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    AW: Wie wächst zusammen, was zusammen gehört - ein Austausch über Politik u. Gesellsc

    Am meisten an dieser Wahl bewegen mich die 11 % für die AfD. Mit einer Spitzenkandidatin wie Alice Weidel, die sich nicht scheut, Nazi-Rhetorik zu bemühen - ein Ergebnis, für das ich mich für Deutschland schäme.






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    AW: Wie wächst zusammen, was zusammen gehört - ein Austausch über Politik u. Gesellsc

    Zitat Zitat von hillary Beitrag anzeigen
    Ich bin im Osten aufgewachsen und lehne von ganzem Herzen Faschismus, Rassismus und Antisemitismus ab.
    Ich glaube auch, dass du da kein Einzelfall bist. Das Problem ist nur, dass es so viele von der anderen Sorte gibt.
    Für mich war aber auch schon zu DDR-Zeiten das Gefühl da, das von oben herab verordneter Antifaschismus, die Anhänger des Nationalsozialismus nicht anficht. Seltsamerweise hat da die Stasi auch nicht funktioniert, bzw. ich habe den Verdacht, dass Altnazis da auch mitgemischt haben, nie offen natürlich.
    Bei den Dokus, die ich gesehen hab, hab ich den Eindruck gewonnen, dass man das Thema insofern totgeschwiegen hat, dass man die ehemaligen Nazis einfach in den Westen verortet hat. Die, die noch in der DDR waren, waren heimattreu oder was es da auch immer für Vokabeln gibt, aber doch keine Nazis. Weil es in der DDR nie gab, was es nicht geben durfte. Verbrechen beispielsweise, gabs doch auch nur im Westen. Ehemalige Nazis genauso. Da war im Westen auch nicht alles Gold, aber jemand wie Filbinger musste letztlich zurücktreten, man hat ihm seine Vergangenheit nicht durchgehen lassen.
    Das wurde auch im Westfernsehen besprochen und benannt. Im Ostfernsehen kamen die ostdeutschen Nazis nie vor, wurden auch als solche nicht benannt. Kein Wunder, dass viele Ostdeutsche dachten, ehemalige Nazis gäbs nur in der BRD.
    Geändert von BlueVelvet06 (27.09.2021 um 09:21 Uhr)
    Bin gerade beim Kochen.
    Im Rezept steht: „Gemüse putzen und würfeln.“
    Hab jetzt Gemüse geputzt und eine 4 gewürfelt.
    Und jetzt?

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    AW: Wie wächst zusammen, was zusammen gehört - ein Austausch über Politik u. Gesellsc

    Ihren eigenen Wahlkreis zumindest hat Weidel nicht geholt, sie ist nur über die Liste abgesichert.


    Ansonsten: ja, dass die AfD insgesamt die 10 Prozent erreicht hat, ist übel, aber ich fürchte, das bildet die geeinte Rechte im Land leider ab

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    AW: Wie wächst zusammen, was zusammen gehört - ein Austausch über Politik u. Gesellsc

    Zitat Zitat von nachgefragt Beitrag anzeigen
    Ansonsten: ja, dass die AfD insgesamt die 10 Prozent erreicht hat, ist übel, aber ich fürchte, das bildet die geeinte Rechte im Land leider ab
    Die 10% hat sie aber ja nur, weil sie in Thüringen und Sachsen 25% hat. In vielen Landkreisen und Bundesländern hat sie viel weniger.
    Bin gerade beim Kochen.
    Im Rezept steht: „Gemüse putzen und würfeln.“
    Hab jetzt Gemüse geputzt und eine 4 gewürfelt.
    Und jetzt?

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    AW: Wie wächst zusammen, was zusammen gehört - ein Austausch über Politik u. Gesellsc

    Zitat Zitat von Sprachlos Beitrag anzeigen
    Nein, das hast du falsch verstanden. Letztlich sind gerade Sachsen und Thüringen wirtschaftlich sehr erfolgreich - unter den gegebenen Umständen. Aber sie sind auch zweimal am stärksten geschliffen worden. Auch Bayern war ein Profiteur dieses ersten dramatischen Einbruchs nach dem 2.Weltkrieg.
    Da wanderte viel Großindustrie und Kapital aus dem russischen Sektor ab und siedelte sich im Westen an.
    Während der verbleibende Rest von den Russen demontiert wurde wurde im Westen der Marshall-Plan aufgelegt.
    Uh, du hast nicht unrecht, aber das ist mir jetzt ein wenig arg holzschnittartig.
    Teile meiner Familie stammen aus der Stadt im Westen Deutschlands, die im 2. WK die in Europa am meisten zerstörte Stadt war. Davor galt sie als Stadt der Millionäre, von der Zerstörung hat sie sich nie mehr erholt. Nur mal so als Beispiel.

    Und dann wurde das was noch oder wieder da war an Wirtschaft ein zweites Mal platt gemacht nach der Wende.
    Soviel gabs halt auch nicht, was langfristig profitabel hätte weiter betrieben werden können. BMW beispielsweise hat in ihr Werk Leipzig viel Geld gepumpt, intern sagt man, dass man dafür woanders zwei komplett neu hätte aufbauen können. Henkel hat das ihnen früher gehörende Werk in Genthin (SA) wieder zurück gekauft und 120 Millionen Euro investiert, es wurde und wurde nicht rentabel, es wurde verkauft, wieder Millionen investiert. Auch nur zwei Beispiele.

    Die blühenden Landschaften hatten sich die Leute im Osten sicher auch nicht als Transferempfänger oder allenfalls verlängerte Werkbank des Westens vorgestellt.
    Der Preis für den neuen wirtschaftlichen Aufschwung bezahlt/erkämpft Sachsen mit den niedrigsten Löhnen deutschlandweit, hoffentlich nicht mehr lange, aber das ist die aktuelle Realität.
    Sowas meine ich. Man schaut nur darauf, dass die Löhne sind so hoch sind wie der Durchschnitt im Westen (was beispielsweise bei BMW in Leipzig und Eisenach nicht stimmt, aber das nur nebenbei) aber dass es a) im Westen auch Gegenden gibt, wo die Löhne niedriger sind und b) dass man Löhne immer auch im Zusammenhang mit den in der Gegend aktuellen Lebenshaltungskosten betrachten muss, das wird vernachlässigt.

    Die Sachsen werden höhere Löhne bekommen, aber ihre Lebenshaltungskosten werden steigen. Dann wird darüber gejammert.
    Geändert von BlueVelvet06 (27.09.2021 um 09:56 Uhr) Grund: Korrekturen
    Bin gerade beim Kochen.
    Im Rezept steht: „Gemüse putzen und würfeln.“
    Hab jetzt Gemüse geputzt und eine 4 gewürfelt.
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    Zitat Zitat von BlueVelvet06 Beitrag anzeigen

    Bei den Dokus, die ich gesehen hab, hab ich den Eindruck gewonnen, dass man das Thema insofern totgeschwiegen hat, dass man die ehemaligen Nazis einfach in den Westen verortet hat. Die, die noch in der DDR waren, waren heimattreu oder was es da auch immer für Vokabeln gibt, aber doch keine Nazis. Weil es in der DDR nie gab, was es nicht geben durfte. Verbrechen beispielsweise, gabs doch auch nur im Westen. Ehemalige Nazis genauso.
    Guter Punkt.


    Obendrein wird Politik tatsächlich von Jahr zu Jahr komplexer. Es gibt auch nicht mehr _die_ eine Partei, hinter deren Programm 'man' bedingungslos stehen kann. Es ist ein Abwägen, wozu eben die Fähigkeit gehört, viele Faktoren betrachten und einfliessen lassen zu können. Dafür sind im Osten offensichtlich noch nicht die (Denk-)Strukturen vorhanden. Ich hoffe, das ändert sich noch, auch wenn es jetzt schon viel Zeit dafür gegeben hat.






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    AW: Wie wächst zusammen, was zusammen gehört - ein Austausch über Politik u. Gesellsc

    Einen unterschwelligen Antisemitismus gab es bereits in der DDR qua Verordnung, jüdisches Leben gab es so gut wie keins, alles was mit Religion zusammenhing war unerwünscht.
    Den "Alten" war es möglich unbehelligt ihren Glauben zu leben, während wir Jungen (ich bin Jahrgang 56) unter Druck gesetzt wurden.
    Theologiestudenten standen unter besonderer Beobachtung, ein Sohn unseres Pfarrers wurde anlässlich der Proteste gegen die Sprengung der Universitätskirche von der Stasi fotografiert und stand von da an unter Beobachtung.
    Das ist übrigens der Pfarrer aus Erfurt, der zum einem zum runden Tisch gehörte, und sich für Versöhnung engagiert hat. Nicht zuletzt seelsorgerisch anlässlich des Amoklaufes in Erfurt als einer der Ersten tätig war.

    Fremdenhass bzw. Ablehnung gegen Fremde gab es, nur durfte das nicht offen artikuliert werden. Die ausländischen Studenten brachten Geld in die Kasse, ein großer Teil war aus aller Herren Länder, die arabischen Staaten waren häufiger vertreten.

    Während DDR-Studenten in Bruchbuden hausten, mit Klo auf der halben Treppe, waren die ausländischen Studenten mit die ersten, die in die Plattenbau-Studentenwohnheime einzogen.
    Wenn es zu Prügeleien aus welchem Grund auch immer in Bars oder Diskotheken kam, an denen ausländische Studenten beteiligt waren, wurden Abschreckungsverhaftungen der Einheimischen vorgenommen. Ein DDR-Bürger wehrt sich nicht gegen einen "Klassenbruder".
    Belege? In meiner Stasi-Akte, da ich auch wegen des Kontaktes zu dem ehemaligen Boxer, Leistungssportler, im Visier war.

    Die Altnazis unterrichteten in meiner Grundschule, wir bekamen von unserem Deutschlehrer genauso mit dem Lineal auf die Finger wie schon unsere Eltern.
    Die ältlichen Fräulein Lehrerin waren stramme BDM-Mädels, selbst meine Lehrausbilderin, die dann zur dunkelroten Socke wurde und drillte, nur eben in einer anderen Farbe.
    Unser Mathematik-Lehrer ab Mittelstufe war kein Nazi, aber bei der Wehrmacht unter Rommels Kommando. Das wussten wir aber nur, weil er öfter wegen Malaria ausfiel und unser Klassenlehrer uns darüber informierte.
    Als Lehrer war er sensationell, er hat alle Schüler gefördert und gefordert. Wir haben ihn alle sehr gemocht, und die letzte Stunde vor den Ferien las er uns Geschichten von "Klein-Erna auf dem Jungfernstieg" vor, einem in der DDR nicht gern gesehenen Buch.

    Wir hatten ab der Mittelstufe das Glück, dass wir hauptsächlich Lehrer hatten, die direkt nach dem Krieg an der ABF (Arbeiter-und Bauernfakultät) studiert haben. Als Literatur dazu empfehle ich "Die Aula" von Hermann Kant.

    Ich habe bis 1970 auf einer glückseligen Insel, einem Vorort, gelebt und habe auch meinen Glauben leben können, ohne größere Repressionen, es wurde toleriert.
    Dann tauchte jedoch ein Physik-Lehrer an der Schule auf, der dunkelrot war und auch das Lehrerkollegium bespitzelte, was immer vermutet wurde und sich bestätigte als eine unserer Lehrerinnen ihre Stasi-Akte eingesehen hat. Sie und meine Mutter waren befreundet.
    Nicht linientreue Schüler, inclusive mir, wurden von ihm schikaniert, trotz Elternproteste, darunter auch Parteimitglieder, wurde er nicht von der Schule entfernt.

    Es sind also keine neuen "Auswüchse".

    Mich machen zusätzlich ganz besonders die Leute wütend, die im Zusammenhang mit Corona von einer Diktatur sprechen, die einen begreife ich nicht, weil sie oftmals die Diktatur erlebt haben, bei den anderen weiß ich manchmal nicht, was ich denken soll.
    Liebe ist nicht weil ... sondern trotz und obwohl.
    (Gabriele Krone-Schmalz)

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    AW: Wie wächst zusammen, was zusammen gehört - ein Austausch über Politik u. Gesellsc

    Zitat Zitat von BlueVelvet06 Beitrag anzeigen
    Die 10% hat sie aber ja nur, weil sie in Thüringen und Sachsen 25% hat. In vielen Landkreisen und Bundesländern hat sie viel weniger.

    Ja, leider.
    Und 4 Direktmandate in Thüringen gewonnen, 9 in Sachsen.
    Wenn du in den Spiegel schaust, siehst du den Menschen, der für dein Leben verantwortlich ist.

    Ich habe noch nie gehört, dass es jemandem gelungen ist, vor sich selbst davonzulaufen.

    20 Jahre Bricom - krieg ich jetzt ein Eis?

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    AW: Wie wächst zusammen, was zusammen gehört - ein Austausch über Politik u. Gesellsc

    Zitat Zitat von Sariana Beitrag anzeigen
    Mich machen zusätzlich ganz besonders die Leute wütend, die im Zusammenhang mit Corona von einer Diktatur sprechen, die einen begreife ich nicht, weil sie oftmals die Diktatur erlebt haben, bei den anderen weiß ich manchmal nicht, was ich denken soll.


    Und danke Sari für den ganzen Beitrag.
    Wenn du in den Spiegel schaust, siehst du den Menschen, der für dein Leben verantwortlich ist.

    Ich habe noch nie gehört, dass es jemandem gelungen ist, vor sich selbst davonzulaufen.

    20 Jahre Bricom - krieg ich jetzt ein Eis?

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    AW: Wie wächst zusammen, was zusammen gehört - ein Austausch über Politik u. Gesellsc

    Ich möchte noch "kurz" auf die wirtschaftliche Situation kurz vor und nach der Wende eingehen.

    Die Konsumgüterproduktion der ehemaligen DDR war zum Großteil exportorientiert, Versandhäuser in der Bundesrepublik waren die Hauptabnehmer. Partieware, so nannte man die B-Sortierung, kam dann in die Läden, auf Zuteilung und Überschüsse, wenn der Export abgedeckt war.
    Die Feinstrümpfe und Feinstrumpfhosen, die für 0,99 DM im Westen zu erwerben waren, wurden unter anderem von politischen, weiblichen Häftlingen aus dem Hochsicherheitsgefängnis Hoheneck im sächsischen Thalheim bei "Esda" gefertigt.
    Rund um Hoheneck ansässige Textilbetriebe beschäftigten Insassinnen von Hoheneck, sie wurden mit Bussen mit abgedunkelten Scheiben vor Tau und Tag gebracht.

    Plauener Spitze gab es im Original für den Export, die DDR-Bürgerin nähte sich ihr Brautkleid aus Synthetik.

    Bevor der DDR-Bürger eine Kaffeemaschine bekam, war die Ware bei "Quelle" unter dem Namen "Privileg" zu finden. Die Modelle für den Binnenmarkt wurden modifiziert, damit es nicht zu Verwechslungen kam.
    Die Firma "VEB Patina" in Halle/Saale produzierte unter anderem für Nivea. Die älteste Schokoladenfabrik in Leipzig "Goldeck" produzierte für Trumpf-Schololade, hauptsächlich Hohlkörper, Nougat.
    Für den Binnenmarkt wurden die Zutaten gestreckt, deshalb schmeckte die Ost-Schokolade meist etwas sandig und kostet 3,85 MDN (Ostmark) pro Tafel.
    In Wurzen in der "Keksbude" waren zu DDR-Zeiten um die 1000 Mitarbeiter beschäftigt, um die Nachfrage an Salzstangen, Knabberkram, Erdnussflips weltweit abzudecken. Heute sind es um die 100 Mitarbeiter und die Wurzener wurden von Grissom übernommen.

    Es wurde vieles im Osten platt gemacht, was den Konsum Jahrzehnte im Westen am Laufen gehalten hat.
    Statt wirklich in die Tiefe zu schauen, wurden Arbeitsplätze vernichtet und Produktionen nach Asien verlagert, damit die Billigheimer noch billiger werden.

    Und an einem Teil der verschwundenen Marken sind auch die Konsumenten in den neuen Bundesländern "schuld", was vor der Wende als Tauschgut gefragt und begehrt war, war nichts mehr wert.
    Das Export-Bier, was vorher nur unter der Hand zu bekommen war, stand im Laden rum, denn es lagen die Begehrlichkeiten bei dem, was die Werbung versprach.
    Eine Traditionsbrauerei ging nach der Wende durch mehrere Hände und irgendwann pleite. Sie hat einen halben Ort ernährt und heute ist der Ort am Boden.
    Ich hoffe, dass sich jemand findet, der dieses Industriedenkmal rettet und nicht mit der Planierraupe platt macht.
    Liebe ist nicht weil ... sondern trotz und obwohl.
    (Gabriele Krone-Schmalz)

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