...und wieder mal werden sich (zugegeben plakative) Aspekte rausgepickt, um sich nicht mit den sachlichen Meinungen/Argumenten auseinanderzusetzen.
Ich bekomme jetzt ein etwas besseres Gefühl dafür, warum Wohlhabende in diesem Land sehr...zurückhaltend auftreten und ganz still und heimlich im engen Familienkreis ihre strategischen Entscheidungen treffen. Verübeln tu ich's ihnen nicht.
Zurück zum Thema: Bei unseren Nachbarn in Frankreich (ist mit uns schon etwas vergleichbarer) gab es bis vor ein paar Jahren unter Hollande (der dem eher politisch linken Spektrum zuzuordnen ist) eine "Reichensteuer", die Einkommensmillionäre für jeden € über 1.000.000€ Einkommen betraf. Frankreich gibt die Reichensteuer auf
Diese Steuer wurde vom selben Regierungschef wieder abgeschafft. Hätte er wahrscheinlich nciht gemacht, wenn es der Allgemeinheit förderlich gewesen wäre, oder?
Antworten
Ergebnis 241 bis 250 von 250
-
25.07.2020, 11:56
AW: SPD-Reichtumsdefinition : Wie geht's den "millionaires-next-door" damit?
-
25.07.2020, 12:11
AW: SPD-Reichtumsdefinition : Wie geht's den "millionaires-next-door" damit?
Ad 1: Die von Dir treffend beschriebenen typischen Szenarien (würde diese mal vereinfacht als a) Gestaltung, b) Vermeidung, Verlagerung bis Flucht und c) Rückzug bezeichnen) kenne ich aus eigener Anschauung. Die negativen Erfahrungen bei einer summarischen Prüfung und auch in praxi zu solchen Vermögenssteuern haben übrigens dazu geführt, daß dieses Modell längst zu einem Auslaufmodell geworden ist. Bereits in 1990 erhob damals - nach meiner Erinnerung - nur noch ein Drittel (also 12) aller OECD-Staaten (das ist sozusagen der Club der 36 reichsten Länder der Welt) eine allgemeine Vermögenssteuer - inzwischen sind es nach Aussage eines fachkundigen Kollegen sogar nur noch ganze vier Staaten ...
Darunter übrigens die Schweiz - da dort, vereinfacht gesagt, bestehende Schulden allerdings "gegengerechnet" werden können, erklärt das die teilweise exorbitante Verschuldung auf Immobilien, die ganz bewußt aus steuerlicher Sicht nicht abgebaut wird. Ob dies nicht eine typische Fehlsteuerung (Folgeschaden) ist und der Finanzstabilität insgesamt nicht förderlich ist (makroprudenzielle Sicht) wäre wieder eine ganz andere Frage).
Als einziges Argument für eine solche Substanzbesteuerung könnte man eventuell noch einen gewissen Symbolcharakter anführen ("gefühlte Gerechtigkeit" usw.). Das würde ich z. B. in einigen OECD-Ländern wie der Schweiz, Neuseeland, Chile usw. für diskutabel erachten Hier gibt es sehr niedrige Steuer- und Abgabenbelastungen (teilweise insgesamt einstellige Prozentsätze vom Brutto-Einkommen), teilweise hohe Freibeträge, keine oder kaum Erbschaftssteuern usw.
Deutschland gehört dagegen aber schon jetzt sowohl bei der Unternehmensbesteuerung als auch bei der Belastung mit Steuern und Abgaben zur absoluten "Spitzengruppe". Wie mir mal ein ehemaliger Kollege mitteilte (er hat immerhin an der letzten OECD-Studie von 2019 mitgearbeitet) lag die Belastung in Deutschland in 2018 über alle drei untersuchten Gruppen auf Spitzenniveau: Mit 49,5% (OECD-Durchschnitt nur 36,1%) für den alleinstehenden Durchschnittsverdiener (hier liegt weltweit nur noch Belgien höher), mit 42,6% (OECD-Durchschnitt nur 30,8%) für die durchschnittliche Familie mit zwei Verdienern und zwei Kindern (auch hier hat Deutschland die zweithöchste Belastung weltweit), auch mit 34,4% (OECD-Durchschnitt nur 26,6%) bei der durchschnittlichen Familie mit zwei Kindern und einem Alleinverdiener liegt Deutschland noch weit über OECD-Durchschnitt aber nicht ganz so schlecht, wie bei den anderen Gruppen (es ist hier nicht die zweithöchste Belastung weltweit sondern "nur" die neunhöchste aller untersuchten 36 Länder - was laut Aussage des ehemaligen Kollegen in dieser Gruppe am Ehegattensplitting und an der kostenlosen Mitversicherung von Familienangehörigen in der Krankenversicherung liegt).
Ob also ausgerechnet in einem Land wie Deutschland (Steuern und Abgaben schon jetzt weltweit auf Höchstniveau) eine zusätzliche Vermögenssteuer (Subtanzbesteuerung) zielführend ist, halte ich für mehr als fraglich.
Zudem: Wie schon kurz dargestellt, wurde damals ja ausdrücklich als Kompensation für die Nichterhebung der Vermögenssteuer die Grunderwerbssteuer ab 1998 drastisch erhöht (um fast 80%). Inzwischen hat sich die Grunderwerbssteuer (in den meisten Bundesländern jedenfalls) - ausgehend von dem neuen, höheren Niveau - wieder verdoppelt (in meinem Bundesland auf 6%). Und es wird - jedenfalls von manchen Parteien - dennoch zusätzlich über eine Wiedereinführung der Vermögenssteuer diskutiert ...
Ad 2: War berufsbedingt länger unterwegs - schon zu hören, daß sich wenigstens eine/einer freut, wenn ich mich wieder einklinke. Wirtschafts- und finanzpolitischer Realitätsbezug haben - nach meinem Eindruck - in Deutschland einen zunehmend schweren Stand. Dabei war dies die Grundlage unseres - weltweit gesehen - bislang nicht ganz erfolglosen Gesellschafts- und Wirtschaftsmodells. Aber die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt ...Geändert von kurant (25.07.2020 um 12:41 Uhr)
-
25.07.2020, 12:44
AW: SPD-Reichtumsdefinition : Wie geht's den "millionaires-next-door" damit?
Vermogensteuer wieder einfuhren!
Der Steuersatz beginnt nach diesem Modell ab einer Million bei 1 Prozent und steigt dann bis zu einem Nettogesamtvermögen von zwanzig Millionen Euro auf 1,5 Prozent an. Ab einem Vermögen von mehr als 100 Millionen Euro erhöht sich der Steuersatz auf 1,75 Prozent. In einer weiteren Stufe wird ab einem Vermögen von mehr als einer Milliarde Euro der Höchststeuersatz von 2 Prozent erreicht.
Um überhaupt mal Dimensionen in die Diskussion zu werfen.Wissen beginnt mit der Erkenntnis der Unzuverlässigkeit der Wahrnehmungen, mit der Zerstörung von Täuschungen, mit der "Ent-täuschung"
Erich Fromm
-
26.07.2020, 00:07Inaktiver User
AW: SPD-Reichtumsdefinition : Wie geht's den "millionaires-next-door" damit?
-
26.07.2020, 14:03
AW: SPD-Reichtumsdefinition : Wie geht's den "millionaires-next-door" damit?
Um überhaupt mal Fakten in die Diskussion zu werfen:
Denknotwendig muß ja dann auch parallel die damals (1998) eingeführte - und explizit als Kompensation für die Nichterhebung der Vermögenssteuer bezeichnete - massive Erhöhung der Grunderwerbssteuer wieder zurückgeführt werden. Sprich von teilweise inzwischen > 6% wieder auf 2% wie zu Zeiten der Vermögenssteuer.
Die betreffende Stelle habe ich aber im Konzept von TSG nicht gefunden oder überlesen ?
-
26.07.2020, 19:25
AW: SPD-Reichtumsdefinition : Wie geht's den "millionaires-next-door" damit?
@ Polex-Niger: Es ist eine Möglichkeit, Teilbeträge als "verbale Entgleisungen" oder "Latrinen-Parolen" abzuwerten und zeitgleich den Rest zu ignorieren. Eine andere könnte z.b. so aussehen:
"matsuyama, der Vergleich zwischen der Wiedereinführung einer Vermögenssteuer und DDR-Praktiken erscheint mir recht drastisch, kannst du uns erläutern was du damit meinst? ".
Welche Möglichkeit ist jetzt zivilisierter?
Im übrigen schließe ich mich hier voll und ganz kurant an, die meint das selbe wie ich, drückt es aber professioneller und rhetorisch geschickter aus (mehr Lebenserfahrung, wie ich annehme ;)).
Schönen Sonntagabend miteinander!
-
26.07.2020, 21:03Inaktiver User
AW: SPD-Reichtumsdefinition : Wie geht's den "millionaires-next-door" damit?
Wir haben beide eine ungefähre Vorstellung davon, was in Nordkorea los ist. Da werden Menschen inhaftiert, gefoltert, bedroht oder ermordet. Nordkorea ist eine der schlimmsten Diktaturen auf dem Planeten.
Du missbrauchst das Leid der Nordkoreaner ganz gezielt, um hier eine Provokation anzubringen. Einen inhaltlichen Zusammenhang zur Vermögenssteuer in Deutschland gibt es schicht und ergreifend nicht. Das hat mit einer "zivilisierten" Diskussion nicht das geringste zu tun.
Und ich bin selbstverständlich nicht dazu bereit, deine Pöbeleien auch noch aufzuwerten, indem ich dich mit einer gespielt interessierten Nachfrage zum Nachlegen ermutige.
Weiter werde ich mich dazu nicht äußern.
-
26.07.2020, 21:36
AW: SPD-Reichtumsdefinition : Wie geht's den "millionaires-next-door" damit?
Also gut, ich sehe es ein: Der Verweis auf Nordkorea war unangemessen und nicht sachdienlich.
@ PollexNiger: Da der Mini-Unter-Sub-Aspekt auf den du dich eingeschossen hast nun vom Tisch ist, ist wohl wirklich besser, dass du dich nicht mehr dazu äußerst. [editiert]Geändert von Analuisa (27.07.2020 um 15:21 Uhr) Grund: Persönliche Ebene
-
27.07.2020, 07:47Inaktiver User
-
27.07.2020, 09:17
AW: SPD-Reichtumsdefinition : Wie geht's den "millionaires-next-door" damit?
Sehe ich ganz ähnlich.
Ob nämlich auf den berechtigten Hinweis von @matsuyama zu den bekannten negativen Nebenwirkungen und Folgeschäden prohibitiver Besteuerung (wie Substanzsteuern) sowie empirischen Erfahrungen zu diversen Ländern (DDR, UdSSR, Venezuela usw.) und deren sozialistischen Ansätzen ausgerechnet Erwiderungen wie "Latrinenparolen" (239), sprachliche "Entgleisungen" (244) und "Pöbeleien" (247) angemessen sind, erscheint mir mehr als fraglich.
Findest Du das etwa "angemessen" und "sachlich" ?
Das Beispiel von @matsuyama mit Nordkorea mag ein sehr (eventuell zu) drastisches gewesen sein - aber das genannte Beispiel mit der Berliner Mauer, die zum "Antifaschistischen Schutzwall" umgedeutet wurde (nach meiner Erinnerung von Horst Sindermann einem SED-Chefideologen) ist mir aus eigener Anschauung (leider) noch gut in Erinnerung.
Übrigens: Im sozialistischen Venezuela (einem der Länder mit den größten Erdölvorkommen der Welt) wurde irgendwann sogar das Benzin knapp und rationiert ...
Ganz generell: Steuern sind immer im Gesamtpaket zu sehen. Wenn man dabei sowohl im Unternehmenssteuerbereich als auch bei den Abgaben und Steuern für BürgerInnen bereits in allen Konstellationen ein absolutes Hochsteuerland ist (und weltweit in Vergleichen "Spitzenplätze" belegt), dann sollte man m. E. zusätzliche steuerliche Belastungen entsprechend vorsichtig abwägen.
Auf die Gefahr hin mich zu wiederholen: Zumal ja auch die Nichterhebung der Vermögenssteuer mit der massiven Anhebung der Grunderwerbssteuer in 1998 bereits kompensiert wurde.
Und durch weitere Erhöhungen der Grunderwerbssteuer inzwischen quasi doppelt kompensiert wurde.


Zitieren
