Gute Frage - um deine Frage zu beantworten, muss man aus meiner Sicht einen kurzen Blick in die Geschichte Afghanistans in den letzten 50-60 Jahren werfen.
Das Wichtigste gleich zu Beginn:
Demokratie und Frauenrechte sind nicht von fremden Mächten sozusagen nach Afghanistan importiert worden, wie Manche womöglich glauben, sondern das ist aus Afghanistan selbst gekommen und begann Mitter der 1960er Jahre unter König Mohammad Sahir Schah.
Sahir Shah, der letzte Monarch der über 200 Jahre alten Paschtunen-Dynastie, stand für ein freies, modernes Afghanistan. Während seiner Amtszeit blühte das Land. Die Menschen waren gebildet, Wirtschaft und Künste entfalteten sich, wie nie zuvor, und in den Straßen von Kabul trugen die Frauen sogar Miniröcke.
...
Seine Reformen ebneten 1964 den Weg für ein Zwei-Kammern-Parlament, Wahlen, eine freie Presse und für die Emanzipation der Frauen. Der König gründete Afghanistans erste Universität und holte ausländische Berater ins Land. Aus Ost und West flossen Hilfsgelder nach Afghanistan, und zumindest die Hauptstadt wuchs und gedieh in diesem Geldsegen. Unter seinem Regime erlebte das Land eine lange Dekade des Friedens und der Stabilität – bis heute erinnern sich die Afghanen mit Wehmut an diese Zeit.
Der König wurde Mitte der 1970er Jahre gestürzt, nach Zeiten der Unruhe 'übernahm' die kommunistische Partei 1978. Die UDSSR eilte dann Ende 1979 militärisch zur Hilfe. 10 Jahre Bürgerkrieg begannen, bevor dann 1989 die sowjetische Armee abzog. Noch bis 1992 konnten sich die Kommunisten an der Macht halten. Dann übernahmen die Mudschahidin und schließlich kamen die Taliban 1996 mit Hilfe von Pakistan an die Macht. Die Taliban Herrschaft endete sodann bekannterweise 2001.
Um auf deine Frage zurück zu kommen: in den letzten 57 Jahren seit 1964 gab es in Afghanistan mit Ausnahme der fünfjährigen Taliban Herrschaft keinen Staatsterror gegen Frauen und ihre Rechte.
Im Grunde genommen braucht Afghanistan keine 'ausländische Nachhilfe' von wem auch immer, wenn es um Frauenrechte geht.
Das Einzige, was Afghanistan allerdings braucht, ist Hilfe und Unterstützung, um sich gegen die Kriegsverbrecher und Staatsterrorristen der Taliban zu wehren.
Denn das die Taliban nun erneut die Macht ergreifen konnten, ist überhaupt nur deshalb möglich geworden, weil sie wieder massiv von Pakistan unterstützt worden sind. Gäbe es diese Unterstützung aus Pakistan nicht, dann gäbe es auch keine 'erfolgreiche' Taliban.
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20.08.2021, 10:51
AW: Afghanistan - Taliban ziehen wieder in Kabul ein
Es gibt so viele schöne Momente im Leben; ich sollte mich entspannen,
dann durchfluten sie mich wie Regen ...
American Beauty
Nothing in life is as important as you think it is, while you are thinking about it.
Daniel Kahneman
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20.08.2021, 10:54
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20.08.2021, 11:05
AW: Afghanistan - Taliban ziehen wieder in Kabul ein
Abstimmung mit den Fussen – Wikipedia
es handelt sich keinesfalls um meine persönliche wahrnehmung, denn laut allgemeiner übereinkunft wird eine "bewußte entscheidung" vorausgesetzt.
sogar spezifiziert auf den verbleib in einem land trotz schlechter verhältnisse!
würde man tatsächlich der betroffenen afghanischen bevölkerung eine abstimmung mit den füßen ermöglichen wollen, müsste man all jenen genau jetzt konkret helfen, dieses land trotz der militärgewalt der taliban zu verlassen.
doch da standen stehen und ja nicht zuletzt polit- und wahltaktische überlegungen im weg.
siehe hier:
Afghanistan Live-Ticker: „Fluchtlingsabwehr wurde hoher gewichtet“ - WELT

Die Gedanken sind frei....


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20.08.2021, 11:12
AW: Afghanistan - Taliban ziehen wieder in Kabul ein
@ VanDyck
Dein Wissen über die vergangenen Jahrzehnt deckt sich mit meinem. Nur dass Shah tatsächlich von seinem eigenen Cousin (!) gestürzt wurde.
Ich schrieb Anfang der Woche über eine Familie, in der die Großmutter sich unter Shah bilden konnte, ihrer Tochter Bildung dann aber untersagt war (also zu Zeiten der "Intervention" der Sowjetunion; Frauenrechte wurde also schon zu der Zeit massiv eingeschränkt), und die dann mit ihrer Tochter und Enkeltochter nach D flüchtete.
Allerdings spielt es in der momentanen Situation keine Rolle, was in den 60er Jahren gewesen war. Es zählen einzig und allein die Strukturen, die sich in den vergangenen Jahrzehnten (!) etabliert haben.
Und die die Nato wie aufbrechen kann?
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20.08.2021, 11:14
AW: Afghanistan - Taliban ziehen wieder in Kabul ein
"I don't want to be part of a world where being kind is a weakness" - Keanu Reeves
Moderatorin in den Reiseforen und bei der Eifersucht, bei den Selbständigen, Arbeiten im Ausland und im Kunstforum.
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20.08.2021, 11:14
AW: Afghanistan - Taliban ziehen wieder in Kabul ein
Mit Hinblick auf die jüngsten Entwicklungen gibt es gute Chancen, dass die Taliban den Laden wohl doch nicht in den Griff bekommen. Die Bevölkerung, welche zum überwiegenden Teil aus Analphabeten besteht und Dinge auch sehr eindimensional betrachtet, weil auch Lebenswirklichkeit und Erfahrung fehlt, sehen, dass das mit den Taliban wohl doch nicht das ist, was sie wirklich wollten. Menschen sind alle gleich gestrickt, das Gras ist beim Nachbarn immer grüner. Die Unzufriedenheit wächst parallel zum Wohlstand. Das nächste Problem was die Bevölkerung als unmittelbaren Unterschied zu den Besatzungstruppen spüren wird, die Versorgungslage. Theoretisch müssten die Verbündeten der Taliban das Land durchfüttern.
Ich denke, dass das Blatt sich auch ganz schnell auf die andere Seite wenden kann.
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20.08.2021, 11:19
AW: Afghanistan - Taliban ziehen wieder in Kabul ein
links:
Kabul: Bundeswehr-Helfer wartet auf Flucht aus Afghanistan
in dem obigen ist übrigens erklärt, dass der "zugedrehte geldhahn des westens" auf fluchtwillige massiv betrifft, da sie an ihr erspartes nicht mehr rankommen.
folgenden artikel kann man wg bezahlschranke nur anlesen, aber anscheinend machen nun diverse nachbarländer die grenzen dicht, die fluchtwilligen kommen mangels visa nicht mal bis zum flughafen
Afghanische Fluchtlinge: Kein Weg nach Westen
soviel erstmal, ich suche noch konkreteres.

Die Gedanken sind frei....


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20.08.2021, 11:20
AW: Afghanistan - Taliban ziehen wieder in Kabul ein
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20.08.2021, 11:23
AW: Afghanistan - Taliban ziehen wieder in Kabul ein
kann ich aufgrund meiner sehr engen Kontakte zur Freundin und deren Eltern auch so bestätigen. Das waren absolute Oberschichtsfamilien aus Kabul. Beide Eltern hatten studiert, die Mutter Mathematik, der Vater Physik (u. a. in London)
Was die Mutter meiner Freundin auch über ihre immer noch aktiven Kontakte erzählt lässt wenig Hoffnung zu.
Persönlich hatte sie auch berichtet, dass sie von in der großen Flüchtlingskatastrophe von 15, wo sie sich auch als Übersetzerin anbot von ehem. Landsleuten als "Prostiutierte" (originärer Wortlaut war wohl anders) bezeichnet wurde. Sie berichtete mir, dass viele Geflohene wohl noch nie eine Frau in Hosen oder mit unbedecktem Haupt gesehen hatten. Von kurzen Haaren oder Hosen ganz zu schweigen. Auch WC seien vollkommen unbekannt gewesen etc. pp.
Mich haben vor allem diese Eindrücke und Berichte sehr beeindruckt. Meine Freundin war 10 als sie nach Deutschland kam, da lerne ich sie kennen. Sie kann sich nur noch an ein "Kinder-Kabul" mit viel Liebe, Obst und einem Pony erinnern.
Ihre Eltern haben andere Erinnerungen. Alle sind (um Nachfragen zuvorzukommen) seit langem Deutsche und haben hier nach der ersten Ankunftsphase sofort gute Jobs im Bankenbereich und in der Erwachsenbildung gehabt.
Meine Freundin kam quasi nach Ankunft aufs Gymnasium, anfangs hatte sie Noten im unteren Drittel, später gute.
Sie spricht im Gegensatz zu mir akzentfrei Hochdeutsch.
Derzeit sagt sie zur Lage ihrer Ex-Nation "Chronik eines angekündigten Staatstodes"
Sie sah mit ihren Eltern die Ankunft vor allem von alleinstehenden jungen Männern extrem kritisch.
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20.08.2021, 11:27
AW: Afghanistan - Taliban ziehen wieder in Kabul ein
Im Grunde hat keine ausländische Nation eine Handlungsoption, um fest verwurzelte patriarchalische Strukturen in Afghanistan - besonders ausgeprägt auf dem Land - aufzubrechen.
Es kann und muss nur darum gehen, das Land Afghanistan davor zu schützen, von ausländisch finanzierten Staatsterroristen dominiert zu werden. Afghanische Frauen müssen und werden den Kampf um ihre Rechte letztlich selbst führen müssen - gegen staatliche Unterdrückung und Terror wird das aber nicht funktionieren.
Das Grundproblem ist in diesem Zusammenhang ja sowieso nicht in Afghanistan selbst gelagert. Das Grundproblem ist die politische Radikalisierung von bedeutenden Teilen des Islams, beginnend 1979 mit dem Sieg der sogenannten islamischen Revolution im Iran.
Seit 1979 zeigt sich sogleich, dass der radikale fundamentalistische und extrem frauenfeindliche Islam nur dann 'funktioniert', wenn er mit Hilfe von staatlichem Terror durchgesetzt wird. Letzteres ist allein das Problem - ausgeprägte patriarchalische Strukturen in den ländlichen Regionen Afghanistans würden/werden sich im Laufe der Zeit sowieso von selbst vermindern, sofern es den afghanischen Frauen ermöglicht wird, nicht von Unterdrückung und Terror des afghanischen Staates bedroht zu sein.Es gibt so viele schöne Momente im Leben; ich sollte mich entspannen,
dann durchfluten sie mich wie Regen ...
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