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  1. Inaktiver User

    AW: Was ist Identitätspolitik?

    Zitat Zitat von xanidae Beitrag anzeigen
    Ja. Doch was kann getan werden, damit das nicht mehr passiert? .
    Das, was die Betroffene gemacht hat: Den Fall öffentlich machen, eine Entschuldigung oder Entschädigung verlangen. Gerade öffentliche Unternehmen sind sicher nicht daran interessiert, in ein schiefes Licht zu geraten. Das schadet ihrem Image.

    Zitat Zitat von xanidae Beitrag anzeigen
    Es ist für die Betroffenen einfach anstrengend und die Reaktionen auf die öffentliche Präsenz oftmals gepaart mit Hassbotschaften bis hin zu Vergewaltigungswünschen und Morddrohungen.
    Sicher ist es das. Aber das Phänomen wird nicht weg sein, wenn man es zu unterdrücken versucht. Es verschwindet im Untergrund und wenn es dann wieder geballt auftritt, sind alle perplex. Ein Beispiel dafür sind die sog "Incels" (s. auch die letzte Tatort-Sendung vom Sonntag). Ich fände es sinnvoller, auch kontroverse Themen im öffentlichen Diskurs zu lassen.

    Zitat Zitat von xanidae Beitrag anzeigen
    Wer bestimmt wer eine „falsche“ Haltung hat?
    Die Formulierung der Frage finde ich interessant. Muss es immer jemanden geben, der für alle verbindlich bestimmt, was die "richtige"' oder "falsche" Haltung ist? Und wer erhält diese Definitionsmacht, durch wen oder was ist sie legitimiert?

    Im religiösen Bereich ist die Frage einfach zu beantworten: Man nimmt ein göttliches Gesetz an, das von Menschen nicht in Frage gestellt werden darf. Innerhalb von Ideologien funktioniert das ähnlich, die Grundsätze der Führung dürfen nicht in Zweifel gezogen werden.
    In offenen, demokratischen Gesellschaften sind das Grundgesetz und die geltenden gesetzlichen Regelungen die Richtschnur.

    Die Vorstellung einer einzigen "Haltung" gibt es dort nicht, es ist immer eine Pluralität an Haltungen denkbar und möglich. Bei der Frage der Schädigung von anderen muss der Sachverhalt konkret nachgewiesen werden. Persönliche Gekränktheit reicht dafür nicht aus, und das ist gut so.

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    AW: Was ist Identitätspolitik?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    ...
    Das mag vom akademischen Standpunkt aus interessant sein, wenn man sich auf dieses Gebiet spezialisiert hat. Wie das in der Praxis funktionieren soll, wenn in einer Grundschulklasse Kinder aus vielen verschiedenen Ländern sitzen, erschließt sich mir allerdings nicht. Soll man für alle diese Kinder einen speziellen Unterricht anbieten, bezogen auf ihre Herkunft? Wie soll das gehen?
    Das ist ziemlich einfach, wenn mensch sich von der überholten Formen des Frontalunterrichts und der starren Einordnung "ein/e Lehrerende/r hier, xy Lernende dort" löst.
    Kinder lernen am schnellsten und liebsten von anderen Kindern, das kann und darf in der Schule genutzt werden.
    Nebenbei werden dann neben dem fachlichen Stoff auch soziale Kompetenzen gelernt oder eben die Konsequenzen, wenn ein Kind es an sozialen Kompetenzen fehlen lässt (die egoistischen Streber*innen oder die Team = toll, ein anderer macht's-Bauernschlau-Michel*inen).

    Die Grundmaxime jedes Lernprozesses ist, die Lernenden dort und so abzuholen, "wo und wie sie sind".
    Ohne Vorurteile und Erwartungen.
    Das beinhaltet Kentnnisse und Fertigkeiten genauso wie Lebenssituation und Vorerfahrungen.

    Das kann ein/e Lehrende/r, wenn er/sie gut ausgebildet wurde.
    Und vor allem die anderen Kinder können das hervorragend.
    Das geht schon damit los, dass die meist genauer wissen als die Lehrenden, wie ein/e Mitschüler*in lebt, wo der/die herkommt, wie die/der tickt.

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    AW: Was ist Identitätspolitik?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    ...

    Wird denn im Mathematikunterricht tatsächlich diskriminiert? Oder ist das nur eine Behauptung? Mädchen sind im Durschnitt schlechter in Mathe als Jungs. Werden sie also von den Lehrern diskriminiert? ...
    Die Leistungen von Mädchen in Mathe oder Naturwissenschaften sind messbar besser, wenn sie in reinen Mädchenklassen unterrichtet werden.
    Das kann sowohl mit Diskriminierung durch Lehrende als auch mit dem Verhalten der Schüler*innen erklärt werden.

    Meine erste Frau wurde mit ihrer besten Freundin im Matheleistungskurs vom Lehrer so begrüßt:
    "Ah, wir haben in diesem Jahr wieder zwei Mädchen dabei. Schauen wir mal, wie lange ...".

    Die beiden wurden nicht als "richtig weibliche" Frauen wahrgenommen, und wollten so auch nicht wahrgenommen werden.
    Andere Frauen haben durchaus mit Schwächen in Mathe und Naturwissenschaften kokettiert, weil "Frauen sowas eben nicht können bzw. brauchen, können müssen".

    Ansonsten siehe oben.
    Wer hat welche Möglichkeiten und Chancen, wer nicht?
    Wer nutzt seine Chancen und Möglichkeiten und wer nicht, und wie bzw. wozu?
    Und bei allem: warum?

  4. Inaktiver User

    AW: Was ist Identitätspolitik?

    Zitat Zitat von Nicolo Beitrag anzeigen
    Die beiden wurden nicht als "richtig weibliche" Frauen wahrgenommen, und wollten so auch nicht wahrgenommen werden.
    Andere Frauen haben durchaus mit Schwächen in Mathe und Naturwissenschaften kokettiert, weil "Frauen sowas eben nicht können bzw. brauchen, können müssen".
    Interessant, denn es zeigt, dass nicht alles Diskriminierung ist, was danach aussieht. Man kann auch scheinbare Schwächen zu seinem Vorteil nutzen. Das klappt umso besser, wenn man seinen eigenen Anteil am Geschehen verschleiert und nur den anderen die Schuld gibt.

    Zitat Zitat von Nicolo Beitrag anzeigen
    Wer hat welche Möglichkeiten und Chancen, wer nicht?
    Wer nutzt seine Chancen und Möglichkeiten und wer nicht, und wie bzw. wozu?
    Und bei allem: warum?
    Diese Fragen halte ich für sehr wichtig. Aber man sollte dabei wirklich alle Aspekte diskutieren, auch die, die nicht ins Schema passen, siehe dein Beispiel mit den Frauen, die mit ihren Schwächen kokettierten.

    Ähnlich verlaufen die seit Jahrzehnten anhaltenden Diskussionen um die Emanzipation der Frauen. Es wird stillschweigend angenommen, dass alle Frauen Karriere machen wollen. Es gab nur wenige Leute, die auch akzeptierten, dass es Frauen gibt, die das gar nicht wollen. Alice Schwarzer war meines Wissens eine, die das realistisch sah.

    Es genügt nicht, den Grund von Leistungsschwäche nur in Diskriminierung zu suchen, man muss auch den Eigenanteil der Betroffenen realistisch sehen, ohne ihnen Unrecht zu tun.
    Deswegen halte ich das Modell der Chancengleichheit für weitaus realistischer als die Fokussierung auf "Opfergruppen". Bei der Chancengleichheit spielt auch die Eigenleistung eine maßgebliche Rolle. Es gibt auch die persönliche Freiheit, seine Chancen nicht zu nutzen.

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    AW: Was ist Identitätspolitik?

    Dieses Essay passt vielleicht ganz gut zum Thema :

    Identitätspolitik: Alte Linke gegen neue Linke
    ZEIT ONLINE | Lesen Sie zeit.de mit Werbung oder im PUR-Abo. Sie haben die Wahl.

    Irgendwie frisst jede Ideologie oder Revolution doch irgendwann immer ihre eigenen Kinder oder großen Befürworter von einst

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    AW: Was ist Identitätspolitik?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Interessant, denn es zeigt, dass nicht alles Diskriminierung ist, was danach aussieht. Man kann auch scheinbare Schwächen zu seinem Vorteil nutzen. Das klappt umso besser, wenn man seinen eigenen Anteil am Geschehen verschleiert und nur den anderen die Schuld gibt.
    Nee, nee, die Mädchen haben damit ja kokettiert, weil ihnen überall eingeredet wurde (und auch heute noch wird), das "Mädchen nicht gut Mathe können".
    Deine Schritte müssen nicht groß sein, sie müssen dich nur in die richtige Richtung führen. (Agent Simmons)

  7. Inaktiver User

    AW: Was ist Identitätspolitik?

    Zitat Zitat von kangastus Beitrag anzeigen
    Nee, nee, die Mädchen haben damit ja kokettiert, weil ihnen überall eingeredet wurde (und auch heute noch wird), das "Mädchen nicht gut Mathe können".
    Und Mädchen sind von Natur aus so blöd, dass sie alles glauben, was man ihnen einreden will? Weil sie arme Opfer sind?
    Warum haben es dann die anderen beiden geschafft, sich für den Leistungskurs zu entscheiden? Weil sie keine "echten Mädchen" sind?

    Merkst du, wie sich die Katze in den Schwanz beißt, wenn man Betroffene nur als Opfer der Umstände sieht und ihren Eigenanteil leugnet?

  8. Inaktiver User

    AW: Was ist Identitätspolitik?

    Zitat Zitat von Punpun Beitrag anzeigen
    Irgendwie frisst jede Ideologie oder Revolution doch irgendwann immer ihre eigenen Kinder oder großen Befürworter von einst
    Das stimmt schon. Aber ich finde es bedauerlich, dass sich die SPD im Wahljahr mit solchen Richtungs-Diskussionen selbst schadet.

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    AW: Was ist Identitätspolitik?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Das stimmt schon. Aber ich finde es bedauerlich, dass sich die SPD im Wahljahr mit solchen Richtungs-Diskussionen selbst schadet.
    Erst schmeissen sie Sarrazin gemeinsam lange mühevoll raus und kurz danach ist die alte verbliebene Garde wie Thierse (Schwan etc.) nun plötzlich selbst in der Nähe gefährlich völkisch rechts zu sein, was für eine Ironie
    In einigen Jahren wird es dann sicherlich die heutigen massgeblichen Befürworter dann genauso erwischen
    Wenn diese dann selbst im (weissen) Alter herausgedrängt werden sollen , weil der Zeitgeist sich mal wieder gedreht hat
    Es geht gar nicht um Inhalte, es geht nur rein um Macht und welche angesagte Waffen man dazu aktuell verbal einsetzt um diese umfänglich zu erlangen bzw. um den "Gegner" oder Störenfried mundtot zu machen oder politisch zu erledigen .

    Man kann Verantwortung nicht teilen
    Geändert von Punpun (10.03.2021 um 16:25 Uhr)

  10. Inaktiver User

    AW: Was ist Identitätspolitik?

    Zitat Zitat von Punpun Beitrag anzeigen
    Danke für den interessanten Artikel.

    Müsste es nicht im Gegenteil für SPD, Linkspartei und auch Grüne aus simplen machtpolitischen Erwägungen darum gehen, neue gesellschaftliche Bündnisse zu formulieren und anzustreben, die Gruppen potenzieller Wählerinnen zu erweitern? Sich also viel breiter als bisher aufzustellen?

    Der Denkfehler liegt mE nicht bei Thierse, sondern bei der Autorin. Sie tut so, als ließen sich die, die sie gesellschaftlich "unten" verortet, auf einen Nenner bringen. Das galt für die alten sozialdemokratischen Einstellungen, für die Thierse steht. Sie zielten auf Chancengleichheit und ökonomischen Interessenausgleich. Hautfarbe und Migrationshintergrund waren keine Kriterien.

    Die Identitätspolitik aber spricht solchen Kriterien eine entscheidende Wichtigkeit zu und zieht so viele neue Grenzen. Der Schwerpunkt liegt auf der Durchsetzung von Partikularinteressen.

    Die Autorin irrt in ihrem Schlusssatz:
    Eigentlich geht es um nichts anderes als Empathie. Und wo, wenn nicht im linken politischen Lager sollte man die Fähigkeit und Bereitschaft, sich in die Einstellungen anderer Menschen hineinversetzen zu können, vermuten dürfen. Ein anderes Wort für Empathie ist übrigens: Respekt.

    Nein, der Identitätspolitik geht es nicht um Empathie oder Konsens. Sie ist reine Klientelpolitik und lässt es massiv an Respekt zB. für "alte weiße Männer" mangeln. Ihre Empathie ist äußerst selektiv.

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