Interessante Theorie.
Geht in eine ähnliche Richtung wie mein Eindruck: Fakten werden emotionalisiert, darüber kann man dann kaum noch vernünftig reden.
Geht mir auch selbst so, darum ist das hier auch eine Art Sparring für mich. Weil ich das gar nicht will, als Ebene für einen Austausch und doch spüre ich selbst auch Ärger angesichts mancher Aussagen hier. Der Punkt ist: wie geht man damit um.
Spiegelt man alles auf's Gegenüber, oder kann man auch bei sich bleiben?
Für letzteres eine gute Übung, das hier.
Ich hab kein Problem damit, wenn sich Querdenker und ihre Versteher hier äußern.Ich habe mal eine Frage an dich: Warum bietest du denen eine Plattform, sich zu präsentieren? Was reizt dich zu verstehen, wenn es nichts zu verstehen gibt, weil es Glauben ist?
Mich interessiert tatsächlich, wie und wodurch genau diese Menschen zu ihren Erkenntnissen (oder ihren Glauben) gelangen und vor allem: wie sie diese Erkenntnisse/ihren Glauben selbst in Worte fassen. Weil letzteres dann das Ergebnis einer eigenen, individuellen Verarbeitung, im Sinne eines Denkprozesses ist.
Wird nicht "selber denken" gerade von den Querdenkern so hoch gehalten, und wird der Mangel daran nicht gerade von wem bitte beklagt?
Wer mir das nicht glaubt, kann mich und meine Fragen gerne ignorieren.
Stellen werde ich diese Fragen trotzdem: für mich.
Ich erwarte weder Erleuchtung, noch "Bekehrung" in der Sache, vice versa.
Offensichtlich ist eine sachliche Kommunikation über die konkreten Vorstellungen der Querdenker hier nicht möglich per Diskussion, sie erscheint mir inzwischen auch nicht erwünscht.
Man soll einfach alles akzeptieren, inklusive Frust und Wut aller Art, inklusive Gleichklang mit Rechtsextremen und Spinnern.
Was mich fatal an andere Diskussionen erinnert.
Gleichzeitig werden gern Vorwürfe von "nicht zuhören" oder Spaltung platziert, das finde ich dann unverschämt weil: selbst gemacht, wenn man Fragesteller ausweicht und/oder abwatscht.
Ich rede mit Freunden und Bekannten im RL darüber, die meisten denken über die Coronademos ähnlich wie ich, was ja kein Zufall und auch kein Beleg für richtig oder falsch ist.
Sie können die Dinge auch nur durch ihren eigenen Filter aus Meinung und Haltung betrachten.
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18.09.2020, 09:45Inaktiver User
AW: Corona-Demo, das Fest für Freiheit und Frieden
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18.09.2020, 09:50Inaktiver User
AW: Corona-Demo, das Fest für Freiheit und Frieden
Ja, Du weißt bei ÖR, woher die Inhalte kommen. Aber haben sie tatsächlich sachlich und umfassend berichtet?
Es gab ja eine Studie der Universität Passau, bei der Medienforscher die Berichterstattung der Öffentlich-Rechtlichen während der Coronakrise untersuchten. Die Ergebnisse beschreibt z.B. dieser Artikel:
„Tunnelblick“: Studie stellt Corona-Berichten von ARD und ZDF schlechtes Zeugnis aus
Daraus ein Auszug:
Das Problem der medialen Berichterstattung sei die individuelle Inszenierung vieler Beiträge und die Konstruktion eigenständiger Modelle der Welt: So kritisiert Hennig die zugespitzte Darstellung der Sachlage in den Sondersendungen, Reportagen und Dokus, die durch „Hollywood-Blockbuster“-ähnliche Inszenierungen die Grenze zwischen Wahrheit und Fiktion verwischen würden. Journalismus sollte differenzierter sein, lautet das Fazit der Medienforscher: Die Maßnahmen in der Corona-Pandemie wurden in den Sendungen der Öffentlich-rechtlichen nicht grundsätzlich hinterfragt, stattdessen schwammen alle auf derselben Welle. Durch die Häufigkeit der Sondersendungen sei den Zuschauern ein permanentes Krisen- und Bedrohungsszenario vor Augen geführt worden.
Auch die Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen seien in den Medien pauschalisiert worden: „Individuelles Wohl wird eingeschränkt für das überwiegende Wohl“ schloss Gräf und kritisierte die mangelnde Differenzierung zwischen den Menschen die fragten, ob die Maßnahmen noch adäquat seien, und den Rechtsextremisten sowie Verschwörungstheoretikern.
(Hervorhebungen von mir)
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18.09.2020, 10:06Inaktiver User
AW: Corona-Demo, das Fest für Freiheit und Frieden
Da schau ich dann gerne direkt nach der Studie und entdecke auch eine Stellungnahme der Studienersteller:
„Die Studie besteht aus einer Analyse der Rhetoriken und Strategien der Sondersendungen“, betont Gräf. „Sie fordert also zu einem wissenschaftlichen Anschluss auf, beispielsweise die Sondersendungen in ein Verhältnis zur gesamten Berichterstattung von ARD und ZDF zu Corona zu setzen.“
An einer differenzierten Auseinandersetzung mit dem Artikel sei ihnen ausdrücklich gelegen, betonen beide Wissenschaftler in einer gemeinsamen Online-Stellungnahme, man freue sich über Zustimmung und Kritik gleichermaßen. „Was wir jedoch für bedenklich halten, sind mediale Äußerungen, die unseren Artikel nicht als wissenschaftlichen Beitrag, sondern als gesellschaftspolitische bzw. politische Meinung verstehen wollen.“
„Die Verengung der Welt“: Passauer Studie uber Corona-Berichterstattung von ARD und ZDF sorgt fur lebhafte Diskussion - Universitat Passau
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18.09.2020, 10:06
AW: Corona-Demo, das Fest für Freiheit und Frieden
Das habe ich allerdings auch so in den ersten Wochen erlebt. Ich habe nach der dritten Sondersendung nicht mehr zugesehen.Durch die Häufigkeit der Sondersendungen sei den Zuschauern ein permanentes Krisen- und Bedrohungsszenario vor Augen geführt worden.
Nur ich habe nie bezweifelt, dass die Vorschläge der Virologen auch zur Abflachung der Infektionskurve auch umgesetzt wurden. Es gab schnelle und radikale Einschnitte, vor allem weil wir alle wussten, was in Italien und New York passierte. Und das hat uns alle vor ähnlich radikalen Ausgangsverboten bewahrt. Wir haben im Prinzip Glück gehabt.
Die letzte Pandemie ist 100 Jahre her, da konnten also keine Erfahrungswerte gewonnen werden. Es ist für uns alle eine völlig neue und manchmal schmerzhafte Erfahrung.Die Menschen stolpern nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel
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18.09.2020, 10:08
AW: Corona-Demo, das Fest für Freiheit und Frieden
Monaline, dass eine Studie die Berichterstattung während der Pandemie kritisiert, bedeutet für mich nicht, dass die ÖR schlecht arbeiten oder tendenziös sind. "Alternative Medien" aber schon.
Wie man journalistisch seriös arbeitet, denke ich nach 20 Jahren als Journalistin durchaus beurteilen zu können. Die ÖR arbeiten immer noch faktenbasiert, bei "alternativen Medien" nimmt die Zahl derer, die das nicht tun, mir jedwede Sicherheit, mich hier neutral informieren zu können.
Aber das scheint vielen egal zu sein. Auf Youtube, Facebook und Telegram wird jeder noch so abstruse Blödsinn geglaubt und weiterverbreitet. Woher die "Nachricht" kommt und ob sie korrekt ist, ist wenig relevant.
Woher kommen denn die Massen von "Gib Gates keine Chance"-Transparenten auf den Demos? Woher haben die Leute das "Wissen", dass Gates uns alle chippen und vergiften will? Wer liefert tatsächlich FAKTEN für diese Behauptungen? Niemand. Warum? Weil das alles von einer Machtelite verschleiert wird? Und nur ein veganer Koch an diese hochgeheimen Informationen kam, die sonst allen verwehrt bleiben? Oder weil es schlicht keine Fakten gibt?Wir werden weitermachen!
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18.09.2020, 10:12Inaktiver User
AW: Corona-Demo, das Fest für Freiheit und Frieden
Hier gibt es einen Essay der beiden oben erwähnten Forscher:
Die Verengung der Welt
Rolle der Medien
Die kontinuierliche Iteration und Redundanz des Auf-
zeigens gesellschaftlicher Auswirkungen der politi-
schen Maßnahmen lässt sich durchaus als Teil der so
bezeichneten ›Corona-Krise‹ bewerten: So drastisch
die Auswirkungen von Kita- und Schulschließungen,
die Situation der Gastronomie usw. tatsächlich auch
waren und sind, ist deren permanente Problematisie-
rung zusätzlich dazu angetan, Panik in der Bevölke-
rung aufkommen zu lassen. Die dabei verhandelten
gesellschaftlichen Probleme sind allerdings eben nicht
unmittelbare Folge des Ausbruchs des Virus, sondern
seiner Eindämmungsmaßnahmen. Diese Maßnahmen,
so lässt sich dem gesellschaftlichen Diskurs entneh-
men, sind aber eben nicht in Blei gegossen, sondern
Gegenstand einer öffentlichen Auseinandersetzung,
auch in der scientific community der VirologInnen
und EpidemiologInnen. Dagegen wird von den Son-
dersendungen eine Identität von Virus und Maßnah-
men inszeniert, wodurch die Maßnahmen als genauso
›natürlich‹ und in gewisser Hinsicht unhinterfragbar
wie das Virus selbst erscheinen.
Und das stieß mir eben bei der Corona-Berichterstattung der ÖR besonders übel auf. Es wurde nicht unterschieden zwischen der Wirkung des Virus' und der Wirkung der getroffenen Maßnahmen. Es wurde suggeriert, dass es gar keine anderen Handlungsmöglichkeiten gegeben hätte, als diejenigen, die die Regierungen getroffen haben. Also das altbekannte alternativlos. Naturgewalt, da kann man nichts machen.
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18.09.2020, 10:15
AW: Corona-Demo, das Fest für Freiheit und Frieden
Und das ist jetzt wofür ein Beleg?
Wir werden weitermachen!
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18.09.2020, 10:18
AW: Corona-Demo, das Fest für Freiheit und Frieden
Im Nachhinein kann man natürlich die Berichterstattung der Medien kritisieren. Im Rückblick auch sinnvoll.
Aber ich frage mich ernsthaft, was hättest Du denn gerne als Nachrichten damals gesehen?Die Menschen stolpern nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel
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18.09.2020, 10:18Inaktiver User
AW: Corona-Demo, das Fest für Freiheit und Frieden
Es sieht so aus als bräuchten die "Hinterfrager" keine Grundlage bzw. falls sie Grundlagen liefern, werden die keinesfalls hinterfragt, egal wie abstrus sie sind.
Es gibt dagegen einige "Faktenfinder"-Quellen, die nachvollziehbar die Thesen von bekannten Kritikern hinterfragen, z.B. im Bezug auf den offenen Brief von Herrn Bhakti - der sich selbst leider wenig Mühe machte, seine eigenen Gegenthesen zu belegen.
Dort werden auch einige seiner Fragen gewürdigt, jedoch auch die Grundlage der Fragen beleuchtet. Dort treten dann eben Schwächen auf, die wiederum von denen, die sich auf solche Quellen berufen, ignoriert werden.
So läuft es eben offensichtlich auch bei den Querdenkern und ihren Demos.
Es fällt mir auf, dass sich die Kritisierten meist mehr Mühe machen als die Kritiker, die aber gerade das wieder misstrauisch beäugen.....
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18.09.2020, 10:27Inaktiver User
AW: Corona-Demo, das Fest für Freiheit und Frieden
Aber interessant ist doch, welche Fakten ausgewählt werden und welche Fakten gänzlich unter den Tisch fallen gelassen werden.
So betonte man dauernd die fachliche Eignung des Herrn Drosten, als ob er der einzig kompetente Virologe im Land sei. Und er machte ordentlich Alarm. Warum hat man nicht auch andere kompetente Virologen zu Wort kommen lassen, die die Lage nicht als ganz so prekär einschätzten?
Aus dem oben verlinkten Essay:
Die Darstellung von MedizinerIn-
nen und VirologInnen neigt nicht nur in Bezug auf den
kürzlich für seinen Podcast mit dem Grimme-Preis aus-
gezeichneten Virologen Christian Drosten zur Narrati-
vierung als Heldengeschichte: So werden die durch den
Direktor des Hamburger Instituts für Rechtsmedizin,
Klaus Püschel, durchgeführten Autopsien als Rebellion
gegen eine bestehende Ordnung erzählt (das Robert-
Koch-Institut hatte eine gegenteilige Empfehlung zum
Schutz des medizinischen Personals herausgegeben)
Warum diese Darstellung des Rechtsmediziners Püschel als Rebell? Oder warum wurde Professor Streeck so gedisst? Er hatte wertvolle Forschungsarbeit in Heinsberg geleistet.
Kannst Du mir das aus Sicht der Journalistin erklären?



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