Mir schwebte auch nicht "automatisch" vor.
Und es geht mir auch nicht darum, das nun alle Menschen aufs Land ziehen sollten.
Sondern, das die, die wollen, nicht in die Stadt "müssen".
ifo-Studie: Landflucht auf Rekordhohe | agrarheute.com
Der Anteil der Deutschen, die auf dem Land leben, hat den niedrigsten Stand seit 1871 erreicht, so das Ergebnis einer Studie des ifo Instituts für Wirtschaftsforschung. Die Verstädterung sei bundesweit zu beobachten – sowohl in wachsenden Bundesländern wie Hessen als auch in schrumpfenden Bundesländern wie Sachsen.
„Deutschlands Bevölkerung hat sich während der gesamten Nachkriegszeit noch nie so ungleich im Raum verteilt wie heute“, sagt Studienleiter Felix Rösel.
Was wäre dein Ansatz zur Lösung des Problems?
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Ergebnis 151 bis 160 von 169
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28.02.2021, 01:59
AW: Nachverdichtung - es lebe die Betonwüste?
Geändert von Lilith10 (28.02.2021 um 03:25 Uhr)
Wissen beginnt mit der Erkenntnis der Unzuverlässigkeit der Wahrnehmungen, mit der Zerstörung von Täuschungen, mit der "Ent-täuschung"
Erich Fromm
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28.02.2021, 13:09
AW: Nachverdichtung - es lebe die Betonwüste?
Vielleicht ändert sich ja manches, wenn weiterhin viele von uns im home office sitzen (müssen).
Mir wäre himmelangst, wenn ich irgendwo in einer grossen Stadt mein Dasein fristen müsste, womöglich noch ohne Balkon.
Wenn mehr Leute in Zuge der Digitalisierung nicht mehr täglich ins Büro müssen, werden da vielleicht Überlegungen angestellt, aufs Land zu ziehen und evtl. ein leerstehendes Haus zu renovieren.
Voraugesetzt man hat dort Internet und Handynetz. . aber das hat man nicht mal in manchen Käffern mit Luftlinie 20 km zu Stuttgart . .
luci
LEBE LIEBER UNGEWÖHNLICH
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28.02.2021, 13:22
AW: Nachverdichtung - es lebe die Betonwüste?
Ich meld mich mal:
Arbeitsplätze auf dem Land.
1871 arbeitete noch knapp die Hälfte der Leute in der Landwirtschaft. Das hieß, sie lebten auf dem Dorf, und schafften dort auch Arbeit für Lehrer, Pastor, Handwerker, Polizist, Gutsherren (gewissermaßen), Kutscher, Krämer, Wirt... das ganze drum und dran.
Heute sind es in Land- und Forstwirtschaft gerade mal 1%.
Wieviel Bedarf erzeugen die weit unter 1 Mio Leute, die heute noch auf den Dörfern wohnen *und* nicht jeden Tag zum Arbeiten in die Stadt fahren?
Nicht genug für einen Krämer, kaum genug für einen Wirt, gewiß nicht genug für einen Pastor oder Arzt. Das heißt, wer auf dem Dorf lebt, muß zumindest dafür in die Stadt (mag sie auch klein sein) oder auf die Grüne Wiese zwischen den Dörfern, wo das Einkaufszentrum ist, fahren.
Das ist kaum eine Motiviation, in ein Dorf zu ziehen und dort mehr zu tun, als dort im eigenen Haus zu übernachten und seinen Kram zu lagern.
Auf welcher Basis will man da etwas anderes als Übernachtung und Kramlagerung ("Haus auf dem Land") oder Tourismus aufziehen?
Ohne Leute keine Arbeitsplätze, ohne Arbeitsplätze keine Leute, ohne Leute keine Infrastruktur, ohne Infrastruktur keine Leute.
Jedenfalls nicht tagsüber.
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Ich bin ja auch nicht freiwillig in der Gegend, wo ich bin, auch wenn es für mich nicht Stadt vs. Land ist. Aber in der Region, wo ich lieber wäre, wäre es für mich schwer bis unmöglich, außerhalb der Großstädte einen AG zu finden, der jemand mit meinem Spezialgebiet brauchen kann.** Moderatorin im Sparforum, und in "Fit und Sportlich"**
** ansonsten niemand besonderes **
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28.02.2021, 13:31
AW: Nachverdichtung - es lebe die Betonwüste?
@ wildwusel
Und weil wenig positive Beispiele übernommen werden und es wenig innovative Ideen gibt, sollen wir das Potential brach liegen lassen und die Städte weiter verdichten?
Dann kann man eben nix machen und gut ist?
Ich mag nicht glauben, dass das der Weisheit letzter Schluss ist.
Ist es auch nicht. Denn, es gibt Dörfer, die Ideen haben und diese auch erfolgreich umsetzen.
Ich suche Beispiele heraus wenn ich Zeit habe.
nun muss ich leider losGeändert von Lilith10 (28.02.2021 um 13:36 Uhr)
Wissen beginnt mit der Erkenntnis der Unzuverlässigkeit der Wahrnehmungen, mit der Zerstörung von Täuschungen, mit der "Ent-täuschung"
Erich Fromm
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28.02.2021, 13:37
AW: Nachverdichtung - es lebe die Betonwüste?
Bei signifikantem Wohnraummangel könnte man glatt auf die Idee kommen, mehr zu bauen, um Angebot und Nachfrage besser ins Gleichgewicht zu bringen.
Gebaut wird heutzutage schon mal da nicht mehr, wo Hufeisennasen-Fledermäuse, die kleinen spitznasigen Froschlurche (Gelbbauchunken), Kammmolche (sog. Schwanzlurche) usw. usw. usw. leben ... Möglichst wird auch da nicht mehr gebaut, wo Wälder, Wiesen und/oder Bäume stehen. Kann man gut finden - man sollte dann aber nicht ständig über Wohnraummangel jammern. Es sei denn, man befürwortet ausdrücklich Zeugungs- und/oder Zuwanderungsverbote ...
Am putzigsten wird es, wenn die Bürger selbst - und zwar massiv - aktiv werden, wenn in innerstädtischen Bereichen (Beispiel: Alter Flugplatz "Tempelhofer Feld", Berlin) einmal gigantische Flächen frei werden. Da sollten nämlich (jedenfalls teilweise) tatsächlich Wohnungen entstehen - dagegen gab es in Berlin massive Proteste, Bürgerinitiativen, Volksentscheid etc. Motto: Wohnraum für alle, also Bauen ja, aber doch nicht da, wo es mein Wohlbehagen und Wohlbefinden stört ... und wo man doch den ehemaligen Flughafen in bester innerstädtischen Lage lieber als Park zum Flanieren genießen möchte - anstatt wenigstens eine Randbebauung mit hohem Anteil an Sozialwohnungen zuzulassen.
In meiner Stadt (Ffm.) hat sich beispielsweise ein Streit um ein Wohnprojekt im Frankfurter Nordend entzündet. Da sollten innerstädtisch 1.500 neue Wohnungen entstehen (davon übrigens ein Drittel Sozialwohnungen). Dagegen regte sich massiver Protest der Bürger, der Anwohner, der Grünen usw. Dieses Projekt könnte daran durchaus scheitern. Obwohl es sich nicht mal im klassischen Sinne um sog. Nachverdichtung handelt.
Btw: Zum Bau braucht es Grundstücke. In aller Regel werden hier (wenn überhaupt) von der Stadt stadteigene Flächen und Grundstücke im Meist- und Höchstbietungsverfahren veräußert - damit der Stadtkämmerer möglichst viel Kasse machen kann. Wie darauf dann günstiger Wohnraum - noch dazu bei den heute üblichen staatlichen Bau-Vorgaben - entstehen soll, habe ich bis heute nicht verstanden.
Was zunehmend mein Bedauern auslöst: Nicht alle Bananenrepubliken haben leider auch das für Bananenrepubliken übliche Wetter.
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28.02.2021, 13:40Inaktiver User
AW: Nachverdichtung - es lebe die Betonwüste?
Das werden einige sein und vielleicht kann der coronabedingte Schub hin zum Home Office da auch was Gutes bewirken. Aber die, die schon da sind, werden nicht mittelfristig und schon gar nicht langfristig reichen. Es wird nämlich immer welche geben, die lieber in die Stadt ziehen. Es wird also nur funktionieren, wenn auch welche aus der Stadt aufs Land ziehen. Dafür muss das Leben dort attraktiv sein.
Hab nicht gesagt, dass ich einen hätte. Ich hab nur darauf reagiert, dass du (ungefähr sinngemäß) sagtest, es gäbe genügend Wohnraum, der sei aber durch behördliche Maßnahmen nicht zugänglich. Und es gäbe jede Menge leerer Büroräume in deiner Stadt, die nicht umgewandelt würden. Beides interessiert mich noch immer, da ich das nicht kenne.Was wäre dein Ansatz zur Lösung des Problems?
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28.02.2021, 13:41Inaktiver User
AW: Nachverdichtung - es lebe die Betonwüste?
mal ganz davon abgesehen, dass manche Leute eine seltsame Vorstellung von "Dorf" haben... es gibt durchaus Dörfer, in denen ein kleines bisschen mehr los ist als "Krämer und Kneipe", ländlich wohnen heißt doch nicht gleich Heidi und Almöhi...

z.B. war nah bei dem Ort aus dem ich ursprünglich stamme, war eine Eisenhütte DER goße Arbeitgeber, dorthin konnte man aus mehreren Orten fast zu Fuss gehen... bis sie geschlossen wurde...
inzwischen ist es natürlich richtig, dass sehr viele Menschen vom Dorf in die Städte pendeln (müssen).
Hier wäre dann der Hebel an dem ich ansetzen würde... Öffentlicher Nahverkehr, der die Pendler in die Städte und zurück bringen kann... von mir aus auch elektrisch. Das Problem bei den Öffis, die die Dörfer abfahren ist, dass sie alle privatisiert sind und die Fahrpläne mindestens kostendeckend sein müssen. Das hat dann aber zur Folge, das manche menschen gar keine Chance haben ihren Arbeitsplatz mit Öffis zu erreichen... so fährt bei uns z.B. fährt der letzte Bus aus der nächsen größeren Stadt abends um sieben.... die Geschäfte in der Stadt schließen aber erst um Neun.... ganz zu schweigen von Kino, Theater, Restaurants, Bars, Discos, etc. Was ja widerum zur Folge hat, das man zwingend auf ein Auto angewiesen sind... und so weiter und so weiter...
Ein öffentlicher Nahverkehr, der den Namen öffentlicher Nahverkehr auch verdient wäre meiner Meinung nach ein Lösungsansatz. Nur... die würden dann unter Umständen auch mal leer fahren... und das kostet natürlich...
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28.02.2021, 14:21
AW: Nachverdichtung - es lebe die Betonwüste?
Wolltest du wirklich auf mich antworten? Ich hatte jetzt (untypsicherweise!) kein einziges Beispiel gebracht, weder ein positives noch ein negatives.
Ich habe lediglich auf deine Frage nach dem Ansatz zur Lösung des Problems gesagt, "Arbeitsplätze auf dem Land."
Wenn du das als so ausgeschlossen betrachtest, wie das Schweine fliegen, dann müssen wir halt alle in die Städte ziehen, in Etagenwohnungen leben und das Land, wo es nicht landwirtschaftlich genutzt wird, der Wildnis überlassen. Was ich jetzt völlig aktzeptabel fände.
@Max, wo ich im Moment bin, sind mehr als 50% der Leute, die in der Stadt arbeiten, Einpendler. Da ist es egal, ob's auf dem Dorf vielleicht noch eine mittelständische Nischenindustrie gibt. Das ist zu viel. Die Straßen halten nicht mit, die Parkplätze halten nicht mit, die Busse stehen im Stau und die Dörfer verkommen zu altmodischen Jugendherbergen, die über den Tag leer sind, und abends Nachtruhe herrscht. Das kann's nicht sein.Geändert von wildwusel (28.02.2021 um 14:26 Uhr)
** Moderatorin im Sparforum, und in "Fit und Sportlich"**
** ansonsten niemand besonderes **
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28.02.2021, 22:15
AW: Nachverdichtung - es lebe die Betonwüste?
Genau das ist das Problem, auch bei der Netzabdeckung und dem Digitalausbau.
Zu lange wurde behauptet und geglaubt, der allmächtige Markt würde es schon richten.
"Der Markt" bietet aber immer nur das an, was profitabel herstellbar bzw. als Leistung erbringbar ist.
Und das sind ÖPNV-verbindungen eben nur dann, wenn genug Leute sie nutzen.
Und genug Leute nutzen sie nur, wenn ihre Benutzung plausibel ist.
Wo ich mit dem Auto in 45 Minuten am Ziel bin, mit dem ÖPNV aber 120 Minuten brauche und das auch nur im Stundentakt zwischen 7:00 und 19:00 Uhr, da kann kein marktwirtschaftlich funktionierender ÖPNV angeboten werden.
Wo nur 150 Menschen einen Mobilfunkmast oder eine Anbindung ans schnelle Festnetz brauchen und entsrechend bezahlen, da wird es Telefonvernbidnung und schnelles Internet eben nicht geben.
Same same mit Krankenhäusern und ambulanter ärztlicher Versorgung.
Die Lösung ist also, diese Infrastrukturdienste aus der Profitorientierung zu befreien und von Staatsseite anzubieten.
So hatten wir das ja auch schon mal - bis auf ambulante medizinische Versorgung in Polikliniken, die es meines Wissen nur in der DDR gab.
Damit aber würde der Staat einen größeren Wirtschaftsbereich dem Zugriff privaten Kapitals entziehen.
Das bedeutet, dem jetzt schon viel zu vielen verfügbaren Kapital stehen weniger Anlagemöglichkeiten gegenüber.
Und genau das wird die Lobby all derer, die entweder Eigentümer oder Sachwalter dieses Kapitals agieren, mit allen Mitteln zu verhindern versuchen.
Dabei werden ihnen all jene helfen, die nach 40 Jahren neoliberalem Ideolgiedauerbeschuss nun wirklich glauben, dass privat eben immer besser sei als staatlich - allen Gegenbeweisen und Markt-Katastrophen (z.B. Banken-Krise, Maut-Debakel, Diesel-Beschiss, Impfstoff-Produktionsmengen-Farce) zum Trotz.
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01.03.2021, 10:02
AW: Nachverdichtung - es lebe die Betonwüste?
Die Netzabdeckung hat auch was mit unserer gierigen Politik zu tun, die die Milliarden aus den Mobilfunkfrequenzen eben gerne für Projekte verpulvert, bei denen sie gut dasteht. In der Schweiz hat man den Mobilfunkanbietern weniger Geld abverlangt, aber dafür mussten sie für die Netzabdeckung sorgen. So kann man das auch lösen.



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