal Verwandte drüben. Kenne aber genügend Menschen, die mit mir auf einer Wellenlänge sind, wenn man mal den Ossi weg lässt. Deswegen mag ich die (Selbst)Definition der Linken als Ostpartei nicht. Aber die AfD spielt genau diese Klaviatur und es funzt.
    Und dabei sind die meisten AfD-Größen aus'm Westen. Treppenwitz der Geschichte.
    Geändert von hillary (27.09.2021 um 12:40 Uhr)
    Wenn du in den Spiegel schaust, siehst du den Menschen, der für dein Leben verantwortlich ist.

    Ich habe noch nie gehört, dass es jemandem gelungen ist, vor sich selbst davonzulaufen.

    20 Jahre Bricom - krieg ich jetzt ein Eis?

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    AW: Wie wächst zusammen, was zusammen gehört - ein Austausch über Politik u. Gesellsc

    Ich finde die Art und Weise, wie die Abwicklung durch die Treuhand vonstatten gegangen ist, auch kritikwürdig, weiß aber nicht, wie man so eine Mammutaufgabe unter den bestehenden Voraussetzungen vernünftig hätte bewältigen können.

    Denkt Ihr denn, es wäre - zumindest für die Stimmung - besser gewesen, man hätte die ehemaligen VEB erstmal noch in irgendeiner Rechtsform ein paar Jahre alleine weiterwirtschaften lassen, um es dann entweder zu schaffen (einige) oder alleine am Ende doch zugrunde zu gehen (viele)?

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    AW: Wie wächst zusammen, was zusammen gehört - ein Austausch über Politik u. Gesellsc

    Vielleicht wäre das besser gewesen - und man hätte weniger dieser "Goldgräber" gehabt, die nur die Fördermillionen abgegriffen und sich dann aus dem Staub gemacht haben. Dass das im Osten aufgestoßen ist, kann ich begreifen, zumal das Goldgräbertum da zuvor nicht als "Entrepreneurship" im Sinne einer positiven Eigenschaft propagiert worden war. Was mich etwas gewundert hat, war, dass die Leute von der hässlichen Seite des Kapitalismus überrascht waren. DAS wiederum hatte man ihnen ja lange zuvor ständig erzählt...

  7. Moderation

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    AW: Wie wächst zusammen, was zusammen gehört - ein Austausch über Politik u. Gesellsc

    Zitat Zitat von Unayza Beitrag anzeigen
    Vielleicht wäre das besser gewesen - und man hätte weniger dieser "Goldgräber" gehabt, die nur die Fördermillionen abgegriffen und sich dann aus dem Staub gemacht haben.
    Kapitalismus at it's best.

    Dass das im Osten aufgestoßen ist, kann ich begreifen, zumal das Goldgräbertum da zuvor nicht als "Entrepreneurship" im Sinne einer positiven Eigenschaft propagiert worden war. Was mich etwas gewundert hat, war, dass die Leute von der hässlichen Seite des Kapitalismus überrascht waren. DAS wiederum hatte man ihnen ja lange zuvor ständig erzählt...


    Die Menschen im Osten wollten den Kapitalismus, aber offenbar nicht diesen. Dass die DDR-Führung ihnen jahrzehntelang erzählt hat, was Kapitalismus bedeutet bzw. bedeuten kann, hielten sie wohl für Propaganda.

    Der ungeregelte Kapitalismus hat zwei Seiten, und wenn man auf der Verliererseite steht, ist es nicht lustig.
    Moderation in der Religion, der Politik und im Glücklicher Leben.

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    AW: Wie wächst zusammen, was zusammen gehört - ein Austausch über Politik u. Gesellsc

    Den Strang finde ich wirklich hochinteressant.
    Die unterschiedliche Aufarbeitung der Nazivergangenheit fände ich auch wichtig.

    Ich bin ja nun echt westliche Wessi, ich habe hier im Forum schon geschrieben, das Luxemburg (deutlich!) näher liegt als Berlin.
    Und natürlich waren wir da tanken, wenn wir in Trier waren und ich war in Frankreich im Schüleraustausch. Grenzen? Ab und an haben sich Grenzer geärgert, dass sie beim Kartenspielen gestört wurden.
    Und dann sind wir im Sommer 1989 zu entfernten Verwandten in die DDR gefahren.
    Ich bin so froh, das bewusst erlebt zu haben, meine Geschwister haben das schon nicht mehr so präsent.
    Das war schon was Anderes, auf der Rückreise wurde selbst der Rücksitz des Autos umgedreht.
    Unsere Verwandten waren noch der Meinung, dass "die in Ungarn" langsam machen sollen, sonst gäbe es noch mehr Restriktionen.
    An Mauerfall im November hat da glaube ich echt niemand gedacht.

    1989 und 1990 war ich übrigens für "den dritten Weg", also den Fortbestand der DDR. Ich bitte zu bedenken, dass sich erst 15/16 war (genau genommen bin ich nach der Wiedervereinigung 16 geworden). Heute denke ich, das hätte die DDR finanziell nicht lange geschafft.

    Von DDR Geschichte weiß ich leider sehr wenig, und wenn kommt es von Formaten wie "Weissensee".

    Aber als sich als junge Frau Jana Hensels "Zonenkinder" gelesen hab, habe ich ganz oft gedacht: Das haben wir aber auch gemacht. Die ist ein bisschen jünger als ich, und ich denke, ob man im Zeltlager mit den Pfadfindern oder der FDJ war, hat vermutlich nicht so viel Unterschied gemacht.
    Unsere Generation ("X" respektive "Golf" ) hat ja mittlerweile längstens mehr gemeinsame als unterschiedliche Jahre in Deutschland (und jüngere ja erst recht)- aber es zählt auch die Geschichte der Familie.

    Also, auf den Strang hier bin ich echt gespannt, danke an Charlotte!
    Geändert von mono17 (27.09.2021 um 14:02 Uhr)
    Gib dem Leben Farbe, bring dich ein mit einem Wort, einem Lächeln.

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    AW: Wie wächst zusammen, was zusammen gehört - ein Austausch über Politik u. Gesellsc

    toller und hochinteressanter Strang.

    Danke

    Macht nix, ich habe sehr viel zu tun und kann meine Freizeit durchaus auch konstruktiv gestalten.

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    AW: Wie wächst zusammen, was zusammen gehört - ein Austausch über Politik u. Gesellsc

    Zitat Zitat von Analuisa Beitrag anzeigen

    Der ungeregelte Kapitalismus hat zwei Seiten, und wenn man auf der Verliererseite steht, ist es nicht lustig.
    Mein Vater hat bis zu seinem 20. Lebensjahr in Westeuropa gelebt, der hat genau diesen Satz 1990 zu mir gesagt und ist in die Politik gegangen, für die Linken.
    Viele im Osten haben gedacht und auch gesagt: die guten Seiten vom Westen und die guten Seiten vom Osten, ja das wär's.
    Und wenn ich kleiner frischausstudierter Ökonom damals gesagt habe, das ist unfinanzierbar, hörte das keiner gern.
    Ich weiß gar nicht, hat der Kohl vielleicht auch gesagt: " wir schaffen das" ach nee, der sprach von blühenden Landschaften.
    Klar gibt's die und nicht zu knapp, aber sind eben doch viele dabei hintenruntergefallen, die das so nicht wahrhaben wollten.
    Für den Westen, wie den Osten Deutschlands, kam das Ganze völlig überraschend. Vielleicht war der Osten ein Mµ weiter voraus, siehe Gorbatschow.
    Der RGW ist ja komplett zusammengekracht. Nur wir Ossis hatten das Glück mit der reichen Schwester im Osten. Vom großen Bruder im Osten hatten wir genug.
    Wenn du in den Spiegel schaust, siehst du den Menschen, der für dein Leben verantwortlich ist.

    Ich habe noch nie gehört, dass es jemandem gelungen ist, vor sich selbst davonzulaufen.

    20 Jahre Bricom - krieg ich jetzt ein Eis?

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