Dann erzähl doch mal ,warum?
Natürlich macht das Sinn. Das Phänomen ist auch noch gar nicht so alt.
Mir fiel das so vor ca. 16 Jahren auf. Da wollte man plötzlich immer freundlich ,verständnisvoll und einfach ein wertvoller Mensch sein und das fand ausschliesslich in der jüngeren Damenwelt statt.
Das hatte etwas von eine emanzipatorischen Rolle rückwärts .
Mir war das damals schon suspekt, denn für mich ist Authentizität ein wesentlicher Wert und dieses Fakegetue erscheint mir absolut künstlich.
Das das eine Welle ist ,die immer grösser wurde und eben auch von bestimmten Gruppierungen genutzt wird, ist kaum zu übersehen.
Aber mein Gefühl ist, dass sich das auch wieder legt.
Denn es ist so grottenlangweilig und unglaubhaft , dass ich mich eigentlich nur über solche Leute still amüsiere und mich wirklich frage , ob die ernsthaft glauben ,das nehme denen irgendwer ab ?
Im Prinzip der Gipfel der neuen jungen Spiessigkeit, die natürlich alterslos ist.
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Ergebnis 11 bis 20 von 63
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23.11.2020, 16:40Inaktiver User
AW: Soziologe Nassehi: "Wir reden links und leben dann aber rechts"
Geändert von Inaktiver User (23.11.2020 um 16:46 Uhr)
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23.11.2020, 19:57Inaktiver User
AW: Soziologe Nassehi: "Wir reden links und leben dann aber rechts"
Naja, das nimmt man denen schon ab, zumindest ich habe das lange genug getan, wenn ich nur mal so von meinen privaten kleinen Erfahrungen berichten darf. Ich hab mich oft gefragt warum ich da so anders ticke, so viel hinterfrage und so wenig Helfersyndrom habe. Bis ich dann eben auch Sachen erlebt habe, wo sich zeigte, dass alles ganz anders ist.
Trotzdem bleiben diese Leute ja in meinem Leben, auch wenn ich sie nicht verstehen kann und das hört ja auch nicht auf. Wenn man das Unbequeme beseitigt hat und erfolgreich dagegen angegangen ist, geht es ja weiter wie zuvor (mit Ausnahme des Unbequemen, auf das immer noch mit einem kampfbereiten Auge gelinst wird)!
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23.11.2020, 21:57Inaktiver User
AW: Soziologe Nassehi: "Wir reden links und leben dann aber rechts"
Findest du?
Diese Zuspitzungen finden statt. Nicht tagtäglich, aber doch in den letzten - sagen wir mal - 10 Jahren immer öfter. Und da geht es natürlich auch um meine Beispiele. Und darum, dass das Grünen-Wähler-Klientel viel fliegt oder sich aus den sozialen Brennpunkten verabschiedet, um sich in anderen - reicheren - Stadtvierteln Habitate (Stichwort Gentrifizierung) einzurichten, wo ihre Walldorf-Schulen besuchenden Kinder nicht mit „sozial schwachen“ Kindern die Kita oder die Grundschule besuchen müssen. Ein Phänomen, das in meinen Augen zutiefst menschlich ist, das aber - wenn man seine Humanität und Toleranz allzu weit sicht- und hörbar vor sich her trägt - irgendwann und beinah zwangsläufig in Scheinheiligkeit mündet.
Ich erkläre mir das so: ich gehöre - warum auch immer, aus intellektuellem oder ererbtem Grund - zu einer (eingebildeten oder echten) Elite und meinen Kindern soll es an nichts fehlen. Also schaffe ich für sie das bestmögliche Umfeld. Wohne ich in einem Bezirk mit hohem Anteil sog. bildungsferner Schichten, kämen meine Kinder viel wahrscheinlicher mit Armut, Verwahrlosung, Gewalt etc. in Kontakt. Was sie in ihrer Entwicklung hindern könnte. Also werde ich - da ich die finanziellen Mittel habe - meinen Kindern ein Umfeld schaffen, das für ihr Fortkommen gedeihlicher ist. Ich ziehe weg aus dem Brennpunkt. Ich ziehe dahin, wo „meinesgleichen“ lebt. Gleich und gleich gesellt sich gern. Die Schere zwischen Arm und Reich wird dadurch natürlich nicht kleiner. Die Ungleichheit nimmt zu. Und ich sehe das und bekomme - weil ich links-grün sozialisiert wurde - ein schlechtes Gewissen. Also hefte ich mir, um mein Gewissen zu übertönen, extra laut und extra sichtbar, politisch korrekte und extra sozialliberale Motive ans Revers. Ich baue die Tomaten und Radieschen am liebsten selbst auf meinem Balkon an, fahre zum Reparatur-Shop, kaufe nix in Plastik und züchte Bienen auf dem Balkon. Heile Welt. Bis die Kinder soviele Klavier-, Chinesisch- und Yoga-Kurse haben, dass ich das nie und nimmer mit dem ÖPNV schaffen kann. Und dann brauche ich doch ein Auto. Und da all das Wertvolle Geld und Zeit kostet, brauchen wir, Mann und Mann*in, bessere, lukrativere Jobs. Die mit Meetings in Tokio, Madrid und San Francisco einhergehen. Da komme ich nur mit dem Flieger hin. Aber für die CO2-Bilanz hab ich ja die Tonaten und Radieschen auf meinem Balkon und den Unverpackt-Laden am anderen Ende der Stadt...
Mensch sein. Ich verurteile das nicht. Ich verstehe das. Ich mag nur keine Scheinheiligkeit.
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23.11.2020, 22:41
AW: Soziologe Nassehi: "Wir reden links und leben dann aber rechts"
Das alles erklaert doch aber diesen unrealistischen Perfektionsanspruch gar nicht, wegen dem man das dann alles durchzieht, Elfenseeschwalbe.
Ich kenne Leute mit solchem Perfektionsanspruch auch nicht. In meinem Leben ist jeder ein Stueck weit egoistisch, und kuemmert sich ein Stueck weit auch um Andere/s.
Was das alles mit "Rechts" zu tun haben soll, nicht so umweltbewusst und freizeit-streetworker-maessig unterwegs zu sein, wie man als richtig guter Mensch (- und ich meine das jetzt nicht abwertend!-) idealerweise sollte, erschliesst sich mir auch nicht.Moderatorin im Forum Über Treue und Lügen in der Liebe, Politik und Tagesgeschehen, Was bringt Sie aus der Fassung?, Medizinische Haarprobleme und Zähne
"Ich hasse es, wenn Fantasy sich einfach nicht an die Realitaet haelt".Maxi Gstettenbauer
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23.11.2020, 23:29Inaktiver User
AW: Soziologe Nassehi: "Wir reden links und leben dann aber rechts"
Da hast Du recht , das hat es auch gar nicht unbedingt.Das kommt aus dieser Flüchtlingsphase. Da spaltete sich das auf und seitdem sind die Fronten verhärtet.
Wobei ich widerum dann von eher grün Zuzuordenen eine komplette Ignoranz und Gedankenlosigkeit bei so uninteressanten deutschen Problemfällen wahrnehmen konnte und ich mich dann schon fragte, ,ob vielleicht Menschlichkeit inzwischen rassistisch ist?
Da werden ganz andere Maßstäbe angelegt, die sind selbst schuld oder verdienen es nicht besser ,was durchaus bei den betreuten Flüchtlingen auch sein hätte können, nur da konnte man es gar nicht einschätzen und es ist doch auch ein Zeichen von globalem Verständnis, denen vorrangig zu helfen.
Das erschöpft sich dann aber auch und so manchen der Kontakte würde man dann, nachdem er in die Parallelbezirke entschwunden ist auch nicht halten wollen. Nur zugeben würde man das nie.
Oft ist das auch ganz egoistisch naiv . Ich habe ein jüngeres Familienmitglied, was für openborders ist, mal befragt und eigentlich ist der nur für openborders, weil er dachte ,er käme auch überall hin, dann wäre es doch nur fair, wenn jeder andere auch die gleichen Rechte hätte.
Den Unterschied, dass er da hingeht und das Ganze bezahlt (bzw. die Eltern des Studenten )iund dann auch wieder geht im Gegensatz zu jemanden, der hierher kommt und bleibt und eventuell noch versorgt werden muss, nie drüber nachgedacht.
Ist manchmal eben auch chic, dazu noch ganz schön unerfahren und oberflächlich bestimmte Haltungen zu pflegen.
Das man damit auch eine Menge mehr berücksichtigen müsste, wird nicht mal angedacht.
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24.11.2020, 06:44
AW: Soziologe Nassehi: "Wir reden links und leben dann aber rechts"
Ich habe dazu die Meinung, dass uns diese - kapitalistisch organisierte Welt - nicht wirklich gut sein lässt, mal etwas plakativ gesagt. Oder auch: es gibt kein richtiges Leben im Falschen. Das ganze System basiert auf Konkurrenz nicht auf Kooperation.
Als Einzelner kann man diese Widersprüche nicht auflösen, man kann nur versuchen, sich auf seine eigene Weise darin einzurichten. Dass man such dabei mehr oder weniger selbst belügt mag eine Überlebensstrategie sein.Kreativität kommt von der Freiheit zu scheitern. Und die Freiheit zu scheitern kommt vom Experiment. (Peter Gabriel)
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24.11.2020, 06:49
AW: Soziologe Nassehi: "Wir reden links und leben dann aber rechts"
Und du bist natürlich der bessere Mensch weil du das bezahlen kannst und hattest nicht einfach nur Glück in diesem reichen Teil der Welt geboren zu sein.
Auch so kann man sich natürlich selbst belügen wenn man Ungerechtigkeiten verdrängen will. Wir wollen ja nicht unterstellen, dass jemand nicht begreift, dass es sich um Ungerechtigkeit handelt, wenn es Menschen gibt, die im Wohlstand leben während andere kaum überleben können.Kreativität kommt von der Freiheit zu scheitern. Und die Freiheit zu scheitern kommt vom Experiment. (Peter Gabriel)
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24.11.2020, 08:13Inaktiver User
AW: Soziologe Nassehi: "Wir reden links und leben dann aber rechts"
Ich denke gar nicht in den Kategorien besserer und schlechterer Mensch , denn dann würde ich mich genau diesem Wettbewerb aussetzen ,den Du als so unnötig beschreibst.
Ungerechtigkeit hat es immer und wird es immer geben ,schon allein ,weil das im Auge des Betrachters liegt.
Man kann an Afrikas Küsten aufgewachsen sein ,die schönsten Sonnenuntergänge gesehen haben , nach der Schule ausgelassen mit seinen Freunden schwimmen gegangen sein und ein nicht wohlhabendes aber dort normales Leben gehabt haben und das jetzt im Vergleich zu einem deutschen Stadtkind, was überbehütet und im Wohlstand aufgewachsen ist.
Ich mag nicht beurteilen wer von den Beiden das bessere Leben hatte?
Persönlich tendiere ich zu dem freiem afrikanischem Kind.
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24.11.2020, 09:21Inaktiver User
AW: Soziologe Nassehi: "Wir reden links und leben dann aber rechts"
In der Kombination kann das stimmen, es gibt aber auch genug "afrikanische Kinder", deren "normales" dortiges Leben von echten Existenzängsten geprägt ist, weil sie etwa in Gegenden leben, wo die Leute hungern.
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24.11.2020, 11:52Inaktiver User
AW: Soziologe Nassehi: "Wir reden links und leben dann aber rechts"
Das ist Dein hier von bestimmten Anzeigen geprägtes Bild von Afrika.Hungernde Kinder ,die gern als Anlass genommen werden , um Spenden zu sammeln.
Ich glaube nicht, dass es nicht auch ganz viele zwar arne aber trotzdem glückliche Kinder in Afrika gibt.Denn die messen sich dort an den nächsten und die sind in der Regel auch nicht wesentlich reicher.
Wir müssten einfach mal aus diesen Schubladen kommen und respektieren ,dass es ganz viele verschiedene Varianten von Glück oder auch Zufriedenheit geben kann und man die nicht unbedingt von unserer europäischen Sichtweise beurteilen sollte. Das würde uns widerum helfen, das Leben auch mal anders sehen zu können und Zufriedenheit zu entwickeln ,die auch gelebt werden kann ohne sich zu verbiegen. Also eigentlich genau das Gegenteil von dem ,was gerade Mainstream zu sein scheint?
Ecken und Kanten zu zulassen ,nicht perfekt und manchmal auch ungerecht zu sein.



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