Antworten
Seite 1 von 6 123 ... LetzteLetzte
Ergebnis 1 bis 10 von 60
  1. User Info Menu

    Lifestyle-Linke

    neue oder doch schon ältere Wortschöfpung?

    Kennt ihr Menschen, auf die der Artikel zutrifft?

    Sahra Wagenknecht: Lifestyle-Linke leben in einer anderen Welt


    Das war über viele Jahre anders. Links, das stand einmal für das Streben nach mehr Gerechtigkeit und sozialer Sicherheit, es stand für Widerständigkeit, für das Aufbegehren gegen die oberen Zehntausend und das Engagement für all diejenigen, die in keiner wohlhabenden Familie aufgewachsen waren und sich mit harter, oft wenig inspirierender Arbeit ihren Lebensunterhalt verdienen mussten.

    [Doppellung enfernt]

    Der Lifestyle-Linke lebt in einer anderen Welt als der traditionelle und definiert sich anhand anderer Themen. Er ist vor allem weltoffen und selbstverständlich für Europa, auch wenn jeder unter diesen Schlagworten etwas anderes verstehen mag. Er sorgt sich ums Klima und setzt sich für Emanzipation, Zuwanderung und sexuelle Minderheiten ein.

    Zu seinen Überzeugungen gehört, den Nationalstaat für ein Auslaufmodell und sich selbst für einen Weltbürger zu halten, den mit dem eigenen Land eher wenig verbindet. Generell schätzt der Lifestyle-Linke Autonomie und Selbstverwirklichung mehr als Tradition und Gemeinschaft. Überkommene Werte wie Leistung, Fleiß und Anstrengung findet er uncool.

    [...]

    Was den Lifestyle-Linken in den Augen vieler Menschen und vor allem der weniger Begünstigten so unsympathisch macht, ist seine offensichtliche Neigung, seine Privilegien für persönliche Tugenden zu halten und seine Weltsicht und Lebensweise zum Inbegriff von Progressivität und Verantwortung zu verklären.

    [Doppelung entfernt]
    [...]

    Auch eine schwer zu leugnende Bigotterie trägt ganz sicher zum geringen öffentlichen Ansehen des Lifestyle-Linken bei. Wer Mühe hat, sich von seinem wenig auskömmlichen Gehalt einmal im Jahr einen Urlaub zu leisten, oder trotz lebenslanger Arbeit von einer schmalen Rente leben muss, der schätzt es nicht, wenn ihm Leute Verzicht predigen, denen es im Leben noch nie an etwas gefehlt hat.

    Und über Zuwanderung als große Bereicherung für unsere Gesellschaft möchte man nicht ausgerechnet von Freunden des Multikulturalismus belehrt werden, die genau darauf achten, dass das eigene Kind eine Schule besucht, in der es mit anderen Kulturen nur im Literatur- und Kunstunterricht Bekanntschaft machen muss.
    [...]

    Wenig sympathisch macht den Lifestyle-Linken natürlich auch, dass er fortwährend eine offene, tolerante Gesellschaft einfordert, selbst aber im Umgang mit abweichenden Sichten oft eine erschreckende Intoleranz an den Tag legt, die sich mit der der äußersten Rechten durchaus messen kann.[...] Wer vom Kanon ihrer Denkgebote abweicht, ist für Linksliberale daher auch kein Andersdenkender, sondern mindestens ein schlechter Mensch, wahrscheinlich sogar ein Menschenfeind oder gleich ein Nazi.


    [Autorin: Sahra Wagenknecht, Anm. der Moderation]

    Das sind nur einige Auszüge aus dem Artikel, den ich insgesamt als sehr pointiert aber auch als sehr treffend empfinde.

    In Österreich gibt es in den höheren Rängen der Sozialdemokratie fast nur mehr solche Livestyle Linken
    Geändert von Analuisa (19.04.2021 um 15:38 Uhr) Grund: Doppelungen entfernt, Text leicht gekürzt, Auslassungszeichen und Name der Autorin ergänzt
    Nicht jeder Katholik ist rechts, nicht jeder Rechte ein Nazi-Gewalttäter. Nicht jeder Moslem ist Islamist/Terrorist. Jede Verallgemeinerung schafft Gewalt. Stop it.

  2. User Info Menu

    AW: Lifestyle-Linke

    Ich halte es für eine sehr gute Idee, Magdalena, einen eigenen Strang zu diesem Thema aufzumachen, denn diese "Livestyle-Linken" finden sich nicht nur in der Partei Die Linke, sondern auch in vielen anderen Parteien, wie Frau Wagenknecht so treffend schreibt:

    In Reinform verkörpern die grünen Parteien dieses Lifestyle-linke Politikangebot, aber auch in den sozialdemokratischen, sozialistischen und anderen linken Parteien ist es in den meisten Ländern zur dominierenden Strömung geworden.

  3. User Info Menu

    AW: Lifestyle-Linke

    Zitat Zitat von _Magdalena Beitrag anzeigen

    In Österreich gibt es in den höheren Rängen der Sozialdemokratie fast nur mehr solche Livestyle Linken
    das ist aus meiner Sicht auch der Grund, warum die FPÖ trotz aller lapsi, die sich geleistet haben und leisten, noch immer Zulauf hat. Die Mehrheit der FPÖ Wähler sind keine rechten Nazis (obwohl es die natürlich auch gibt) Es sind Menschen, die von der Sozialdemokratie enttäuscht sind und sich in einem Drozda mit seinen Rollex und Porsche, um nur ein Beispiel zu nennen, einfach nicht mehr wiederfinden können.

    Wie ist das Deutschland? Wie seht ihr das?
    Nicht jeder Katholik ist rechts, nicht jeder Rechte ein Nazi-Gewalttäter. Nicht jeder Moslem ist Islamist/Terrorist. Jede Verallgemeinerung schafft Gewalt. Stop it.

  4. User Info Menu

    AW: Lifestyle-Linke

    Zitat Zitat von _Magdalena Beitrag anzeigen
    neue oder doch schon ältere Wortschöfpung? ...
    Der genaue Begriff mag neu sein.
    Früher wurde zu solchen Leuten gesagt
    "Mit einer Million auf der Bank ist es leicht, am Tresen Kommunist zu sein."
    Ein anderer Begriff für diese Leute ist "Hipster".

    ... Kennt ihr Menschen, auf die der Artikel zutrifft? ...
    Persönlich kenne ich so jemanden nicht.

    ... Überkommene Werte wie Leistung, Fleiß und Anstrengung findet er uncool. ...
    Hier schwächelt Frau Wagenknecht soziologisch und sozioökonokisch ganz erheblich.

    Diese Leute mögen vielleicht behaupten, dass Leistung, Fleiß und Anstrengung uncool seien, aber sie leisten duchaus eine Menge, auch Anstrengendes, sie sind fleißig.
    Denn ihr Lifestyle kostet eine Stange Geld.
    Von staatlichen Transferleistungen kann mensch den nicht bezahlen und nur die Wenigsten haben das schlicht geerbt.

    Aber platt-glatte Polemiken funktionieren eben besser ohne wirkliches Wissen und differenzierte Betrachtung.

  5. Moderation

    User Info Menu

    AW: Lifestyle-Linke

    Hallo Magdalena,

    selbstverständlich kannst du für die Diskussion um Wagenknechts Text, von dem bereits im Strang "Die Linke" die Rede war, einen eigenen Strang eröffnen.

    Allerdings bitte ich um etwas mehr Sorgfalt im Umgang mit Quellen.

    1. Wenn ein längeres Fremdzitat gewählt wird, um darauf eine Diskussion aufzubauen, sollte, gerade wenn es sich wie hier um eine bekannte Persönlichkeit handelt, der Name der Autorin genannt werden.
    2. Wenn beim Zitieren Auslassungen vorgenommen werden, sollten die Stellen entsprechend gekennzeichnet werden.
    3. Im Forum gilt die Regel, dass Fremdzitate einen Umfang von max. 2000 Zeichen einschl. Leerzeichen haben dürfen. Diese Beschränkung dient der Wahrung des Urheberrechtes. Sie ist im angepinnten Strang "Das Politkforum" nachzulesen.


    Ich habe die Auslassungszeichen im Zitat ergänzt, an einer Stelle eine Kürzung vorgenommen und zwei von dir sicher nicht beabsichtigte Doppelungen herausgenommen. Der Text enthält jetzt 2649 Zeichen, was zwar der Regel nach noch zuviel ist, aber, da der Text als Diskussionsgrundlage gedacht ist, ausnahmsweise gestattet wird.

    Ich empfehle allen Mitdiskutant*innen, den Essay von Wagenknecht im Link im Zusammenhang nachzulesen.

    Bitte achtet auf die Einhaltung des Regeln dieses Forums.


    Analuisa, Moderation
    Ich weiß noch, wie wir in Auschwitz in der Baracke saßen und uns überlegt haben,was wir den Deutschen antun würden. [...] es waren die schlimmsten Dinge, über die wir nachdachten. Aber dann sagten wir uns: Wenn wir das täten, dann wären wir genauso schlimm wie sie.
    Ruth Webber, geb. Rut Muszkies, zum Zeitpunkt ihrer Befreiung 9 Jahre alt


    Moderation in der Religion, der Politik und im Glücklicher Leben.

  6. User Info Menu

    AW: Lifestyle-Linke

    Ja man muss schon bis unten hin scrollen

    Für mich ist dieser Absatz der wichtigste

    "...Die große Rolle, die Fragen der Symbolik und der Sprache im Politikverständnis des Lifestyle-Linken spielen, hängt sicher auch damit zusammen, dass sich hier ein riesiges Betätigungsfeld eröffnet, auf dem man ungestört Veränderungen durchsetzen kann, ohne jemals mit einer einflussreichen wirtschaftlichen Interessengruppe in Konflikt zu geraten oder die öffentlichen Kassen relevant zu belasten.

    Den Mindestlohn zu erhöhen oder eine Vermögensteuer für die oberen Zehntausend einzuführen, ruft natürlich ungleich mehr Widerstand hervor, als die Behördensprache zu verändern, über Migration als Bereicherung zu reden oder einen weiteren Lehrstuhl für Gendertheorie einzurichten."

    Ich bin kein Parteimitglied, aber gehöre zu denen, die sich trauen "Aufzustehen" und guck da, das sind fast alles solche Menschen, die von Sahra mit klassisch links bezeichnet werden würden.
    Ihre Abrechnung mit Mitgliedern der Partei, deren Mitglied sie ist, kommt etwas verzögert und mit Aufstehen funktionierts Coronamäßig auch grad nicht so.
    Ich will jetzt keine Partei bashen, aber den Typus "was interessieren mich meine Wähler, wenn ich erstmal gewählt bin" den haben alle im Boot. Und mal so in die Runde gefragt, wer will denn eigentlich Politiker werden und warum?
    Ich würde diesen frustrierenden Job auch nicht machen wollen, da lieber zähle ich Schrauben. Tja, brauch ich mich auch nicht über unfähige Politiker beschweren.
    Wenn du in den Spiegel schaust, siehst du den Menschen, der für dein Leben verantwortlich ist.

    Ich habe noch nie gehört, dass es jemandem gelungen ist, vor sich selbst davonzulaufen.

    20 Jahre Bricom - krieg ich jetzt ein Eis?

  7. User Info Menu

    AW: Lifestyle-Linke

    Also ich kenne dazu den Begriff:

    Salon-Kommunisten

    So a la: es ist halt chic links zu reden - und mit den Diamanten zu klimpern.
    Mal abgesehen von den Brillis - finde ich das eher auf Gysi zutreffend.

    Wahrscheinlich können sich deshalb Wagenknecht und Gysi nicht leiden.
    Wenn man von der Sonne spricht,
    so scheint sie auch.

    aus Norwegen

  8. User Info Menu

    AW: Lifestyle-Linke

    Zitat Zitat von hillary Beitrag anzeigen
    ...


    "...Den Mindestlohn zu erhöhen oder eine Vermögensteuer für die oberen Zehntausend einzuführen, ruft natürlich ungleich mehr Widerstand hervor, als die Behördensprache zu verändern, über Migration als Bereicherung zu reden oder einen weiteren Lehrstuhl für Gendertheorie einzurichten."


    Noch weniger Widerstand und weit mehr persönlichen Profit erfährt, wer auf der Basis persönlicher Popularität ein polemisch-populistisches Buch veröffentlicht.
    Der Erhöhung des Mindestlohns und einer funktonierenden Vermögenssteuer kommt mensch aber auch damit nicht näher.
    Geändert von Analuisa (19.04.2021 um 21:25 Uhr) Grund: Zitat repariert

  9. User Info Menu

    AW: Lifestyle-Linke

    Kennt ihr Menschen, auf die der Artikel zutrifft?
    Ja, auf Sarah Wagenknecht selbst. Ihr Mann ist nicht unvermögend, sie bezieht Abgeordenetendiäten, ihr Lebensstil ist extravagant. Aber sie ist die schönste Kommunistin, die ich kenne.
    Die Menschen stolpern nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel

  10. User Info Menu

    AW: Lifestyle-Linke

    Das war über viele Jahre anders. Links, das stand einmal für das Streben nach mehr Gerechtigkeit und sozialer Sicherheit, es stand für Widerständigkeit, für das Aufbegehren gegen die oberen Zehntausend und das Engagement für all diejenigen, die in keiner wohlhabenden Familie aufgewachsen waren und sich mit harter, oft wenig inspirierender Arbeit ihren Lebensunterhalt verdienen mussten.

    Das halte ich für eine sehr romantisierende Betrachtungsweise.

    Tatsächlich kennt man das Problem doch schon aus der 68er-Bewegung. Da hat man an den Hochschulen über die Arbeiterklasse, den Hauptwiderspruch und die entfremdete Arbeit theoretisiert, war aber weitgehend abgekoppelt von den real existierenden Malochern.

    Aus der Generation meiner Eltern kenne ich massenweise Altlinke die in ausgezeichneten wirtschaftlichen Verhältnissen leben, einen hohen Mindestlohn, mehr Umverteilung und mehr Steuern für "die Reichen" befürworten. Sich selber zählt man dabei natürlich zur "Mittelschicht" (der Begriff ist bekanntermaßen dehnbar) und möchte eher ent- als belastet werden.


    Ansonsten spricht sie sicher viel Wahres aus. Übermäßig konstruktiv finde ich ihre Überlegungen allerdings nicht. Und die Aussage, dass Sahra Wagenknecht selber eine Lifestyle-Linke ist, ist nicht von der Hand zu weisen.

Antworten
Seite 1 von 6 123 ... LetzteLetzte

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •