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    Beitrag Was ist Identitätspolitik?

    Hallo und Moin,

    ich zähle zur Generation der "Nicht-mehr-ganz-so-Frischen". Nichtsdesdotrotz verfolge ich das politische und gesellschaftliche Tagesgeschehen genau und im Detail.

    Seit einiger Zeit tobt eine Debatte um den Begriff Identitätspolitik.

    Ich bin es seit Schulzeiten gewohnt - und es wurde uns auch nahegebracht -, mit Begriffen sorgfältig umzugehen, ihre Bedeutung zu erkennen und sie im Gespräch und Diskussion genau und präzise zu verwenden ("Bevor ihr euch streitet, klärt die Begriffe" - Blaise Pascal).

    Ich habe bisher keine rechte Vorstellung von dem Begriff Identitätspolitik. Kann mir jemand schlüssig erklären, was man darunter verstehen muss?

    Und weil diese Debatte offenbar emotional hoch aufgeladen ist, bitte ich ausdrücklich, den Begriff ohne persönliche Wertung zu erklären (um Irrtümern vorzubeugen: man kann jedes Thema ohne eigene Wertung erklären; dass sich bei bestimmten Themen eine separate persönliche Stellungnahme aufdrängt, steht dem nicht entgegen).

    Vielen Dank.

    Gruß,
    Don Carlos
    „Sage nicht alles, was du weißt, aber wisse immer, was du sagst.” (Matthias Claudius)

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    AW: Was ist Identitätspolitik?

    Die Identitätspolitik hat ihre Wurzeln in den Black Power-Bewegungen, die Mitte des 20.Jh in den USA entstanden.
    Es geht um die Sichtbarmachung und Selbstermächtigung bisher marginalisierter Gruppen. Dazu gehören neben People of Color auch Frauen und sexuell Diskriminierte.

    Das frühere Ideal der "Chancengleichheit" ging davon aus, dass jeder Zugang zu allen Möglichkeiten haben sollte. Das setzt aber auch voraus, dass diese Chancen aktiv wahr genommen werden, und zwar ohne Ansehen der Person. Die Identitäspolitik postuliert dagegen, dass das nicht möglich ist, weil bestimmte, unveränderliche Eigenschaften einer Person diese bereits zum Opfer von Diskriminierung machen und sie deswegen ihre Chancen nicht nutzen kann. Dazu gehören Hautfarbe, Geschlecht, sexuelle Präferenzen etc.

    Die Identitätspolitik trennt zwischen Tätern und Opfern, wobei sie bei beiden Gruppen pauschalisiert. Es wird verlangt, dass die "Täter" sich zurücknehmen sollen, während die "Opfer" eine stärkere Förderung erhalten sollen. Das Kriterium ist nicht die individuelle Leistung, sondern die Zugehörigkeit zu einer bestimmten marginalisierten Gruppe.

    In den USA ist diese Denkweise vor allem an den Universitäten stark verbreitet. Inzwischen schwappt sie auch auf die europäischen Hochschulen über.

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    AW: Was ist Identitätspolitik?

    ... Die erste Verwendung des Begriffs wird dem Combahee River Collective, einem Kollektiv schwarzer, lesbischer Frauen, zugeschrieben, das 1977 in einem programmatischen Statement schrieb, dass die tiefgreifendste und potenziell radikalste Politik direkt aus der eigenen Identität kommt.[4]


    Nach der Wahl Donald Trumps zum amerikanischen Präsidenten im November 2016 betonte die Historikerin Nell Irvin Painter, das Weißsein habe sich jetzt von einer unmarkierten Kategorie, die bis dahin wie selbstverständlich das gesellschaftliche Zentrum besetzt hatte, in eine Kategorie gewandelt, die zielgerichtet mobilisiert werde, um eine politisch und gesellschaftlich privilegierte Position zu sichern. Identitätspolitik sei keinesfalls nur Sache von Afroamerikanern, Latinos, Frauen und LGBTs (Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender), sondern auch eine der weißen, heterosexuellen, protestantischen Männer, die damit ihren verloren geglaubten Platz im gesellschaftlichen Zentrum wieder zu festigen suchten.[5] Damit, so Frank Furedi, sei Identitätspolitik „mittlerweile zur Karikatur ihrer selbst geworden“.[6] ...



    Identitatspolitik – Wikipedia




    Die rechtsextreme Identitäre Bewegung benutzt das Konstrukt von Identitätspolitik, um auf Basis der Idee einer geschlossenen völkischen oder kulturellen Identität rassistische und fremdenfeindliche Aktivitäten zu rechtfertigen.




    ... Als Identitäre Bewegung (auch Identitäre Generation, kurz Identitäre oder IB) bezeichnen sich mehrere aktionistische, völkisch orientierte Gruppierungen, die ihrem Selbstverständnis nach einen sogenannten „Ethnopluralismus“ vertreten. Sie gehen von einer geschlossenen, ethnisch homogenen „europäischen Kultur“ aus, deren „Identität“ vor allem von einer „Islamisierung“ bedroht sei. Fachjournalisten, Wissenschaftler und Verfassungsschützer beschreiben solche Vorstellungen als „Rassismus ohne Rassen“ und ordnen die Gruppen dem Rechtsextremismus zu.[1] In Deutschland können die Identitären vom Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) nachrichtendienstlich überwacht werden, weil die „Positionen der IBD nicht mit dem Grundgesetz vereinbar sind“. Auch in Österreich und Frankreich werden sie von den Staatsschutzbehörden überwacht. ...


    Identitare Bewegung – Wikipedia
    Geändert von Nicolo (05.03.2021 um 12:48 Uhr)

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    AW: Was ist Identitätspolitik?

    Zitat Zitat von Nicolo Beitrag anzeigen
    [COLOR=BLUE]
    Die rechtsextreme Identitäre Bewegung benutzt das Konstrukt von Identitätspolitik, um auf Basis der Idee einer geschlossenen völkischen oder kulturellen Identität rassistische und fremdenfeindliche Aktivitäten zu rechtfertigen.
    Die Identitätspolitik ist keine Erfindung der Rechten, ihre Protagonisten kommen eher aus dem linken Spektrum.

  5. Moderation

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    AW: Was ist Identitätspolitik?

    Zitat Zitat von kunnst Beitrag anzeigen
    Die Identitätspolitik ist keine Erfindung der Rechten
    Das wurde ja auch nicht behauptet.
    Ich weiß noch, wie wir in Auschwitz in der Baracke saßen und uns überlegt haben,was wir den Deutschen antun würden. [...] es waren die schlimmsten Dinge, über die wir nachdachten. Aber dann sagten wir uns: Wenn wir das täten, dann wären wir genauso schlimm wie sie.
    Ruth Webber, geb. Rut Muszkies, zum Zeitpunkt ihrer Befreiung 9 Jahre alt


    Moderation in der Religion, der Politik und im Glücklicher Leben.

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    AW: Was ist Identitätspolitik?

    Zitat Zitat von Analuisa Beitrag anzeigen
    Das wurde ja auch nicht behauptet.
    Wenn in einem Posting Identitätspolitik und Identitäre Bewegung in einen Zusammenhang gebracht werden, ist das irreführend.
    Der scheinbaren sprachlichen Nähe entspricht keine inhaltliche.

    Dieser Satz ist irreführend:
    Zitat Zitat von Nicolo Beitrag anzeigen
    Die rechtsextreme Identitäre Bewegung benutzt das Konstrukt von Identitätspolitik, um auf Basis der Idee einer geschlossenen völkischen oder kulturellen Identität rassistische und fremdenfeindliche Aktivitäten zu rechtfertigen.
    Die Identitätspolitik ist kein "Konstrukt" der Identitären.
    Geändert von Analuisa (05.03.2021 um 20:16 Uhr) Grund: Zitat zugeordnet

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    AW: Was ist Identitätspolitik?

    Zitat Zitat von kunnst Beitrag anzeigen
    Die Identitätspolitik ist keine Erfindung der Rechten, ihre Protagonisten kommen eher aus dem linken Spektrum.
    Die reine Herkunft einer Idee schützt sie nicht vor einer Vereinnahmung, die den ursprünglichen Absichten widerspricht.
    Das muss die Idee schon selbst leisten.

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    AW: Was ist Identitätspolitik?

    Die Frage des Strangeröffners lautete:
    Zitat Zitat von DonCarlos Beitrag anzeigen
    Ich habe bisher keine rechte Vorstellung von dem Begriff Identitätspolitik. Kann mir jemand schlüssig erklären, was man darunter verstehen muss?
    Ich habe versucht, diese Frage sachlich zu beantworten. Die Frage einer möglichen Vereinnahmung greift vor und kann nur dann sinnvoll diskutiert werden, wenn zuvor die Begriffe geklärt wurden.
    Geändert von Analuisa (05.03.2021 um 20:18 Uhr) Grund: Zitat zugeordnet

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    AW: Was ist Identitätspolitik?

    Zitat Zitat von kunnst Beitrag anzeigen
    Die Frage des Strangeröffners lautete:
    Zitat Zitat von DonCarlos Beitrag anzeigen
    Ich habe bisher keine rechte Vorstellung von dem Begriff Identitätspolitik. Kann mir jemand schlüssig erklären, was man darunter verstehen muss?
    Ich habe versucht, diese Frage sachlich zu beantworten. Die Frage einer möglichen Vereinnahmung greift vor und kann nur dann sinnvoll diskutiert werden, wenn zuvor die Begriffe geklärt wurden.
    Ich schlage vor, mit dem Unterschied zwischen den Begriffen "benutzen" und "erfinden" anzufangen.
    Geändert von Analuisa (05.03.2021 um 20:19 Uhr) Grund: Zitat angepasst
    Gewaltsamkeit - bis hin zur psychischen Vernichtung des „Gegners“ – ist ein Wesenszug rechtsextremen Denkens und Handelns. Die fast mythologische Verehrung der Gewalt und der unerschütterliche Glaube an ihre konfliktlösende, „reinigende“ Kraft kennzeichnen die Gefährlichkeit des neonazistischen Terrors in der Bundesrepublik.

    Aus der SINUS-Studie über rechtsextremistische Einstellungen in Deutschland von 1981

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    AW: Was ist Identitätspolitik?

    Der TE bat darum,
    den Begriff ohne persönliche Wertung zu erklären
    Ich lese hier kaum Erklärungen, sondern viele Abschweifungen. Ist es so schwierig, das Thema sachlich zu erörtern?

    Zitat Zitat von Zwekke Beitrag anzeigen
    Ich schlage vor, mit dem Unterschied zwischen den Begriffen "benutzen" und "erfinden" anzufangen.
    Erklär doch bitte, was du im Zusammenhang mit dem Strangtitel darunter verstehst.
    Geändert von Analuisa (05.03.2021 um 20:21 Uhr) Grund: Zitat repariert

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