Zum Thema Werkswohnungen habe ich hier in der Bri schon öfter ausgeführt, warum ich die für absolut nicht zielführend halte:
- Ungünstige Verknüpfung von zwei wesentlichen Themen, die rechtlich schwer zu verknüpfen sind: Arbeitsrecht und Mietrecht. Ungünstig für beide Parteien. Kündigt der Mitarbeiter, muss er sich eine neue Wohnung suchen, kündigt der Arbeitgeber, dito? Das ist eine Bindung, die nicht immer gewollt ist.
- Nicht jeder will mit seinen Kollegen Tür an Tür wohnen. Streitigkeiten am Arbeitsplatz werden uU ins Unternehmen getragen und dort ausgelebt oder umgekehrt. Vor allem, wenn mehrere Familienmitglieder beteiligt sind.
- Für alles außer Großkonzernen gar nicht machbar. Weiterer Nachteil für Handwerksfirmen als Arbeitgeber.
- Wohnungen anzubieten betrifft nicht die Kernkompetenz des Arbeitgebers. Ein Autozulieferer, Maschinenbauer oder Softwareunternehmen kann gut Maschinen bauen oder Software programmieren, aber was man braucht, um erfolgreich Wohnungen zu betreiben, gehört nicht zur Kernkompetenz, also wird er es wahrscheinlich auch nicht gut machen. Warum dann also?
- Miethöhe. Was ist gerecht? Die Mieter werden keine marktübliche Miete erwarten, sondern eine leicht unterdurchschnittliche. Das schmälert den Gewinn des Unternehmens = Wettbewerbsnachteil.
- Bindung von Kapital, das fürs Unternehmen gebraucht wird.
- Eventuelle Diskrepanzen vom Mietpreis zum marktüblichen Mietpreis muss der AN als Geldwerten Vorteil versteuern.
Also ich könnte noch ewig so weitermachen. Ich sehe wirklich keine Vorteile und weiß auch gar nicht, warum man dieses überalterte Modell immer wieder rausholt. Es passte vor dem 2. Weltkrieg und früher, aber nicht zu unseren jetzigen Strukturen und Gesetzen.
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18.07.2020, 17:41Inaktiver User
AW: SPD-Reichtumsdefinition : Wie geht's den "millionaires-next-door" damit?
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18.07.2020, 17:56Inaktiver User
AW: SPD-Reichtumsdefinition : Wie geht's den "millionaires-next-door" damit?
Was die Studie des DIW betrifft: ich gebe zu, dass ich beim DIW immer ein bisschen skeptisch bin. Die Studien sind schon gut und wissenschaftlich korrekt, aber die Schlussfolgerungen sind manchmal etwas einseitig. Es wird dem DIW schon länger eine sehr große Nähe zur SPD, speziell zu Sigmar Gabriel nachgesagt. Eine andere Schlussfolgerung als diese genannte hätte mich schon sehr verwundert, um es mal vorsichtig auszudrücken.
Wenn ich das sage, will ich das auch belegen.
Link zum Artikel des Handelsblatts.
So auf sie Schnelle fällt mir auf, dass sie Firmenbeteiligungen als Vermögen anrechnen. Da frage ich mich einerseits, wie sie das bei den unterschiedlichen Rechtsformen bewertet haben. Klar, bei einer AG kann man den Aktienwert ansetzen, aber bei einer GmbH geht man dann oft hin und nimmt den Firmenumsatz im Jahr x Faktor x. Das, so finde ich jedenfalls, ist aber falsch. Ich kenne einige „Unternehmerkinder“ die beispielsweise 10% oder 15% am Familienunternehmen halten, aber was ist das wert? Sie können nicht davon runterbeißen. Wenn Gewinn erwirtschaftet wird, wird der meist wieder investiert und nicht ausgeschüttet. Ganz theoretisch sind die 10% oder 15% das wert, was ein anderer dafür bezahlen würde.
Damit den Gini-Koeffizienten hochzurechnen - ich weiß nicht. Macht sich halt doll in der Presse.
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18.07.2020, 18:04
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18.07.2020, 18:05
AW: SPD-Reichtumsdefinition : Wie geht's den "millionaires-next-door" damit?
ok ich üb das mit dem Zitieren nochmal^^
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18.07.2020, 18:15Inaktiver User
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18.07.2020, 19:50
AW: SPD-Reichtumsdefinition : Wie geht's den "millionaires-next-door" damit?
Danke, BlueVelvet, für deine Liste (#151)
das sind natürlich bedenkenswerte Argumente.
Aktuell leben viele Mitarbeiter in der Fleischindustrie nicht nur Tür an Tür, sondern zusammen in einem Zimmer. Tür an Tür wäre da wirklich eine enorme Verbesserung.
Eben die habe ich im Auge.Für alles außer Großkonzernen gar nicht machbar.
Natürlich nicht. Aber er hat die Mittel, um Baugrund zu kaufen. Mit dem Rest kann er Fachleute beauftragen.Wohnungen anzubieten betrifft nicht die Kernkompetenz des Arbeitgebers.
Ganz sicher ist nicht das gesamte Vermögen der Familie T. im Werk gebunden.Bindung von Kapital, das fürs Unternehmen gebraucht wird.
Mit den rechtlichen Problemen, z.B. bezüglich Miete und Steuer, kenne ich mich nicht aus. Ich denke aber, wie bei vielen Dingen, wo man spontan sagt "Geht nicht" finden sich Wege, wenn man will/ wenn politischer/ gesellschaftlicher Druck dahinter ist. Warum gibt es Firmen, die Betriebskindergärten anbieten? Macht auch Arbeit, und die Chefs haben sicher auch nicht Erziehungswissenschaften studiert oder wüssten von Natur aus, was beim Bau einer Kita zu beachten ist. Sie machen es trotzdem bzw. lassen machen.
Sollte man, ja.
Du behandelst das Stichwort "Eigentum", als wäre die sehr breite Streuung der Einkommen in D ein Naturgesetz. Es gab mal den hübschen Satz "Eigentum ist Diebstahl".meiner Meinung nach ist die Pflicht ja schon durch die Zahlung von Steuern und die Pflicht sein Eigentum (so es sich um Grundstücke etc. handelt) in Ordnung zu halten und gegen evtl. davon ausgehende Gefahren zu sichern, erfüllt. Eine gesetzliche Verpflichtung(!!) anderen von meinem Eigentum abzugeben weil ich doch selber genug habe kann ich mir ehrlich gesagt nicht vorstellen.
Und nein, ich bin nicht dafür, dass der Daimler-Chef nicht mehr verdienen darf als seine Angestellten.
Aber sind Differenzen, wie sie bei uns herrschen, in Ordnung? Legitim und durch irgendwas begründet?
Die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung hat herausgefunden, dass der Gehaltsabstand zwischen Topmanagern und Arbeitnehmern in den 30 Dax-Konzernen weiter gestiegen ist. Verglichen mit dem Durchschnittsgehalt in ihrem Unternehmen verdienten die Vorstandsmitglieder im vergangenen Jahr 71-mal so viel. 2005 hatte dieser Wert noch bei 42 gelegen. Frank Appel, Vorstandschef der Deutschen Post, erreicht mit dem 232-fachen Jahreseinkommen den Spitzenplatz in der aktuellen Rangliste.
Quelle: ZON 11.7.2018
Du meinst netto?
Das könnte hinkommen, wenn als Basis nur die Vollzeitberufstätigen genommen wurden. Damit fallen aber ziemlich viele Menschen aus dem Vergleich schon mal raus.
Aus welchem Grund setzt du einen Faktor von 1,2 an, wozu soll das gut sein?der Median des Nettoäquivalenzeinkommens von 2016, herausgegeben von der Bundezentrale für politische Bildung:
Einkommensverteilung
Die nennt ein Einkommen von 21.275 € pro Person, also 1773 € pro Monat. Das beinhaltet aber alle möglichen Teilzeitmodelle. Ich mache jetzt mal fogende Milchmädchenrechnung auf: Wir setzen für den Vollzeitsingle den Faktor 1,2 an, das ergibt dann 2127 € pro Monat,
Warum gehst du schon wieder auf die persönliche Ebene? Also, auf gleicher Ebene geantwortet: Nein danke, ich verstehe nichts von Betriebwirtschaft, außerdem arbeite ich in einem Mangelberuf und werde gebraucht.Mein Senf zu Tönnies: Wer das unmoralisch findet, darf gerne ein Unternehmen gründen, und seinen Mitarbeitern eine Unterkunft nach eigenem Gusto anbieten.
Aber jetzt mal sachlich: Was willst du damit sagen? Dass das gerechtfertigt ist, dass einer wie C.T. sich dumm und dämlich verdient, dass das der verdiente Lohn für seine harte Arbeit ist? Er zahlt sich mit geschätzten "mehreren Millionen" im Jahr, selbst wenn wir jetzt netterweise nur 2 Millionen annehmen, das Hundertfache dessen aus, was seine Arbeiter brutto bekommen. Gerecht? Jeder der das kritisiert, soll erstmal selbst ein Unternehmen gründen?
Es gibt ja unterschiedliche Gini-Koeffizienten, z.B. auch einen, der die Einkommensverteilung abbildet. Dass der zum Vermögen je nach Berechnungsart unterschiedlich ausfällt, und dass man darüber streiten kann, was zum Vermögen dazuzählt und was nicht, ist mir klar.Moderation in der Religion, der Politik und im Glücklicher Leben.
... und seit dem 16.11. unter demselben Nick bei Be Friends Online unterwegs
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18.07.2020, 20:08Inaktiver User
AW: SPD-Reichtumsdefinition : Wie geht's den "millionaires-next-door" damit?
Nee, ich habe aber bei "Eigentum verpflichtet" nicht nur Großverdiener im Auge, sondern auch "der Oma ihr klein Häuschen"... die ist nämlich durch ihr Eigentum auch verpflichtet... und wenn es nur die Beteiligung am Straßenausbau ist, die sie mal schnell ein paar Tausender kosten kann.
Ich finde es auch nicht gerecht wenn Firmenbosse alle (legalen) Möglichkeiten ausnutzen ihre Millionen zu scheffeln... möchte aber keine "Extra-Gesetze" nur für Reiche. Wo soll das hinführen.
Mehr Steuern auf ihre Gewinne, so das sie mehr Anreiz haben in ihre Mitarbeiter zu investieren... ja, das könnte ich mir vorstellen... aber sonst... schwierig.
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18.07.2020, 20:56Inaktiver User
AW: SPD-Reichtumsdefinition : Wie geht's den "millionaires-next-door" damit?
Analuisa, du nimmst hier Tönnies als stellvertretendes Beispiel für den typischen Unternehmer. Das kommt nicht hin. Das ist so, als würde ich die, die ihre Arbeitgeber beklauen und die Ware dann verhökern, als stellvertretendes Beispiel für Arbeitnehmer hernehmen. Wir sollten schon über die Regel sprechen und nicht über die Ausnahmen.
Du führst da die Osteuropäer an, die indirekt für Tönnies arbeiten: nein, das ist nicht das typische AN/AG Verhältnis. Tönnies hat da bisher eine Lücke ausgenutzt. Werkverträge sind nicht dazu da, dass ein Tönnies die reihenweise abschließt, um damit Kernkompetenzen (!) an Drittfirmen auszulagern. Das ist einfach eine Schweinerei (pun not intended). Aber deshalb sind Werkswohnungen keine generelle Lösung. Vielleicht bei Tönnies, soll er ruhig machen, aber nicht als generelles Modell für Deutschland - siehe meine Liste oben.
Davon abgesehen fände ich es auch schade, möchte ich nochmal betonen, wenn der Run auf immer mehr Vergünstigungen bei großen Konzernen mit vielen tausend Mitarbeitern immer weiter ausgebaut würde. Der normale Handwerksbetrieb, das Familienunternehmen mit 250 Mitarbeitern, die haben da alle keine Chance. Das ist nämlich auch ein Reich/Arm Gefälle. Mich nervt das heute schon, dass die, die das Glück haben, einen Job bei einem der Top 100 Unternehmen zu bekommen, alles hinterher geworfen bekommen und andere sich selber kümmern und selber bezahlen müssen.
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18.07.2020, 21:19Inaktiver User
AW: SPD-Reichtumsdefinition : Wie geht's den "millionaires-next-door" damit?
Ist mir egal eigentlich.
Das sind Gipfelregionen und die "kleinen Leute" wollen mit ihrem Finger auf irgendwen zeigen, nur nicht auf sich selbst.
Da bieten sich Gipfelregionen hervorragend an.
"Das geht ja gar nicht!" kann man sich dann schön empören.
Wir haben es uns mehrheitlich bequem gemacht in diesem System, sind Teil davon.
Wir selbst sind die tragende Säule des Systems.
Frag mal einen Langzeitarbeitslosen. Oder eine Rentnerin, die sich bald "freuen" darf, knapp über 900 Euro Grundrente zu bekommen. Oder frag einen Obdachlosen. Frag mal einen frünberenteten chronisch Depressiven. Oder einen Empfänger von Grundsicherung, der für die Leistung sowieso erst mal "die Hosen runterlassen" muss und und und...
Was wird ihn kümmern, dass irgendein Vorstandvorsitzender, ein Manager oder Firmeninhaber vielleicht Millionen verdient.
Dass aber die allermeisten Leute, denen er im Bus, auf der Straße usw. begegnet, todunglücklich werden würden, wenn sie netto nur 1.200 Euro zur Verfügung hätten... Millionen Menschen!! Wir eben.
Das würde ihn viel mehr interessieren, denn diese Menschen sieht er, mit ihnen spricht er, er begegnet ihnen täglich.. Den Top-Manager hingegen wird er nie live zu sehen bekommen. Er ist nicht sein Problem.
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18.07.2020, 21:36


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