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  1. Inaktiver User

    AW: Afghanistan - Taliban ziehen wieder in Kabul ein

    ich finde es so schäbig, wie "wir" - unsere bundeswehr - die leute dort hat hängen lassen, mit denen sie zusammengearbeitet hat.

  2. Moderation

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    AW: Afghanistan - Taliban ziehen wieder in Kabul ein

    Zitat Zitat von Mendo Beitrag anzeigen
    auf jeden Fall produziert das wieder Millionen von Flüchtlingen. Da können wir schon mal anfangen, neue Lager zu bauen.
    Zitat Zitat von Monaline Beitrag anzeigen
    Darauf wird es wohl hinauslaufen
    Auch wenn Deutschland das Land ist, das bei der Anzahl der aufgenommenen Flüchtlinge an fünfter Stelle weltweit steht, mal ein paar Zahlen (Ende 2020, Quelle UNHCR) zur Einordnung:

    82,4 Mio Menschen weltweit sind auf der Flucht.

    86% dieser Flüchtlinge leben in Entwicklungsländern.
    73% der Flüchtlinge leben in Nachbarländern.

    Diesen Ländern fällt die Aufnahme und Versorgung so vieler zusätzlicher Menschen sicher deutlich schwerer als uns.

    Dass die Afghanen (mit ihren Familien), die die Bundeswehr (und andere Militärverbände) vor Ort unterstützt haben, nicht zusammen mit den abziehenden Streitkräften aus dem Land gebracht wurden, empfinde ich als moralisch höchst verwerflich. Jetzt schweben diese Menschen in Lebensgefahr und müssen versuchen, nach Kabul zu gelangen, um dort an der nur noch mit absoluter Notbesetzung, also ohne Visa-Abteilung und generell ohne Parteienverkehr besetzten deutschen Botschaft einen Antrag zu stellen, dass sie ausgeflogen werden.
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    Moderation von:
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  3. Inaktiver User

    AW: Afghanistan - Taliban ziehen wieder in Kabul ein

    Zitat Zitat von izzie Beitrag anzeigen
    Dass die Afghanen (mit ihren Familien), die die Bundeswehr (und andere Militärverbände) vor Ort unterstützt haben, nicht zusammen mit den abziehenden Streitkräften aus dem Land gebracht wurden, empfinde ich als moralisch höchst verwerflich. Jetzt schweben diese Menschen in Lebensgefahr und müssen versuchen, nach Kabul zu gelangen, um dort an der nur noch mit absoluter Notbesetzung, also ohne Visa-Abteilung und generell ohne Parteienverkehr besetzten deutschen Botschaft einen Antrag zu stellen, dass sie ausgeflogen werden.
    in kabul sind die taliban schon.
    es würden auf diesem weg sowieso nicht alle berücksichtigt, die mit der bundeswehr gearbeitet haben.
    allein, dass sie selbst hätten finanzieren und visa beantragen müssen...!
    das ganze ist, ich wiederhole mich, ein abgrund von schäbigkeit.

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    AW: Afghanistan - Taliban ziehen wieder in Kabul ein

    Zitat Zitat von PollexNiger2 Beitrag anzeigen
    Diese Logik finde ich immer etwas verkürzt.

    Drastisch formuliert: Stellt euch vor, eine Bande von gewaltbereiten Verbrechern dringt in eure Wohnung ein, foltert euren Ehepartner zu Tode und hängt den verstümmelten Leichnam an die Wand. Meine Sympathien für die Eindringlinge wären sicher sehr begrenzt, ich hätte aber auch keine wahnsinnige Lust, heroisch Widerstand zu leisten. ...
    Ginge mir genauso.
    Aber wo sind denn da Polizei und Armee, die in den letzten Jahr(zehnt?)en ausgebildet, bewaffnetnudn finanziert wurden, genau so etwas zu verhindern?
    Es wird berichtet, das ganze Kampfverbände der afghanischen Armee nicht kämpfen, sondern sich zurückziehen und auflösen.
    Das ist doch etwas ganz Anderes.


    ... Nach allem, was ich weiß, sind die Taliban in all den Jahren von Kräften aus Pakistan aktiv unterstützt worden (Pakistan ist Atommacht). ...
    Richtig. Und die offizielle Regierung und reguläre Armee wurden von den USA und westlichen Allierten unterstützt.
    Was haben letzteres also "falsch" gemacht?


    ... Unbeschadet dessen ist es nicht falsch, dass die Taliban in Teilen der afghanischen Bevölkerung einen gewissen Rückhalt genießen.
    Genauer gesagt: die offizielle Regierung, Polizei und Armee genießen offenbar weniger Rückhalt in der Bevölkerung als die Taliban.

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    AW: Afghanistan - Taliban ziehen wieder in Kabul ein

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    ich finde es so schäbig, wie "wir" - unsere bundeswehr - die leute dort hat hängen lassen, mit denen sie zusammengearbeitet hat.
    Das entscheidet ja nicht die Bundeswehr.

    Früher hat es geheissen, "unsere" Freiheit würde auch am Hindukusch verteidigt.

    Aber heute werden die Einheimischen, die "uns" dabei geholfen haben, "unsere Freiheit" zu verteidigen, eben als Flüchtlinge aus einem muslimisch geprägten Kriegsgebiet betrachtet.

    Und die möchte unsere Regierung so kurz vor der Wahl nicht "einladen".
    Womöglich noch mit ihren Familien - Gott bewahre.

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    AW: Afghanistan - Taliban ziehen wieder in Kabul ein

    Ich möchte mal ein paar grundsätzlche Gedanken äußern. Wenn man sich fragt, warum es zum jetzigen Desaster gekommen ist, sollte man sich den Zustand des afghanischen Staates zu Beginn ansehen. Genauer: welche Merkmale (normative und strukturelle Merkmale) machen einen funktionierenden demokratischen Rechtsstaat aus? (da kommt einiges zusammen):

    - allgemeine, gleiche, freie und geheime Wahlen
    - korruptionsfreies funktionierendes Parlamen
    - korruptionsfreie funktionierende Regierung
    - korruptionsfreie funktionierende Verwaltung
    - korruptionsfreie unabhängige Justiz
    - staatliches Gewaltmonopol
    - Primat der Politik
    - Trennung von Religion und Staat
    - rechtliche und faktische Gleichberechtigung von Frauen und Männern

    sowie weitere normativen Standards der UN-Menschenrechtscharta.

    Unerlässlich ist weiterhin eine Mindestloyalität der Bevölkerung gegenüber dem staatlichen Gemeinwesen und seinen legal amtierenden Repräsentanten - d.h. keine konkurrierenden Loyalitäten, z.B. gegenüber Lokalherrschern, Clan-Oberhäuptern, Stammesfürsten etc. Das bedeutet auch, dass es keine informelle Neben-Gesetzgebung oder Neben-Gerichtsbarkeit geben darf.

    Vor Beginn des westlichen Militäreinsatzes in Afghanistan war dort praktisch keines der aufgezählten Merkmale vollständig verwirklicht; manche Merkmale fehlten komplett (Gleichberechtigung, staatliches Gewaltmonopol, Trennung Religion/Staat, keine Neben-Loyalitäten).

    Afghanistan zu Beginn des 21. Jahrhunderts war politisch und historisch in einem Entwicklungsstatus, der in Europa etwa der Zeit vor der Industrialisierung entsprach, z.T. auch noch dem ausgehenden Mittelalter (Religionsfreiheit, Macht der Lokalherrscher etc.).

    ACHTUNG! Dies ist KEIN Hinweis darauf, dass das Land und seine Bewohnerinnen und Bewohner menschlich, ethisch oder kulturell als minderwertiger anzusehen wären. Es soll damit nur gesagt werden, dass das Land die fundamental wichtigen Schritte noch nicht durchlaufen hat, die in Europa nach Beginn der Neuzeit und nach langen Entwicklungsphasen zum Entstehen des demokratischen Rechtsstaates geführt haben (in Deutschland bekanntlich erst nach katastrophalen Irrwegen). Dies sind vor allem: Reformation, Humanismus und Aufklärung; daraus entwickelten sich Glaubens- und Gewissensfreiheit und alle die normativen Merkmale, die oben aufgezählt sind.

    NOCHMAL: dies sind keine kulturellen Heldentaten des Westens, sondern es waren die notwendigen Lernschritte auf dem Weg in die Moderne (und dass diese Ziele auch im Westen bei weitem noch nicht alle vollständig verwirklicht sind, muss nicht extra betont werden).

    Nun aber die Sschlussfolgerung: ein Land, das sich in seiner politischen, historischen und kulturhistorischen Entwicklung in dem oben beschriebenen Status befindet, kann unmöglich in wenigen Jahren ins westliche 21. Jahrhundert katapultiert werden - am allerwenigsten durch einen Militäreinsatz. Und vor allem: das muss zu Beginn klar und absehbar gewesen sein - man hätte fachkundige Historiker, Politik- und Kulturfachleute fragen können.

    Mit diesen Gedanken ist natürlich nur das gesagt, was nicht hätte geschen dürfen. Wie aber der - schon jahrzehntelang währende - Afghanistan-Konflikt hätte konstruktiv hätte bewältigt werden können, das hätten den handelnden Politikern und Militärs eben jene obigen Fachleute rechtzeitig sagen können, die nicht (oder vielleicht nur als Alibi) befragt worden sind.
    „Sage nicht alles, was du weißt, aber wisse immer, was du sagst.” (Matthias Claudius)

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    AW: Afghanistan - Taliban ziehen wieder in Kabul ein

    Danke DonCarlos. Für mich sehr erhellend und schön zusammengefasst.
    Man kann nicht alles verhindern, auch wenn uns heute allüberall eingetrichtert wird, alles sei möglich, und wenn nicht, sei jedenfalls jemand anderes Schuld. Kangastus

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    AW: Afghanistan - Taliban ziehen wieder in Kabul ein

    Zitat Zitat von Ichwillnicht Beitrag anzeigen
    Danke DonCarlos. Für mich sehr erhellend und schön zusammengefasst.
    Auch von mir .

    So gesehen, konnte das nie was werden.

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    AW: Afghanistan - Taliban ziehen wieder in Kabul ein

    Herr Seehofer hat sich schon zu den erwartenden Flüchtlingsströmen geäußert. Interessant die Kommentare unter dem Artikel, es gibt eine eindeutige Tendenz.
    “You are the sky. Everything else- it’s just the weather.”

  10. Moderation

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    AW: Afghanistan - Taliban ziehen wieder in Kabul ein

    Zitat Zitat von Nicolo Beitrag anzeigen
    Eine bittere, offenbar notwendige Lehre für solche Militäreinsätze:
    Letztlich entscheiden die Menschen in solchen Ländern eben immer selbst, was sie aus ihrer Situation machen.

    Wie konnte den Taliban so schnell die Rückeroberung des Landes gelingen?
    Warum war die afghanische Armee so hilflos?
    Es scheinen ja nach wie vor oder wieder genug Leute die Taliban zu unterstützen bzw. selbst auf deren Seite zu kämpfen oder aber irgendein Süppchen zu kochen, dass sich auch mit einem Taliban-Regime verträgt.

    Schlimm vor allem für die Frauen und Mädchen aus unserer Sicht, aber vielleicht sehen selbst die es auch so: Hauptsache irgendeine Form von Frieden?

    Warum die Armee so hilflos war und ist, ist wahrscheinlich für uns schwer zu durchblicken. Sicher gibt es auch da genügend Leute, die ihr eigenes Süppchen kochen, die sich auf die Taliban Seite schlagen und in einem Land mit sovielen Tribes, nach so vielen Jahrzehnten der Besetzungen ist es wahrscheinlich nicht einfach, zu einem Konsens zu kommen.

    Aber was die Frauen angeht, kann man wohl eher davon ausgehen, dass da nur Angst ist, denn die Taliban hat schon offen verkündet, dass ab der Pubertät Frauen wieder ins Haus 'gesperrt werden' (genauso wie sie Hände und Füsse abhacken weiterhin als normale Bestrafung sehen)
    Grad in Kabul, wo viele Frauen studieren und arbeiten, herrscht Wut und Angst. Frauen, die in der Öffentlichkeit arbeiten, womöglich noch mit Ausländern, stehen auf der Todesliste.

    Eine australisch-afghanische Journalistin, die derzeit bei der BBC in London arbeitet und sich sehr in Afghanistan, grad für Frauen an Universitäten engagiert, hat vor ein paar Tagen dieses veröffentlicht:
    Afghan war: Kabul'''s young women plead for help as Taliban advance - BBC News

    Und hier ist ein Artikel aus Kabul, von einem Bekannten, der seit 10 Jahren dort lebt und von dort berichtet. Ich hoffe, er kommt da heile raus. Aber so wie ich ihn einschätze, bleibt er wohl noch.
    Desperate Afghans Are Trapped in an American-Made Fiasco
    "I don't want to be part of a world where being kind is a weakness" - Keanu Reeves

    Moderatorin in den Reiseforen und bei der Eifersucht, bei den Selbständigen, Arbeiten im Ausland und im Kunstforum.

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