Die Südkoreaner haben gestern 380 Afghan:innen ausgeflogen nach Südkorea, die in den letzten Jahren mit Südkorea zusammengearbeitet haben.
Nicht als Flüchtlinge, sondern sie sollen am Ende ausdrücklich Aufenthaltsrechte bekommen.
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25.08.2021, 08:07Inaktiver User
AW: Afghanistan - Taliban ziehen wieder in Kabul ein
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25.08.2021, 08:08
AW: Afghanistan - Taliban ziehen wieder in Kabul ein
Hier ist noch ein weiterer aktueller Bericht aus Kabul. Er zeigt ganz gut die momentane Stimmung, auch die Reaktionen der Bevölkerung auf den Einmarsch der Taliban, warum so zwiespältige Reaktionen kommen (nach vorne jubeln, nach hinten verzweifelt sein).
Taliban Takeover: An On-the-Ground Report From Kabul – Rolling Stone
Almost everyone I’ve spoken with since the Taliban took control of Kabul is innately skeptical of the group’s promises of restraint and forgiveness toward those who worked for the government or internationals. “Their new policy is to gain the trust of the people,” says Yousef. But, he continues, “As soon as they form their government they’ll go after their enemies one by one.”
A former government adviser tells me he’s in hiding. “They want to kill me,” he says. “They have searched two places I have been to. Once the world looks away, we are all dead.”"I don't want to be part of a world where being kind is a weakness" - Keanu Reeves
Moderatorin in den Reiseforen und bei der Eifersucht, bei den Selbständigen, Arbeiten im Ausland und im Kunstforum.
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25.08.2021, 08:25Inaktiver User
AW: Afghanistan - Taliban ziehen wieder in Kabul ein
Im Fall von Venezuela liegt es eindeutig am Versagen der Regierung.
Gut möglich, dass die USA es langfristig auch in Afghanistan auf die Rohstoffe abgesehen hatten. Wirklich versucht haben es bisher nur die Chinesen, weil die ein Interesse daran haben, ihre neue Seidenstraße durch Afghanistan zu führen.
China kommt üblicherweise auch in eher chaotischen Staaten zurecht, aber in diesem Fall klappte nichts. Das sind die bisherigen Projekte:
Die Kupfermine in Mes Aynak: Die zwei chinesischen Firmen Metallurgical Corporation of China und Jiangxi Copper haben 2008 eine Lizenz zum Abbau des kostbaren Metalls erhalten. Kupfer ist unter anderem der Grundstoff für Stromleitungen und Elektromotoren, aber auch für Armaturen. Chinas Bedarf an dem teuren Metall steigt und steigt. Die Mine in Afghanistan könnte die zweitgrößte ihrer Art weltweit sein. Doch bis heute wurde an dem Standort südöstlich von Kabul nichts gefördert. Zwischen den chinesischen Akteuren und der Regierung in Kabul kam es zu einem ewigen Vertragsstreit um die Verarbeitung des Kupfers. Ghiretti hält jedoch die generell mangelnde Stabilität und Sicherheit für den Hauptgrund des Scheiterns. Und das, obwohl die Taliban versprochen haben, keine Anschläge auf das Projekt zu verüben.
Ein Kohlekraftwerk und eine Eisenbahnstrecke zwischen den Häfen Hairtan und Torkham: Auch sie wurden nie gebaut. Die chinesischen Investoren stellten ihre Notwendigkeit infrage, weil die damit verbundenen Projekte nie in Gang kamen – unter anderem die Kupferförderung und -verarbeitung in Mes Aynak.
Das Ölfeld in Amu Darya: Als sich China National Petroleum (CNPC) den Zugriff auf das große Vorkommen gesichert hat, galt das als Erfolg für Chinas Rohstoffpolitik. Es liegt in der Nähe von Masar-e Scharif. Vertragspartner war die Watan-Gruppe, die von der Familie des Ex-Präsidenten Hamid Karzai kontrolliert wird. Doch auch die guten Beziehungen nützten nichts. Von Anfang an gab es Angriffe auf die Anlagen, und eine eigentlich nötige Raffinerie wurde nie gebaut.
Sieht so aus, als ob alle Projekte sabotiert wurden.
Wenn man Wettbewerber vom Markt fern halten will, verzichtet man doch nicht selbst darauf, die Rohstoffe zu fördern. Wo wäre da der Sinn? Selbst in Armut leben, keine Gesundheitsversorgung haben, obwohl man viel Geld verdienen und Arbeitsplätze schaffen könnte? Wie verpeilt ist das denn?
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25.08.2021, 08:25Inaktiver User
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25.08.2021, 09:06Inaktiver User
AW: Afghanistan - Taliban ziehen wieder in Kabul ein
Weißt du, ich möchte wirklich noch mal betonen wie sehr ich gerade diesen Mann Scholl-Latour eigentlich schätze.
Nur - beruht mein Einwand darauf: wenn sich Menschen zu lange wie er in Krisengebieten aufgehalten haben werden sie mürbe.
Aus diesem Grunde hatte sich damals die Moskau-Berichterstatterin Krone-Schmalz nach zehn Jahren zurück gezogen, ausdrücklich mit dem Satz: man verliert sonst sein positives Weltbild.
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25.08.2021, 09:21Inaktiver User
AW: Afghanistan - Taliban ziehen wieder in Kabul ein
Ein interessantes Interview mit dem Afghanistan-Experten Gilles Dorronsoro aus der NZZ
Der Westen stärkte in seinem Kampf gegen die Taliban korrupte Warlords, die viel Geld veruntreuten. Des Weiteren war es ein Fehler, dass die Amerikaner Gruppen mit einem sehr schlechten Ruf engagiert haben, um gegen die Taliban zu kämpfen. Dass sich die Spezialeinheiten auf Milizen gestützt haben, die Folter, Plünderung, Entführungen und summarische Hinrichtungen praktizierten, hat wesentlich zur Ablehnung der ausländischen Truppen beigetragen.
Ein Grossteil der Milliarden, die die USA für Afghanistan ausgegeben haben, ist auf die Bankkonten westlicher Unternehmen, NGO und überbezahlter Experten zurückgeflossen.
Warum die Taliban so viel Rückhalt in der Bevölkerung haben:
Die Taliban sind keine Warlords! Ihre soziologische Herkunft und ihre politische Praxis sind völlig verschieden.
die Taliban hatten den Staat wieder aufgebaut. Er blieb extrem fragil, weil er keine Ressourcen hatte, aber es war ein echter Staat mit einer Justiz und einer Polizei. Die Taliban kontrollierten 85 Prozent des Territoriums, und die Tatsache, dass sie den Opiumanbau ausmerzen konnten, hat gezeigt, dass dies eine effektive Kontrolle war.
Die Popularität der Taliban ist schwer zu messen. Aber zum Teil ist sie darin begründet, dass die Taliban die Frage des Staates ernst genommen haben. Sie haben ein Rechtssystem geschaffen, sie haben Gesetze erlassen und gegen die Korruption gekämpft. Sie haben eine etatistische Politik verfolgt. Es gab in der Bevölkerung ein Bedürfnis nach einer Rückkehr des Staates, und die Taliban haben dieses Bedürfnis ernst genommen.
Die Taliban werden auch deshalb als legitime Bewegung wahrgenommen, weil ihre Anführer islamische Geistliche sind.
Kann es sein, dass unsere Wahrnehmung der Taliban auch auf westlicher Propaganda beruht? Nur so als Frage in den Raum gestellt.
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25.08.2021, 09:29Inaktiver User
AW: Afghanistan - Taliban ziehen wieder in Kabul ein
Sie bekommen laut BAMF nach §22 des Aufenthaltsgesetzes eine Aufenthaltserlaubnis, die auf längstens drei Jahre befristet ist. Das heißt, sobald sie über ausreichend Sprachkenntnisse verfügen, möglicherweise den ersten Job gefunden und sich mit den hiesigen Gepflogenheiten vertraut gemacht haben, liegt es am BAMF, und damit an der Politik, ob die Aufenthaltsgenehmigung verlängert wird, auch für die Kinder in der Zwischenzeit volljährig geworden sind.
In dem verlinkten Info-Blatt gehört zu den wichtigen Informationen des Bundesamtes unter anderem:
Darüber hinaus sind die Regeln des Familiennachzuges sind streng. Dieser ist grundsätzlich nur für einen Ehegatten und die eigenen, minderjährigen Kinder möglich. Für andere Familienangehörige besteht diese gesetzliche Möglichkeit in der Regel nicht.
Die Voraussetzungen für die Familienzusammenführung sind im Allgemeinen: ausreichendes eigenes finanzielles Einkommen für Sie und Ihre Familienangehörigen, ausreichend vorhandener Wohnraum in Deutschland für Sie und die Familienangehörigen sowie bei Ehegatten und Kindern über 16 Jahren bereits im Heimatland vorhandene deutsche Sprachkenntnisse. In den ersten Jahren nach der Ankunft in Deutschland wird die Erfüllung dieser Kriterien sehr schwer zu erreichen sein.
Da fühlt man sich ja gleich ganz herzlich willkommen.
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25.08.2021, 09:38Inaktiver User
AW: Afghanistan - Taliban ziehen wieder in Kabul ein
Ja und? Wenn sie sich integriert haben und sich selbst ernähren können, wird sie wohl keiner abschieben wollen.
Übrigens wird das in Kanada noch strenger gehandhabt: Zuwanderer (die vorher ausgesucht wurden) werden ein Jahr lang intensiv unterstützt, dann müssen sie auf eigenen Beinen stehen. Wer das nicht schafft, kann wieder gehen.
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25.08.2021, 09:44
AW: Afghanistan - Taliban ziehen wieder in Kabul ein
-markiert von mir-
da ich nicht glaube, dass du folter, massentötungen, steinigungen, vergewaltigungen und femizide etc für akzeptabel hältst:
hältst du es für möglich, dass die taliban all dies gar nicht machen, sondern berichte und bilder darüber (unlängst berichtet durch die un-menschenrechtskommision, hier bereits verlinkt) ausschließlich fake news sind?

Die Gedanken sind frei....


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25.08.2021, 09:49


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